Ein Hoch auf das Buch!

Am 17.11.2017 ist in Österreich, wie übrigens auch in Deutschland, Vorlesetag. Ein Tag, gewidmet dem Vorlesen von Büchern für Kinder.

Der Wert des Vorlesens
Eine Studie der deutschen Stiftung Lesen zeigt, dass Eltern immer später mit dem Vorlesen beginnen und zudem dabei den Bildungsgedanken in den Vordergrund stellen.

Als jemand, die das Lesen liebt, ständig ein Buch in der Tasche hat und auch als Kind immer von Büchern umgeben war, war von Anfang an klar, dass es unseren Kindern niemals an Büchern fehlen wird. Die Auswahl an Kinderbüchern ist enorm und macht mir stets die Entscheidung schwer, wenn ich wieder einmal vor einem Regal in einem Geschäft oder der Bücherei stehe.

Lasst die Hemmungen fallen 😊
Wir haben unsere Kinder von Geburt an mit Büchern versorgt und wurden Experten für Tierstimmen oder auch Auto- und Flugzeuggeräusche. Mit der Zeit kamen immer mehr Texte zu den Bildern dazu, die von den Kindern verlangt wurden, vorgelesen zu werden. Ich finde ja immer die Bücher toll, deren Texte sich reimen, weil diese faszinierenderweise sehr schnell in den Köpfen der Kinder hängen bleiben.
Meiner Erfahrung und Beobachtung nach lieben Kinder es, wenn ihnen vorgelesen wird. Sie sind begeistert, wenn der Vorleser seine Stimme verändert und eine der Geschichte entsprechende Atmosphäre schafft. Und ich kann dazu nur sagen: Wenn wir als Erwachsene hier die Hemmungen erst einmal abgelegt haben, dann gibt es kaum etwas Erfreulicheres als diese Beschäftigung. Zudem sind Kinderbücher meist so gestaltet, dass sie auch uns Freude machen. Wenn Kinder dann auch noch mit ihren eigenen Ideen und Beobachtungen einen Beitrag leisten, dann rennen die Stunden des Tages nur so dahin.

Der Mehrwert von Büchern
In unserer Familie ist das Vorlesen von Büchern nicht nur in das Abendritual eingebunden. Wir nehmen auch ein Buch her, wenn das Wetter draußen keinen Ausflug erlaubt, wenn ein Kind krank ist oder wenn wir einfach einmal nur gemütlich auf der Couch lümmeln wollen. Stets wird diese Tätigkeit auch mit Kuscheln verbunden 😉

Noch eine kurze Anmerkung zu den Inhalten: Kinderbücher müssen nicht immer „pädagogisch wertvoll“ sein. Sie müssen Spaß machen und unterhalten. Sie sollen den Kindern die Freude am Entdecken, am Mitleben und an der Beobachtung machen. Schließlich lesen wir, also zumindest ich, auch nicht immer nur Bücher, aus denen ich unbedingt etwas lernen kann, sondern einfach um in eine andere Welt abzutauchen.

Also: Lasst uns an diesem speziellen Tag von Büchern umgeben sein, und gemeinsam mit unseren Kindern eintauchen in die spannende Welt der Buchstaben. Und dann denkt auch in den folgenden Tagen und Wochen daran: Bücher kann man nicht genug haben, egal ob gekauft, geliehen, alt oder neu! Sie fördern nicht nur die Phantasie der Kinder und der Erwachsenen, sie stärken Beziehung und Nähe – und sind damit ein kostbares und doch unaufwendiges Mittel, die Eltern-Kind-Bindung zu stärken…

„Ich hätte meinem Kind doch so gerne eine ‚richtige‘ Familie geboten …“

Kürzlich durfte ich für die Zeitschrift „Familie“ des Vorarlberger Familienverbandes einen Beitrag im Namen des Ehe- und Familienzentrums schreiben. Diesen möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten:

Gesamter Beitrag

Viel Spaß beim Lesen!

#Motherhood is hard! – Kommentar

Kennt ihr dieses Video? Tova Leigh schildert darin in ihrer überspitzten, unnachahmlichen Art die viel zu hohen Anforderungen an Mütter. Das Video ging viral und taucht überall auf Facebook auf. Gefunden habe ich es auch auf http://www.bunte.de

Sie beginnt damit, dass man als Eltern heute immer mehr vermittelt bekommt, dass es nicht mehr ausreicht, seine Kinder „NUR“ zu lieben, sie zu versorgen und zu pflegen. In Folge zählt sie alle möglichen und unmöglichen Dinge auf, die verlangt werden. Wir haben darüber ja vor einiger Zeit schon im Beitrag über den Film „Bad Moms“ hier auf meinem Blog diskutiert. Und wenn man die Resonanz auf den angeführten Link sieht, dann ist wieder zu erkennen, wie sehr es Mütter und wahrscheinlich auch Väter beschäftigt.

Es gibt vor allem zwei Punkte, die Tova Leigh anführt, die mich beschäftigen:

  1. Eine gefestigte, liebevolle Eltern-Kind-Beziehung ist und bleibt die Grundvoraussetzung für Entwicklung. Manchmal gelingt das leichter und in Krisensituationen etwas schwerer. Aber die positive, unterstützende Grundeinstellung zu seinem Kind sollte immer bestehen bleiben und für das Kind spürbar sein. So kann es sich gut entwickeln und auch ausprobieren. Denn es weiß, dass die Beziehung bestehen bleibt.
  2. Der zweite Punkt, ist die Aussage, dass Mütter von Geburt an wissen müssen, was zu tun ist. Dies finde ich eine der schwierigsten Herausforderungen, die die Gesellschaft stellt. In jedem anderen Beruf bekommt man eine Eingewöhnungsphase, man kann lernen und sich Zeit lassen. Nicht so, wenn man ein Kind bekommt. Natürlich ist es keine Frage, dass ein Kind von Anfang an umsorgt werden muss, da es zunächst völlig hilflos auf die Welt kommt. Jedoch sollte auch Eltern zugestanden werden, dass sie sich an ihre neue Rolle zunächst ein wenig herantasten müssen. Und das am besten noch ohne schiefe Blicke oder Besser-Wisser-Sprüche von anderen.

Versuch und Irrtum – auch in der Erziehung
Ich denke, dass es von großer Wichtigkeit wäre, den Druck aus der Erziehung wieder herauszunehmen. Sie ist ein Prozess, der manchmal besser und manchmal nicht so gut verläuft. Und nicht jeder Fehler, den man macht, hat gleich gravierende Auswirkungen auf die Entwicklung eines Kindes. Wenn das Grundgerüst zwischen Eltern und Kind passt und in guten wie in schlechten Zeiten stabil bleibt – wenn vielleicht manchmal auch ein wenig eingebeult – dann kann das Kind wachsen und sich zu einer eigenständigen Persönlichkeit entwickeln.

Was meint ihr?

 

 

Bad Moms?

Vor ein paar Tagen habe ich mir den Film „Bad Moms“ mit Mila Kunis angesehen. Doch keine Sorge: Es folgt jetzt keine Rezension zu diesem Film, ob er gut oder schlecht war. Ich möchte vielmehr das zentrale Zitat aus dem Film aufgreifen, das von der Hauptfigur wie folgt ausgedrückt wird: „Ich bin es so leid zu versuchen, die perfekte Mutter zu sein… Ich geb’s auf.“

Die steigende Zahl der Ansprüche
Der Film spielt in Hollywood-Manier mit dem heute so weit verbreiteten Anspruch, dass Mütter alles unter einen Hut bringen können – und das Wichtigste: Sie sehen dabei immer gut aus! Mütter kümmern sich um die Kinder, den Haushalt, gehen Arbeiten – sie managen das Familienleben, und zwar mit Links. Sie müssen kreativ sein, nähen können, stricken, malen, kochen, Gartenarbeit leisten und vieles mehr. Es wird erwartet, dass sie sich in der Spielgruppe/im Kindergarten/in der Schule engagieren. Sonst werden sie als Rabenmütter abgestempelt, bei denen die Kinder nicht den adäquaten Stellenwert haben. Am Arbeitsplatz wird erwartet, dass Sondertermine kein Problem sind, denn schließlich wollten sie ja wieder auf den Arbeitsmarkt zurück. Und diese Erwartungen gibt es auf der einen Seite von der Gesellschaft und auf der anderen Seite scheint es so, dass mit der Geburt eines Kindes Mütter diesen Anspruch an sich selber – scheinbar Natur gegeben – mitbekommen. Der Anspruch der Mütter an sich selber ist ebenso, alles perfekt zu machen, allen gerecht zu werden und nur ja keine Schwäche zu zeigen.

Übertragung – Gegenübertragung
Eine große Gefahr neben dem Vergessen des eigenen Wohlbefindens ist jedoch das Übertragen der hohen Ansprüche auf das Umfeld. Neben dem Partner sind es dann ganz schnell die Kinder, die das zu spüren bekommen. Es geht dabei nicht nur um die Leistungen in der Schule, die passen müssen. Es ist dann auch zentral, dass sämtliche Freizeitaktivitäten, zu denen sie natürlich von der Mutter gebracht werden, einen Sinn, einen Nutzen haben.

Was am Ende zählt
Wenn ich diese Zeilen noch einmal lese und nachfühle, was sie in mir bewirken, dann spüre ich nur Stress, nur Druck – keine Freude und vor allem: keine Beziehung. Ich komme auch bei diesem Thema nicht am Kern meiner Grundregel für Erziehung vorbei: Es steht nicht so sehr im Vordergrund, was wir als Eltern alles tun und leisten, sondern wie wir die Beziehung zu unseren Kindern gestalten. Und es ist nicht so zentral, ob der Geburtstagskuchen wirklich exakt wie ein Piratenschiff aussieht (wohl eher ein Eisberg 😉), sondern das Herz und die Liebe zum Kind, die darin stecken.

Und das gemeinsame Aufessen und Feiern übertrumpft die Optik schlussendlich sowieso!

„Müsle gang ga schlofa“ (Mäuschen geh schlafen)

PianoPapa Markus Sosnowski hat zu einer Blog-Parade zum Thema „Einschlafrituale“ aufgerufen. Und anlässlich des gestrigen Weltschlaftages möchte ich meine Überlegungen dazu mit euch teilen. Dieser wurde übrigens vor neun Jahren vom Weltverband für Schlafmedizin ins Leben gerufen. Er soll uns an die Vorteile eines guten und gesunden Schlafes erinnern.

Individualität
Einschlafrituale sind so individuell wie jede Familie, gar wie jedes Kind selber. Manche Kinder möchten abends noch eine Geschichte hören. Andere Kinder wiederum finden ihre Ruhe in Schlafliedern. Die Gestaltung eines Einschlafrituals ist ein sehr wichtiges und doch sensibles Thema. Denn alle Familienmitglieder sind müde. Die Kinder sollten eigentlich bald schlafen gehen, die Eltern freuen sich noch auf ein paar Stunden Zweisamkeit. Doch meistens dauert alles länger als ursprünglich geplant. Wenn Eltern sich dann auch noch zu ihren Kindern legen, kann es passieren, dass sie noch vor ihrem Nachwuchs einschlafen.

Noch einmal einen Schub Energie
Ein ruhig verlaufendes Ritual am Abend ist für Kinder wichtig. Dabei liegt die Betonung auch auf Ritual, denn tatsächlich ist es der sich stetig wiederholende Rhythmus, der nach außen hin zwar langweilig wirken mag, aber Kindern Ruhe vermittelt. Kinder genießen das Kuscheln am Abend noch einmal mehr. Sie brauchen die Nähe zu ihrer Bezugsperson und das Erleben von Sicherheit, um sich dem Schlaf hingeben zu können.

Das Phänomen der vielen Fragen am Abend
Oft wollen die Kinder besonders am Abend noch viele Fragen beantwortet bekommen oder Geschichten von ihrem Tag erzählen. Ihr Gehirn scheint keine Ruhe zu finden. Umso wichtiger ist es, dass Eltern sich ein für ihr Kind adäquates Ritual aussuchen. Es soll dabei nicht zu lange werden, sondern einen angenehmen Abschluss darstellen.

Als unsere Kinder kleiner waren, war das Vorsingen am Abend ganz wichtig. Dabei kam es vor, dass manche Lieder – sowohl bekannte, als auch neu erfundene – mehrere Male durchgesungen werden mussten. Besonders beliebt waren dabei „Müsle gang ga schlofa“, „Der Mond ist aufgegangen“ oder auch „Schlaf Kindlein schlaf“.

Momentan lieben unsere Kinder aber auch das Hören von Geschichten – dabei wieder bestehende oder neu ausgedachte Geschichten. Sie lieben besonders folgende Bücher: „Das große Gähnen“, „Wie kleine Tiere schlafen gehen“, „Wenn im Dunkeln Sternlein funkeln“ oder „Ins Bett gesteckt und zugedeckt“. Besondere Begeisterung rufen aber auch die vom Papa selber ausgedachten Geschichten über den kleinen Bär Muck hervor – und das sowohl bei Klein als auch Groß!

Diskussion zu „Wieviel Gefühl ist erlaubt“

Aus meinem letzten Blog-Beitrag „Wieviel Gefühl ist erlaubt“ ist eine Diskussion entstanden, an der ich euch gerne teilhaben lassen möchte.
Eine Mutter hat mich auf den letzten Satz in meinem Beitrag angesprochen: Und Kinder wollen in einem zu Hause aufwachsen, in dem laut gelacht wird, in dem bei einer gruseligen Geschichte alle große Augen bekommen oder in dem bei einem traurigen Anlass auch Tränen erlaubt sind.“
Als sie ihn gelesen hat, hat sie sich die Frage gestellt, was ist, wenn Eltern nicht gelernt haben, ihre Gefühle zu zeigen oder wenn sie einfach nicht der Typ sind, zum Beispiel laut zu lachen. Werden die Eltern dann nicht mit meiner Aussage unter Druck gesetzt?
Es ist ja tatsächlich so, dass Menschen sehr unterschiedlich im Ausleben ihrer Gefühle sind. Und diese können und sollen nur authentisch gelebt werden.

Wir haben dann vor allem zwei Aspekte diskutiert:
1. Das gemeinsame Lachen
Eigentlich geht es bei Gefühlen weniger darum, den Kindern etwas vorzuleben. Es steht vielmehr im Vordergrund, gemeinsam etwas zu erleben. Gemeinsam über eine lustige Geschichte zu lachen oder sich gemeinsam zu gruseln.

2. Kinder als Vorbilder
Und zudem: Können wir als Erwachsene nicht auch von unseren Kindern lernen, mit Gefühlen umzugehen? Vor allem kleine Kinder zensieren sich nicht. Wenn sie traurig sind, dann weinen sie. Wenn sie wütend sind, dann drücken sie das auf eine sehr direkte Art aus. Und wenn sie etwas lustig finden, dann lachen Kinder ein befreites, herzhaftes und meist ansteckendes Lachen.

Als wir darüber gesprochen haben, ist mir ein Erlebnis eingefallen.
Als ich vor Kurzem spazieren war, habe ich eine Mutter mit ihren Kindern beobachtet. Und diese Kinder haben lauthals gesungen. Man sah ihnen die Freude daran richtig an.
Und allen, die an dieser singenden Gruppe vorbeigegangen sind, zauberte es ein Lächeln aufs Gesicht. Ich selber musste auch Lächeln und dachte mir gleichzeitig: Manchmal könnten wir Erwachsene von Kindern wirklich etwas lernen: Diese Freiheit zu tun, was ich empfinde. Denn was Kinder wirklich immer sind, ist ehrlich. Sie lachen, wenn sie Freude empfinden. Aber sie lassen sich auch kein Lachen aufzwingen, wenn sie etwas nicht lustig finden. Und so sollte es bei allen Menschen sein: Gefühle ausdrücken, die ich empfinde, auf eine Art und Weise, die mir selber entspricht.