Wie kann ich mich auf die Pubertät meines Kindes vorbereiten?

Ein weiteres spannendes Thema möchte ich euch vorstellen, das ich in einem Interview für die Homepage „Familienberatung Österreich“ diskutieren durfte.

Den ganzen Artikel findet ihr hier.

Artikel: Dänische Kinder sind glücklicher – das machen ihre Eltern anders

Auf focus.de erschien am Mittwoch, 10.07.2019, ein Artikel über eine Studie, die sich mit der Frage beschäftigt, warum dänische Kinder glücklicher sind, als viele andere. Ich finde die Erkenntnisse wunderbar, unterstützen sie doch stark den Weg, den wir hier immer wieder andiskutieren.
Eine Hauptphilosophie dabei ist, dass dänische Eltern Druck für den falschen Weg halten. Sie möchten sich nicht auf Leistung bei Kindern konzentrieren, sondern auf Autonomie, Zusammenhalt und vor allem auch Selbstwertgefühl

Mit drei zentralen Punkten versuchen sie, dieses Ziel zu erreichen:

  1. Sie wissen, wie wichtig das freie Spiel für Kinder ist und fördern es.
  2. Sie wissen, wie sie ein Kind loben sollen, damit es Selbstvertrauen entwickelt.
  3. Sie bleiben locker.

Ich hänge euch hier den Link zum gesamten Artikel an. Ich finde ihn wirklich toll zu lesen und vor allem auch sehr motivierend! Viel Spaß!

Die verlorene Individualität

In meinem Beitrag in der aktuellen Kirchenzeitung habe ich mich mit einem Thema beschäftigt, das uns als Eltern immer wieder begegnet: dem Druck von außen.

Den ganzen Text könnt ihr hier nachlesen.

Wieviel Härte ist erlaubt?

Anlässlich eines Artikels in der Zeitschrift „Falter“ über – juristisch noch nicht belegte – Vorgänge in der Ballettschule der Wiener Staatsoper, wird in der Öffentlichkeit die Frage diskutiert, wieviel Härte im Bereich Höchsleistungssport oder auch der Musik gegenüber Kindern und Jugendlichen erlaubt ist.

Ich bin sehr entsetzt darüber, dass hier tatsächlich eine Diskussion in diese Richtung entsteht, denn dann müssen wir uns doch fragen: „Heiligt der Zweck tatsächlich die Mittel?“ Schließlich sind wir – zum Glück – inzwischen so weit, dass die Gesellschaft sehr sensibilisiert ist hinsichtlich psychischer, physischer und sexueller Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen. Es gibt sogar Gesetze, die diese Verhaltensweisen unter Strafe stellen. Wird eine solches Verhalten richtiger, weil ein Ziel in einem bestimmten Bereich erreicht werden soll?

Niemals demütigen
Niemals dürfen Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene gedemütigt oder erniedrigt werden. Niemals dürfen sie in ihrer Persönlichkeit angegriffen und verurteilt werden. Ganz egal, hinter welcher „nur gut gemeinten“ Motivation dieses Verhalten verschleiert wird. Es ist und bleibt Gewalt!

Um Ziele im Leben zu erreichen, braucht es Motivation und es braucht Durchhaltevermögen. Das ist unbestritten. Ein Kind profitiert nicht davon, wenn ich ihm nie die Wahrheit sage. So ist es zum Beispiel auch nicht sinnvoll, beim Spielen mit Kindern die Kinder ständig gewinnen zu lassen. Natürlich werde ich mich ein wenig zurückhalten, denn es liegt ja in der Natur der Dinge, dass Erwachsene Kindern in gewissen Dingen überlegen sind – wobei ich übrigens mit Erschrecken feststelle, dass meine Kinder mich tatsächlich im UNO und im Memory ständig besiegen 😉 Oder es ist auch nicht hilfreich, wenn ein Kind mir einen Zettel mit einer an sich tollen Zeichnung zeigt, auf der aber sämtliche Zahlen und Buchstaben falsch geschrieben sind. Dann werde ich es aber nicht auslachen, es nicht erniedrigen, dass es das falsch gemacht hat. Ich werde es loben für seine Idee der Zeichnung, auch für die Ausführung des Malens, aber ich werde es durchaus darauf hinweisen, dass die Zahlen nicht stimmen.

Ein Widerspruch in sich
Es ist doch unsere Aufgabe, Kinder zu motivieren, sie zu unterstützen. Aber nicht ihnen Dinge mit Gewalt aufzudrängen. Ein Wort, das ich in einer Diskussion zu diesem Thema gehört habe und das mich erschreckt hat, ist „positiver Drill“. Ist das nicht ein Widerspruch in sich? Drill bedeutet Druck, bedeutet Angst, bedeutet, seine eigenen Grenzen nicht respektieren zu dürfen. Menschen, die diese Richtung vertreten, sprechen sehr schnell davon, dass das Kind doch nicht davon profitiert, wenn es „verhätschelt“ wird.

Gegenfrage: Was macht es mit unseren Kindern, unseren Jugendlichen, wenn sie gedemütigt werden? Wenn sie nur das Gefühl haben, nicht zu genügen? Die Schäden, die damit verursacht werden, stehen in keinerlei Verhältnis zu dem angeblichen Wert von ersten Plätzen oder Medaillen.

Grenzen respektieren
Es steht doch auch in diesem Bereich die Beziehung zum Kind und Jugendlichen im Vordergrund. Wenn diese gut ist und der Trainer/die Trainerin oder der Lehrer/die Lehrerin sich mit dem Gegenüber auseinandersetzt, werden sicher Ansatzpunkte gefunden, die helfen, einmal ein Motivationstief zu überwinden, ohne aber das Persönlichkeitsrecht zu überwinden. Die Grenzen eines anderen Menschen müssen immer respektiert werden!

P.S.: Erinnert ihr euch an die Pixar-Geschichte „Monster AG“? In dem Film ging es darum, dass Monster in einem Monster E-Werk Energie dadurch erzeugen, dass Sie Nacht für Nacht Kinder in ihren Zimmern erschrecken. Aus der Angst der Kinder speist sich der Energievorrat. Am Ende des Films erkennen die Monster, dass es wesentlich effizienter ist und tausendmal mehr Energie gibt, wenn sie Kinder zum Lachen bringen. Darüber sollte man einmal nachdenken, meine ich 😉

Die verlorene Normalität des Essens

In meinem letzten Beitrag habe ich mich mit dem Thema „Essen“ beschäftigt und dabei einen speziellen Aspekt beleuchtet. Ich merke jedoch, dass mich dieses Thema noch in einer anderen Hinsicht nicht wirklich loslässt, die ich heute mit euch kurz andenken möchte.

Welchen Weg wählst du?
Hinsichtlich Essverhalten gibt es viele verschiedene Philosophien. Da gibt es jene, die Nahrungsmittel mit Punkten versehen und dann nur eine gewisse Menge davon essen dürfen. Es gibt jene, die nur zu bestimmten Tageszeiten essen. Natürlich gibt es auch Bewegungen, die ganz bestimmte Nahrungsmittel völlig aus ihrem Plan streichen. Die Vielfalt ist riesig. Doch eine Richtung fehlt mir: Die Normalität und Ungezwungenheit.

Wie normal isst du?
Immer wieder stelle ich mir die Frage, wann „Essen“ den Kreislauf des Normalen verlassen hat. Eigentlich wird es von unserer Gesellschaft häufig als etwas Negatives, etwas Bedrohliches beschrieben, das uns und unserer Gesundheit ausschließlich schadet.
Natürlich wollen auch wir unseren Kindern gesundes Essen nahebringen, sie lehren, welche Lebensmittel für unseren Körper gut sind und welche nicht. Doch wollen wir ihnen auch die Vielfalt zeigen und sie darin bestärken, Dinge auszuprobieren und zu genießen. Kurz gesagt: Sich ausgewogen zu ernähren.
Diese eigentlich große Aufgabe im Bereich der Erziehung wird häufig unterschätzt und wenig wertgeschätzt. Denn es grenzt aus meiner Sicht beinahe an eine künstlerische Fähigkeit, Kindern jeden Tag – dann ja auch drei Mal am Tag – ein Essen auf den Tisch zu stellen, das schmeckt, gesund ist und Freude bereitet.

Welche Zutat steht zur Wahl?
Hin und wieder verfolge ich ganz gerne Kochsendungen und bin dann überrascht darüber, welche Art des Essens da gezeigt wird. Da werden Soßen mit ordentlich Butter oder Sahne „verfeinert“. Jedes Gebäck, jeder Kuchen wird, wenn nur irgendwie möglich, mit Schlagrahm gemacht. Die Köche und Patissiers preisen sich mit ihren Rezepten. Demgegenüber sage ich mir, dass ich es nicht verantworten könnte, meiner Familie und auch mir jeden Tag ein solches Essen auf den Tisch zu stellen. Denn bei genauerem Hinsehen ist zu erkennen, dass es eigentlich genau das Gegenteil von gesundem Essen ist.

Welcher Zugang ist richtig?
Natürlich ist auch für mich wichtig, dass Kinder sich gesund ernähren. Aber sind wir doch ehrlich: In dem Luxus, den wir an Vielfalt haben, ist das nicht so schwierig. Und wir können Kinder auch hier bei ihrer Neugierde und zunächst Unvoreingenommenheit packen und gemeinsam mit ihnen neue Zutaten und Kreationen entdecken – dadurch, dass sie die Erwachsenen in der Küche und beim Einkaufen beobachten oder noch besser, einfach auch mitmachen.

Wenn zwei sich streiten

Wir haben hier auf dem Blog ja auch bereits verschiedene Aspekte zum Thema „Streit“ diskutiert wie zum Beispiel in „Was tun, wenn der Streit zu eskalieren droht?“ oder „Wenn nur eine Sache interessant ist…“. Letzthin habe ich während einer Autofahrt eine Diskussion darüber gehört, ob Eltern sich bei Geschwisterstreitigkeiten einmischen sollen oder nicht.

Alle Eltern kennen das: die Kinder spielen friedlich gemeinsam und innerhalb von Sekunden kippt die Stimmung und ein Streit entsteht. Sind wir als Eltern in der Nähe, entsteht oft ein innerer Impuls, zu den beiden Streithähnen hinzueilen und sich einzumischen.

Eingriff bei Schlagen, Beißen, Spucken
Bevor wir das tun, sollten wirr aber kurz innehalten und uns fragen, ob es wirklich günstig ist, in die Situation einzugreifen: Natürlich werden wir sofort reagieren, wenn es zu körperlichen Übergriffen kommt wie Schlagen, Beißen, Zwicken, Spucken oder ähnliches. Ist dies nicht der Fall, sollten wir uns überlegen, ob wir wirklich den Inhalt des Streites kennen. Oft ist es ja so, dass wir den Auslöser eigentlich gar nicht richtig mitbekommen haben und damit auch nicht wissen, wer eigentlich Recht und wer Unrecht hat. Werden dann die Kinder gefragt, erhält man ziemlich sicher zwei verschiedene Antworten 😉
Manchmal ist es auch so, dass wir automatisch davon ausgehen, dass das ältere Kind dem jüngeren etwas zuleide getan hat. Da setzt sich im ersten Impuls der Beschützerinstinkt durch.

Zurück zur Radiodiskussion
Ich denke, diese Frage kann somit mit „nein“ beantwortet werden. Eltern sollten sich nicht automatisch in Streitereien zwischen Kindern einmischen. Denn wie sollen Kinder lernen,  Diskussionen und Streitigkeiten konstruktiv auszutragen, wenn sofort ein Erwachsener sich einmischt und den Schiedsrichter spielt.

Eigene Erfahrung 😉
Nun sind wir aber hier auf diesem Blog ja ehrlich miteinander und gestehen uns die auch immer wieder erlebte Differenz zwischen Theorie und Praxis ein. Denn es ist nicht immer einfach, den Streitereien zwischen den Kindern teilnahmslos zuzuhören, sei es auf Grund der Lautstärke, der Wortwahl oder weil wir einfach die Angst haben, dass es doch eskalieren könnte.
Natürlich „passiert“ es auch mir ab und zu, dass ich mich einmische, das aber auch gleich bereue. Die absolut beste Reaktion, die ich bei meinen Kindern dann beobachte, ist nämlich, dass sie mich anschauen, dann sich gegenseitig anschauen und in diesem Blick nonverbal beschließen, dass die Auseinandersetzung zwischen ihnen abrupt endet und ich nun ihr gemeinsamer Gegner bin. Der Streit ist aus dem Gedächtnis gelöscht. Sie nehmen sich solidarisch an der Hand und verlassen das „feindliche“ Umfeld 😉

Die vielen Gesichter der Erziehung

In den Vorarlberger Nachrichten vom 21.4.2018 hat sich der sehr bekannte Vorarlberger Gerichtspsychiater Dr. Reinhard Haller in einem Interview zum Thema Erziehung geäußert. Da ich einige Aspekte darin sehr interessant finde und sie auch unsere Ansichten, die wir hier auf dem Blog immer wieder besprechen, spiegeln, möchte ich diese Gedanken mit euch teilen.

Die drei großen Z
Dr. Haller beschreibt vor allem drei Dinge, die in der Erziehung von Kindern aus seiner Sicht eine große Rolle spielen: Zuwendung, Zärtlichkeit und Zeit.
Oft ist zu beobachten, dass der Kontakt zwischen Eltern und ihren Kindern nur nebenbei passiert. Da gibt es keine wirkliche Begegnung, sondern Dinge werden schnell erledigt. Dabei ist es für das Selbstwertgefühl eines Kindes von großer Bedeutung, dass Erwachsene sich ihnen wirklich zuwenden, beginnend schon bei der Körperhaltung, dass wir zum Beispiel in die Knie gehen oder ihnen auch in die Augen schauen. Das braucht natürlich Zeit und ein Wollen seitens des Erwachsenen. Auch den letzten Punkt, den Dr. Haller anführt, haben wir immer wieder besprochen: Wir können unseren Kindern nicht genug Zärtlichkeit schenken – wenn sie sie wollen. Egal was passiert, müssen sie stets das Gefühl haben, geliebt zu werden. Auch hier heißt es natürlich nachzufühlen, ob ein Kind in einem Alter oder in einer Phase ist, in der es diesen körperlichen Austausch nicht mehr möchte.

Die Fähigkeiten erkennen
Auch zu diesem Punkt haben wir uns bereits Gedanken gemacht, ist aber in seiner Wichtigkeit nicht genug zu betonen. Wir sollten als Eltern immer wieder sensibel versuchen, die Fähigkeiten unseres Kindes zu erkennen. Wie ich im Artikel „Wicki und sein Potenzial“ diskutiert habe, ist es dabei wichtig, dass es nicht um meine Ansichten als Eltern geht, was mein Kind tun sollte, sondern was es interessiert, wo es seine Potenziale und Interessen sieht. Dann ist es wiederum meine Aufgabe, Möglichkeiten zu schaffen, sodass das Kind seine Fähigkeiten ausschöpfen kann.

Die Gratwanderung
Manchmal kann man es als Eltern noch so gut meinen, und doch in den Augen des Kindes daneben liegen. Oder ein eingeschlagener Weg, eine Entscheidung, stellt sich später als nicht optimal dar. Und doch müssen wir als Eltern Entscheidungen treffen. Sollten wir einmal nicht ganz richtig entschieden haben, dürfen wir aber auch nicht zu streng mit uns sein. Kinder und ihre Entwicklung verzeihen diese, wenn wir sie mit besten Wissen und Gewissen getroffen haben.

Im Zentrum das Gefühl
Schließlich der für mich über allem stehende Aspekt: Das Gefühl! Wir sollten uns als Eltern immer wieder zurück auf unser Gefühl bei der Erziehung besinnen und darauf vertrauen, dass dieses uns alle gut durch diese Zeit führen wird!