Lasst uns ehrlich sein!

Habt ihr manchmal auch das Gefühl, die einzigen Eltern zu sein, die mit dem einen bestimmten Problem konfrontiert sind? Sodass niemand anderer nachvollziehen kann, wie es euch geht?

Schwäche unerwünscht!
Es ist ja bekannt, dass wir Menschen nicht gerne über Probleme oder gar über unser Scheitern sprechen. So geht es uns auch als Eltern: Wir wollen nicht zugeben, dass wir bei einem gewissen Punkt am Ende unserer Weisheit sind – dass unser Kind halt nicht immer genau das tut, was wir möchten, sondern sich doch tatsächlich erlaubt, eine eigenständige Persönlichkeit, mit einem eigenen Willen, zu werden.

Natürliche Grenzen
Natürlich gibt es Zeiten, da funktioniert die Eltern-Kind-Interaktion nicht reibungslos. Da kommt es – gefühlt, egal weswegen – zu einer Eskalation. Bei Eltern entsteht dann der Eindruck, der/die einzige auf der Welt zu sein, der/die eine solche Phase – denn im Nachhinein zeigt sich, dass es nur eine Phase war – durchtauchen muss.

Zum Beispiel, wenn man am Morgen das Zimmer des Kindes betritt und nicht weiß, ob man ein freundliches „Guten Morgen!“ oder doch nur ein gebrummtes „Raus!“ zu hören bekommt.
Oder das Gefühl, dass nur das eigene Kind verstummt, sobald es auf andere Menschen trifft, die es freundlich ansprechen. Verschwindet dieser andere Erwachsene aus seinem Blickfeld, plaudert es wieder los, als würde es nichts lieber tun.
Oder wenn sich ein Kind wie aus dem Nichts weigert, beim Fußballtraining zu bleiben, obwohl es noch zwei Tage davor freudestrahlend dabei war. Jetzt klammert es sich nur noch weinend an das Bein des Elternteils, ohne dass jemand eine Erklärung für diese Veränderung hat.

Jetzt aber mal ehrlich!
Ich möchte mit meinem heutigen Beitrag einen kleinen Aufruf an uns Eltern machen:
Geben wir es doch zu: Das Eltern-Sein ist nicht immer einfach! Es gibt schwierige Zeiten, in denen wir völlig ratlos am Abend auf der Couch sitzen und uns fragen, wie das heute ein solch katastrophaler Tag werden konnte. Das bedeutet nicht, dass wir schlechte Eltern sind. Vielmehr zeigt das doch, dass wir, aber auch unsere Kinder, auch nur Menschen sind.
Anstatt dass wir gegenseitig versuchen, uns als Eltern zu übertrumpfen und uns damit noch mehr unter Druck setzen, lasst uns doch ehrlich zueinander sein, und uns dadurch gegenseitig unterstützen, indem wir voneinander auch aus schlechteren Zeiten lernen. Das hilft gegen das Gefühl der Einsamkeit, das Gefühl, die Einzige zu sein, die die nicht alles im Griff hat. Gleichzeitig hilft uns das Gemeinschaftsgefühl, für den nächsten Tag wieder Kraft zu tanken und uns wieder dieser spannenden und herausfordernden Tätigkeit zu widmen.

Erziehung zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Regelmäßige Fortbildungen sind für mich sehr wichtig, sowohl als Psychologin als auch als Mutter. Sie helfen mir mein Fachwissen aufzufrischen und zu aktualisieren und damit für meine Klienten und Klientinnen ein kompetentes Gegenüber zu sein. Je nach Thema sind sie jedoch auch für mein Leben als Mutter von großer Bedeutung.

Feinfühligkeit ist wichtig
Am vergangenen Wochenende habe ich einen Kongress zum Thema „Bindung und Persönlichkeit bei Kindern und Jugendlichen“ besucht. Wie ihr schon beobachten konntet, ein Thema, das mich aktuell sehr intensiv begleitet.

Eine der Referentinnen hat in ihrem Vortrag unter anderem wieder darüber gesprochen, dass die elterliche Feinfühligkeit für die Entwicklung einer sicheren Bindung von großer Bedeutung ist. Auch wir haben auf meinem Blog schon darüber diskutiert. Gleichzeitig habe ich aber auch gemerkt, dass hinter dieser Aussage schon ein ungeheurer Druck auf uns als Eltern lastet.

Nicht immer klappt alles
Denn kennt ihr das auch? Ihr habt so eure Werte im Kopf, eure Leitsätze und Vorhaben, wie ihr mit euren Kindern umgehen und sie begleiten möchtet. Dann blickt ihr am Ende eines Tages jedoch auf die letzten Stunden zurück und erkennt, dass ihr nicht in jeder – meist sind es die konflikthaften – Situation so reagiert habt, wie ihr euch das in der Theorie gewünscht habt. Manchmal wurdet ihr vielleicht lauter, als ihr euch das vorstellt, oder manchmal habt ihr auch nicht in der Geschwindigkeit auf die Bedürfnisse eures Kindes reagiert, wie es euer eigener Anspruch an euch verlangt.

„Reparierende Feinfühligkeit“
Für mich ist das immer wieder ein Knackpunkt: Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis und die Erlaubnis, dass es Zeiten gibt, in denen hier eben ein Unterschied besteht und bestehen darf. Nicht jeder Tag ist gleich. Nicht immer haben wir als Eltern die gleichen Kräfte, die gleichen Nerven. Es gibt so viele verschiedene Faktoren, die mitspielen und mitbeeinflussen, dass wir nicht immer optimal reagieren können. Aber wir reagieren so, wie es in diesem Moment eben möglich ist.

Die oben angeführte Referentin hat in ihrem Vortrag dann noch einen erleichternden Zusatz gemacht, den ich auch euch gerne auf den Weg mitgeben möchte. Sie meinte nämlich eben auch, dass ein Tag aus Aufs und Abs besteht und dass wir nicht immer vollkommen feinfühlig reagieren können. Sie meint, dass sowohl die sehr hohe als auch die sehr niedere Feinfühligkeit für die Einwicklung kontraproduktiv sind. Vielmehr betont sie die Wichtigkeit einer „reparierenden Feinfühligkeit“: Wenn es in der Beziehung zum Kind zu Missverständnissen gekommen ist oder auch die Kommunikation nicht optimal war, dann ist Feinfühligkeit der Eltern wichtig.

Das ist befreiend
Genau darum finde ich Fortbildungen für mich so wichtig: Sie helfen mir, meinen eigenen Alltag als Mutter und als Fachperson in einem neuen Licht zu betrachten und stets in Bewegung zu bleiben. Sie befreien mich manchmal auch von selbstauferlegten Druck oder dem Anspruch von Perfektion.

Zudem ermöglichen sie mir, dieses Wissen mit euch zu teilen ;-).

Termine, Termine, Termine…

Ist es nur ein Leben, wenn der Terminkalender fast übergeht?

 

Das Thema des vollen Terminkalenders in Familien begegnet mir fast täglich – nicht nur privat, sondern auch in der Arbeit. Ein Treffen oder einen nächsten Beratungstermin zu vereinbaren scheint schier unmöglich, so durchgeplant ist das Leben der Eltern und der Kinder. Und immer wieder frage ich mich: Muss das so sein? Bin ich eine Rabenmutter, wenn mein Kind nicht jeden Nachmittag nach dem Kindergarten verplant ist, mit Schwimmkurs, Schikurs, Musikschule, Eltern-Kind-Turnen oder ähnlichem?

Luxus vs. Druck
Versteht mich bitte richtig: Ich empfinde es als Luxus, dass wir in einem Land leben, in dem sich so viele Menschen für Kinder engagieren und schauen, dass es ein vielfältiges Angebot für ihre Freizeit gibt. Es beeindruckt mich auch, wie phantasievoll viele Erwachsene sind. Gleichzeitig spüre ich als Mutter aber auch Druck. Was ist, wenn ich mein Kind nicht jedes dieser Angebote in Anspruch nehmen lasse. Das kann verschiedene Gründe haben. Diese Dinge kosten natürlich Geld, manchmal sogar viel Geld. Dann kosten sie auch Zeit. Zeit, die ich vielleicht lieber so mit meinem Kind verbringen oder einfach auch für mich selber zur Verfügung haben möchte. Vielleicht möchte ich einfach nicht neben der Arbeit und dem Haushalt die Kinder von Termin zu Termin fahren müssen.

Immer schneller, immer jünger
Vielleicht habe ich aber einfach auch das Gefühl, dass die Kinder immer noch jünger immer noch mehr bereits können müssen. Wenn sie in die Volksschule kommen, sollten sie schon schreiben und lesen, wenn nicht gar rechnen, können. Sie sollten mindestens ein Musikinstrument beherrschen und in mindestens einem Verein bereits im Kader sein und Turniere spielen. Schwimmkurse sollten schon mit spätestens vier Jahren besucht werden, obwohl sogar Schwimmlehrer sagen, dass es vor 5/6 Jahren überhaupt keinen Sinn macht und auch dann noch früh ist. Muss ein Kind auch wirklich schon im Alter von 4 Jahren richtig Schifahren können?

Ein Hoch auf die Phantasie!
Wenn ich wieder höre, wie verplant Kinder bereits in jungen Jahren sind, steht die Frage ich Raum: Wo bleibt Zeit für das freie Spiel? Wo bleibt die Möglichkeit, aber auch die Herausforderung für die Kinder, selber aus Gegebenem etwas zu entwickeln, ohne dass alles vorgegeben wird? Wie vor einiger Zeit in meinem Blog-Text „Kein Plan? Gut so!“ beschrieben, zeigt auch die Wissenschaft, wie wichtig es ist, dass die kindliche Phantasie gefördert wird. Zudem darf nicht alles, was Kinder tun, nur auf Leistung und auf Druck aufbauen. Einen Nachmittag lang im Spiel das Haus auf den Kopf stellen, ist für die Entwicklung oft wertvoller als ein vier Tage dauernder Wunder-Schikurs.

Außerdem ist das wärmende Gefühl, wenn ich dann in den Kinderzimmern den Raben mit einem Buch auf dem Stuhl sitzen sehe oder die Teddybären, die mit dem Steak aus der Kinderküche gefüttert werden, unbezahlbar!

Hatschi! Wenn die Schnupfnase und der Frosch im Hals Einzug halten…

Vielleicht geht es euch dieser Tage so wie uns: Mindestens ein Familienmitglied wird von Husten, Schnupfen oder gar Ärgerem geplagt.

Das Ping-Pong-Spiel mit den Viren
Wir stecken seit Wochen in diesem Kreislauf und haben das Gefühl, mit einem Infekt, der im September bei uns Einzug gehalten hat, Ping-Pong zu spielen. Wenn der eine wieder gesund ist, hustet am nächsten Tag ein anderer. Jetzt muss ich sagen, dass unsere Kinder sich wirklich lange tapfer geschlagen haben und in der Erkältungswelle zunächst mir und meinem Mann den Vortritt gelassen haben. Doch seit einiger Zeit hat sich das etwas verschoben und eines der beiden liegt stetig flach.

Ein Spiel mit „Folgen“
Dann ermahnen mein Mann und ich sie immer, dass sie Abstand zueinander halten sollen und nicht knuddeln dürfen. Das gefällt ihnen gar nicht, aber sie halten sich brav daran.
Die Nächte sind für uns alle natürlich auch eher quälend und die Augenringe werden dunkler und tiefer. Zum Glück können mein Mann und ich uns da ein wenig abwechseln, sodass wir zumindest halbwegs Ruhe finden. Auch an den Tagen, an denen es dann heißt, das erkältete Kind, das gesunde Kind und unsere Arbeit zu managen, sind wir dankbar dafür, dieses Jonglieren auf zwei Schultern verteilen zu können. Nicht nur die Organisation kann geteilt werden, sondern auch die Sorgen, die entstehen, wenn man die glasigen Augen seines Kindes sieht oder es wieder ein Hustanfall durchschüttelt.

Erschöpfung auf allen Seiten
Diese zum Glück nicht gravierenden Erkrankungen bringen neben einem enormen Verbrauch von Taschentüchern, Hustensaft und sonstigen Hausmitteln auch noch etwas anderes mit sich: Erschöpfung und Nachlassen des Nervenkostüms. Wenn man sich als Elternteil jedoch dann erlaubt genau das zu beschreiben, kommt häufig als Reaktion „nur“ das Bedauern für das Kind. Unbestritten ist es arm, wenn es hustet oder schwer atmet, weil die Nase verstopft ist. Aber als Eltern gibt man alles, was man kann, um dem Kind beim Genesen zu helfen. Und das kostet Substanz. Ich finde es schade, dass wir Eltern dann nicht auch den Raum geben, Worte für die Erschöpfung zu finden. Schließlich gibt das Verständnis dafür ihnen bzw. uns auch wieder Kraft, weitere Nächte über dem Kind zu wachen. Lasst uns als Eltern doch gegenseitig Respekt für das haben, was wir auch für unsere Kinder leisten, und uns durch gegenseitiges Verständnis wieder motivieren!

Hin und wieder verwöhnen streichelt die Seele aller

Heute traue ich mich einmal an ein sensibles Thema heran. Wobei ich versuchen möchte, einen speziellen Aspekt mit euch zu diskutieren.

Kann ich das haben?
Alle Eltern kennen die heikle Situation des Einkaufens. Geht man mit Kindern in den Lebensmittelladen oder gar in ein Spielwarengeschäft, kommt unweigerlich die Frage „Kann ich das haben?“ Und dann geht die Diskussion los – sowohl die zwischen Eltern und Kind, als auch in uns als Eltern selber. Ich muss aber zugeben, dass ich immer wieder gemerkt habe, dass sich die Gedanken in meinem Kopf weniger darum drehen, ob ich den Konflikt mit meinem Kind in der Öffentlichkeit scheue, denn das tue ich immer weniger.

Meine Frage dreht sich um einen anderen Punkt:
Das Leben von Kindern wird sehr stark von außen bestimmt. Erwachsene bestimmen, wann es Essen gibt, wann sie ins Bett gehen, was sie zu essen bekommen, ob sie Schokolade bekommen usw. Als Erwachsener ändert sich hier einiges, wenn auch nicht alles. Ich kann zum Beispiel selber meinen Gelüsten nachgehen und mir am Abend zum Fernsehen noch eine Schokolade gönnen. Ich muss nur meine innere Stimme überhören, die mich aber nicht real davon abhält, den Schrank zu öffnen und die Süßigkeit herauszunehmen.
Ähnlich ist es für mich als Erwachsener in Geschäften – bei mir besonders gefährlich: ein Büchergeschäft. Auch wenn ich schon zwei neue Bücher in der Hand habe, aber noch einen tollen Krimi entdecke, von dem ich das Gefühl habe, ihn unbedingt zu brauchen, kann ich hingehen und dieser Leidenschaft nachgehen. Ich drehe vielleicht noch zwei Runden um das Regal, aber schlussendlich kann ich mir das gönnen.

Die Grenzen im Leben eines Kindes
Ein Kind erlebt das anders. Es ist immer abhängig von der Zustimmung des Erwachsenen.
Versteht mich recht: Wir haben als Eltern auch Verantwortung und dürfen nicht immer den Wünschen unserer Kinder nachgeben – schließlich können wir das bei unseren eigenen ja auch nicht. Aber wir müssen auch das Bedürfnis unserer Kinder verstehen, dass sie sich manche Dinge, die sie entdecken, wirklich wünschen.
Und ich denke, wir als Eltern kennen unsere Kinder so gut, dass wir abschätzen können, ob das nur eine Begierde in der aktuellen Situation ist oder ob die Freude über das Gekaufte länger anhält. Auch wissen wir, ob wir ihnen bereits im vorherigen Geschäft oder beim gestrigen Einkauf etwas geschenkt haben.

Es ist eine Sache der Abwägung, auch unseren Kindern einfach aus Freude ohne Anlass etwas zu schenken und die Freude in ihren Augen zu erleben. Kontraproduktiv ist es aber, sie so zu verwöhnen, dass sie den Wert von Geschenken nicht mehr erkennen oder sogar verlernen, sich über Kleinigkeiten zu freuen.

Mutig rein ins Abenteuer!

Der Mensch neigt dazu, immer wieder seine Grenzen auszutesten. Manche suchen ihre Herausforderung in den Bergen: Welche Höhe können sie noch erwandern? Andere nehmen im Winter bevorzugt die schwarzen Pisten, um zu erfahren, ob sie sie bewältigen können. Manch einer dagegen besucht Freizeitparks und probiert immer waghalsigere Achterbahnen aus. Ziel kann dabei sein, seine Grenzen auszuloten, Nervenkitzel zu suchen oder hin und wieder auch der Weg zur Selbsterfahrung, wenn zum Beispiel der Jakobsweg erlaufen wird.

Herausforderung gefunden
Ich halte mich selber nicht für einen besonders mutigen Menschen. Ich mag Höhe nicht so gerne, nehme eher die gemütlichen Pisten im Winter und mag gerne Wanderwege, bei denen ich nicht darauf achten muss, ob ich noch genügend Luft bekomme, sondern auch die Aussicht genießen kann. Dennoch frage ich mich manchmal, ob ich mit meiner Entscheidung zur Mutterschaft nicht die mutigste Entscheidung getroffen habe, die ein Mensch treffen kann – und das wahrscheinlich noch, ohne wirklich alle Konsequenzen gekannt zu haben:

  1. Grenzerfahrung
    In welchem Sport gibt es mehr Grenzerfahrungen, als in der Elternschaft? Wenn ein trotziges Kind vor dir steht und du dir die Haare raufst, weil du keine Lösung für die Situation weißt? Oder wenn du, selber müde vom Tag, dich nur noch nach dem Bett sehnst, dein Kind aber gerade an diesem Abend nicht einschlafen kann. Alle Eltern können nachfühlen, dass diese Erfahrung der eigenen Belastungsgrenzen bzw. der Erschöpfung durch nichts zu übertreffen ist.
  2. Adrenalin
    Ich glaube, dass ich noch nie einen solchen Adrenalinschub verspürt habe, als wenn eines meiner Kinder plötzlich schmerzerfüllt aufschreit. Es kann sich zwar um einen folgenlosen Unfall handeln, aber im ersten Moment ist mein Körper überschüttet vom Stresshormon, das Herz rast und im Kopf surrt alles.
  3. Selbsterfahrung
    Mein Leben ist auf Grund meines Berufs stetig begleitet von professionellen Selbsterfahrungssitzungen. Und dennoch habe ich in meiner bis jetzt vier Jahre andauernden Mutterschaft durch meine Kinder beinahe mehr über mich selber gelernt als durch jede Fachkollegin. Sie sind ehrlich und konfrontieren dich. Sie spiegeln dir dein Verhalten. Zudem werde ich auch wieder mit meiner eigenen Kindheit konfrontiert – aus der Sicht als Kind, als auch aus Sicht der Eltern.

Größte Mutprobe
Kurz und gut würde ich mich trauen zu sagen, dass die Entscheidung, Eltern zu werden, die Verantwortung für einen anderen Menschen zu übernehmen, die größte und vor allem lebensbegleitendste Mutprobe ist, die wir treffen können. Gleichzeitig ist und bleibt es die dankbarste und erfüllendste Sache, für die man sich entscheiden kann.

Urlaub – eine … Zeit?

Wie ihr aus meiner Blog-Aktivität wahrscheinlich erkannt habt, haben auch meine Familie und ich uns eine Auszeit gegönnt und sind in Urlaub gefahren. Und obwohl wir uns alle sehr auf diese Zeit gefreut haben, fällt es mir für diesen Text schwer, sie mit nur einem Eigenschaftswort zu beschreiben. Ist es eine wunderschöne Zeit? Eine abenteuerliche Zeit? Eine erholsame Zeit? Eine erwartungsbesetzte Zeit? Manchmal auch eine beängstigende Zeit?

Die Spannung steigt
Auf jeden Fall ist Urlaub immer anders als der Alltag. Das ist ja eigentlich auch das Ziel. Abstand zu gewinnen, Zeit miteinander zu verbringen und Anderes zu erleben.
Auch unsere Kinder haben sich sehr auf den Urlaub gefreut. Wobei wir zunehmend gemerkt haben, dass sie sich nicht wirklich etwas darunter vorstellen konnten. Vielmehr haben sie das Wort im Kindergarten und in der Spielgruppe aufgeschnappt. So mussten wir schon Wochen vorher beginnen zu zählen, wie lange noch zu schlafen ist, bis wir endlich in Urlaub fahren. Als dann die Koffer gepackt wurden, stieg die Aufregung. Die Kuscheltiere wurden im Auto verstaut und los ging es.

Erste Erkenntnisse
Unsere Kinder waren gespannt, was nun auf sie zukommen wird. Sie waren erfreut, als sie den Hof sahen, auf dem wir die nächsten Tage leben würden, mit all seinen Tieren und seinem großen Kinderspielplatz. Sie schienen nichts von zu Hause zu vermissen, sondern sich voll auf das Gefühl „Urlaub“ einzulassen.
Doch der erste Eindruck trügte. Es gefiel ihnen dort, wo wir wohnten und die verschiedenen Unternehmungen, die wir gemacht haben. Doch haben mein Mann und ich auch gemerkt, dass es wichtig blieb, ihren von zu Hause bekannten Rhythmus beizubehalten. Dies zeigte sich vor allem am Abendritual. Hier den üblichen Ablauf aufrechtzuerhalten, schien ihnen Sicherheit und Ruhe in der für sie ungewohnten Schlaf-Umgebung zu geben.

Und so sehr mein Mann und ich uns Gedanken darüber gemacht haben, welche Art Urlaub für unsere Kinder wohl geeignet ist und wir auch den Eindruck hatten, eine sehr gute Wahl getroffen zu haben, kehrten wir alle wieder gerne nach Hause zurück. Auch die Kinder wirkten nach der ganzen aufregenden Zeit glücklich darüber, ihre gewohnte Umgebung zurückzuhaben und begannen, ihre Spielsachen wieder neu zu entdecken.

Rituale to-go
Rückblickend kann ich sagen, dass Urlaub mit Kleinkindern nicht primär eine erholsame Zeit ist. Er ist eine familienintensive und spannende Zeit. Allen gefiel das Andere und Neue.
Dennoch bleibt die Erfahrung, dass im Koffer neben den Kuscheltieren auch gewisse Rituale aus dem Alltag Platz finden müssen, so dass der Urlaub wirklich für alle auch ein Genuss sein kann.