Wieviel Härte ist erlaubt?

Anlässlich eines Artikels in der Zeitschrift „Falter“ über – juristisch noch nicht belegte – Vorgänge in der Ballettschule der Wiener Staatsoper, wird in der Öffentlichkeit die Frage diskutiert, wieviel Härte im Bereich Höchsleistungssport oder auch der Musik gegenüber Kindern und Jugendlichen erlaubt ist.

Ich bin sehr entsetzt darüber, dass hier tatsächlich eine Diskussion in diese Richtung entsteht, denn dann müssen wir uns doch fragen: „Heiligt der Zweck tatsächlich die Mittel?“ Schließlich sind wir – zum Glück – inzwischen so weit, dass die Gesellschaft sehr sensibilisiert ist hinsichtlich psychischer, physischer und sexueller Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen. Es gibt sogar Gesetze, die diese Verhaltensweisen unter Strafe stellen. Wird eine solches Verhalten richtiger, weil ein Ziel in einem bestimmten Bereich erreicht werden soll?

Niemals demütigen
Niemals dürfen Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene gedemütigt oder erniedrigt werden. Niemals dürfen sie in ihrer Persönlichkeit angegriffen und verurteilt werden. Ganz egal, hinter welcher „nur gut gemeinten“ Motivation dieses Verhalten verschleiert wird. Es ist und bleibt Gewalt!

Um Ziele im Leben zu erreichen, braucht es Motivation und es braucht Durchhaltevermögen. Das ist unbestritten. Ein Kind profitiert nicht davon, wenn ich ihm nie die Wahrheit sage. So ist es zum Beispiel auch nicht sinnvoll, beim Spielen mit Kindern die Kinder ständig gewinnen zu lassen. Natürlich werde ich mich ein wenig zurückhalten, denn es liegt ja in der Natur der Dinge, dass Erwachsene Kindern in gewissen Dingen überlegen sind – wobei ich übrigens mit Erschrecken feststelle, dass meine Kinder mich tatsächlich im UNO und im Memory ständig besiegen 😉 Oder es ist auch nicht hilfreich, wenn ein Kind mir einen Zettel mit einer an sich tollen Zeichnung zeigt, auf der aber sämtliche Zahlen und Buchstaben falsch geschrieben sind. Dann werde ich es aber nicht auslachen, es nicht erniedrigen, dass es das falsch gemacht hat. Ich werde es loben für seine Idee der Zeichnung, auch für die Ausführung des Malens, aber ich werde es durchaus darauf hinweisen, dass die Zahlen nicht stimmen.

Ein Widerspruch in sich
Es ist doch unsere Aufgabe, Kinder zu motivieren, sie zu unterstützen. Aber nicht ihnen Dinge mit Gewalt aufzudrängen. Ein Wort, das ich in einer Diskussion zu diesem Thema gehört habe und das mich erschreckt hat, ist „positiver Drill“. Ist das nicht ein Widerspruch in sich? Drill bedeutet Druck, bedeutet Angst, bedeutet, seine eigenen Grenzen nicht respektieren zu dürfen. Menschen, die diese Richtung vertreten, sprechen sehr schnell davon, dass das Kind doch nicht davon profitiert, wenn es „verhätschelt“ wird.

Gegenfrage: Was macht es mit unseren Kindern, unseren Jugendlichen, wenn sie gedemütigt werden? Wenn sie nur das Gefühl haben, nicht zu genügen? Die Schäden, die damit verursacht werden, stehen in keinerlei Verhältnis zu dem angeblichen Wert von ersten Plätzen oder Medaillen.

Grenzen respektieren
Es steht doch auch in diesem Bereich die Beziehung zum Kind und Jugendlichen im Vordergrund. Wenn diese gut ist und der Trainer/die Trainerin oder der Lehrer/die Lehrerin sich mit dem Gegenüber auseinandersetzt, werden sicher Ansatzpunkte gefunden, die helfen, einmal ein Motivationstief zu überwinden, ohne aber das Persönlichkeitsrecht zu überwinden. Die Grenzen eines anderen Menschen müssen immer respektiert werden!

P.S.: Erinnert ihr euch an die Pixar-Geschichte „Monster AG“? In dem Film ging es darum, dass Monster in einem Monster E-Werk Energie dadurch erzeugen, dass Sie Nacht für Nacht Kinder in ihren Zimmern erschrecken. Aus der Angst der Kinder speist sich der Energievorrat. Am Ende des Films erkennen die Monster, dass es wesentlich effizienter ist und tausendmal mehr Energie gibt, wenn sie Kinder zum Lachen bringen. Darüber sollte man einmal nachdenken, meine ich 😉

Die verlorene Normalität des Essens

In meinem letzten Beitrag habe ich mich mit dem Thema „Essen“ beschäftigt und dabei einen speziellen Aspekt beleuchtet. Ich merke jedoch, dass mich dieses Thema noch in einer anderen Hinsicht nicht wirklich loslässt, die ich heute mit euch kurz andenken möchte.

Welchen Weg wählst du?
Hinsichtlich Essverhalten gibt es viele verschiedene Philosophien. Da gibt es jene, die Nahrungsmittel mit Punkten versehen und dann nur eine gewisse Menge davon essen dürfen. Es gibt jene, die nur zu bestimmten Tageszeiten essen. Natürlich gibt es auch Bewegungen, die ganz bestimmte Nahrungsmittel völlig aus ihrem Plan streichen. Die Vielfalt ist riesig. Doch eine Richtung fehlt mir: Die Normalität und Ungezwungenheit.

Wie normal isst du?
Immer wieder stelle ich mir die Frage, wann „Essen“ den Kreislauf des Normalen verlassen hat. Eigentlich wird es von unserer Gesellschaft häufig als etwas Negatives, etwas Bedrohliches beschrieben, das uns und unserer Gesundheit ausschließlich schadet.
Natürlich wollen auch wir unseren Kindern gesundes Essen nahebringen, sie lehren, welche Lebensmittel für unseren Körper gut sind und welche nicht. Doch wollen wir ihnen auch die Vielfalt zeigen und sie darin bestärken, Dinge auszuprobieren und zu genießen. Kurz gesagt: Sich ausgewogen zu ernähren.
Diese eigentlich große Aufgabe im Bereich der Erziehung wird häufig unterschätzt und wenig wertgeschätzt. Denn es grenzt aus meiner Sicht beinahe an eine künstlerische Fähigkeit, Kindern jeden Tag – dann ja auch drei Mal am Tag – ein Essen auf den Tisch zu stellen, das schmeckt, gesund ist und Freude bereitet.

Welche Zutat steht zur Wahl?
Hin und wieder verfolge ich ganz gerne Kochsendungen und bin dann überrascht darüber, welche Art des Essens da gezeigt wird. Da werden Soßen mit ordentlich Butter oder Sahne „verfeinert“. Jedes Gebäck, jeder Kuchen wird, wenn nur irgendwie möglich, mit Schlagrahm gemacht. Die Köche und Patissiers preisen sich mit ihren Rezepten. Demgegenüber sage ich mir, dass ich es nicht verantworten könnte, meiner Familie und auch mir jeden Tag ein solches Essen auf den Tisch zu stellen. Denn bei genauerem Hinsehen ist zu erkennen, dass es eigentlich genau das Gegenteil von gesundem Essen ist.

Welcher Zugang ist richtig?
Natürlich ist auch für mich wichtig, dass Kinder sich gesund ernähren. Aber sind wir doch ehrlich: In dem Luxus, den wir an Vielfalt haben, ist das nicht so schwierig. Und wir können Kinder auch hier bei ihrer Neugierde und zunächst Unvoreingenommenheit packen und gemeinsam mit ihnen neue Zutaten und Kreationen entdecken – dadurch, dass sie die Erwachsenen in der Küche und beim Einkaufen beobachten oder noch besser, einfach auch mitmachen.

Essen kann mehr

In der letzten Ausgabe der Kirchenzeitung habe ich mich mit einem speziellen Aspekt zum Thema Essen beschäftigt.

Zu meinem gesamten Beitrag geht es hier.