Spieglein, Spieglein an der Wand…

Dieses Mal habe ich mich in meinem Gastbeitrag in der Kirchenzeitung mit dem Thema des Vergleichens beschäftigt.

Wer kann den oben angeführten Spruch aus dem Märchen „Schneewittchen“ nicht zu Ende bringen?!

Dieser Satz nimmt im Leben der Königin einen immer zentraleren, wenn nicht gar bestimmenden Platz ein. Ihre eigene Wertigkeit definiert sie nur noch durch den Vergleich mit ihrer Stieftochter bis hin zu deren Tod. Erst dann ist die Königin mit ihrem Sein vermeintlich zufrieden.

Bedeutung
Das Wort „Vergleich/ sich vergleichen“ hat grundsätzlich zwei Bedeutungsrichtungen. Auf der einen Seite steht das Abwägen, das Gegenüberstellen. Auf der anderen Seite steht die Kompromissbildung, die Einigung – vor allem in juristischen und konflikthaften Belangen.
Die Königin stellt sich in Konkurrenz mit ihrer Stieftochter und beschreibt damit ein in unserer Gesellschaft weit verbreitetes Phänomen. Menschen definieren sich und ihr Sein oft hauptsächlich darüber, ob sie besser sind als andere.

Übertragung
Dieses Verhalten an sich und auch in seinen Auswirkungen ist für die einzelne Person bereits problematisch. Noch schwieriger wird es, wenn Erwachsene Kinder vergleichen. Die Vergleiche können sich dabei auf verschiedene Ebenen wie das Verhalten, die Leistungen, das Aussehen oder gar die Persönlichkeit beziehen. Damit wird in den Kindern ein Gefühl genährt, das zu diesem Zeitpunkt vielleicht noch gar nicht vorhanden ist: das Gefühl nicht zu genügen und das Gefühl der Konkurrenz.

Entwicklung
Beide möglichen Gefühle sind für die Entwicklung eines Kindes ungünstig. Entsteht das Gefühl als Person nicht auszureichen, wird der eigene Wert, wie bei der Königin, immer nur an anderen gemessen. Das Kind entwickelt sich nicht mehr zu einem Selbst. Das Vergleichen von Kindern durch Erwachsene auf der Leistungsebene ist oft schon sehr früh zu beobachten. Da wird im Sport darauf geachtet, welches Kind früher anfängt und dann auch besser ist. Oder am Ende eines Semesters werden die Zeugnisse der Kinder präsentiert und diskutiert. Mit diesen Vorgehensweisen nehmen Erwachsene ihren Kindern die Chance, Freude an ihrem Tun zu haben und sich aus Interesse für Dinge zu engagieren.

Individualität
Das Phänomen des Vergleichens können wir auch vor unseren Kindern nicht vollständig abwenden, denn es ist in der Gesellschaft allgegenwärtig. Doch es ist unsere Aufgabe, den Kindern zu helfen, sich immer wieder auf sich selber – ihr Tun, ihr Können und ihre Persönlichkeit – zu besinnen. Schließlich sollen und wollen wir nicht alle „gleich“ sein, wie das Wort suggeriert, sondern mit unserer Individualität die Gesellschaft bunt machen.

Der Zauber von Weihnacht

„Alle Jahre wieder…“ kommt nicht nur das Christkind, sondern auch die Frage: Sage ich meinem Kind, dass es das Christkind nicht wirklich gibt oder lasse ich es in dem Glauben? Dieses Thema ist zwischen Eltern heiß diskutiert und häufig auch emotional besetzt. Wir haben das Thema schon bei der Frage nach dem Osterhasen diskutiert.

Phantasie erlaubt
Beide Richtungen haben ihren Reiz und ihre Berechtigung. Doch heißt es, achtsam zu sein!
Es ist eine Kunst, hier ein Gleichgewicht zu finden. Denn Kinder lieben Phantasiegeschichten. Das ist unabhängig von Weihnachten in ihrem Spiel zu beobachten. Sie spielen mit Puppen und Stofftieren und entschwinden mit ihnen in einer speziellen Welt, von der alle wissen, dass sie nicht real ist.
Hinsichtlich des Christkindes besteht jedoch ein zentraler Unterschied: Es sind meist die Erwachsenen, die diese Geschichte erfinden und erzählen und nicht die Kinder selber.

Mittelweg gesucht
Kürzlich habe ich mit einer Kollegin eine spannende Diskussion zu diesem Thema geführt, in der wir zu dem Schluss gekommen sind, dass der Mittelweg für Kinder optimal ist. Wir müssen Kindern nicht vollständig die Illusion eines Christkindes nehmen. Doch ist eine zentrale Maxime: Kinder dürfen von Eltern nicht belogen werden. Das Kind darf nicht im Glauben gelassen werden, dass tatsächlich das Christkind die Spielzeugküche aufgebaut oder eigenhändig den Brief vom Fensterbrett mitgenommen hat.
Kinder können hervorragend zwischen den Welten „Phantasie“ und „Realität“ hin und her wechseln, wenn sie von den Erwachsenen die Möglichkeit dazu bekommen. Sie tauchen ein in eine Phantasiewelt und erfinden die spannendsten Dinge. Doch wird es ihnen zu unheimlich oder gibt es einfach Punkte, die auch mit viel Phantasie nicht erklärt werden können, dann kehren sie zurück in die reale Welt. Und in dieser Welt ist es für sie wichtig, dass Dinge erklär- und verstehbar sind.

Wir wollen das auch!
In manchen Situationen geht es uns Erwachsenen ja ähnlich. So sind wir fasziniert von Shows mit Illusionen und Zauberkünsten. Doch wissen wir, dass dahinter Tricks und viel Geschick der Künstler stecken. Es gab vor einigen Jahren im Fernsehen eine Sendung, in der ein Zauberkünstler ganz viele Zaubertricks verraten und damit die ganze Illusion zerstört hat. Doch auch wir wollen uns manchmal von einer Welt der Illusionen verzaubern lassen, ohne dass behauptet wird, es sei real.

Lassen wir uns mitreißen!
Also: Lassen wir den Zauber von Weihnachten leben, ohne dabei unsere Kinder absichtlich anzulügen. Denn auch wenn sie wissen, dass das Christkind nicht real, sondern eine Phantasiefigur ist, können sie sich tolle Geschichten dazu überlegen. Zudem sollte das Christkind auch mehr als nur ein Symbol für den Geschenkelieferanten sein. Es erinnert uns daran, die Welt auch wieder mit anderen Augen und vielleicht auch bewusster zu betrachten.

Das „Phasenkind“

„Dein Kind steckt nur in einer Phase!“ Als Eltern begleitet uns dieser Satz ständig. Gut. Eigentlich begleitet er alle Menschen durch ihr Leben. Bei Kindern neigen wir dazu, für ihr Verhalten stets eine Erklärung zu suchen: dein Kind ist in einer Phase der Trennungsangst, in einer Phase der Wutanfälle, in einer Trotzphase, in einer Phase des Wachstumsschubes oder in einer Phase der Wetterfühligkeit…

Seid ihr auch Phasenkind-Eltern?
Also als Eltern von zwei Kindern haben wir den Eindruck, dass wir das ständig sind. Verhalten sich Kinder nicht so, wie die Umgebung sich das wünscht, dann stecken sie sofort in einer Phase. Wobei auffallend ist, dass erwünschtes Verhalten eigentlich nie auf eine Phase zurückzuführen ist…
Die Phasensuche beginnt schon recht früh im Leben eines Menschen. Es gibt zum Beispiel Säuglinge, die nach Rückmeldung ihrer Umgebung jahrelang und ständig Zähne bekommen. Denn dieses Ereignis wird bei ihnen gerne als Erklärung für eine Vielzahl an Dingen verwendet – wenn die Bäckchen einmal röter sind, wenn der Speichelfluss stärker ist, wenn sie kränklich sind, wenn sie nicht essen wollen, wenn sie häufig weinen usw… Dabei kann alles doch eigentlich ganz unterschiedliche Ursachen haben.

Vorurteil
Das Leben besteht ganz unbestritten aus Phase und ist ständig in Bewegung. Das schnelle Einordnen des Verhaltens eines Kindes kann manchmal hilfreich sein. Denn es tröstet die Eltern im Moment mit der Aussage, dass alles vorübergehen wird. Gleichzeitig aber bewirkt es, dass ein Kind in ein Muster gepresst wird und sowohl seine Individualität, als auch die aktuellen situativen Bedingungen übersehen werden.

Phasen-Eltern
Denken sich unsere Kinder eigentlich auch, dass sie „Phasen-Eltern“ haben? Schließlich verhalten wir uns in ihren Augen manchmal auch völlig unsinnig und schwierig, wenn wir ihnen zum Beispiel Dinge verbieten.  Wahrscheinlich schon, denn sie versuchen es am nächsten Tag ohnehin wieder! 😉

An Erwartungen kann man ersticken

Vor einiger Zeit war ich auf einer Tagung zum Thema „Paarberatung“.
Gut: Das ist nun nicht unsere Hauptthema auf diesem Blog – auch wenn es eigentlich beim Thema Erziehung nicht unerheblich ist. Denn spielt nicht auch die Beziehung zwischen den Eltern eine Rolle darin, wie Erziehung gelingen kann?
Ich will mich heute aber nicht in diese Richtung gedanklich verlieren. Das nehmen wir vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt wieder auf. Ich wollte dieses Mal auf eine andere, für mich sehr spannende Parallele eingehen.

Ich wünschte…
Ein Punkt, der bei dieser Tagung erwähnt wurde, der immer wieder zu großen Problemen in der Paarbeziehung führt, sind Erwartungen, die man an seinen Partner stellt. Sie werden vielleicht aus vergangenen Erfahrungen genährt, aus Büchern, aus Filmen oder aus Erzählungen von Freunden. Diese Erwartungen haben jedoch oft gar nichts mit der Realität zu tun und schon gar nicht mit dem Partner selber. Sie sind häufig überzogen und ihr Nicht-Erfüllen führt zu Enttäuschungen.
Dieses Phänomen können wir auch auf die Eltern-Kind-Beziehung übertragen.

Würdest du doch…
Als Eltern haben wir Erwartungen an unser Kind, wie es zu sein und sich zu verhalten hat, wie gut es in der Schule sein muss und welche Interessen es haben muss. Werden diese Erwartungen vom Kind nicht erfüllt, sind Eltern enttäuscht und lassen das ihr Kind oft auch spüren. Nun kann diese Enttäuschung in zwei Richtungen übertragen werden.
Entweder hadern sie mit ihren eigenen Fähigkeiten als Eltern, oder sie projizieren ihre Enttäuschung auf das Kind.
Im ersten Fall fragen sie sich, wieso sie es nicht geschafft haben, dass das Kind ihre Erwartungen erfüllt, die sie sich doch während der ganzen Schwangerschaft oder vielleicht sogar schon davor ausgemalt haben. Schließlich erzählen doch alle, dass ihre Kinder dies und jenes schon können. Oder dass ein Kind von klein an offen auf andere Kinder und deren Eltern zugeht und sich nicht schüchtern hinter dem Bein der eigenen Mutter versteckt. Oder dass ihre Tochter freudig am Morgen in die Spielgruppe rennt und nicht zögernd in der Türe stehen bleibt.
Für die Qualität der Eltern-Kind-Beziehung sind die Auswirkungen noch gravierender, wenn sie dem Kind selber die „Schuld“ daran geben, die Erwartungen nicht zu erfüllen. Das Kind hat versagt, sodass die Eltern nun mit der „Schmach“ und „Enttäuschung“ leben müssen.

Es ist gut so…
In einer Paarberatung besteht eine Aufgabe darin, sich von den vergangenen Erwartungen an seinen Partner zu distanzieren. Das jedoch nicht auf Grund von Resignation. Ein richtiges Kennenlernen eines anderen Menschen ist nur möglich, wenn ich ihm zunächst voller Neugier auf seine eigene Persönlichkeit begegne, ohne dass diese eben von Erwartungen überdeckt wird. Genau das gleiche gilt für ein Kind. Seiner Persönlichkeit, seinen Eigenschaften den Raum zur Entfaltung zu geben, ohne dass wir diese gleich durch Erwartungen ersticken. Das ist zentrale Aufgabe des Elternseins. Schließlich begegnet es uns Eltern doch auch mit unvoreingenommener Liebe und Neugierde.

Das Schweigen der Kinder

Habt ihr eigentlich auch schon beobachtet, wie oft kleine Kinder von Erwachsenen angesprochen werden – bekannte und unbekannte? „Na, wie heißt du denn?“ „Wie alt bist du denn?“ „Mei, hast du eine nette Jacke an!“ „Och, du schaust aber müde aus!“ „Freust du dich auf den Kindergarten?“ Es gibt unzählige dieser Fragen und Aussagen, die unbestritten von den Erwachsenen nett gemeint sind.

Kindliche Reaktion
Spannend ist in solchen Situationen sowohl die Reaktion der Kinder als auch die Reaktion der Eltern zu beobachten.
Schauen wir uns zunächst die Kinder an, denn ihre Reaktion beeinflusst häufig die der Eltern. Grundsätzlich erwarten die Erwachsenen, die die Kinder angesprochen haben, eine Reaktion ihrerseits. Doch wir alle wissen, wie Kinder sind. Ihnen ist, je jünger sie auch noch sind, egal, was von ihnen erwartet wird. Vor allem, wenn es sich um für sie fremde Menschen handelt. Die häufigste zu beobachtende Reaktion ist Schweigen. Die Kinder sagen einfach nichts, auch wenn sie noch so gut sprechen können. Das wiederum führt zu Verwirrung bei den Fragestellern, die verwundert und manchmal auch pikiert die Eltern anschauen. Als ob diese dafür verantwortlich wären, dass ihre Kinder ihrem eigenen Willen folgen und nicht mit Fremden sprechen.

Erwachsenen-Reaktion
Gut, vielleicht können die Eltern etwas dafür, weil sie ihre Kinder dazu erziehen wollen, nicht gleich mit Fremden zu sprechen oder einfach auf ihr Gefühl zu hören und dem zu folgen. Diese Eltern bringt die Reaktion der Kinder nur wenig unter Druck. Sie lächeln und antworten vielleicht auf die Frage oder verlassen die Situation. Andere Eltern wiederum geraten unter Druck. Sie haben auf der einen Seite das Gefühl, beweisen zu müssen, dass ihr Kind schon sprechen kann und auch „höflich“ ist. Auf der anderen Seite nehmen sie die vermeintliche Schuld auf sich, entschuldigen sich mit irgendeiner Ausrede für das Kind „Es hat heute schlecht geschlafen“ und versuchen die in ihrer Welt peinliche Situation zu durchtauchen.

Erlaubtes Schweigen
Ich war einmal mit Freundinnen samt Kindern frühstücken. Da hat es ein Kind geschafft, den ganzen Vormittag lang kein Wort zu sagen, obwohl alle am Tisch es immer wieder angesprochen haben und auch bekannt war, dass das Kind sprechen kann. Die Mutter des Kindes schwang zwischen entschuldigen, dem Kind leise zureden, dass es doch endlich bitte ein Wort sagen soll, oder einfach Schulter zucken und weiterfrühstücken.

Es heißt doch so schön: Für meine Verwandtschaft kann ich nichts 😉 Ich glaube, wir dürfen uns auch als Eltern diesen Satz ab und zu heranziehen. Denn auch wenn alle Welt dazu tendiert, denn Eltern die Verantwortung für tatsächliches oder vermeintliches Fehlverhalten von Kindern zuzuschreiben, muss man sie doch hin und wieder von dieser Schuld befreien.
Noch viel mehr sollten wir aber dazu übergehen, den Kindern ihre eigene Persönlichkeit zu lassen und ihnen als Person zuzugestehen, dass sie von sich aus entschieden haben, mit dieser fremden oder auch bekannten Person jetzt nicht zu sprechen.

Achtung! Kinder!

Kinder bzw. Eltern mit Kindern sind in unserer Gesellschaft in verschiedenen Situationen mit vielen Vorurteilen konfrontiert. Es gibt anscheinend Orte, bei denen davon ausgegangen wird, dass Kinder stören, dass sie sich nicht benehmen können. Es werden der Familie Blicke zugeworfen, sie werden argwöhnisch betrachtet und stehen unter dauernder Beobachtung.

Die Verfolgung
Kennt ihr das? Wenn ihr mit euren Kindern in ein Geschäft geht oder in ein Museum, dann ist es plötzlich so, als ob ihr die einzigen in den Räumlichkeiten seid. Denn sämtliche Angestellten konzentrieren sich nur noch auf euch.
Wir waren vor kurzem mit unseren beiden Kindern in einem Kunst-Museum. Wir wollten es einfach einmal ausprobieren, ohne Druck, lange bleiben zu müssen. Wir haben also an der Kassa bezahlt, jedoch da schon gemerkt, dass unsere Kinder kritisch beäugt werden. Natürlich ist uns aufgefallen, dass sich weit und breit kein anderes Kind in dem Museum aufgehalten hat, obwohl es ein Regentag war. Trotzdem waren wir den gesamten Besuch lang nie allein. Immer war eine Aufsichtsperson „zufällig“ gerade in unserer Nähe.

Der genervte Blick
Ein ähnliches Erlebnis hatten wir im Urlaub. Wir haben in einem Familienhotel eingecheckt, in dem man – wie der Name schon sagt – davon ausgehen kann, dass sich da auch Kinder befinden und somit vielleicht nicht jedes Essen in völliger Stille ablaufen wird. Eines Abends hat sich dann auch ein älteres Ehepaar für das Abendessen eingefunden. Die genervten Blicke, die sie sich beim Eintreffen in den Essensraum zugeworfen haben, sagten bereits alles. Sie saßen am Tisch neben uns und wir konnten sehen, wie sie reagierten, sobald ein Kind vielleicht etwas lauter wurde. Wir haben uns ehrlich gesagt darüber amüsiert. Vor allem war nicht nur auffallend, dass sie sich mit ihrer schlechten Laune selber den Abend verdorben haben, sondern dass es eigentlich weniger die Kinder waren, als die Erwachsenen, die sich in voller Lautstärke unterhalten haben. Als ein Großteil der Kinder nämlich den Essensraum Richtung Kinderbetreuung verlassen hat, wurde es im Raum nicht wirklich leiser.

Kommt mal runter!
Es fällt mir wirklich keine bessere Formulierung für die oben beschriebenen Erwachsenen ein als „Kommt mal von eurem hohen Ross herunter!“ und gebt den Kindern eine Chance, bevor ihr sie nur auf Grund ihres Kind-Seins in eine Schublade steckt.
So haben wir in unseren Urlaubshotel noch ein anderes Paar ohne Kinder beobachtet, das sich tatsächlich auf die Situation, dass sie sich in einem Familienhotel befinden, eingelassen haben und auf der einen Seite in ihrem Rhythmus die Essen genossen haben und sich auf der anderen Seite einfach auch auf Gespräche mit den Kindern und Eltern eingelassen haben.
Und im Museum mussten mein Mann und ich erleben, dass unsere Kinder von dem Dargebotenen viel faszinierter waren als wir selber und enttäuscht waren, als wir das Museum wieder verlassen haben. Hier waren wohl eher die Erwachsenen die „Kunstbanausen“.

Und wo war ich da?

Ach, ja, diese Kinderfragen… Allzu oft bringen sie uns als Eltern ins Schwitzen und an den Rande unserer Weisheit.

Vom Anfang des Lebens
Eine dieser Fragen, auf die ich im ersten Moment gar keine Antwort wusste und auch im Verlauf des Gesprächs nicht sicher war, ob ich wirklich eine gefunden habe, war folgende:
Irgendwie sind meine Kinder und ich im Gespräch auf das Auto zu sprechen gekommen, das ihr Vater und ich vor ihrer Geburt hatten. Wir haben über Marke und Farbe geredet und ob es einen Namen hatte. Das war für mich alles leicht zu beantworten. Doch dann kam die Frage: Und wo waren wir da? Da habe ich einmal geschluckt, denn wie erklärt man einem fünfjährigen und einem dreijährigen Kind, wo sie vor ihrer Geburt waren.

Erklärungsversuche
Ich habe es mit verschiedenen Zugängen versucht: „Da wart ihr noch nicht geboren.“ Das war einmal ein Anfang, doch das ergibt für Kinder noch keinen Sinn. Denn, sie waren zwar noch nicht auf der Welt, aber es muss sie doch irgendwie gegeben haben. Also gingen meine Versuche weiter, dieser zum Teil philosophischen Frage nachzukommen.
Ihr könnt euch mein Gestotter sicher vorstellen, während ich die erwartungsvollen Augen meiner Kinder gesehen habe. Ich konnte ihnen doch schließlich nicht einen Vortrag über Zellteilung und die Zeugung des Lebens halten, einfach weil sie das noch nicht verstehen würden.

Antwort muss sein
Meine Devise ist und bleibt zwar: Wenn Kinder Fragen stellen, ist es unsere Pflicht als Erwachsene, ihnen eine Antwort zu bieten. Manchmal müssen wir aber einfach auch akzeptieren, dass wir eine Frage nicht zur vollständigen Befriedigung aller in diesem Moment beantworten können.
Möglicherweise habt ihr ja eine gute Idee, aber mir ist weder im Gespräch mit den Kindern, noch jetzt, während ich den Blogtext schreibe, eine bessere Antwort eingefallen als: „Da hat es euch noch nicht gegeben.“ Ergänzt habe ich die Antwort mit der uns allen bekannten Beschreibung: „Da seid ihr noch mit den Mücken geflogen.“
Vielleicht ist es nicht die perfekte Antwort, aber sie honoriert das Interesse meiner Kinder. Zudem erleben meine Kinder, dass ich sie ernst nehme und versuche, ihren Wissensdurst zu stillen. Außerdem scheinen sie mit der Erklärung aktuell zufrieden zu sein. Sie zitieren sie zumindest häufig…