Mit Kindern über den Tod reden

Wie spricht man mit Kindern über den Tod? Wie geht man damit um? Welche Fragen haben die Kinder und was sollte man auf keinen Fall tun? Antworten gibt’s in meinem brandneuen Podcast. Hier schon einmal vorab ein kleiner Vorgeschmack zu einem sehr ernsten Thema.

Gegen den Ernst des Lebens

In der vergangenen Ausgabe der Kirchenzeitung habe ich mich mit dem Thema „Schulbeginn“ auseinandergesetzt.
Den ganzen Beitrag könnt ihr gerne hier nachlesen.

Wann ist Wegwerfen ok?

Wenn Kinder da sind, ist Hausarbeit so eine Sache. Ist ein Zimmer aufgeräumt und man widmet sich dem nächsten, schaut es im ersten gleich mal wieder so aus, als ob man nichts gemacht hat.
Die Kinderzimmer selber sind am schlimmsten, weil hier alles wirklich nur einer Sisyphos-Arbeit gleicht. Doch nicht nur darum ist diese Arbeit eine Herausforderung. In letzter Zeit begegne ich hier bei meinen Kindern einem noch viel spezielleren Phänomen: ihrem Gedächtnis!

Das Ding liegt
Ihr kennt das sicher auch: Da liegt tage- bzw. wochenlang etwas herum. Es wird von den Kindern nicht beachtet, geschweige denn damit gespielt. Doch ihr getraut euch noch nicht gleich, es wegzuwerfen, denn man weiß ja nie. Also wartet ihr. Die Beobachtung bleibt aber, dass es keinerlei Veränderung gibt. Ihr überlegt, wie es mit diesem Ding nun weitergehen soll. Fragt ihr bei euren Kindern nach, dann wäre wegwerfen ein großes Unglück. Also fragt ihr nicht und wartet weiter.

Die Entscheidung steht an
Irgendwann steht wieder eine größere Aufräumaktion an und ihr begegnet diesem Ding, das sich noch immer nicht vom Fleck bewegt hat, aufs Neue. Und in einem Anfall von Ärger und Sauberkeitsbedürfnis nehmt ihr es und werft es doch weg. Manchmal gibt es noch den Zwischenschritt und ihr legt es in eine Schublade und stellt innerlich ein Ultimatum, bis wann dem Kind sein Fehlen auffallen muss, dass es nicht im Müllsack landet.

Die Entscheidung ist gefällt
Irgendwann, gefühlt nach einer Ewigkeit, entschließt ihr euch doch, dieses Ding wegzuwerfen oder auch wegzugeben. Es handelt sich ja nicht um ein Lieblingsding meines Kindes. Doch dann tatsächlich: aus für uns völlig unerklärlichen Gründen, erinnert sich unser Kind wieder an diese eine Sache und beginnt zu suchen. Natürlich kommt es auch mit der Frage zu euch, ob ihr wisst, wo sie denn ist. Da stehen wir dann kurz vor dem Dilemma, ob wir zugeben sollen, dass wir es weggeworfen haben, oder ob wir einfach die Unwissenheitskarte ausspielen.

Zur Entscheidung stehen
Schon klar: Vorbilder wie wir sein müssen, erklären wir dem Kind, dass und warum wir das Ding weggeworfen haben und halten auch seinen Ärger und seine Trauer darüber aus. In einer solchen Situation nehme ich mir dann auch wieder vor, mit den Kindern zunächst zu reden, bevor ich etwas weggebe, auch wenn die Schlussentscheidung bei mir bleibt.
Noch etwas fällt mir aber in diesem Zusammenhang immer mehr auf: Ich weiß bei manchen Sachen wirklich nicht mehr, ob ich sie weggeworfen, weggeräumt oder gar nicht berührt habe. Denn irgendwie scheint mein Gedächtnis hier nicht so phänomenal zu funktionieren wie bei meinen Kindern 😉

 

 

Den Schmerz laut hinausschreien

Aussagen wie „Indianer kennen keinen Schmerz“, „Sei doch tapfer!“, „Das war doch gar nicht so schlimm“ und ähnlichen stehe ich bekanntermaßen kritisch gegenüber.

Fuß gegen Rolltreppe
Meine Haltung wurde durch folgendes Ereignis verstärkt:
Vor kurzem habe ich mir bei einer Rolltreppe im Kaufhaus dermaßen den Fuß gestoßen, dass ich am liebsten vor Schmerzen aufgeschrien hätte. Er war zudem noch auf Grund der sommerlichen Temperaturen ungeschützt in Sandalen, sodass die Auswirkungen noch größer waren. Was aber habe ich statt eines Aufschreis gemacht?! Sozial angepasst, wie wir sind, habe ich die Zähne aufeinandergebissen, die Tränen irgendwie unterdrückt und mir gerade einmal ein leise gemurmeltes „Aua“ erlaubt. Dabei ist der Schmerz tatsächlich durch meinen ganzen Körper geschossen. Erst im Auto, wo ich allein war, habe ich mir erlaubt aufzuschreien.

Stürze und Schmerzen unvermeidbar
Kinder machen das anders: Sie weinen lautstark auf, wenn sie sich wehgetan haben. Das ist in der warmen Jahreszeit ganz gut zu beobachten und zu hören. Sie sind viel draußen, in den Gärten, auf den Spielplätzen. Da gehören Stürze dazu. Sie sind beim Klettern, Rutschen, Schaukeln, Wandern geradezu unvermeidbar.
Nach meiner Erfahrung muss ich sagen: Zum Glück schreien die Kinder den Schmerz raus und weinen. Denn so kann er verarbeitet werden und sie den wohlverdienten Trost erhalten. Leider ist jedoch bei älteren Kindern zunehmend zu beobachten, dass sie sich den sozialen Anforderungen unterwerfen und diese Gefühle unterdrücken.

Ausleben fördern – Trost tut gut
Auf Grund der kurz zurückliegenden eigenen Erfahrung bin ich froh, dass ich unseren Sohn darin motiviere zu sagen, wenn etwas weh tut und sich auf keinen Fall dafür zu schämen. Gleichzeitig lehrt es mich aber auch, bei unserer Tochter, die diese Fähigkeit des Auslebens durchaus beherrscht, noch geduldiger und unterstützender zu sein. Denn es tut weh und wir dürfen um Trost bitten. Schließlich wissen wir tief drin, dass er auch uns Erwachsenen in solchen Situationen guttun würde. Meistens rennen Kinder nach einem kurzen Trösten sowieso gleich wieder weg und spielen weiter, denn die Welt ist viel zu spannend, um sie nicht zu entdecken.

 

Mein Kind verhält sich mir gegenüber respektlos

Neulich habe ich wieder ein Interview für den online-Auftritt von ‚Familienberatung Österreich‘, einer Initiative des Bundeskanzleramtes, Familien und Jugend, gegeben.
Den Text dazu könnt ihr hier nachlesen.

Essen kann mehr

In der letzten Ausgabe der Kirchenzeitung habe ich mich mit einem speziellen Aspekt zum Thema Essen beschäftigt.

Zu meinem gesamten Beitrag geht es hier.

Spieglein, Spieglein an der Wand…

Dieses Mal habe ich mich in meinem Gastbeitrag in der Kirchenzeitung mit dem Thema des Vergleichens beschäftigt.

Wer kann den oben angeführten Spruch aus dem Märchen „Schneewittchen“ nicht zu Ende bringen?!

Dieser Satz nimmt im Leben der Königin einen immer zentraleren, wenn nicht gar bestimmenden Platz ein. Ihre eigene Wertigkeit definiert sie nur noch durch den Vergleich mit ihrer Stieftochter bis hin zu deren Tod. Erst dann ist die Königin mit ihrem Sein vermeintlich zufrieden.

Bedeutung
Das Wort „Vergleich/ sich vergleichen“ hat grundsätzlich zwei Bedeutungsrichtungen. Auf der einen Seite steht das Abwägen, das Gegenüberstellen. Auf der anderen Seite steht die Kompromissbildung, die Einigung – vor allem in juristischen und konflikthaften Belangen.
Die Königin stellt sich in Konkurrenz mit ihrer Stieftochter und beschreibt damit ein in unserer Gesellschaft weit verbreitetes Phänomen. Menschen definieren sich und ihr Sein oft hauptsächlich darüber, ob sie besser sind als andere.

Übertragung
Dieses Verhalten an sich und auch in seinen Auswirkungen ist für die einzelne Person bereits problematisch. Noch schwieriger wird es, wenn Erwachsene Kinder vergleichen. Die Vergleiche können sich dabei auf verschiedene Ebenen wie das Verhalten, die Leistungen, das Aussehen oder gar die Persönlichkeit beziehen. Damit wird in den Kindern ein Gefühl genährt, das zu diesem Zeitpunkt vielleicht noch gar nicht vorhanden ist: das Gefühl nicht zu genügen und das Gefühl der Konkurrenz.

Entwicklung
Beide möglichen Gefühle sind für die Entwicklung eines Kindes ungünstig. Entsteht das Gefühl als Person nicht auszureichen, wird der eigene Wert, wie bei der Königin, immer nur an anderen gemessen. Das Kind entwickelt sich nicht mehr zu einem Selbst. Das Vergleichen von Kindern durch Erwachsene auf der Leistungsebene ist oft schon sehr früh zu beobachten. Da wird im Sport darauf geachtet, welches Kind früher anfängt und dann auch besser ist. Oder am Ende eines Semesters werden die Zeugnisse der Kinder präsentiert und diskutiert. Mit diesen Vorgehensweisen nehmen Erwachsene ihren Kindern die Chance, Freude an ihrem Tun zu haben und sich aus Interesse für Dinge zu engagieren.

Individualität
Das Phänomen des Vergleichens können wir auch vor unseren Kindern nicht vollständig abwenden, denn es ist in der Gesellschaft allgegenwärtig. Doch es ist unsere Aufgabe, den Kindern zu helfen, sich immer wieder auf sich selber – ihr Tun, ihr Können und ihre Persönlichkeit – zu besinnen. Schließlich sollen und wollen wir nicht alle „gleich“ sein, wie das Wort suggeriert, sondern mit unserer Individualität die Gesellschaft bunt machen.