Lasst die Hemmungen fallen!

Adventzeit ist Bastelzeit. Eine Bekannte hat mir in diesem Zusammenhang ein ganz tolles Erlebnis erzählt, das ich gerne mit euch teilen möchte.

Glitzer überall!
Sie hat Säcken für den Adventkalender genäht und wollte nun noch mit ihren Kindern einen Stoffhintergrund gestalten, damit alles weihnachtlich aussieht. Sie hat alle möglichen Dinge gekauft, um diese Verzierung vorzunehmen, vor allem Glitzer – Glitzerstifte, Glitzerfarben, Glitzersterne, denn nichts lieben ihre Kinder aktuell mehr.

Dann ging es um die Frage, was denn auf den Stoff gemalt wird. Gemeinsam starteten sie das Projekt. Voller Freude wurde gemalt und „geglitzert“. Als beinahe sämtlicher Platz aufgebraucht wurde, kam ihr Sohn (4 Jahre) noch auf die Idee, dass unbedingt ein Nikolaus auf den Stoff gemalt werden muss. Meine Bekannte erzählte, dass sie eigentlich schon sehr stolz auf sich war, über die Dinge, die sie bereits gemalt hat, denn ihre künstlerischen Fähigkeiten sind ausbaufähig, wie sie selber meint. Da brachte sie der Wunsch ihres Sohnes ein wenig ins Schwitzen.

Wieso so gehemmt?
Aber sie dachte sich, bei den heutigen neuen Medien wird sie wohl im Internet eine Vorlage finden, um einen Nikolaus zeichnen zu können. Sie fanden auch viele Bilder, aber so richtig zum Abzeichnen eigneten sie sich nicht. Also sagte sie ihrem Sohn, dass sie sich nicht darüber hinaussieht, einen Nikolaus abzuzeichnen.

Seine Reaktion war einmalig! Mit verständnislosem Blick sah er sie an, nahm einen Stift und meinte nur: „Dann male eben ich den!“ Und er machte sich ans Werk. Mir erzählte meine Freundin, dass sie sich insgeheim schon Gedanken gemacht hat, wie sie die Zeichnung ihres Sohnes übermalen kann, sodass dann irgendwie noch ein erkennbares Motiv entsteht. Doch sie wurde für diesen Gedanken „bestraft“. Ihr Sohn begann voller Begeisterung zu malen. Ihr war zwar nicht klar, wie sein System funktionierte, aber als er dann den Stab, den Bart und vor allem den Hut gemalt hat, war sie sprachlos: Da entstand tatsächlich ein deutlich erkennbarer Nikolaus!

Bewahrt das Unbeschwerte!
Als ich diese Geschichte gehört habe, wurde mir wieder verdeutlicht, wieviel wir als Erwachsene von unseren Kindern lernen können. Wir machen uns Gedanken, wenn wir zeichnen. Ist das Bild auch schön? Ist zu erkennen, was ich machen wollte? Ist das Rentier vielleicht ein wenig zu dick geraten? Oder auch wenn wir singen: Ist der Ton schief? Singe ich zu laut?

Kinder machen einfach. Sie freuen sich am Tun und überlegen nicht, ob alles nachher exakt passt.

Meine Bitte also an uns alle: Nehmen wir uns ein Vorbild und genießen wieder mehr. Und vor allem, lasst uns den Kindern bitte diese Unbefangenheit möglichst nicht verderben!

Ein Tag des Schenkens und Nächstenliebe – Der heilige Nikolaus

Morgen ist der 6. Dezember – Heiliger Nikolaus – ein Fixpunkt im Kalender der Adventszeit. Es ist ein Tag des Schenkens und der Nächstenliebe. Nachts werden Säcke, Socken oder Schuhe mit kleinen Geschenken, mit Nüssen und Mandarinen gefüllt.
Zurück geht dieser Brauch auf die Legende des Heiligen Nikolaus, der sein Vermögen heimlich mit dem Nachbarn geteilt hat, sodass dessen drei Töchter heiraten können. In weiterer Folge wurde der Heilige Nikolaus zum Bischof von Myra ernannt. Sein Anliegen blieb die Unterstützung der Armen.

Der große Mann mit weißem Bart
Für Kinder stellt dieser große Mann mit weißem Bart, mit seinem Stab, seinem Buch und seiner großen roten Bischofsmütze eine beeindruckende Person dar. Wenn er vor ihnen steht in voller Größe und mit seiner tiefen Stimme zu ihnen spricht und ein Säckchen überreicht. Sein Knecht Ruprecht bleibt dabei im Hintergrund, um die Kinder nicht zu erschrecken.

Liebe vs. Ermahnung
Oder sollte ich vielmehr sagen – sollte im Hintergrund bleiben!? Denn leider nutzen noch immer viele Erwachsene Sankt Nikolaus als „Erziehungstag“. Bevor der Nikolaus vor die Kinder tritt, wird ihm meist von den Eltern ein Zettel zugesteckt, auf dem ein paar Dinge stehen, die er zu dem jeweiligen Kind sagen soll. Ich finde es schade, dass Eltern diese Möglichkeit nicht vordergründig nutzen, um ihren Kindern zu sagen, wie toll sie sind, wie lieb sie sie haben und wie glücklich sie sind, dass sie da sind. Meist werden besser oder schlechter versteckte Ermahnungen eingebaut: Du musst bräver sein! Du musst besser auf deine Eltern hören! Du sollst dein Zimmer öfter aufräumen! Die Liste ist lang und stellt doch immer ein Bloßstellen der Kinder vor anderen dar.

Genießt gemeinsam!
Ihr, die ihr mich und meine Einstellung durch die verschiedenen Texte auf meinem Blog inzwischen kennt, wisst, dass ich dem Bloßstellen von Kindern sehr kritisch gegenüberstehe. Ich finde es nicht richtig, versteckte Botschaften zu schicken oder auch dies einer anderen Person zu übergeben. Wenn ich meinem Kind etwas zu sagen haben, dann muss ich das als Eltern selber mit ihm klären und ihm nicht vor versammelter Verwandtschaft durch eine dritte Person sagen lassen. Es ist für das Kind kein angenehmes Gefühl und verdirbt ihm auch diesen eigentlich sehr schönen Anlass.

Wenn wir zudem die Geschichte des Heiligen Nikolaus lesen und seine vielen guten Taten, dann war darin nie zu hören, dass er die Menschen kritisiert hat. Er steht vielmehr für gegenseitiges Helfen und Unterstützen, für Nächstenliebe. Es ist diese Botschaft, die unsere Kinder am 6. Dezember mitnehmen sollten.

Warum ich durch Fragen nicht klug werde

Eines der wichtigsten Dinge für gelingende Beziehung ist Kommunikation: in der Paarbeziehung, in Freundschaften, in der Eltern-Kind-Beziehung. Dabei spielt immer auch die richtige Dosierung eine große Rolle: nicht zu viele Fragen, nicht zu wenige Fragen, zwar Interesse, aber keine Neugierde und vieles mehr.

Jetzt schon?
Als Eltern bekommt man schon früh gesagt, dass es vor allem in den Jugendjahren ein Drahtseilakt werden kann, mit seinem Kind in Kontakt zu treten. Wenn man zu schnell zu nahe kommt, dann verscheucht man es wie ein scheues Reh. Wenn wir aber zu wenig fragen, dann kann es uns auch passieren, dass wir sie aus den Augen verlieren. Mich hat daher ein Erlebnis mit meinem Sohn wieder vor eine neue Erkenntnis gestellt: Der Beginn ist schon viel früher!

Vorsicht ist geboten
Unsere beiden Kinder besuchen den Kindergarten bzw. an einigen Vormittagen die Spielgruppe. Am Mittag sind wir dann gemeinsam wieder zu Hause. Ich lege großen Wert auf ein gemeinsames Mittagessen und frage da meine Kinder stets, wie ihr Vormittag gelaufen ist. Seit einiger Zeit bekomme ich dann immer die gleiche Antwort: „Ich mag nicht erzählen. Sag du doch, wie es bei dir war!“. Die ersten Male habe ich mich geweigert, da ich nicht dachte, dass es sie wirklich interessiert. Doch dieses Spiel hat sich täglich wiederholt und immer haben sie weniger auf mein Nachfragen nach ihren Erlebnissen am Vormittag geantwortet.

Taktikänderung
Ein Erlebnis vor ein paar Wochen brachte mich dann hinsichtlich meiner Taktik ins Wanken: Wieder hat mein Sohn nur spärliche Informationen aus dem Kindergarten an mich weitergegeben. Am nächsten Morgen erzählte er mir dann beim Frühstück, dass die Kappe, die er als „Stefan“ trägt, total angenehm zu tragen sei. Mit fragendem Blick sah ich ihn und meinen Mann an. Letzterer wiederum meinte nur: Ja, halt die Figur, die er beim Laternenfest in der Kirche spielen wird. Da musste ich feststellen, dass ich trotz meiner ganzen Fragerei nichts über die Rolle meines Sohnes in diesem Stück erfahren habe, während er dies seinem Vater beim Abendritual einfach so erzählt hat.

Erfahrungen annehmen
Aus dieser Erfahrung bin ich – hoffentlich – klug geworden und habe aufgehört, meinen Kindern ständig Fragen zu stellen. Vielmehr versuche ich eine Atmosphäre zu schaffen, in der sie merken, dass sie mir alles erzählen können – Angenehmes wie Unangenehmes. Gleichzeitig erzähle ich ihnen einfach von meinem Tag, sodass sie weiterhin ein Vorbild haben hinsichtlich Kommunikation.

Ich bleibe aber dennoch fasziniert zurück, dass dieser Bereich der Beziehung bereits in so jungen Jahren sehr sensibel ist. Es bedarf hoher Aufmerksamkeit damit man als Eltern doch erfährt, wie es den eigenen Kindern geht.