Mein Ein und Alles – Das Kuscheltier

Für einen Artikel habe ich mich vor Kurzem mit dem Thema „Sicherheit/ Sicherer Ort für Kinder“ beschäftigt. (Den Artikel stelle ich euch nach der Veröffentlichung selbstverständlich gerne zur Verfügung). Und wie es nun einmal so ist, kann man in einem Artikel nicht immer alle Gedanken niederschreiben, die zu einem Thema passen würden.
Daher beschreibe ich euch einen weiteren Aspekt auf diesem Weg.

Ein Kuscheltier
Es gibt für Kinder auf der einen Seite sichere Orte. Orte, an denen sie sich wohl und beschützt fühlen, an denen sie Trost und Geborgenheit finden.
Es gibt jedoch für Kinder auch noch etwas anderes, das ihnen diesen Schutz vermittelt: Kuscheltiere!

Eigene Erinnerung
Also ich kenne das aus meiner eigenen Kindheit: Ich habe von meinen Eltern im Alter von 7/8 Jahren ein kleines Kuschelpferd geschenkt bekommen, das mich von da an auf allen Wegen begleitet hat. Ich kann mich erinnern, dass ich es als Volksschulkind einmal mit in die Schule genommen und dort dann vergessen habe. Das war für mich eine unglaubliche Tragödie. Und ich konnte in der Nacht kaum Schlaf finden.

Auswahl treffen
Unsere Kinder haben auch ihre Lieblingskuscheltiere. Sie sind immer mit dabei und werden gekuschelt und gepflegt. Auf nichts anderes wird so viel Acht gegeben wie auf diese.
Spannend finde ich noch immer, wie diese beiden zu den Lieblingskuscheltieren gewählt wurden. Denn wie wahrscheinlich alle Eltern haben mein Mann und ich vor der Geburt unserer Kinder für sie ein Stofftier gekauft. Wir sind sogar in ein spezielles Geschäft gefahren und haben lange überlegt, welches wohl das passende wäre. Und siehe da: Die von uns getroffene Auswahl ist völlig uninteressant! Ein Lieblingskuscheltier, das auch noch ein Schutztier ist, muss vom Kind selbst ausgewählt werden. Dabei sind die Auswahlkriterien für uns Erwachsene meist völlig unklar.

Flexibilität gefragt
Für unseren Sohn war sein erstes Kuscheltier eine Fledermaus, die bei einem Kleidungsstück als Gratisgeschenk dabei war. Sie war unverzichtbar und ich kann gar nicht sagen, wie viele Stunden am Abend wir manchmal damit verbracht haben, diese Fledermaus zu suchen. Da sie ihn ja überall hinbegleitet hat, war sie oft unauffindbar. Mit der Zeit musste ich zunehmend Löcher stopfen. Sorgenvoll haben wir uns als Eltern überlegt, wie wir unserem Sohn beibringen können, dass diese Fledermaus irgendwann wahrscheinlich nicht mehr zum Reparieren geht. Doch die Sorge war zum Glück unbegründet. Er hat es selber bemerkt. Sie bekam dann von ihm einen geschützten Bereich gebaut, wo sie zwar immer noch in seiner Nähe ist, aber nicht mehr so heftig geknuddelt wird. Begeistert waren wir auch, dass es dann doch Ersatz für dieses Tier gab: Ein kuscheliger Wolf hat den Platz eingenommen und blickt uns nun am Abend mit seinen großen, wachsamen Knopfaugen an, wenn wir unseren Sohn ein letztes Mal zudecken. Er ist es auch, der in den Arm genommen wird, wenn es Unstimmigkeiten gibt oder unser Sohn sich wehgetan hat.

Unterschiede
Anders war es bei unserer Tochter: Bei ihr war es über lange Zeit nicht klar, welches das Lieblingstier wird. Diese haben immer wieder gewechselt. Waren zum gewählten Zeitpunkt zwar überall dabei, doch die Zuneigung hielt nicht lange, bis sie kam: Lilly – ein kuscheliges Pferd, das nun seit geraumer Zeit das Ein und Alles unserer Tochter ist. Sie wird gepflegt, angezogen und zugedeckt. Sie sitzt natürlich auch am Esstisch bei uns und bekommt ihre eigene Portion.

Bestehende Bedeutung
Wir sehen also: Die Wichtigkeit von Kuscheltieren darf nicht unterschätzt werden. Sie sind für Kinder wie ein bester Freund/eine beste Freundin, die immer da sind, wenn sie gebraucht werden.
Und was wird aus den Kuscheltieren, wenn wir älter werden? Ich kann nur von mir sprechen: Mein Kuschelpferd steht noch immer auf meinem Nachtkästchen, wird hin und wieder von meinen Kindern – auf Grund seines Alters mit aller Vorsicht – in ihr Spiel integriert und taucht ab und zu auch in meinem Koffer auf, wenn wir auf Reisen sind 😊

Zum Nachschauen: Online-Seminar

Für diejenigen von euch, die am Dienstag keine Zeit hatten, live dabei zu sein, und diejenigen, die einfach noch einmal nachhören möchten, füge ich hier den Link zur Aufzeichung meines elternweb2go-Seminars ein.

Vielleicht haben die einen oder anderen von euch ja ein paar Anmerkungen dazu…

Online-Seminar zum Thema „Bindung“

Heute möchte ich euch auf eine spannende Veranstaltung hinweisen:

Am 12. März 2019 darf ich wieder auf elternweb2go ab 20:15 Uhr referieren. Das Thema dieses Mal: „Bindung fürs Leben – Wie Kinder bärenstarke Wurzeln bekommen“.

Nähere Informationen zu diesem Seminar findet ihr hier.

Das Angebot von elternweb2go ist kostenlos – ich freue mich auf zahlreiche Teilnahme!

 

 

Ein Gesetzeshüter ohne Beziehung

Vor Kurzem durfte ich in meiner Arbeit einen Vater begleiten, der das Gefühl hatte, den Kontakt zu seinem 6-jährigen Sohn verloren zu haben. Der Vater ist alleinerziehend und zusätzlich voll berufstätig. Bisher konnten die beiden die Situation gut managen und waren nach Aussage meines Klienten ein tolles Team.

Kontaktverlust
Für ihn unerklärlich hat sich jedoch vor ein paar Wochen ein Phänomen eingeschlichen, das der Vater mit folgender Frage beschrieben hat: „Wann bin ich eigentlich zum Gesetzeshüter geworden und bin nicht mehr Begleiter meines Kindes?“
Was meinte er damit? Er hat selber gemerkt, dass im Kontakt mit seinem Sohn, sei es beim Essen, bei Ausflügen, zum Schlafengehen – eigentlich egal, welche Situation – der Vater nur mehr darauf achtet, dass die gesetzten Regeln eingehalten werden. Dies hatte eine zunehmende Verschlechterung der Vater-Sohn-Beziehung zur Folge, die nur noch durch Konflikte gekennzeichnet war. Das „Teamgefühl“ von früher sei völlig verloren gegangen.
Im Gespräch beschrieb er noch eine weitere Beobachtung, die ihn bekümmerte: Er zeige seinem Sohn die Welt nicht mehr! Vor ein bis zwei Jahren habe er ihm Dinge noch erklärt, habe sich Zeit genommen. Jetzt, so bemerke er, erwarte er von seinem Sohn, dass er sich selber beschäftigt und selber – ohne ihn – auf Entdeckungsreise geht.

Kontrollmodus
Ich fand die Beschreibungen des Vaters sehr eindrücklich, und möchte sie daher auch mit euch teilen. Denn fallen wir als Eltern nicht oft in diesen Kontrollmodus? Das passiert oft unbemerkt und schleichend. Erst in der Beziehungsunterbrechung und in der Anhäufung der Konflikte wird es zunächst spürbar. Wir sind nur mehr drauf ausgerichtet, zu kontrollieren, ob die Regeln eingehalten werden, ob das Benehmen passt. Wir verfallen in ein Verhalten, bei dem wir dann wirklich jeden Regelverstoß wahrnehmen und ahnden. Wir haben dann meist das Gefühl, dass unser Kind völlig unfolgsam ist und hören auf, die positiven Eigenschaften unseres Kindes überhaupt wahrzunehmen.

Abbiegemodus
Doch wenn wir einen Moment innehalten, dann merken wir vielleicht, dass es in diesem Fall nicht eigentlich das Kind ist, dass ein schwieriges Verhalten zeigt. In den meisten Fällen ist es genauso Kind wie vorher. Eher sind es wir als Eltern, die eine falsche Abzweigung genommen haben. Unsere Wahrnehmung ist nur noch auf Fehler hin geschärft und nicht mehr auf die guten Dinge.
Natürlich besteht ein Teil unserer Aufgabe auch in diesem unangenehmen „Überwachen“ bzw. Achten, dass Regeln eingehalten werden. Doch ist es ungünstig, wenn dies die Beziehung zum Kind bestimmt. Manchmal kann man doch einfach auch „fünfe gerade sein lassen“, wie eine alte Volksweisheit besagt.

 

 

 

Von Er- zu Be-ziehungsgedanken

Immer wieder werde ich von Menschen gefragt, für wen denn die Inhalte meines Blogs gedacht sind. Wer ist sozusagen mein „Gesprächsgegenüber“?

Ursprung
Klar, ich habe ihn „erziehungsgedanken.com“ genannt. Da geht man eigentlich davon aus, dass sich die Eintragungen primär um das Thema Kinder und Eltern drehen werden. Dies war auch mein ursprünglicher Gedanke – also meine Erfahrungen als Psychologin und zweifache Mama zu kombinieren und mit anderen zu teilen. In den meisten Texten und Themen auf meinem Blog ist das auch der Fall. Doch habe auch ich in den letzten Monaten eine Entwicklung gespürt und frage mich, ob nicht bei vielen Überlegungen auch noch ein anderer zentraler Aspekt durchschimmert: Das Thema „BE-ziehung“.

Entwicklung
Am Beginn des Blogs standen verschiedene Erziehungsthemen. Fragen, die uns als Eltern im Alltag begleiten. Situationen, die es sich selber zu erklären und zu bewältigen gibt. Je länger und intensiver  ich mich jedoch beruflich und privat mit dem Thema auseinandersetze, erscheint mir die Grenze „Erziehung – Beziehung“  immer fließender. Sind nicht wirklich viele Erziehungsthemen Beziehungsthemen? Wenn wir gemeinsam eine Situation diskutieren, stellen wir doch häufig fest, dass ein zentraler Aspekt darin besteht, mit dem Kind in Kontakt zu gehen, es ernst zu nehmen und mit ihm zu sprechen. Besteht ein Beziehungsabbruch zwischen Eltern und Kind, dann ist das nicht nur für die Entwicklung des Kindes verheerend. Es ist dann auch so, dass keine Erziehungsmaßnahmen mehr greifen.
Zwischendurch habe ich euch ja von Fortbildungen erzählt, die ich besucht habe, die im ersten Moment nicht vordergründig das Thema „Erziehung“ hatten. Und dennoch konnten wir für unser Thema Dinge ableiten.

Öffnung
Zurück zu unserer ursprünglichen Frage, für wen dieser Blog interessant sein könnte. Natürlich für Eltern oder ErzieherInnen, die sich täglich mit Kindern beschäftigen. Vielleicht auch für Großeltern, die ab und zu auf ihre Enkel aufpassen, oder möglicherweise hin und wieder eine Idee für ein Thema bekommen, das gerade für ihre Kinder zentral ist. Doch eigentlich für alle Menschen, die sich nicht nur mit Kindern, sondern allgemein mit den Menschen beschäftigen möchten. Und ich merke, dass es mir zunehmend ein Anliegen ist, diese Brücke zu schlagen. Denn ist nicht die Eltern-Kind-Beziehung ein Symbol dafür, wie wir Beziehung allgemein leben oder auch leben sollten?

Bleib stehen!

In einer meiner letzten Teamsupervisionen hat einer meiner Kollegen ein tolles Bild geschildert, das er einem seiner Klienten mit nach Hause gegeben hat. Er hat dieses zwar ursprünglich auf die Paarbeziehung bezogen, aber während ich ihm so zugehört habe, dachte ich mir, dass das für uns als Eltern auch wunderbar passt.

Der Rettungseinsatz
Wird ein Rettungshubschrauber zu einem Einsatz ins Gebirge gerufen, gibt es immer einen sogenannten „Einweiser“. Dieser Rettungssanitäter ist dafür da, dem Piloten den Landeplatz anzuzeigen. Vor allem bei schlechter Sicht oder auch bei Sturm verlangt diese Aufgabe viel Mut und gute Nerven. Sieht der Pilot nämlich den Platz an sich nicht, ist dieser Mensch, ausgestattet mit Lampen und Reflektoren, sein einziger Orientierungspunkt, der sich keinesfalls bewegen darf. Es kann dabei sogar zu Situationen kommen, in denen es zu einer Berührung zwischen Hubschrauber und Mensch kommt. Die oberste Devise bleibt dennoch: Keine Bewegung! Halte die Umstände aus! Halte auch die Annäherung und die Berührung durch den Hubschrauber aus! Bleib stehen! Denn wenn du dich bewegst, hat das gravierende Folgen!

Eltern-Kind-Beziehung
Wenn wir dieses Bild bzw. diesen Rettungseinsatz auf unsere Begegnungen als Eltern mit Kindern herunterbrechen, dann wird deutlich, dass auch wir immer wieder dieser Rettungssanitäter sind. Manchmal schlägt auch uns ein etwas härterer Wind ins Gesicht, es gibt Auseinandersetzungen, Reibereien. Die Kinder suchen ihre eigenen Wege. Nicht immer funktioniert das reibungslos. Meist handelt es sich hier um herausfordernde Prozesse. Auf der einen Seite wählen Kinder uns Eltern als Orientierungspunkt. Von uns aus machen sie sich auf den Weg zu neuen Ufern. Gleichzeitig aber konfrontieren sie uns, fordern sie uns. Ihre Entwicklung ist dann davon abhängig, dass wir stabil stehen bleiben. Dass wir uns nicht bewegen, sondern eben in diesen unruhigen Zeiten für sie der stabile Ankerpunkt bleiben.

Ich habe mir dieses oben beschriebene Bild mitgenommen und führe mir es in unterschiedlichen Konfliktsituationen vor Augen. Dabei jedoch nicht nur, dass ich selber dieses Stabile für mein Gegenüber sein soll, sondern dass auch ich selber immer wieder ein solches brauche.

Erziehung ist keine gerade verlaufende Straße

Wann wird man als Eltern eigentlich darauf vorbereitet, dass Erziehung nicht immer gerade verläuft? Dass es eine ständige Auseinandersetzung mit allen Beteiligten braucht? Dass Handlungen oder auch Grenzen, die bis zu einem gewissen Zeitpunkt super funktioniert haben, plötzlich durchdacht und umgestaltet werden müssen?

Erziehung ist nicht das Gehen eines linearen Weges. Es ist ein ständiges Nach-Vorne-Schauen, Abzweigungen nehmen, aber auch ein „durch den Rückblick Lernen.“

Grenzsetzung
In unserer Familie wurden wir in den vergangenen Wochen und Monaten sehr eindrücklich mit dieser Herausforderung konfrontiert.
Die Frage, mit der mein Mann und ich uns in den letzten Wochen und Monaten intensiv auseinandersetzen mussten, war die Frage nach der Flexibilität dieser Grenzen bzw. der Frage, wann braucht es eine Grenz-Veränderung. Bedingt war dies durch das Auflehnen unseres Sohnes gegen die eine oder andere Grenze, die wir bis dahin gesetzt haben. Für uns recht überraschend, kam es von einem Tag auf den anderen zu häufigen Diskussionen mit ihm.
In einer ersten Reaktion darauf haben wir die Grenzen stetig enger gesetzt und auch versucht, diese durch das Androhen und Setzen von Konsequenzen durchzusetzen. Jeden Abend haben mein Mann und ich dann den Tag reflektiert und mussten feststellen, dass unsere Vorgehensweise völlig fruchtlos ist. Vielmehr war sogar das Gegenteil der Fall: Für unseren Sohn schien seine Welt zunehmend enger zu werden und dagegen lehnte er sich immer heftiger auf.

Umdenken
Wir stellten also fest, dass der eingeschlagene Weg uns nicht weiterführt.
Daher haben wir uns noch einmal hingesetzt und unseren Sohn, der uns im direkten Kontakt nicht sagen konnte, was er braucht, symbolisch in die Mitte gesetzt. Wir haben ihn von allen Seiten betrachtet und eine Entscheidung getroffen: Wir machten die Grenzen weicher. Dabei haben wir nicht unsere grundsätzlichen Werthaltungen verändert, doch wir mussten eines feststellen: Offensichtlich hat unser Sohn einen Entwicklungsschub gemacht, der uns im ersten Moment entgangen ist. Er hat für sich selber erkannt, dass er sich sowohl körperlich, als auch im Kopf verändert hat und möchte, dass ihm mehr Dinge erlaubt und vor allem zugetraut werden. So haben wir das dann auch gemacht.
Wir haben ihm mehr Eigenständigkeit und auch Eigenverantwortung gegeben. Wir ließen ihn Dinge ausprobieren, ohne ihn sofort zu limitieren. Gefühlt, sind wir einen Schritt zurückgetreten und haben ihn ein wenig losgelassen.

Am Ball bleiben
Wir mussten mit ein wenig Versuch und Irrtum herausfinden, was für unser Kind in dieser Lebensphase wichtig ist. Als Eltern waren wir froh, dass wir als Team funktioniert haben, denn es war keine einfache Zeit.
Genau das ist der Kern der Erziehung: Nicht gleich war uns der richtige Weg deutlich vor Augen.  Doch indem wir mit unserem Sohn trotz aller Konflikte in Kontakt geblieben sind und als Eltern unser Handeln stets reflektiert haben, haben wir für alle einen wichtigen Entwicklungsschritt gemacht. Wir haben die bis dahin geltenden Grenzen und Erziehungseinstellung angepasst.

Diese Zeit hat uns als Familie gestärkt. Möglich war das jedoch nur auf Grund unseres Vertrauens in die Sicherheit und Stabilität unserer Beziehung zu unserem Sohn, aber auch zwischen uns als Eltern.

Erziehung zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Regelmäßige Fortbildungen sind für mich sehr wichtig, sowohl als Psychologin als auch als Mutter. Sie helfen mir mein Fachwissen aufzufrischen und zu aktualisieren und damit für meine Klienten und Klientinnen ein kompetentes Gegenüber zu sein. Je nach Thema sind sie jedoch auch für mein Leben als Mutter von großer Bedeutung.

Feinfühligkeit ist wichtig
Am vergangenen Wochenende habe ich einen Kongress zum Thema „Bindung und Persönlichkeit bei Kindern und Jugendlichen“ besucht. Wie ihr schon beobachten konntet, ein Thema, das mich aktuell sehr intensiv begleitet.

Eine der Referentinnen hat in ihrem Vortrag unter anderem wieder darüber gesprochen, dass die elterliche Feinfühligkeit für die Entwicklung einer sicheren Bindung von großer Bedeutung ist. Auch wir haben auf meinem Blog schon darüber diskutiert. Gleichzeitig habe ich aber auch gemerkt, dass hinter dieser Aussage schon ein ungeheurer Druck auf uns als Eltern lastet.

Nicht immer klappt alles
Denn kennt ihr das auch? Ihr habt so eure Werte im Kopf, eure Leitsätze und Vorhaben, wie ihr mit euren Kindern umgehen und sie begleiten möchtet. Dann blickt ihr am Ende eines Tages jedoch auf die letzten Stunden zurück und erkennt, dass ihr nicht in jeder – meist sind es die konflikthaften – Situation so reagiert habt, wie ihr euch das in der Theorie gewünscht habt. Manchmal wurdet ihr vielleicht lauter, als ihr euch das vorstellt, oder manchmal habt ihr auch nicht in der Geschwindigkeit auf die Bedürfnisse eures Kindes reagiert, wie es euer eigener Anspruch an euch verlangt.

„Reparierende Feinfühligkeit“
Für mich ist das immer wieder ein Knackpunkt: Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis und die Erlaubnis, dass es Zeiten gibt, in denen hier eben ein Unterschied besteht und bestehen darf. Nicht jeder Tag ist gleich. Nicht immer haben wir als Eltern die gleichen Kräfte, die gleichen Nerven. Es gibt so viele verschiedene Faktoren, die mitspielen und mitbeeinflussen, dass wir nicht immer optimal reagieren können. Aber wir reagieren so, wie es in diesem Moment eben möglich ist.

Die oben angeführte Referentin hat in ihrem Vortrag dann noch einen erleichternden Zusatz gemacht, den ich auch euch gerne auf den Weg mitgeben möchte. Sie meinte nämlich eben auch, dass ein Tag aus Aufs und Abs besteht und dass wir nicht immer vollkommen feinfühlig reagieren können. Sie meint, dass sowohl die sehr hohe als auch die sehr niedere Feinfühligkeit für die Einwicklung kontraproduktiv sind. Vielmehr betont sie die Wichtigkeit einer „reparierenden Feinfühligkeit“: Wenn es in der Beziehung zum Kind zu Missverständnissen gekommen ist oder auch die Kommunikation nicht optimal war, dann ist Feinfühligkeit der Eltern wichtig.

Das ist befreiend
Genau darum finde ich Fortbildungen für mich so wichtig: Sie helfen mir, meinen eigenen Alltag als Mutter und als Fachperson in einem neuen Licht zu betrachten und stets in Bewegung zu bleiben. Sie befreien mich manchmal auch von selbstauferlegten Druck oder dem Anspruch von Perfektion.

Zudem ermöglichen sie mir, dieses Wissen mit euch zu teilen ;-).

Ein Hoch auf das Buch!

Am 17.11.2017 ist in Österreich, wie übrigens auch in Deutschland, Vorlesetag. Ein Tag, gewidmet dem Vorlesen von Büchern für Kinder.

Der Wert des Vorlesens
Eine Studie der deutschen Stiftung Lesen zeigt, dass Eltern immer später mit dem Vorlesen beginnen und zudem dabei den Bildungsgedanken in den Vordergrund stellen.

Als jemand, die das Lesen liebt, ständig ein Buch in der Tasche hat und auch als Kind immer von Büchern umgeben war, war von Anfang an klar, dass es unseren Kindern niemals an Büchern fehlen wird. Die Auswahl an Kinderbüchern ist enorm und macht mir stets die Entscheidung schwer, wenn ich wieder einmal vor einem Regal in einem Geschäft oder der Bücherei stehe.

Lasst die Hemmungen fallen 😊
Wir haben unsere Kinder von Geburt an mit Büchern versorgt und wurden Experten für Tierstimmen oder auch Auto- und Flugzeuggeräusche. Mit der Zeit kamen immer mehr Texte zu den Bildern dazu, die von den Kindern verlangt wurden, vorgelesen zu werden. Ich finde ja immer die Bücher toll, deren Texte sich reimen, weil diese faszinierenderweise sehr schnell in den Köpfen der Kinder hängen bleiben.
Meiner Erfahrung und Beobachtung nach lieben Kinder es, wenn ihnen vorgelesen wird. Sie sind begeistert, wenn der Vorleser seine Stimme verändert und eine der Geschichte entsprechende Atmosphäre schafft. Und ich kann dazu nur sagen: Wenn wir als Erwachsene hier die Hemmungen erst einmal abgelegt haben, dann gibt es kaum etwas Erfreulicheres als diese Beschäftigung. Zudem sind Kinderbücher meist so gestaltet, dass sie auch uns Freude machen. Wenn Kinder dann auch noch mit ihren eigenen Ideen und Beobachtungen einen Beitrag leisten, dann rennen die Stunden des Tages nur so dahin.

Der Mehrwert von Büchern
In unserer Familie ist das Vorlesen von Büchern nicht nur in das Abendritual eingebunden. Wir nehmen auch ein Buch her, wenn das Wetter draußen keinen Ausflug erlaubt, wenn ein Kind krank ist oder wenn wir einfach einmal nur gemütlich auf der Couch lümmeln wollen. Stets wird diese Tätigkeit auch mit Kuscheln verbunden 😉

Noch eine kurze Anmerkung zu den Inhalten: Kinderbücher müssen nicht immer „pädagogisch wertvoll“ sein. Sie müssen Spaß machen und unterhalten. Sie sollen den Kindern die Freude am Entdecken, am Mitleben und an der Beobachtung machen. Schließlich lesen wir, also zumindest ich, auch nicht immer nur Bücher, aus denen ich unbedingt etwas lernen kann, sondern einfach um in eine andere Welt abzutauchen.

Also: Lasst uns an diesem speziellen Tag von Büchern umgeben sein, und gemeinsam mit unseren Kindern eintauchen in die spannende Welt der Buchstaben. Und dann denkt auch in den folgenden Tagen und Wochen daran: Bücher kann man nicht genug haben, egal ob gekauft, geliehen, alt oder neu! Sie fördern nicht nur die Phantasie der Kinder und der Erwachsenen, sie stärken Beziehung und Nähe – und sind damit ein kostbares und doch unaufwendiges Mittel, die Eltern-Kind-Bindung zu stärken…

Bindet euch!

Wenn wir uns als Eltern mit der Frage beschäftigen, was das Wichtigste ist, das wir unseren Kindern mit auf den Weg geben können, hören und lesen wir häufig den Ausdruck der „sicheren Bindung“. Auch ich beschäftige mich immer wieder mit dieser Theorie und den damit verbundenen Gedanken. So durfte ich am vergangenen Freitag auch nicht auf einer Tagung zu diesem Thema in Zürich fehlen. In zahlreichen Vorträgen wurde hier die Wichtigkeit einer sicheren Eltern-Kind-Bindung betont. Gerne möchte ich heute diese Überlegungen mit euch teilen.

Was bedeutet eine sichere Bindung?
Damit eine sichere Eltern-Kind-Bindung entstehen kann, sind zwei Aspekte von großer Bedeutung: elterliche Sensibilität sowie Vertrauen und Verlässlichkeit.

Elterliche Sensibilität
Babys und Kleinkinder sind von Geburt an abhängig von ihren Bezugspersonen – von ihren Eltern. Für eine gesunde Entwicklung ist wichtig, dass Eltern lernen, ihre Bedürfnisse zu lesen und auf sie einzugehen. Dabei müssen wir uns als Eltern immer vor Augen führen, dass nicht jedes Kind in jeder Situation dasselbe Bedürfnis hat. Es braucht die Auseinandersetzung mit ihm, um zu erkennen, welche Handlungen seitens Vater und Mutter notwendig sind.

Vertrauen und Verlässlichkeit
Elterliches Verhalten muss für ein Kind vorhersagbar sein. Für die kindliche Entwicklung ist es somit hinderlich, wenn zum Beispiel an einem Tag sein Verhalten mit Freude aufgenommen wird, während es am nächsten Tag bestraft wird. In diesem Umfeld kann es sich nicht frei entfalten und Dinge ausprobieren, sondern lebt in ständiger Furcht. Verlässlichkeit bedeutet für ein Kind zudem, dass es darauf vertrauen kann, dass die Eltern für es da sind. Sie müssen durch Erleben wissen, dass ihre Eltern da sind, dass sie zurückkehren, wenn sie gegangen sind.

Aber warum ist nun die sichere Bindung das höchste Ziel in der Erziehung?
Eine sichere Bindung verhindert nicht, dass es zu Konflikten zwischen Eltern und Kind kommt. Sie bewahrt Eltern nicht davor, dass sie in verschiedenen Situationen an ihre Grenzen kommen. Sie bedeutet für ein Kind auch nicht, dass es keine Regeln in seiner Entwicklung erlebt. Jedoch ist die vertraute Bindung zwischen Eltern und Kind die Basis dafür, dass auch schwierigere Zeiten durchtaucht werden können. Dass eben dann, wenn ein Konflikt im Raum steht, dieser gemeinsam gelöst werden kann.

Mark Thomas, ein Evolutionsgenetiker des Universitätskollegs London, sagt: „Es kommt nicht so sehr darauf an, wie schlau du bist, sondern wie du mit anderen verbunden bist.“ Denn nur, wenn ein Kind sichere Bindung erlebt und spürt, kann es auf Entdeckungsreise gehen. Erst aus diesem Hafen heraus, ist es ihm möglich, sich in die schöne und spannende, wenn auch manchmal raue und unberechenbare See, namens Leben, zu wagen.

Und es ist die sichere Bindung an die Eltern, die es Kindern ermöglicht, die für ihre Entwicklung so wichtigen Wurzeln zu entwickeln (wie im Blog-Beitrag „5 Gartentipps für stark verwurzelte Kinder“ beschrieben).