#spardirdendruck

Wenn’s mal wieder länger dauert! Kennt ihr das auch? 😉

Die Freude am Fragen

„… in der heutigen Gesellschaft, in der Neugierde von Kindern als Bürde angesehen wird.“

Als ich diesen kritischen Satz vor kurzem gehört habe, bin ich innerlich erstarrt. Ist es heute wirklich so, dass uns Erwachsenen die Neugierde von Kindern häufig im Weg steht? Ich bin auf Spurensuche gegangen und in diesem Zusammenhang auf das „Phänomen der hundert Fragen“ gestoßen.

Die Fähigkeit zum Fragen
Alle Eltern kennen wahrscheinlich die Situation des scheinbar nie enden wollenden Fragenkatalogs eines Kindes. „Mama, warum ist das so?“. „Aber Mama! Warum kann das nicht anders sein?“
Hier fällt mir die Geschichte einer Freundin ein. Ihr knapp fünfjähriger Sohn hat sie genau mit einem solchen Fragenkatalog beinahe an das Ende ihrer Weisheit geführt. Begonnen hat alles mit der Frage: „Mama. Warum haben wir einen Kopf?“. Die Antwort der Mutter war ok, und ihr Sohn fand es so spannend, dass er den ganzen menschlichen Körper durchgefragt hat, bis hin zur Sinnhaftigkeit des kleinen Zehs.
Man könnte jetzt den Eindruck gewinnen, ihr Sohn wollte sie nur aufziehen. Sie erzählte, dass das zunächst auch ihr Gedanke war, weil er kein Ende gefunden hat. Sie blieb jedoch dabei und hat die Fragen beantwortet. Und mit der Zeit und am Gesichtsausdruck ihres Kindes hat sie entdeckt, dass es ihn wirklich interessiert.

Wertvolle Neugierde
Seine Neugierde hilft dem Kind, diese für ihn so große unbekannte Welt kennenzulernen. Sie lässt ihn Neues entdecken und Abenteuer erleben. Und mit wem soll ein kleines Kind diese Neugierde befriedigen, wenn nicht mit seinen nahen Bezugspersonen?!
Zudem hat das alles auch für die Erwachsenen seinen Gewinn. Sie lernen wieder mit Kinderaugen sehen und entdecken Dinge, die sie vielleicht lange nicht mehr gesehen oder beachtet haben. Vielleicht kommen sie manchmal an das Ende ihres Wissens, doch können sie dieses durch Nachschlagen selber auch erweitern oder wieder auffrischen. Und besonders wichtig: Durch die gemeinsame Auseinandersetzung mit den Fragen wird die Beziehung zum Kind gestärkt und es fühlt sich in seinen Interessen ernst genommen.

Also, lasst uns schauen, dass die zu Beginn angeführte Aussage nicht eintrifft, sondern dass kindliche Neugierde das bleiben darf, was sie ist: ein wertvolles, ernstzunehmendes Gut!

Nackte Tatsachen

Endlich wird das Wetter wieder wärmer. Die Sonne scheint und die Kleidung wird wieder leichter. In dieser Zeit komm ich nicht umhin, mich einem Thema zu widmen, das uns zwar nicht nur bei Schönwetter begegnet, aber in dieser Zeit natürlich noch einmal vermehrt zu beobachten ist – Nacktbilder von Babys und kleinen Kindern.

Tatsächlich Normalität?!
Ist euch schon aufgefallen, wie häufig in Wohnungen, in Häusern, in denen Kinder aufwachsen, Nacktfotos von ihnen herumhängen. Wir finden sie im Eingangsbereich, im Stiegenhaus, im Wohnzimmer, auf Kalendern, die dann auch noch verschenkt werden. Es sind dabei Kinder nackt zu sehen in normalen Alltagssituationen wie auf dem Töpfchen oder Klo, oder auch speziell für das Foto in Szene gesetzt. Habt ihr aber in denselben Haushalten auch schon Nacktfotos der Eltern im Gang oder im Stiegenhaus hängen sehen?
Ich könnte mir vorstellen, dass die letzte Frage nicht nur mit einem Kopfschütteln, sondern auch mit einem lauten „Natürlich nicht!“ beantwortet wird. Aber warum eigentlich? Warum scheint es uns absurd, dass Besuch die erwachsenen Bewohner nackt zu Gesicht bekommt, aber dies bei Kindern oft gar nicht in Frage gestellt wird.

Zwei Sichtweisen
Es gibt wahrscheinlich zwei Perspektiven, aus deren Sicht man dies betrachten kann.
Da wäre die Sicht des Kindes: Ein kleines Kind schämt sich nicht für seinen Körper. Im Gegenteil, läuft es doch gerne nackt im Haus herum. Es hat noch kein Gefühl dafür, ob es jedem seinen Körper zeigen sollte oder nicht und vertraut indirekt auf den Schutz durch seine Eltern.
Und da ist die Sicht der Erwachsenen, die es oft einfach niedlich finden, ihre Kinder ohne Kleidung zu fotografieren. Die eine Windel als Unterwäscheersatz sehen und damit das Kind nicht als nackt erleben – obwohl sie sich selber auch nicht jedem in Unterwäsche auf einem Foto zeigen würden.

Verantwortung und Respekt
Müssen wir bei diesem Thema aber nicht an das Verantwortungsgefühl und die Sensibilität der Eltern appellieren? Es ist die Aufgabe von Erwachsenen, Kindern ein Gefühl für ihren Körper zu geben: Sich wohl zu fühlen, sich nicht für ihn zu schämen, aber ihn gleichzeitig auch vor fremden Blicken zu schützen. Es geht hier sehr stark um den Respekt der Persönlichkeitsgrenzen eines Kindes, die es von Geburt an zu wahren gilt.

Und sind wir uns ehrlich: Möchten wir als Erwachsene oder auch damals als Jugendliche hören, dass uns die gesamte Verwandtschaft und der Freundeskreis unserer Eltern nackt gesehen hat?!

Wo Ironie fehl am Platz ist

Richtig zu kommunizieren ist eine Kunst, die gelernt werden muss. Sprache besitzt viel Macht. Sie kann verletzen, irritieren, sie kann aber auch Liebe und Freude vermitteln. Es braucht stete Auseinandersetzung und Sensibilität, wie wir mit anderen Menschen kommunizieren. Das bezieht sich dabei nicht nur auf Gespräche unter Erwachsenen, sondern auch auf Gespräche mit Kindern.

Sarkasmus
Ein Stilmittel in der Kommunikation, die – gefühlt – immer häufiger auftritt, ist der Sarkasmus.
Sarkasmus ist beißender, verhöhnender Spott. Ist er gegen jemanden gerichtet, wird die Verletzung des Verspotteten entweder beabsichtigt oder zumindest in Kauf genommen. Eine Technik, der sich der Sarkasmus bedienen kann, ist die Ironie. Das heißt, dass das Gemeinte durch sein Gegenteil ausgedrückt wird. Sarkasmus und Ironie in etwas Gesagtem kann nur erkannt werden, wenn gewisse Hirnbereich adäquat entwickelt sind.

Die zerstörende Kraft des Sarkasmus
Sarkasmus ist in vielen Arten und Formen durchaus legitim. Solange er nicht verletzend gegen andere eingesetzt wird, kann es durchaus hie und da eine Möglichkeit sein, mit Situation umzugehen (z.B. wenn ich „freudig“ feststelle, dass nach einem Blechschaden beim Auto der kleine Kratzer, der zuvor da war, nicht mehr zu sehen ist.)

Viele Gespräche mit und unter Erwachsenen sind aber getränkt von Sarkasmus. Eine sarkastische Antwort auf eine Erzählung, oder eine sarkastische Erzählung selber, von der man zunächst nicht weiß, ob das Gegenüber nun ernst genommen werden will oder welche Reaktion es sich erwartet. Gemeinsam ist dieser Art zu sprechen auf jeden Fall, dass das Gespräch recht schnell zu Ende ist. Denn es kann keine echte Unterhaltung entstehen, wenn ein Teilnehmer das Gegenüber nicht ernst nimmt.

Sarkastische Gespräche unter Erwachsenen sind das eine. Vielmehr erschreckt mich jedoch die Beobachtung, dass Erwachsene diese Form der Gesprächsführung auch gegenüber Kindern einsetzen. Kinder können auf Grund ihrer Hirnentwicklung sarkastische Kommentare, vor allem auch solche, die auf Ironie beruhen, nicht einordnen. Sie nehmen sie für wahr und das führt in ihren Köpfen häufig zu großer Verwirrung. Nicht nur, dass ein Kind nicht versteht, was gerade passiert und es mit seinem Bedürfnis oder seiner Geschichte ins Leere läuft. Das Gespräch findet nicht mit dem Kind statt, sondern in seiner Anwesenheit über seinen Kopf hinweg. Es ist auch immer ein Bloßstellen und Auslachen des Kindes. Der Erwachsene amüsiert sich auf Kosten des Kindes.

Verlust von Beziehung
Dieser gewählte Umgang mit einem Kind kann jedoch auch weitreichende Folgen haben. Der Erwachsene verliert zusehends die Beziehung zum Kind, denn das Kind wird sich von ihm zurückziehen. Das Kind seinerseits verliert nicht nur das Interesse am Gespräch mit dem Erwachsenen, es verliert auch das Vertrauen. Denn eigentlich kann es sich nicht mehr auf das verlassen, was es hört. Es kann nicht mehr einschätzen, ob es nun wahr ist oder nicht. Und eines Tages, wird dem Kind die verletzende Tatsache bewusst, dass es vom Gegenüber für Blöd verkauft wird und wurde. Welche Auswirkungen hat das wohl auf die Psyche eines Kindes, verstärkt dadurch, dass dies durch eine Vertrauensperson passiert?!