Respekt ist keine Einbahnstraße

In meiner Serie in der Kirchenzeitung habe ich diesmal zu einem  – wie ich finde – ganz zentralen Thema geschrieben. Ich hoffe, euch gefällt’s!

zum Beitrag

„Augen auf, Ohren auf…“

Meine Blog-Kollegin Steffi von mamiundich.org hat vor Kurzem auf ihrem Blog das Thema „Kindersicherheit“ diskutiert.

Gefahren
Wir Eltern wissen von den vielen Gefahren, denen Kinder ausgesetzt sind – sei es im eigenen Haus oder auch im Straßenverkehr. Da wird eine Murmel zu einem Bonbon, die Höhe des Tisches passt perfekt zum raufklettern und runterspringen und die Kante des Kästchens gerät immer genau in den Laufweg; oder das Kind läuft noch schnell seinem Freund hinterher und vergisst, am Gehsteigrand stehen zu bleiben. Die Gefahrenliste scheint unendlich zu sein.

Sensibilisierung
Es geht als Eltern nicht nur darum, überall Gefahren zu sehen, den „Teufel an die Wand zu malen“, sondern um Achtsamkeit, die wir auch unseren Kindern beibringen sollten. Egal wie alt unsere Kinder sind, sollten wir nie vergessen, dass es schlussendlich noch immer Kinder sind. Sie sind – zum Glück – neugierig und bewegungsfreudig und sie sehen nicht überall Gefahren. Das ist einerseits gut, weil sie nicht ständig ängstlich sind. Auf der anderen Seite brauchen sie als kleine Kinder uns als Eltern, um diesen Blick zu übernehmen.

Warum wir nicht?
Doch auch bei diesem Thema geht es darum, sich selber an der eigenen Nase zu fassen.

Ein kurzes Beispiel: Für die Kinder ist es immer mehr eine Selbstverständlichkeit, auf dem Weg in den Kindergarten oder in die Schule eine Leuchtweste zu tragen. Das wird ihnen von Anfang an beigebracht und sie fragen auch danach, wenn sie keine bekommen. Doch dann sehen sie gleichzeitig auf ihrem Weg die vielen Erwachsenen, die in der Dunkelheit morgens weder eine Leuchtweste noch  ein Reflektorband tragen.

Helmi
Steffi hat auf ihrem Blog auf die neue Website von Helmi verwiesen und damit nicht nur bei mir nostalgische Erinnerungen geweckt. Denn wer von uns kennt Helmi nicht – das weiße Männchen mit dem roten Helm und seinem Hund? Ganz zu schweigen von seinem Lied „Augen auf, Ohren auf, Helmi ist da!“, das ich wohl die nächsten Wochen nicht mehr aus dem Kopf bekommen werde. Sie ruft uns Eltern wieder einmal unsere Verantwortung in Erinnerung, Sicherheit als eigenes Thema und als Thema für unsere Kinder zu sehen. Schließlich kann das Wissen darüber nicht nur vor Verletzungen schützen, sondern ist ein zentraler Schritt in Richtung Selbstständigkeit.

Vielen Dank dafür!

„Mama – bist du noch meine Freundin?“

In der Eltern-Kind-Beziehung kommt es selbstverständlich auch immer wieder zu Auseinandersetzungen. Eltern haben ihre Vorstellungen, die nicht immer mit jenen ihrer Kinder übereinstimmen. So entstehen Konflikte darüber, wie nun mit diesen Regeln umgegangen wird.
Ich möchte mich heute nicht dem Inhalt von Regeln oder Konflikten widmen, sondern mehr der Frage, wie Eltern versuchen ihre Regeln, ihre Werte und Einstellungen durchzusetzen. Wie werden solche Konflikte ausgetragen?

Konfliktgestaltung
Dabei spielen nicht nur Sprache und Umgangston eine große Rolle. Für Kinder gibt es einen ganz zentralen Punkt: Völlig egal, ob sie ihren Willen durchsetzen oder nicht – das Wichtigste für sie ist, dass es zu keinem Beziehungsabbruch kommt. Sie müssen jederzeit spüren, dass ihre Eltern sie trotzdem lieben, dass die Beziehung den Konflikt auf jeden Fall aushält.

Frage nach Beziehungsstatus
Eine Freundin hat mir vor einiger Zeit eine Beobachtung in diesem Zusammenhang erzählt: Wenn sie mit ihren Kindern schimpft, wenn es in einem Konflikt manchmal etwas lauter wird, kommt am Ende stets die gleiche Frage der Kinder: „Bist du noch meine Freundin?“
Es ist der Weg der Kinder, sicher zu stellen, dass die Beziehung stabil ist, dass ihre Mutter noch da ist, auch wenn sie davor unzufrieden mit ihnen war.

Pro Konfliktaustragung
Konflikte, Auseinandersetzungen sind in allen Beziehungen zu finden – zwischen Menschen, so auch zwischen Tieren, zwischen Erwachsenen, als auch Kindern. Wir alle sind unterschiedliche Persönlichkeiten, die unterschiedliche Meinungen und Ansichten haben. Diese müssen für ein Zusammenleben in einen Kompromiss gebracht werden. Dafür wiederum müssen sie angesprochen und besprochen und dürfen auf keinen Fall ignoriert werden.

In einem Konflikt zu zeigen, dass es die Sache ist, die zu Unstimmigkeiten führt und nicht die Person des Kindes muss dabei aber immer im Hinterkopf behalten und nach außen hin gelebt werden.

Denn schließlich wollen wir als Eltern ja auch die „Freunde“ unserer Kinder sein! 😊

Auch mit Kindern sind wir ein Paar!

Heute möchte ich mich einer Frage widmen, die zwar nicht direkt mit Erziehung zu tun hat, aber dennoch passt. So ein kurzer Gedankenschwenker ist sicher erlaubt, oder?!

Wer ist euer Smartphone-Hintergrund?
Folgt ihr mir zu einem kurzen Fragespiel?
Also: Wenn ihr auf eure Smartphones schaut, wen seht ihr auf eurem Bildschirm? Ich traue ich zu wetten, dass die Antwort der meisten von euch „meine Kinder“ lauten wird. Noch eine andere Frage: Bevor ihr Kinder bekommen habt, wer erschien da auf eurem Bildschirm? Die Antwort hier lautet im Großteil der Fälle: „Von meinem Mann/Freund oder von meiner Frau/Freundin.“
Somit wäre meine letzte Frage: Wohin ist denn euer Partner/eure Partnerin verschwunden? Nicht bei euch allen sind die Partner real aus dem Leben verschwunden, doch sie geraten in den Hintergrund. Und das oft im wahrsten Sinne des Wortes.

Veränderungen
Kinder verändern das Leben eines Paares in vielerlei Hinsicht. Es kommt ein neues Mitglied in die Familie, das Aufmerksamkeit braucht. Es gibt mehr organisatorische Dinge, die besprochen werden müssen. Manche von euch haben vielleicht ein Haus gebaut oder eine Wohnung gekauft, sodass finanzielle Dinge geklärt und organisiert werden müssen. Oft gerät in dieser Phase des Lebens die Pflege der eigenen Partnerschaft in den Hintergrund. Es heißt „haushalten“ mit der eigenen Energie, die irgendwann auch ein Ende hat. Die Paare verlieren sich als Mann und Frau aus den Augen und sind primär Mutter und Vater. Die Zeit zu zweit wird weniger, die Müdigkeit am Ende des Tages größer. Auch die Gesprächsthemen drehen sich mehr um das Kind und alles, was dazu gehört. So verschwindet der Partner zunehmend von den Bildern.

Achtsamkeit
Wie in so vielen Bereichen des Lebens und speziell der Familie ist hier „Achtsamkeit“ das Zauberwort. Paarleben ist für sich eine Herausforderung und keine Selbstverständlichkeit. Es braucht Sorge und Aufmerksamkeit. So wird es eine noch größere Herausforderung, trotz Kind noch Paar zu bleiben und das Paar auch zu leben. Oder sagen wir besser „mit“ Kindern Paar zu sein, denn es soll nicht in Konkurrenz gestellt werden. Vielmehr geht es um ein Bewusstmachen in der Zeit, in der man zu zweit ist: beispielsweise abends nicht mehr über die Kinder zu sprechen, sondern über die eigenen Bedürfnisse, die eigenen Gefühle – oder auch einfach nur gemeinsam auf der Couch sitzen und ein Glas Wein genießen.

Der stets begleitende innere Konflikt

Seit unsere Tochter zwei Jahre alt ist, bin ich wieder aus der Karenz zurück in der „anderen“ Arbeitswelt.

Der zögerliche Weg „hinaus“
Insgesamt war ich 4 Jahre zu Hause, habe also die gesamte Karenz ausgeschöpft. Zwar zwischendurch mit kleineren beruflichen Aufgaben, aber im Großen und Ganzen Vollzeitmutter und Hausfrau. Da ich meinen Beruf sehr gerne mag, habe ich aber auch gemerkt, dass ich wieder arbeiten gehen möchte. Natürlich in einem Ausmaß, dass es sich lohnt, arbeiten zu gehen, aber gleichzeitig auch so, dass die Kinder nicht zu sehr außerhäuslich betreut werden.
Gemeinsam mit meinem Mann haben wir dann einen Plan erstellt, wie wir das handhaben können. Wir wollten möglichst gut organisiert sein und verschiedene Eventualitäten gleich mitdenken, sodass die Kinder auch nicht zu sehr auf ihre Eltern verzichten müssen. Außerdem war uns wichtig, dass wir nicht dauernd nur gestresst sind.
Wir haben das alles in der Theorie gut durchgeplant und nach einem Jahr der praktischen Umsetzung muss ich sagen: Es läuft ganz gut…

… Und doch…
Und doch sind sowohl mein Mann als auch ich nicht vor einem manchmal auftretenden schlechten Gewissen gefeit: zum Beispiel dann, wenn wir die Kinder am Wochenende mit Husten gepflegt haben und dann am Montag entscheiden müssen, sie zwar mit guter Laune, aber doch noch ab und zu hustend in die Spielgruppe oder in den Kindergarten zu schicken. Oder, wenn wir die beiden am Morgen aufgrund unerwarteter Zusatztermine etwas antreiben müssen.

Das Gewissen…
Mein „liebstes“ „schlechtes Gewissen-Beispiel“ ist folgendes, euch allen wahrscheinlich bekanntes, Erlebnis:
Ich bringe meine Tochter am Morgen in die Spielgruppe. Wir versuchen alle früh genug aufzustehen, damit wir keinen Stress bekommen und die Atmosphäre am Morgen noch eher gemütlich ist. Dann stehen wir zwei nun in der Spielgruppe, wir plaudern und ich ziehe sie um. Doch, sobald wir an der Schwelle zum Spielraum stehen, beginnt sie zu weinen. Da die Zeit aber drängt, weil wir uns davor schon Zeit gelassen haben und ihre Lieblingsbetreuerin mit offenen Armen bereitsteht, gebe ich sie eben doch mit diesem beklemmenden Gefühl im Herzen ab. Dann weiterflitzen, den Sohn noch in den Kindergarten bringen und ab zu meinen Klienten. Den ganzen Vormittag will mich aber dieses Gefühl nicht loslassen und ich sehe zu, dass ich möglichst überpünktlich wieder in der Spielgruppe erscheine, da ich ja davon ausgehe, dass meine Tochter sehnsüchtig auf mich wartet. Und was passiert?! Sie beachtet mich gar nicht, als ich auftauche. Zudem höre ich, dass sie am Morgen, sobald ich die Tür hinter mir geschlossen habe, aufgehört hat zu weinen, sich zu den anderen Kindern gesetzt und fröhlich gespielt hat.

Bekannt und doch schwer
Ihr alle, die ihr arbeitende Eltern seid, kennt solche Szenen, kennt das schlechte Gewissen, das einen in den Zeiten im Büro manchmal begleitet. Wir tendieren dann dazu, nicht nur die vielen Stunden zu übersehen, die wir nach der Arbeit, dem Kindergarten und der Spielgruppe mit unseren Kindern verbringen – sondern auch, dass Kindern der Abschied von ihren Eltern nun einmal manchmal schwerfällt, sie sich aber trotzdem in der Unterbringung wohl fühlen. Schließlich suchen die Eltern diese ja davor mit viel Sensibilität und Blick auf das Kind aus. Außerdem wollen wir auch irgendwie nicht das Gefühl bekommen, unsere Kinder wären froh, uns los zu sein, oder?!

Erziehung zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Regelmäßige Fortbildungen sind für mich sehr wichtig, sowohl als Psychologin als auch als Mutter. Sie helfen mir mein Fachwissen aufzufrischen und zu aktualisieren und damit für meine Klienten und Klientinnen ein kompetentes Gegenüber zu sein. Je nach Thema sind sie jedoch auch für mein Leben als Mutter von großer Bedeutung.

Feinfühligkeit ist wichtig
Am vergangenen Wochenende habe ich einen Kongress zum Thema „Bindung und Persönlichkeit bei Kindern und Jugendlichen“ besucht. Wie ihr schon beobachten konntet, ein Thema, das mich aktuell sehr intensiv begleitet.

Eine der Referentinnen hat in ihrem Vortrag unter anderem wieder darüber gesprochen, dass die elterliche Feinfühligkeit für die Entwicklung einer sicheren Bindung von großer Bedeutung ist. Auch wir haben auf meinem Blog schon darüber diskutiert. Gleichzeitig habe ich aber auch gemerkt, dass hinter dieser Aussage schon ein ungeheurer Druck auf uns als Eltern lastet.

Nicht immer klappt alles
Denn kennt ihr das auch? Ihr habt so eure Werte im Kopf, eure Leitsätze und Vorhaben, wie ihr mit euren Kindern umgehen und sie begleiten möchtet. Dann blickt ihr am Ende eines Tages jedoch auf die letzten Stunden zurück und erkennt, dass ihr nicht in jeder – meist sind es die konflikthaften – Situation so reagiert habt, wie ihr euch das in der Theorie gewünscht habt. Manchmal wurdet ihr vielleicht lauter, als ihr euch das vorstellt, oder manchmal habt ihr auch nicht in der Geschwindigkeit auf die Bedürfnisse eures Kindes reagiert, wie es euer eigener Anspruch an euch verlangt.

„Reparierende Feinfühligkeit“
Für mich ist das immer wieder ein Knackpunkt: Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis und die Erlaubnis, dass es Zeiten gibt, in denen hier eben ein Unterschied besteht und bestehen darf. Nicht jeder Tag ist gleich. Nicht immer haben wir als Eltern die gleichen Kräfte, die gleichen Nerven. Es gibt so viele verschiedene Faktoren, die mitspielen und mitbeeinflussen, dass wir nicht immer optimal reagieren können. Aber wir reagieren so, wie es in diesem Moment eben möglich ist.

Die oben angeführte Referentin hat in ihrem Vortrag dann noch einen erleichternden Zusatz gemacht, den ich auch euch gerne auf den Weg mitgeben möchte. Sie meinte nämlich eben auch, dass ein Tag aus Aufs und Abs besteht und dass wir nicht immer vollkommen feinfühlig reagieren können. Sie meint, dass sowohl die sehr hohe als auch die sehr niedere Feinfühligkeit für die Einwicklung kontraproduktiv sind. Vielmehr betont sie die Wichtigkeit einer „reparierenden Feinfühligkeit“: Wenn es in der Beziehung zum Kind zu Missverständnissen gekommen ist oder auch die Kommunikation nicht optimal war, dann ist Feinfühligkeit der Eltern wichtig.

Das ist befreiend
Genau darum finde ich Fortbildungen für mich so wichtig: Sie helfen mir, meinen eigenen Alltag als Mutter und als Fachperson in einem neuen Licht zu betrachten und stets in Bewegung zu bleiben. Sie befreien mich manchmal auch von selbstauferlegten Druck oder dem Anspruch von Perfektion.

Zudem ermöglichen sie mir, dieses Wissen mit euch zu teilen ;-).