Mein Ein und Alles – Das Kuscheltier

Für einen Artikel habe ich mich vor Kurzem mit dem Thema „Sicherheit/ Sicherer Ort für Kinder“ beschäftigt. (Den Artikel stelle ich euch nach der Veröffentlichung selbstverständlich gerne zur Verfügung). Und wie es nun einmal so ist, kann man in einem Artikel nicht immer alle Gedanken niederschreiben, die zu einem Thema passen würden.
Daher beschreibe ich euch einen weiteren Aspekt auf diesem Weg.

Ein Kuscheltier
Es gibt für Kinder auf der einen Seite sichere Orte. Orte, an denen sie sich wohl und beschützt fühlen, an denen sie Trost und Geborgenheit finden.
Es gibt jedoch für Kinder auch noch etwas anderes, das ihnen diesen Schutz vermittelt: Kuscheltiere!

Eigene Erinnerung
Also ich kenne das aus meiner eigenen Kindheit: Ich habe von meinen Eltern im Alter von 7/8 Jahren ein kleines Kuschelpferd geschenkt bekommen, das mich von da an auf allen Wegen begleitet hat. Ich kann mich erinnern, dass ich es als Volksschulkind einmal mit in die Schule genommen und dort dann vergessen habe. Das war für mich eine unglaubliche Tragödie. Und ich konnte in der Nacht kaum Schlaf finden.

Auswahl treffen
Unsere Kinder haben auch ihre Lieblingskuscheltiere. Sie sind immer mit dabei und werden gekuschelt und gepflegt. Auf nichts anderes wird so viel Acht gegeben wie auf diese.
Spannend finde ich noch immer, wie diese beiden zu den Lieblingskuscheltieren gewählt wurden. Denn wie wahrscheinlich alle Eltern haben mein Mann und ich vor der Geburt unserer Kinder für sie ein Stofftier gekauft. Wir sind sogar in ein spezielles Geschäft gefahren und haben lange überlegt, welches wohl das passende wäre. Und siehe da: Die von uns getroffene Auswahl ist völlig uninteressant! Ein Lieblingskuscheltier, das auch noch ein Schutztier ist, muss vom Kind selbst ausgewählt werden. Dabei sind die Auswahlkriterien für uns Erwachsene meist völlig unklar.

Flexibilität gefragt
Für unseren Sohn war sein erstes Kuscheltier eine Fledermaus, die bei einem Kleidungsstück als Gratisgeschenk dabei war. Sie war unverzichtbar und ich kann gar nicht sagen, wie viele Stunden am Abend wir manchmal damit verbracht haben, diese Fledermaus zu suchen. Da sie ihn ja überall hinbegleitet hat, war sie oft unauffindbar. Mit der Zeit musste ich zunehmend Löcher stopfen. Sorgenvoll haben wir uns als Eltern überlegt, wie wir unserem Sohn beibringen können, dass diese Fledermaus irgendwann wahrscheinlich nicht mehr zum Reparieren geht. Doch die Sorge war zum Glück unbegründet. Er hat es selber bemerkt. Sie bekam dann von ihm einen geschützten Bereich gebaut, wo sie zwar immer noch in seiner Nähe ist, aber nicht mehr so heftig geknuddelt wird. Begeistert waren wir auch, dass es dann doch Ersatz für dieses Tier gab: Ein kuscheliger Wolf hat den Platz eingenommen und blickt uns nun am Abend mit seinen großen, wachsamen Knopfaugen an, wenn wir unseren Sohn ein letztes Mal zudecken. Er ist es auch, der in den Arm genommen wird, wenn es Unstimmigkeiten gibt oder unser Sohn sich wehgetan hat.

Unterschiede
Anders war es bei unserer Tochter: Bei ihr war es über lange Zeit nicht klar, welches das Lieblingstier wird. Diese haben immer wieder gewechselt. Waren zum gewählten Zeitpunkt zwar überall dabei, doch die Zuneigung hielt nicht lange, bis sie kam: Lilly – ein kuscheliges Pferd, das nun seit geraumer Zeit das Ein und Alles unserer Tochter ist. Sie wird gepflegt, angezogen und zugedeckt. Sie sitzt natürlich auch am Esstisch bei uns und bekommt ihre eigene Portion.

Bestehende Bedeutung
Wir sehen also: Die Wichtigkeit von Kuscheltieren darf nicht unterschätzt werden. Sie sind für Kinder wie ein bester Freund/eine beste Freundin, die immer da sind, wenn sie gebraucht werden.
Und was wird aus den Kuscheltieren, wenn wir älter werden? Ich kann nur von mir sprechen: Mein Kuschelpferd steht noch immer auf meinem Nachtkästchen, wird hin und wieder von meinen Kindern – auf Grund seines Alters mit aller Vorsicht – in ihr Spiel integriert und taucht ab und zu auch in meinem Koffer auf, wenn wir auf Reisen sind 😊

Kommt das Christkind überhaupt?

Mit meinem Beitrag in der aktuellen Ausgabe der Kirchenzeitung möchte ich euch und euren Lieben ein wunderschönes und besinnliches Weihnachtsfest wünschen!

elternweb2go_Talk – Mental load

Kennt ihr das auch?! Ihr seid ständig erschöpft, weil euer Kopf am Abend nicht aufhört, Listen zu erstellen? Ihr kommt nicht zur Ruhe, sondern überlegt, welche Aufgabe als nächstes ansteht?
Inzwischen gibt es einen Begriff für diesen Zutsand: „mental load“.
In einem sehr spannenden Gespräch im Rahmen von elternweb2go des Forum Katholischer Erwachsenenbildung in Österrich habe ich mit Katja Ratheiser wichtige Fragen zu diesem Thema diskutiert.

Anbei schicke ich euch den Link zu diesem Gespräch und freue mich, wenn ihr reinhört! Ihr findet darin auch ein paar Tipps, wie ihr dem mental load entgegenwirken könnt.

Backe, backe Kekse

Kennt ihr auch diese tollen Werbefotos, auf denen ein Erwachsener – meist die Mutter – strahlend mit mindestens zwei Kindern Kekse bäckt? Nicht nur, dass alle lächeln, alle sind friedlich und sehen auch noch sauber aus. Die Küche ist aufgeräumt. Allgemein wird der Schein vollkommener Harmonie vermittelt.

Eigene Erfahrungen
Seit ich Kinder habe und das älteste auch ein „backfähiges“ Alter erreicht hat, versuche ich, diesem Bild nachzueifern. Auch ich wollte regelmäßig diese anscheinend so schöne Erfahrung im Leben einer Mutter machen. Also habe ich meine Kinder gepackt an den Küchentisch gestellt, Nudelholz und Teig dazu und los sollte es gehen. Natürlich gehörte auch stimmungsvolle Weihnachtsmusik alljährlich dazu.
Doch irgendwie schienen die Kinder nicht dieselbe Begeisterung für meine Idee zu haben.
In den ersten Jahren war es ihnen zu langweilig. Dann hatten sie eine andere Vorstellung davon, was sowohl mit dem Keksteig, als auch mit den Ausstechern passieren soll als ich. Ihre Ausdauer war irgendwie auch nicht so ausgereift, wie es das Backen von Keksen nun einmal verlangt. Ganz abgesehen davon, dass weder meine Kinder noch meine Küche lange sauber blieben. Regelmäßig endeten die Versuche in Auseinandersetzungen, bemehlten Kindern und einer am Ende das Chaos aufräumenden Mutter.

Dranbleiben heißt es!
Dennoch wollte ich mich nicht entmutigen lassen und habe auch heuer diesen Versuch noch einmal gestartet. Nachdem wir im Laufe des Jahres immer wieder Backsendungen gemeinsam anschauen, die Kinder auch zunehmend gerne mitkochen, musste das doch endlich klappen…
Und siehe da: Es hat geklappt! Zumindest über einige Kekssorten hinweg. Es war merkbar, dass beide Kinder mehr Spaß hatten. Einfach weil sie schon mehr konnten. Unser Sohn konnte Rezepte selber lesen und damit den Teig auch mit mehr Selbständigkeit erstellen. Unsere Tochter liebt es zu dekorieren und mit den Ausstechern zu arbeiten.

Daraus ist zu lernen?!
Was kann ich aus diesen Jahren der Erfahrung lernen und weitergeben?
Ehrlich gesagt, nicht primär, dass Arbeiten in der Küche mit Kindern nur Spaß macht. Denn trotz aller Freude am Miteinander ist es auch noch immer stressvoll. Was ich tatsächlich gelernt habe, ist, dass wir als Eltern den Dingen seine Zeit lassen müssen. Nicht, weil die Werbung mit schön retuschierten Bildern uns vorgaukeln, wie es sein sollte, müssen wir es erreichen. Sondern dann, wenn die Familie und ihre Mitglieder so weit sind. Erst dann nämlich kann es für alle ein schönes Ereignis werden!

Nun ist es doch soweit

Wieder sitzen wir mit unseren Kindern zu Hause über den Schulbüchern. Jedoch nicht wie normalerweise zur Hausübung, sondern tatsächlich wieder im Home-Schooling. Daneben sind möglicherweise auch noch die jüngeren Geschwister zu betreuen, denen ebenfalls ihre Alltagsroutine abhandengekommen ist.

Lange hat die Politik uns weisgemacht, dass sie aus dem Lockdown im März – der sich im Bereich der Schulen ja bis in den Mai gezogen hat – gelernt hat. Die Auswirkungen nicht nur auf den Wissensstand, sondern vor allem auch auf die Psyche der Kinder waren enorm. Doch alles war Augenauswischerei. Die Kinder sind wieder zu Hause und wir Eltern sind am Unterrichten. Neben Homeoffice und Hausarbeit.

Es wird in den Medien so gerne von „E-Learning“ gesprochen. Davon, dass nun einfach alles digital stattfindet – wie es sich für die moderne Welt gehört. Doch neben den Auswirkungen auf die Altersgruppen, (dazu gleich mehr), noch ein kurze Frage: Habt ihr auch schon ein längeres Teammeeting oder ein Seminar/eine Tagung online durchgestanden? Die Konzentration sinkt. Die Augen und der Kopf schmerzen schnell.

 Alle Altersgruppen bleiben auf der Strecke
Volksschulkinder, bei denen die meisten Eltern darauf achten, dass sie eben nicht viel vor dem Computer sitzen, können auf diesem Weg nicht adäquat unterrichtet werden. Sie brauchen soziale Zuwendung und echte menschliche Wesen, die neben ihnen sitzen und ihnen die Dinge erklären. Kinder in den Unterstufen sind gerade erst in einer neuen Schule angekommen und wieder mit völlig neuem Unterrichtsmaterial konfrontiert. Ein Lernen ohne eine erwachsene Person ist nur schwer machbar.

Von der Politik aber völlig übersehen werden die älteren Jugendlichen. Sie wurden in einer schnellen Aktion schon vor drei Wochen aus den Schulen verbannt und nach Hause geschickt.
 „Jugendliche sitzen doch eh den ganzen Tag vor dem Computer und dem Handy, da passt das doch ganz gut, wenn Schule so stattfindet.“ Diese oder ähnliche Gedanken müssen den Verantwortlichen wohl durch den Kopf gegangen sein, als sie ihre Entscheidung gefällt haben. Leider wurde auch hier aus dem ersten Lockdown nichts gelernt. Denn die jungen Menschen bleiben auf der Strecke. Sie werden in ihrer Entwicklung stark eingeschränkt.
Durch die Schließung von Bars und Lokalen haben sie keine Möglichkeit, jugendliches Verhalten zu leben. In einem Lebensabschnitt, in dem es eigentlich um Abgrenzung vom Elternhaus geht, werden sie dieses Schrittes beraubt und gezwungen, noch enger als sonst mit ihnen zusammenzurücken.

Dass Kontakt über die sozialen Medien nur bedingt den tatsächlichen persönlichen Kontakt ersetzt, ist uns allen bekannt. Unterhält man sich mit diesen jungen Menschen???

Unbestritten müssen wir alle unseren Beitrag zur Verbesserung der Situation leisten. Natürlich liegt der Blick auf der körperlichen Gesundheit, auf dem Überleben der Menschen. Und genauso verständlich ist, dass nur eine funktionierende Wirtschaft unser aller Überleben und Wohlstand sichert.

Doch komme ich sowohl als Mama als auch als Psychologin nicht umhin mich zu fragen: Wo bleibt die psychische Gesundheit der Menschen? Wo bleibt der Blick auf die Eltern-Kind-Beziehung, die durch diese Maßnahmen noch einmal belastet wird – und das zum wiederholten Mal in diesem Jahr? Wieso werden ExpertInnen zu den verschiedenen Themen befragt, wenn dann doch nicht auf sie gehört wird?

Keine Wertung!
Der Fokus der meisten Maßnahmen liegt auf einer gewissen Altersspanne. Doch wieso wird überhaupt eine Wertung vorgenommen? Wir alle sind es wert, beschützt zu werden. Und genauso wären es auch die jungen Menschen gewesen, die verdient hätten, dass man ihnen ihre Chance auf eine gute Zukunft, Hoffnung und Optimismus  bewahrt.

Ich kann nur wie viele den Appell an die Entscheidungsträger richten, nicht der Verlockung nachzugeben, nach dem 6. Dezember „einfach die Weihnachtsferien früher starten zu lassen“. Denn das würde für einen gewichtigen Bevölkerungsanteil ein enormer Einschnitt in das Leben bedeuten und für einen hohen Prozentsatz an Kindern und Jugendlichen ein neues, enormes Defizit in ihrer Bildung, der geistigen und emotionalen Entwicklung.

Die Pause ist der Seele beste Freundin

Für die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift „Familie“ des Vorarlberger Familienverbandes habe ich untenstehenden Beitrag zum Thema „Pause“ verfasst.

Was wäre ein Musikstück ohne Pausen zwischen den Noten? Wie wäre die Schule ohne die große Pause am Vormittag?  Was wäre eine Zugfahrt ohne Haltestellen? Was würden Wintersportler ohne Sommerpause machen? Was wären 90 Fußballminuten ohne Pausentee?

In vielen Lebensbereichen sind Pausen ein zentraler Bestandteil und geben Struktur. Doch wenn wir uns den Alltag vieler Familien ansehen, scheint es keinen Platz und keine Erlaubnis für Pausen zu geben. Dieser Aspekt des Lebens wird vernachlässigt. Der Alltag ist durchstrukturiert und die Kalender zeigen keine freie Zeit mehr auf.

Die Fülle des Kalenders
In einem Familienkalender kommen die Termine aller Mitglieder zusammen. Da geht es um Schule, Kindergarten, Spielgruppe, Büro, Haushalt, Vereine, Freizeit, Mitgliedschaften, vielleicht dann noch Freunde/Freundinnen. Es ist schier keine Zeit vorgesehen um innezuhalten, durchzuatmen oder sich miteinander auszutauschen.
In der heutigen Gesellschaft ist ein vollgepackter Kalender ein Statussymbol. Nimmt sich jemand Zeit für sich selber oder können Eltern sagen, dass ihre Kinder frei und Zeit für ein Treffen mit FreundInnen haben, wirken sie wie Exoten. Pausen werden immer wieder mit Faulheit und Inaktivität gleichgesetzt.

Vermeintliche Verschwendung
Vergleichen wir das Familienleben doch einmal mit einer längeren Autofahrt:
Hier wird den FahrerInnen, aber auch BeifahrerInnen von allen ExpertInnen empfohlen, regelmäßig eine Pause einzulegen, um damit Körper und Geist zu erholen. Es gibt sogar Ratschläge, wie diese Pausen gestaltet werden können: eine feine Tasse Kaffee, eine kurze Sporteinheit oder ein Spaziergang. Nur so ist eine sichere Weiterfahrt möglich.
Ein Familienleben ist auch eine längere Reise, auf der es immer wieder Pausen braucht. Diese sind wichtig zur Erholung. Jedoch ist für Familien nicht nur das Durchatmen wichtig. In diesen Zeiten des vermeintlichen Nichtstuns passiert gerade besonders viel. Denn nur so können die Mitglieder wirklich in Kontakt miteinander sein und wirkliches Wissen über den anderen erwerben.

Missverhältnisse aufdecken
Kehren wir noch einmal zu einem am Beginn erwähnten Beispiel – dem Fußballspiel – zurück. Die Halbzeitpause wird von den SpielerInnen genutzt, um sich kurz zu regenerieren. Gleichzeitig aber nutzt das Trainerteam diese Zeit auch, um mit den SpielerInnen die bisherige Taktik und mögliche notwendige Anpassungen zu besprechen.
Auch diesen Aspekt können wir auf das Familienleben umlegen. In den Zeiten, die nicht von anderen Terminen verpackt sind, wird eine Familie mit sich selbst konfrontiert. Mit dem, was gut funktioniert, aber auch mit dem, was eher ungünstig ist, aber im Alltag durch alle anderen Aktivitäten überdeckt wird. Es findet echte Begegnung statt.

Abschluss
Eine indische Weisheit sagt: „Wir müssen von Zeit zu Zeit eine Rast einlegen und warten, bis unsere Seelen uns wieder eingeholt haben.“
Pausen im Familienalltag sind unerlässlich. Sie ermöglichen Erholung, sind aber gleichzeitig auch Quell höchster Kreativität. Sie geben die Möglichkeit, ins Stocken geratene Rädchen in Beziehungen, sei es in der gesamten Familie, in der Paarbeziehung oder zwischen den Geschwistern, zu ölen und wieder zum Laufen zu bringen.
Immer wieder müssen wir uns selber ermahnen und uns darauf aufmerksam machen, eine Pause einzulegen. Vielleicht haben Sie nach dem Lesen dieses Textes einen Moment Zeit, durchzuatmen und das Gelesene in Ruhe zu verarbeiten.

Ich wünsche Ihnen eine erholsame Pause 😉

Das geht doch allen Eltern so…

Das ist einer dieser Sätze, die wir hören, sobald wir ein Kind haben.
Auch mir ist aufgefallen, dass ich ihn sowohl oft gehört als auch immer wieder ausgesprochen habe. Grundsätzlich ist diese Aussage gut gemeint, soll auch Trost schenken und ein Gefühl der Zugehörigkeit entstehen lassen.

Zwiespältige Gefühle
In letzter Zeit beobachte ich an mir jedoch eine gewisse Ambivalenz zu dieser Aussage. Zunehmend habe ich begonnen, mich innerlich dagegen zu wehren. Doch warum eigentlich?
Wenn ich zum Beispiel bei meinen Kindern beobachte, dass sie in einer Phase sind, in der sie viel Widerstand zeigen und die Konflikthäufigkeit zunimmt. Oder sie immer mehr auch gegen Regeln im Haus rebellieren. Dann sträubt sich in mir alles gegen die Aussage, dass es allen Eltern so geht. Denn ich merke, dass mir diese Vorstellung nicht hilft. Ich sage mir dann: Das kann sein. Aber ich will es so nicht haben.
Auch so eine Situation, in der ich gemerkt habe, dass ich mich innerlich dagegen sträube, die gleichen Erfahrungen wie viele Eltern zu machen, ist jene der ständigen Diskussionen. Wenn am Wochenende die Unternehmungsplanung ansteht und das Wetter so herrlich ist, dass das Wander-Herz hüpft und für uns kein anderer Programmpunkt möglich ist, als in die Natur zu gehen und dann geht die Klage-Maschinerie der Kinder los. An diesem Punkt merke ich, dass ich nicht die gleichen Erfahrungen machen möchte. Ich möchte jene Kinder haben, die sagen: Klar, Mama. Super Idee! Wir packen gleich unsere Rucksäcke 😊-😊! Man darf ja noch ein bisschen träumen…

Doch Zugehörigkeit?
Gleichzeitig merke ich, dass wenn wir dann zum Beispiel beim Wandern sind und wir mit semi-begeisterten Kindern an anderen Familien vorbeigehen, deren Kinder auch nicht gerade strahlen, dann tröstet mich das Gefühl der Zugehörigkeit. Dann wird mir bewusst, dass es nicht so außergewöhnlich ist, was ich erlebe.
Oder auch die vielen von euch bekannte Situation des Fahrradfahrens mit Kindern. Es beruhigt mich tatsächlich, wenn ich andere Eltern beobachte, die mit ihren Kindern fahren und ihnen genauso hinterherrufen „Fahr vorsichtig! Schau nicht die ganze Zeit zurück! Konzentriere dich! Wenn du jetzt nicht gleich gerade fährst, dann fahre ich nicht mehr mit dir Rad.“ Höre ich diese Ausrufe spüre ich ein Durchatmen durch meinen Körper, ein Gefühl, nicht allein in solchen Situationen zu sein.

Nichts tut dann wohler, als zu hören, dass auch viele andere durch diese Erlebnisse durch müssen.

Gemeinsamkeiten helfen doch
Wir sehen also: Der Satz „Das geht doch allen Eltern so.“ ändert zwar nichts an der grundsätzlichen Herausforderung, der wir gegenüberstehen. Manchmal möchten wir uns auch dagegen auflehnen und sagen uns innerlich „Das mag sein, aber ich will das einfach nicht haben.“ Von Zeit zu Zeit ist er aber doch ein Trost und zeigt uns, dass nicht wir als Eltern versagen, sondern das Kinder einfach nur Menschen mit ihrer eigenen Persönlichkeit sind. Und mit diesen Persönlichkeiten umgehen zu lernen und sich darauf einzustellen, das geht wirklich allen Eltern so.

Also nur Mut: Wir schaffen das!

Zurück in die Schule

In der aktuellen Ausgabe der Kirchenzeitung habe ich mir Gedanken über die Bedeutung der Schule für Kinder gerade in der aktuell für uns alle herausfordernden Zeit gemacht.

Zum gesamten Beitrag kommt ihr hier.

Ich freue mich über Rückmeldungen und eure Gedanken dazu!

Ordnung ist wirklich nur das halbe Leben

So. Hattet ihr auch einen feinen Sommer?
Wir waren viel in der Natur – wandern, baden, radfahren – alles was das Bewegungsherz begehrt. Jetzt, da das Wetter umschlägt und nicht mehr so einladend ist, verbringen wir wieder mehr Zeit zu Hause. Und während man so beim Spielen und Lesen auf der Couch und in den Zimmern ist, wandert der Blick und stellt fest, dass sich doch einiges an Chaos und Staub in den letzten Wochen angesammelt hat, da man vielleicht im Haushalt nicht so fleißig war.

Runde Eins
Also schnappt man sich die Kinder und startet das Projekt „Aufräumen“.
Hierzu gibt es ja viele Tipps zum Nachlesen. Wie zum Beispiel: Machen Sie das Aufräumen zu einem Spiel. Oder: Belohnen Sie die Kinder danach. Trotz aller guter Ratschläge ist das Ende dieses Prozesses bei uns eigentlich immer das gleiche…
Die Kinder starten mit einem Augenrollen, aber sie starten immerhin. Beim recht schnell darauf folgenden „Wir sind fertig“ bin ich skeptisch, aber doch hoffnungsvoll, dass alles tatsächlich so schnell und ohne Diskussionen gegangen ist. Das Ergebnis der ersten Runde ist dann jedoch, dass alles vom Boden auf den Schreibtisch gelegt oder einfach in eine Ecke geschoben wurde.

Runde Zwei
Da das natürlich noch nicht wirklich effektiv ist, wird die nächste Runde gestartet. Dieses Mal ist das Stöhnen schon lauter und die Diskussion länger. Noch immer versuche ich aber standhaft zu bleiben und sage: „Ihr macht das selbst. Ich helfe euch nicht. Ich habe genug mit den anderen Räumen zu tun.“ Während ich mich nun durch den Staub in den anderen Räumen kämpfe, selber auch nicht gerade hochmotiviert, höre ich, wie die Kinder ständig neue Dinge in ihren Zimmern entdecken und beginnen damit zu spielen, anstatt sie zu verräumen. Wieder kämpft in mir die Ambivalenz, dass ich sie auf der einen Seite verstehe, weil diese Tätigkeit wirklich langweilig ist. Auf der anderen Seite aber steigt meine Befürchtung, dass es schlussendlich doch ich sein werde, die am Boden herumkriecht und aufsammelt.
Also werfe ich einen sehr zaghaften Blick in die Kinderzimmer, um festzustellen, dass sich tatsächlich nichts verändert hat, außer dass mein Sohn inzwischen gekleidet ist wie ein Pirat und meine Tochter als Biene herumläuft…

Die finale Runde
Doch schon eher genervt starte ich einen letzten Versuch, mit ihnen darüber zu sprechen, wie ich mir das Aufräumen vorstelle und warum es doch sinnvoll wäre, es zu tun. Die Vereinbarung wäre, dass sie die Dinge an ihren Platz zurückräumen und ich nachher abstaube und sauge. Während ich so rede, stelle ich plötzlich fest, wie ich beginne, die Bücher in die Regale zu räumen, die Legosteine in ihre Kisten zu werfen und die Puppen in ihre Betten zu legen.
Kurz und gut wandere ich schlussendlich dann doch gemeinsam mit den Kindern von Ecke zu Ecke und versuche Ordnung zu machen, von der wir doch alle insgeheim wissen, dass sie in ein paar Stunden wieder verschwunden ist.

Na, dann: Bis zum nächsten Mal 😉

 

Zurück zur Natur

In der aktuellen Zeitschrift „Familie“ des Vorarlberger Familienverbandes habe ich den untenstehenden Artikel zum Thema Naturschutz veröffentlicht, den ich euch auf diesem Weg gerne zur Verfügung stelle:

Schon Mark Twain sagte: „Natürlich interessiert mich die Zukunft. Ich will schließlich den Rest meines Lebens darin wohnen.“

Die Welt besteht aus Wechselbeziehungen zwischen ihren Lebewesen und ihrer Umwelt. Der Bestand all dessen, was wir riechen, sehen, schmecken und hören wird davon beeinflusst, wie wir damit umgehen. Mit Kindern über die Zukunft der Erde, über ihre eigene Zukunft auf dieser Welt zu sprechen, ist ein zentrales Anliegen von Eltern. Es bedeutet, sie mit dem Thema „Achtsamkeit“ zu berühren. Kinder lieben die Natur. Gerade in der jetzigen Jahreszeit, wo alles blüht und wächst, die Wälder und Wiesen grün sind, die Waldbäche fließen, gibt es für sie kaum etwas Schöneres als hinauszugehen und alles zu entdecken.

Schutz
Doch genau diese Welt gilt es zu schützen, denn wir haben nur diese eine. So können Kinder nicht früh genug lernen, auf sie achtzugeben. Doch wie können Eltern Kinder auf diesem Weg der Achtsamkeit begleiten? Wie können Themen wie Naturschutz, Mülltrennung, Verschwendung oder Ähnliches in den Alltag integriert werden? Denn nicht nur einzelne Gespräche oder Projekte sind notwendig.

Selbstverständlichkeit macht’s
Es braucht eine Selbstverständlichkeit im Handeln.
Ein wichtiger Punkt ist natürlich die Vorbildfunktion: Wenn Eltern ihren Kindern achtsames Verhalten vorleben, dann wird es zur Selbstverständlichkeit. Der Wasserhahn muss nicht während des Zähneputzens rinnen. Das Licht wird gelöscht, sobald das Zimmer verlassen wird oder auch die Sonne den Raum erhellt. Wenn die Zeichnung auf einem Blatt Papier nicht schön genug ist, dann kann es doch dennoch zum Flieger-Bauen verwendet werden. Lebensmittel sind wertvoll und nur weil ein Gemüse oder Obst nicht mehr ganz frisch ist, kann es trotzdem zu einem tollen Essen verarbeitet werden. Zur Arbeit, zur Schule oder zum Kindergarten wird nur in Ausnahmefällen mit dem Auto gefahren.

Erste Schritte
Es scheinen vermeintlich kleine Dinge zu sein, die ich hier beispielhaft aus einem Familienalltag herausgenommen habe. Aber es sind eben genau diese ersten Schritte, die Eltern mit ihren Kindern machen können, um sie für das Thema Umweltschutz zu sensibilisieren. Gleichzeitig ist es wichtig, den Kindern sowohl die negativen, vor allem aber auch die positiven Auswirkungen ihres Handelns zu zeigen bzw. erfahrbar zu machen. Denn in diesen Erfahrungen erschließt sich für Kinder schließlich die Notwendigkeit. Gerade in den vergangenen Wochen war die Natur eine Art Zufluchtsort für viele Familien. Durch die Beschränkungen waren Freizeitaktivitäten gesperrt, die Eltern mit ihren Kindern normalerweise besuchen. So wurde zum Beispiel das Wandern oder auch das Picknick am Wasser zur willkommenen Abwechslung im Alltag.

Freiheit der Natur
Der Weg in die Natur bedeutete Freiheit und Durchatmen für alle Familienmitglieder. In dieser Umgebung ist es für Eltern einfach, Kinder auf spannende Weise dahingehend zu sensibilisieren, dass ihr Verhalten Auswirkungen hat. Beim Wandern in den Bergen kann Kindern zum Beispiel gezeigt werden, wie wichtig es ist, auf den gekennzeichnet Wegen zu bleiben. Denn nur so können Blumen und Sträucher wachsen. Nur so können auch die beeindruckenden  Ameisenhügel entstehen, an denen keine Familie ohne Halt vorbeikommt. Während dieser Erlebnisse kann mit Kindern auch besprochen werden, warum es notwendig ist, den Müll nach der Jause wieder mitzunehmen und was passieren würde, würden alle Menschen ihn einfach liegen lassen.

Möglichkeiten nutzen
Die Möglichkeiten, Natur und Naturschutz für Kinder erfahrbar und begreifbar zu machen, sind unendlich und vielfältig. Doch sind sie von uns Eltern abhängig, ihr Verhalten dementsprechend zu sensibilisieren. Die Rückbesinnung der letzten Wochen auf die Unbezahlbarkeit der Schöpfung kann wieder als Weckruf genutzt werden, sich selbst und seinen Kindern dieses Geschenk vor Augen zu führen.