Es ist das „Danach“!

In meiner Arbeit begegnen mir immer wieder Eltern, die vor einer Trennung stehen. Eine ihrer häufigsten Fragen ist dann: „Wird unser Kind keinen Schaden bekommen, wenn wir uns trennen?“ Abgesehen von der Formulierung, die sie dabei tatsächlich oft wählen, versuche ich ihnen verschiedene Dinge zu erklären.

Die erste Ebene
Menschliche Beziehungen sind kompliziert, egal in welcher Konstellation, denn es treffen immer unterschiedliche Persönlichkeiten aufeinander. So kann es auch sein, dass Beziehungen zwischen Eltern nicht mehr funktionieren. Kinder sind vom Ende dieser Beziehung mindestens genauso stark betroffen, wie die Erwachsenen, außer, dass sie keinerlei Einfluss darauf haben.
Eltern ist inzwischen glücklicherweise immer mehr bewusst, dass für die gesunde Entwicklung der Kinder eine „gute“ Trennung wichtig ist. Wenn die Erwachsenen sich auf neutraler und respektvoller Ebene begegnen können, gibt es Kindern die Möglichkeit, das Positive in der neuen Familienkonstellation zu sehen.

Die zweite Ebene
Leider beobachte ich jedoch immer häufiger, dass die betroffenen Familien etwas übersehen: das „Danach“!
Die Erwachsenen und die Kinder gehen davon aus, dass, wenn die Trennung/die Scheidung vollzogen, alles geklärt ist, die größte Hürde überwunden ist. Ich komme jedoch öfter zu dem Schluss, dass das nicht stimmt. Denn für die Eltern bleiben weiterhin auf Grund der gemeinsamen Kinder viele Berührungspunkte.
So versuche ich in meiner Arbeit den Eltern zu verdeutlichen, dass es nicht ausschließlich die Trennung ist, die die Kinder leiden lässt. Merken diese nämlich, dass es ihren Eltern damit besser geht, dass Ruhe einkehrt für alle, dass sie weder Mutter noch Vater verlieren und weiterhin ihren Platz haben, können sie diese neue Situation gut verkraften und sich anpassen.
Problematisch wird es, wenn die Streitereien danach nicht aufhören. Bei jedem Besuchskontakt merkt das Kind, dass der eine Elternteil das eigentlich nicht will. Dem Kind wird subtil oder direkt gesagt, was der eine dem anderen Unsummen an Geld zahlen muss. Da werden Festlichkeiten des Kindes boykottiert, weil die Eltern sich weigern, an einem Tisch zu sitzen. Das Kind kommt in einen Loyalitätskonflikt, weil der Vater ständig kritisiert, was die Mutter macht und umgekehrt.

Langdauernde Aufgabe
Diese Beispiele und noch viele Konflikte mehr sind es, die es für Kinder nach einer Trennung unmöglich machen, zur Ruhe zu kommen und sich gut zu entwickeln.
Es muss Eltern also bewusst sein und auch bewusst gemacht werden, dass es wichtig ist, das „Davor“ einer Trennung respektvoll zu gestalten. Dass aber auch das „Danach“, das sich über Jahre ziehen kann, eine ebenso große Bedeutung für ihre Kinder hat.

Wenn das Christkind zweimal klingelt

Für die aktuelle Dezember-Ausgabe für das Österreich-Magazin der Zeitschrift „Eltern“ durfte ich einen Gastkommentar zum Thema „Weihnachten in Trennungsfamilien“  schreiben. Anbei für euch, die etwas längere Fassung des Kommentars 😉

Wie die „Herausforderung Weihnachten“ auf für getrennt lebende Paare mit gemeinsamen Kindern gelingen kann.

Der Gedanke ans Weihnachtsfest löst in den meisten Menschen wohlige Gefühle aus. Weihnachtliche Düfte steigen in die Nase, vor den Augen blinkt die Festbeleuchtung und in den Ohren tönen Lieder und Erzählungen der heiligen Familie.

Riesige Erwartungen – und ein schlechtes Gewissen
Für getrennt lebende Paare mit Kindern ist dieses Fest die größte aller Herausforderungen und emotional enorm aufwühlend. Auf der einen Seite steht die Freude auf das Fest und die ganz spezielle Stimmung, die einen über Wochen regelrecht fesselt. Auf der anderen Seite der gewaltige Druck, der uns von der Gesellschaft und vor allem der Werbeindustrie auferlegt wird, diesem ausgewiesenen Familienfest gerecht zu werden. Weihnachten, so heißt es, ist die friedlichste Zeit des Jahres – und so sollen alle schwelenden Konflikte zumindest für diese Zeit von den Kindern ferngehalten werden.

Organisation frühzeitig in Angriff nehmen
So stehen Eltern vor der Aufgabe, diese besonderen Tage so zu planen, dass sie für alle Beteiligten konfliktfrei und angenehm werden. Nach einer Trennung sind die Eltern gefordert, persönliche Befindlichkeiten hintanzustellen und miteinander das Beste für die Kinder heraus zu arbeiten und immer wieder neu zu besprechen.

Wichtig ist hier schon der Zeitpunkt der Planung. So wie uns in vielen Märkten oft schon Mitte Oktober die ersten Weihnachtsstände begrüßen, tun Eltern gut daran, bereits frühzeitig die Organisation der Feiertage in Angriff zu nehmen, denn vielfach gleicht diese auch bei aktiver Beziehung einer Mammutaufgabe – damit alle Verpflichtungen unter einen Hut gebracht werden können.

Zuerst über die eigenen Wünsche klar werden
Welchen Feiertag verbringen die Kinder nun wo? Und wie lange? Für Eltern, die nach einer Trennung in diesem Jahr zum ersten Mal vor der Planung des Weihnachtsfestes stehen, ist es neben dem frühzeitigen Start ratsam, zunächst getrennt voneinander die eigenen Wünsche zu sammeln und in Folge miteinander zu diskutieren. Die Wünsche der Kinder sollten in diesen Gesprächen tunlichst mitberücksichtigt werden.

Freilich können nicht immer alle diese Wünsche zufriedenstellend erfüllt werden. Eine mögliche Vorgehensweise wäre es dann, die Besuchstage für jedes Jahr abwechselnd festzulegen. Mit dieser Lösung können auch die alljährlichen Diskussionen verhindert werden. Dies ermöglicht es den Familien, sich wieder auf das Wesen des Weihnachtsfestes zu konzentrieren und sich dem Zauber hinzugeben.

Nicht allein, sondern getrennt-erziehend

Vor einiger Zeit habe ich darüber geschrieben, welche Herausforderung es für getrennt lebende Eltern ist, weiterhin für ihre Kinder da zu sein – die Schwierigkeit, seine Emotionen auf die Seite zu schieben und primär das Kind ins Zentrum zu rücken.

Getrennt, aber nicht allein
Mir hat der Kommentar und vor allem auch die Begrifflichkeit der Löwenmama von kleinstadtloewen.blog sehr gut gefallen. Sie geht weg von „alleinerziehend“ hin zu „getrennt erziehend“ und trifft damit mitten hinein in den zentralen Punkt, den „Scheidungseltern“ beachten sollten: Sie erziehen ihre Kinder zwar nicht mehr im gleichen Haushalt und dennoch erziehen sie nach wie vor BEIDE ihre Kinder.

Neue Eigen-Definition
Es gibt ja auch heute noch den Begriff des „Wochenendpapa“, der rein faktisch richtig, eigentlich jedoch negativ assoziiert ist. Das ist jener Papa, bei dem das Kind nur fernsehen darf, essen darf, worauf es Lust hat, und die gesamte Zeit keine Regeln und Grenzen kennt. Er kümmert sich nicht um Alltagsaufgaben und fragt auch nicht nach der Schule.

Fragt man aber bei den Vätern nach, dann merkt man einerseits, dass das nicht mehr zutrifft, und was viel wichtiger ist, dass sie das gar nicht wollen.

Beidseitige Beteiligung
Auch der getrenntlebende Elternteil möchte eigentlich im Rahmen seiner Möglichkeiten weiterhin auch Erziehungsaufgaben bei dem Kind übernehmen. Er möchte nicht nur der Spaßmacher sein, sondern wirklich am Leben teilhaben und das Kind auch wirklich durch sein Leben begleiten. Das heißt auch, mit ihm Regeln zu leben und Konflikte auszutragen.

Natürlich ist eine Konsequenz, dass die Eltern, auch wenn getrennt, irgendwie einen gemeinsamen Weg finden müssen, welche Art der Erziehung für sie gilt. Wir dürfen aber auch nicht unterschätzen, dass es für Kinder ein Geschenk sein kann, unterschiedliche Wege kennenzulernen, wie das Leben gestaltet werden kann… Wenn sie zumindest nicht völlig gegensätzlich sind.

Eltern bleiben
Die Trennung der Eltern ist für ein Kind nie leicht. Umso wichtiger ist es, dass beide Eltern auch als Eltern spürbar bleiben. Dies gibt dem Kind weiterhin Sicherheit im Leben und ermöglicht eine ehrliche und gute Beziehung zu Mutter und Vater. Als Eltern wiederum ist es trotz der Trennung als Paar eine Erleichterung, zu wissen, dass sich sowohl das Kind aber auch die Erwachsenen gegenseitig in der Erziehung aufeinander verlassen können.

Als Paar getrennt, als Eltern verbunden

Kann eine Trennung/Scheidung dazu führen, dass Kinder dauerhaft Schwierigkeiten mit Trennungen haben?

Mit dieser Frage war ich kürzlich in meiner Arbeit konfrontiert und habe dabei gemerkt, wie verunsichernd diese Überlegung für betroffene Eltern ist.
Somit auch gleich vorweg die Antwort: Nein… Wenn die Eltern die Trennung gut durchführen.

Wir trennen uns ständig
Leben, ob von Erwachsenen oder von Kindern, ist geprägt von Trennungen und Abschied nehmen. Von Geburt an, wenn wir den Mutterleib verlassen, ist dies ein uns begleitendes Thema, mit dem es heißt, sich auseinanderzusetzen. Kinder trennen sich im Laufe ihres Lebens immer wieder von ihren Eltern. Die ersten Trennungen mögen klein und unbedeutend wirken, wie wenn ein Kind die ersten Krabbelversuche und Schritte weg von den Eltern macht. Doch es sind Abschiede. Kommt ein Kind dann in die Spielgruppe und in den Kindergarten, ist der Abschied schon größer, da es zu einer längeren Trennung kommt. Dabei ist und bleibt wichtig, dass diese Trennung und alle dieses Ereignis begleitenden Gefühle thematisiert werden.

Kurzfristige, längere und endgültige Trennungen
Es gibt verschiedene Formen von Trennungen, die auch unterschiedlich bewältigt werden.

Eine kurzfristige Trennung ist absehbar und dauert meist nicht sehr lange. Für ein Kind zum Beispiel, wenn die Mutter Erledigungen macht und die Kinder in dieser Zeit bei den Großeltern bleiben. Oder auch, wenn die Eltern sich einen freien Abend vergönnen und die Kinder bei ihrem Patenonkel und ihrer Patentante sind. Längere Trennungen können für ein Kind je nach Alter schon sein, wenn der Vater morgens aus dem Haus zur Arbeit geht und erst am späten Abend wieder zurückkehrt. Oder wenn sie selber im Kindergarten sind und am frühen Nachmittag wieder von ihren Eltern abgeholt werden. In all diesen Fällen ist die Trennung nicht endgültig, es gibt immer eine Rückkehr zur Vertrauensperson.

Das Leben ist aber auch geprägt von endgültigen Trennungen, bei denen keine Rückkehr mehr möglich ist, zum Beispiel bei Todesfällen. In solchen Situationen braucht es eine noch sensiblere Auseinandersetzung.

Endgültige Trennung für die Eltern – Vorübergehende Trennung für die Kinder
Für die Eltern bedeutet eine Trennung eine endgültige Trennung als Paar, somit also ohne Rückkehr. Jedoch genaugenommen nur eine vorübergehende Trennung als Eltern, denn hier bleibt die gemeinsame Verantwortung für die Kinder. Für die Kinder selber jedoch sollte es ebenfalls nur eine vorübergehende Trennung von den Eltern sein. Wenn Eltern die Trennung für ihre Kinder gut vorbereiten und planen, wie die Kontakte zu beiden Elternteilen gestaltet werden, dann empfindet das Kind die Trennung auch nicht als endgültig. Natürlich kommt es beim Kind dennoch zu Trauer darüber, dass sich das bekannte Familiensystem auflöst.

Vorbildwirkung
Auch wenn vom Kind nicht primär gewünscht, kann die Trennung der Eltern auch Vorbildwirkung haben: Das Erleben, dass Trennungen, auch von geliebten Menschen, zum Leben gehören. Sie lösen Traurigkeit aus und können doch der Beginn eines neuen und wunderbaren Lebensweges sein.

Trennung/Scheidung – Und wie geht es meinem Kind?

Wie geht es meinem Kind während und nach einer Trennung oder Scheidung? Wie kann ich mein Kind in diesem Prozess und danach bestmöglich begleiten? Diese Fragen beantworte ich in diesem Online-Seminar.

elternweb2go hat mich eingeladen, ein Onlineseminar zu diesem Thema zu halten. Hier gibt’s das Seminar in voller Länge zum Nachsehen.

Onlineseminar zum Thema „Trennung“

Ich möchte euch heute auf eine spannende Veranstaltung hinweisen: Am 15. Januar 2018 darf ich auf elternweb2go ab 20:15 Uhr zum Thema: „Trennung/Scheidung – Und wie geht es meinem Kind? Wie wir Kinder in diesen Umbruchsituationen gut begleiten können“ referieren.

Gleich unterhalb findet ihr den genauen Termin. Das Angebot von elternweb2go ist kostenlos – ich freue mich auf zahlreiche Teilnahme!

Hier geht’s zu elternweb2go

elternweb ausschreibung

Wenn eine Trennung bevorsteht – Wie sage ich es meinem Kind?

Kürzlich war ich in meinem beruflichen Alltag wieder mit der Frage konfrontiert, wie Eltern ihren Kindern erklären sollen, dass sie sich trennen werden. Da ich gemerkt habe, welche Hilfe für sie verschiedene Hinweise waren, möchte ich diese Punkte auch auf meinem Blog mit euch teilen.

Wie sage ich es meinem Kind?
Eine Trennung wird von Eltern nie leichtfertig beschlossen. Ihr geht meist an langer, oft schmerzhafter Prozess voran. Dennoch kann sie schlussendlich unausweichlich sein. Sind Kinder von dieser Entscheidung betroffen, braucht es bereits im ersten Schritt von Seiten der Eltern viel Sensibilität und auch Gespräch miteinander.
Den eigenen Kindern zu sagen, dass die Eltern von nun an getrennte Wege gehen und sich damit auch das gesamte Familiensystem verändert, benötigt einige Vorbereitung.
Grundvoraussetzung dann für das Gespräch selber, das optimal von Vater und Mutter gemeinsam geführt wird, ist eine angenehme, nicht konfliktbehaftete, aber ehrliche Atmosphäre. Die Eltern sollten den Kindern klar sagen, dass sie sich trennen, dass sie aber immer ihre Eltern bleiben.

Klärung zwischen den Eltern
Bevor die Eltern das Gespräch mit den Kindern über die Trennung suchen, müssen sie sich bereits einen organisatorischen und zeitlichen Plan hinsichtlich des Auszugs, neuer Wohnort für den ausziehenden Elternteil sowie Besuchsregelung gemacht haben. Die Kinder müssen wissen, wo sie mit wem wohnen werden, wie es hinsichtlich Schule und Freunde sein wird. Es sind die zentralen Fragen, die die Kinder beschäftigen werden. Wenn sie klar von den Eltern beantwortet werden können, gibt es ihnen Sicherheit. Sie wissen, die Eltern machen sich auch in dieser für sie selber so schwierigen und herausfordernden Zeit Gedanken um sie und sie bleiben wichtig. Denn Kindern damit zu zeigen „Wir können zwar als Paar nicht mehr miteinander leben, aber wir werden als Eltern immer gemeinsam für euch da sein“ ist für eine gutes Durchstehen dieser familiären Krise für die Kinder von unschätzbarer Bedeutung.

Das Thema der „Gründe“
Eine häufige Frage, die Eltern in Beratungen stellen, ist, welche Gründe den Kindern für die Trennung genannt werden sollen. Wesentlich ist, dass es keine gegenseitige Schulzuweisung gibt, da Kinder sonst in einen Loyalitätskonflikt kommen können. Zudem sind die Gründe das Thema der Erwachsenen. Es kann den Kindern gesagt werden, dass Mama und Papa sich nicht mehr so lieb haben, aber dass sie die Kinder immer lieben werden. Mehr ins Detail muss und sollte auch nicht gegangen werden.
Wie durch die gesamte Zeit der Trennung und auch später in der neuen Familienkonstellation zeigt sich vor allem bei diesem Punkt die Wichtigkeit der Unterscheidung von Paarebene und Elternebene.

Kleine Schritte machen!
Das erste Gespräch sollte gut vorbereitet sein und die Eltern eine gemeinsame Linie fahren. Es ist und bleibt aber ein erstes Gespräch, dem noch viele weitere folgen werden. Wichtig ist daher auch am Ende des Gesprächs, den Kindern zu zeigen, dass sie jederzeit mit Fragen, mit Gefühlen, einfach mit allem, was sie beschäftigt, kommen können und dass es eine Lösung geben wird.

Wenn es nicht geht, holt euch Unterstützung
Ich rate betroffenen Eltern gerne, sich wirklich auch Unterstützung in der Vorbereitung des ersten Gesprächs mit den Kindern, aber auch für später zu holen. Es gibt in allen Bundesländern Einrichtungen, die Spezialisten zu diesem Thema haben. Es darf nicht vergessen werden, dass es eine aufwühlende Zeit für alle Betroffenen ist. Daher kann es sehr hilfreich sein, mit einem Außenstehenden Unklarheiten zu besprechen. Es zeigt immer von Stärke, sich Unterstützung zu holen, und ist für eine Genesung hilfreicher als alles allein machen zu müssen.