Gebt der Jugend eine Stimme

In der Märzausgabe der Zeitschrift „Aktion“ der Arbeiterkammer Vorarlberg habe ich eine Gastkommentar zu obigem Thema veröffentlicht, den ich euch hier gerne zur Verfügung stelle:

Das erklärte Haupt-Erziehungsziel für uns Eltern ist es, unseren Nachwuchs in die Mündig- und Selbständigkeit zu begleiten. Sie sollen allmählich lernen, sich von der elterlichen Umsorgung zu befreien ihren eigenen Weg zu finden und zu gehen.
In dieser Hinsicht ist die Coronapandemie ein Rückschritt, denn den Jugendlichen wurde dabei diese avisierte Mündigkeit entzogen. Von außen bekamen sie immer neue Vorgaben aufgedrückt, ihre Leben wurden einer Vollbremsung unterzogen, ohne Mitspracherecht und Stimme. Ein Dialog fand nicht statt – weder davor, noch währenddessen.
Im Nachhinein heißt es von Erwachsenenseite nun häufig „Wir hätten sollen…“. Ja! Wir hätten das Gespräch mit den jungen Menschen suchen sollen – mit ihnen in Kontakt gehen, ihre Ängste und Nöte sehen. Denn es waren nicht primär die Maßnahmen, die vielen Jugendlichen Schwierigkeiten bereitet haben. Es war die daraus entstehende Sprachlosigkeit, das Nicht-in-Kontakt-Gehen und damit Unsichtbar werden, das sie verwirrt und manche auch in eine Krise gestürzt hat.
Jetzt – mit Ausblick auf Lockerung, auf ein wieder neues Leben – sollten wir uns damit beschäftigen, welche Lehren wir aus der Vergangenheit ziehen. Nicht zurück zum Alten, sondern Neues daraus entstehen lassen. Möchten wir, dass die heutige Jugend sich zu mündigen Erwachsenen entwickelt, dann müssen wir sie hören und ernst nehmen. Dies wiederum sind in Folge wichtige Faktoren für psychische Gesundheit!

Krieg- Kinder haben Fragen

Gemeinsam mit der Elterbildung des Katolischen Bildungswerks Vorarlberg habe ich im Rahmen eines Podcasts darüber diskutiert, wie wir mit unseren Kindern das Thema „Kriege“ besprechen können. Wie sollen wir als Eltern mit diesem belastenden Thema und den herausfordernden Fragen umgehen?

Vielleicht findet ihr in diesem Beitrag Ideen, wie ihr auf die Fragen eurer Kinder zum aktuellen Weltgeschehen umgehen könnt.
Solltet ihr noch weitere Fragen zu diesem Thema haben, schreibt mir bitte jederzeit gerne!

Das Ritual – ein wichtiger Bestandteil im Alltag

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Familie“ des Vorarlberger Familienverbandes habe ich einen Beitrag zum Thema „Rituale“ verfasst, den ich euch hier gerne zur Verfügung stelle:

Das Ritual – ein wichtiger Begleiter im Alltag

Rituale – Sie pflastern unseren ganzen Lebensweg. Nicht immer sind sie uns als Ritual bewusst oder macht sich ihre Wichtigkeit direkt bemerkbar. Oft ist es erst ihr Wegfallen, das uns klarmacht, wie essenziell sie sind.

Rituale in Familien
Rituale sind so individuell wie Familien und ihre Mitglieder. Sie geben Struktur und Verlässlichkeit und einer Familie auch eine eigene Identität. Es sind dabei nicht immer die großen, gesellschaftlich definierten Rituale, sondern kleine Routinen, die sich über die Zeit entwickelt haben, die eine Familie definieren. Kinder lieben und brauchen Rituale, denn Rituale schaffen Nähe.

Installieren von Ritualen
Es gibt zwei Wege, wie Rituale ihren Platz in der Familie finden. Manche werden bewusst entschieden, andere wiederum entstehen unbemerkt. Erst wenn sie von Kindern eingefordert werden, wird klar, welche Bedeutung sie auch für sie haben. Ihr Stellenwert wird meist bemerkbar, wenn sich die Struktur innerhalb des Familiengefüges verändert.
Anbei ein Beispiel einer vermeintlich kleinen Veränderung: Die Kinder waren es gewohnt, dass die Eltern zur Tür kommen, wenn sie von der Schule nach Hause kommen, sie mit einer Umarmung und einem Kuss begrüßen. Nun kam es, dass sich die zeitliche Struktur ein wenig verändert hat. Dass die Eltern an manchen Tagen kurz vor ihnen von der Arbeit kommen und gerade das Mittagessen kochen, wenn die Kinder klingeln. So wurde es praktischer, schnell den Öffner zu drücken und aus der Küche eine Begrüßung zu rufen, als zur Tür zu gehen.
Sensibel wie Kinder aber nun einmal sind, hat diese scheinbar kleine Veränderung zu Irritation und zu Protest geführt.

Wegfall von Ritualen
Rituale haben einen gewissen Gewohnheitscharakter. Sie schleichen sich automatisch in den Alltag ein. Für Kinder geben sie Halt und Sicherheit. Bereits bei Babys kann beobachtet werden, dass Veränderung von Gewohntem, von Erwartbarem zu Unruhe führt. Und manchmal hilft es Eltern, Reaktionen ihres Babys, aber auch von kleineren oder älteren Kindern unter diesem Aspekt zu betrachten.

Ein weiteres Beispiel aus dem Alltag dazu: Man ist auf einem Geburtstagsfest eingeladen und isst noch dort zu Abend. Vielleicht denkt man als Eltern auch daran, die Kinder extra darauf hinzuweisen, etwas zu essen. Geht aber irgendwie davon aus, dass dies ja selbstverständlich ist. Dann, zu Hause, wenn wir als Erwachsene schon gedanklich dabei sind, den Kindern die Zähne zu putzen und sie ins Pyjama zu stecken, kommt die Frage: „Und was gibt es zum Abendessen?“. Im ersten Moment ist man als Eltern verwirrt. Doch wenn wir unser Kind dann fragen, stellen wir fest, dass es nicht darum geht, nicht ins Bett zu wollen oder dass es tatsächlich noch Hunger hat, sondern es fällt etwas weg, was doch eigentlich zum Abendritual gehört. Für Kinder kann dies schon ein großer Eingriff in ihren Alltag bedeuten. Schon der Wegfall eines vermeintlich kleinen Rituals hinterlässt eine Lücke bzw. kann eine bestehende Struktur durcheinanderbringen. Dann heißt es, dieses Ungleichgewicht wieder auszugleichen.

Veränderung von Ritualen
Familiäre Rituale unterliegen einer natürlichen Veränderung. So wie sich die einzelnen Familienmitglieder entwickeln, verändern sich und wachsen auch diese. Doch wie die beiden vorherigen Beispiele zeigen, ist ein zentraler Punkt, Veränderungen auszusprechen und nachzuspüren, ob dies für alle passend ist.

Abschiedsgesten sind gute Beispiele dafür, wie Veränderungen möglich sind. Eine Umarmung und ein Kuss zum Abschied ist etwas, was bei Kleinkindern nicht fehlen darf. Je älter Kinder werden, umso weniger wollen manche das – zumindest nicht vor anderen. Da heißt es Alternativen zu finden. Dabei bewährt sich oft die Kreativität von Kindern.
Ein wunderschönes Beispiel habe ich vor Kurzem gehört: Hier ist das abendliche Rituale des Gute-Nacht-Kusses und der festen Umarmung, nicht freiwillig, sondern krankheitsbedingt weggefallen. Weil das Mädchen aber einfach nicht darauf verzichten wollte, hat es kurzerhand ihr Kuscheltier zur Vermittlerin auserkoren. Das heißt, der Kuss wurde dem Tier auf die Wange gedrückt und dann die Wange an der eigenen Wange abgestreift. Gleich ging es in die andere Richtung. Weiters wurde das Kuscheltier einmal ganz fest gedrückt und so die Umarmung stellvertretend weitergegeben.

Man sieht, wie wichtig für dieses Mädchen das abendliche Ritual ist und welche kreativen Weg es sich hat einfallen lassen, es trotz der Umstände umzusetzen.

Ändern aber nicht streichen
Wie wir sehen, haben familiäre Rituale oft auch etwas mit Routine zu tun. Sie können Sicherheit und Wohlgefühl geben. Gleichzeitig dürfen sie nicht zu starr werden und damit der natürlichen Entwicklung im Wege stehen.  Sie zu verändern verlangt Mut, Offenheit und Ehrlichkeit. Doch ist es in manchen Lebensphasen notwendig. So ist es für ein Kleinkind eine unbezahlbare Wohltat, wenn es am Abend von den Eltern eine Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen bekommt. Wenn es dann selber schon lesen kann, gewinnt die Neugierde Oberhand und es möchte das selber probieren – vielleicht noch wohlig eingekuschelt in den Armen eines Elternteils. Wenn es dann ins Teenageralter kommt, müssen wieder ganz neue Formen des Abendrituals gefunden werden.

Rituale bereichern unser Leben. Sie fördern Zusammenhalt und Sicherheit. Kinder lieben Rituale. Und doch unterliegen auch sie einer natürlichen Entwicklung und verändern sich mit den Familienmitgliedern mit. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. Erlaubt ist, was allen gefällt und ein wohliges Gefühl gibt.  

Vom Festhalten und Loslassen

In meinem aktuellen und gleichzeitig auch letzten Beitrag für das Kirchenblatt habe ich mich mit einem Thema beschäftigt, dass uns als Menschen und damit auch als Eltern immer wieder sehr beschäftigt: dem Festhalten und Loslassen. Wann ist für die eine Handlungsweise der richtige Zeitpunkt, wann für die andere…

Zum gesamten Beitrag kommt ihr hier.

Kinder und Jugendeliche in der Coronazeit

Familien und ihre Mitglieder leben bereits seit knapp zwei Jahren – wie natürlich die gesamte Gesellschaft – in einer Ausnahmesituation. Corona hat den Alltag aller völlig auf den Kopf gestellt.
Beim vergangenen gesellschaftspolitischen Stammtisch des EthikCenters Vorarlberg haben wir genau dieses Thema diskutiert. Wir haben uns angeschaut, was die Studienlage vor allem über die Situation der Kinder und Jugendliche sagt, und auch, wie in der Praxis Veränderungen beobachtet werden konnten. Der spannenden Frage nach der Zukunft haben wir uns am Ende gewidmet.

Hier kommt ihr zu dieser spannenden Diskussion zum Nachhören und Nachsehen.

Und täglich grüßt das Murmeltier

Kennt ihr diesen Film? In dem der Protagonist jeden Tag wieder und immer wieder erlebt?
Kommt euch das Leben als Eltern manchmal nicht auch so vor?
Versteht mich recht: grundsätzlich ist das Leben mit Kindern das reinste Abenteuer und eigentlich weiß man nie, was der nächste Tag bringt. Aber bezogen auf das wirkliche Erziehungsthema, auf das Einhalten von Regeln und Vereinbarungen – in der Hinsicht finde ich durchaus, dass sich unser Leben jenem des Hauptdarstellers – Bill Murray – aus dem Film ähnelt.

Manchmal frage ich mich: habe ich mir nur eingebildet, dass ich gestern genau das schon gesagt habe? Hat die Familienkonferenz, die mein Mann und ich mühsam geplant und vorbereitet haben, nur in meinem Kopf und gar nicht in Realität stattgefunden?

Dieses ständige, immer Wiederholen von den gleichen Dingen, ist unglaublich anstrengend und auch ein steter Konfliktherd in der Familie. Da komm ich dann auch nicht umhin, mich zu fragen: wähle ich eine falsche Vorgehensweise? Die falsche Wortwahl? Habe ich die einzigen Kinder auf der Welt, die nicht zuhören?

Und dann passiert das…
Die Kinder gehen in die Küche und machen sich selber ihre Nachmittagsjause. Und anstatt sich auf die Süßigkeiten zu stürzen, bereiten sie sich ein „Buffet“ (Zitat) vor, das aus den Zutaten auf dem obigen Bild zusammengestellt ist und damit eine wunderbare Mischung aus gesunder und nicht ganz so gesunder Jause.
Wenn ich das dann wieder sehe, sind alle Zweifel für den Moment verschwunden und ich atme tief durch, lehne mich zurück und denke: „Also doch!“ Es ist halt doch das alte Sprichwort: „Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.“ Es heißt, Geduld zu haben und zu warten, bis die Samen, die wir als Eltern säen, Wurzeln schlagen und sprießen.

Eine Vielfalt an Meinungen

In meinem aktuellen Beitrag in der Kirchenzeitung habe ich mich mit der Frage auseinandergesetzt, was Eltern tun können, wenn sie bei Anliegen ihrer Kinder nicht immer die gleiche Meinung vertreten.
Ein Thema, das uns wohl allen sehr häufig begegnet 🙂

Hier kommt ihr zum gesamten Beitrag.

Was mein Selbstbild mit mir macht

Ich hoffe, ihr seid gut in das neue Jahr gestartet. Ich wünsche euch auf jeden Fall alles Gute dafür!

Gerne hänge ich euch hier einen Link zu einem Kurzinterview an, das ich für die Homepage der Österreichischen Familienberatungsstellen geben durfte.
Wenn ihr Lust habt, klickt euch auf dieser Seite auch noch durch weitere spannende Interviews!

Kinder beschenken

Als Eltern stehen wir in diesen Tagen vor der großen Frage, was und wieviel wir unseren Kindern zu Weihnachten schenken sollen.
In meinem aktuellen Beitrag in der Kirchenzeitung habe ich mich genau mit diesem Thema auseinandergesetzt.

Zum gesamten Beitrag kommt ihr hier.
Wie immer freue ich mich über Rückmeldungen!

Einen schönen Advent!

Wann wurde „positiv“ zu etwas Negativem?

Vor ein paar Tagen sagte mein Mann zu den Kindern: „Lasst uns doch einmal positiv bleiben.“ Die Reaktion waren entsetzte Gesichter und weitaufgerissene Augen. „Was Papa?! Wer ist positiv?!“
Das war der bedauerliche erste Gedanke unserer Kinder, der nun einmal der aktuellen gesellschaftlichen Situation geschuldet ist. Und ich kam nicht umhin mich zu fragen, wie ein eigentlich gutes Wort einen solch negativen Beigeschmack bekommen konnte.

Als alles begann
Vor knapp zwei Jahren noch wurde mit dem Begriff „positiv“ meistens etwas Erfreuliches ausgedrückt. Ausnahmen, vor allem im medizinischen Bereich, gab es schon immer, aber in der Bevölkerung war es ein Zustand, den wir erreichen wollten, der sogar in Seminaren gelehrt wurde: ein positiver Schwangerschaftstest, positives Denken, positiver Zukunftsausblick, positive Komplimente u.ä. – einfach Dinge, über die wir uns gefreut haben.

Auswirkungen
Gut. Wir als Erwachsene können noch irgendwie mit dieser sprachlichen Verwirrung umgehen, auch wenn es eine Umstellung ist. Wie aber sollen wir diese Verdrehung in der Wortbedeutung den Kindern erklären?
Ja, in der aktuellen Zeit mit der Corona-Pandemie hat sich die Aussage „Ich bin positiv“ in eine Aussage voller Schrecken und Sorgen umgewandelt. Es wurde zu etwas, das wir auf jeden Fall vermeiden möchten.

Hemmungen
Während ich diesen Text schreibe, fällt mir übrigens auf, wie oft ich gerne das Wort „positiv“ Im Sinne von „gut“ schreiben möchte, dann aber gleich ins Zögern komme. Und genau aus dieser Spirale müssen wir herauskommen und auch unsere Kinder davor bewahren. Natürlich können wir sagen, dann verwenden wir halt Wörter wie „optimistisch“, „gut“, „erfreulich“ u.ä., aber ich merke, wie sich innerlich in mir alles sträubt, ein so gutes Wort nun ins Negative abgleiten zu lassen.

Zukunft
Ich denke, es ist so wie mit vielen Dingen in unserem Leben: Zunächst müssen wir uns die Veränderung bewusstmachen. Dann sollten wir mit unseren Kindern die typischen zwei Seiten einer Medaille besprechen. So schaffen wir es, dass die gute Bedeutung des Wortes „positiv“ nicht durch die aktuell schlechte Bedeutung in Vergessenheit geraten kann.
Lasst uns gemeinsam positiv denken und daran glauben, dass die Welt sich ändern und die Gewichtung in diesem für unser Leben so wichtigen Wort wieder in die richtige Richtung verlagern wird.

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