Den Schmerz laut hinausschreien

Aussagen wie „Indianer kennen keinen Schmerz“, „Sei doch tapfer!“, „Das war doch gar nicht so schlimm“ und ähnlichen stehe ich bekanntermaßen kritisch gegenüber.

Fuß gegen Rolltreppe
Meine Haltung wurde durch folgendes Ereignis verstärkt:
Vor kurzem habe ich mir bei einer Rolltreppe im Kaufhaus dermaßen den Fuß gestoßen, dass ich am liebsten vor Schmerzen aufgeschrien hätte. Er war zudem noch auf Grund der sommerlichen Temperaturen ungeschützt in Sandalen, sodass die Auswirkungen noch größer waren. Was aber habe ich statt eines Aufschreis gemacht?! Sozial angepasst, wie wir sind, habe ich die Zähne aufeinandergebissen, die Tränen irgendwie unterdrückt und mir gerade einmal ein leise gemurmeltes „Aua“ erlaubt. Dabei ist der Schmerz tatsächlich durch meinen ganzen Körper geschossen. Erst im Auto, wo ich allein war, habe ich mir erlaubt aufzuschreien.

Stürze und Schmerzen unvermeidbar
Kinder machen das anders: Sie weinen lautstark auf, wenn sie sich wehgetan haben. Das ist in der warmen Jahreszeit ganz gut zu beobachten und zu hören. Sie sind viel draußen, in den Gärten, auf den Spielplätzen. Da gehören Stürze dazu. Sie sind beim Klettern, Rutschen, Schaukeln, Wandern geradezu unvermeidbar.
Nach meiner Erfahrung muss ich sagen: Zum Glück schreien die Kinder den Schmerz raus und weinen. Denn so kann er verarbeitet werden und sie den wohlverdienten Trost erhalten. Leider ist jedoch bei älteren Kindern zunehmend zu beobachten, dass sie sich den sozialen Anforderungen unterwerfen und diese Gefühle unterdrücken.

Ausleben fördern – Trost tut gut
Auf Grund der kurz zurückliegenden eigenen Erfahrung bin ich froh, dass ich unseren Sohn darin motiviere zu sagen, wenn etwas weh tut und sich auf keinen Fall dafür zu schämen. Gleichzeitig lehrt es mich aber auch, bei unserer Tochter, die diese Fähigkeit des Auslebens durchaus beherrscht, noch geduldiger und unterstützender zu sein. Denn es tut weh und wir dürfen um Trost bitten. Schließlich wissen wir tief drin, dass er auch uns Erwachsenen in solchen Situationen guttun würde. Meistens rennen Kinder nach einem kurzen Trösten sowieso gleich wieder weg und spielen weiter, denn die Welt ist viel zu spannend, um sie nicht zu entdecken.

 

Artikel: Dänische Kinder sind glücklicher – das machen ihre Eltern anders

Auf focus.de erschien am Mittwoch, 10.07.2019, ein Artikel über eine Studie, die sich mit der Frage beschäftigt, warum dänische Kinder glücklicher sind, als viele andere. Ich finde die Erkenntnisse wunderbar, unterstützen sie doch stark den Weg, den wir hier immer wieder andiskutieren.
Eine Hauptphilosophie dabei ist, dass dänische Eltern Druck für den falschen Weg halten. Sie möchten sich nicht auf Leistung bei Kindern konzentrieren, sondern auf Autonomie, Zusammenhalt und vor allem auch Selbstwertgefühl

Mit drei zentralen Punkten versuchen sie, dieses Ziel zu erreichen:

  1. Sie wissen, wie wichtig das freie Spiel für Kinder ist und fördern es.
  2. Sie wissen, wie sie ein Kind loben sollen, damit es Selbstvertrauen entwickelt.
  3. Sie bleiben locker.

Ich hänge euch hier den Link zum gesamten Artikel an. Ich finde ihn wirklich toll zu lesen und vor allem auch sehr motivierend! Viel Spaß!