Onlineseminar zum Thema „Trennung“

Ich möchte euch heute auf eine spannende Veranstaltung hinweisen: Am 15. Januar 2018 darf ich auf elternweb2go ab 20:15 Uhr zum Thema: „Trennung/Scheidung – Und wie geht es meinem Kind? Wie wir Kinder in diesen Umbruchsituationen gut begleiten können“ referieren.

Gleich unterhalb findet ihr den genauen Termin. Das Angebot von elternweb2go ist kostenlos – ich freue mich auf zahlreiche Teilnahme!

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Wenn eine Trennung bevorsteht – Wie sage ich es meinem Kind?

Kürzlich war ich in meinem beruflichen Alltag wieder mit der Frage konfrontiert, wie Eltern ihren Kindern erklären sollen, dass sie sich trennen werden. Da ich gemerkt habe, welche Hilfe für sie verschiedene Hinweise waren, möchte ich diese Punkte auch auf meinem Blog mit euch teilen.

Wie sage ich es meinem Kind?
Eine Trennung wird von Eltern nie leichtfertig beschlossen. Ihr geht meist an langer, oft schmerzhafter Prozess voran. Dennoch kann sie schlussendlich unausweichlich sein. Sind Kinder von dieser Entscheidung betroffen, braucht es bereits im ersten Schritt von Seiten der Eltern viel Sensibilität und auch Gespräch miteinander.
Den eigenen Kindern zu sagen, dass die Eltern von nun an getrennte Wege gehen und sich damit auch das gesamte Familiensystem verändert, benötigt einige Vorbereitung.
Grundvoraussetzung dann für das Gespräch selber, das optimal von Vater und Mutter gemeinsam geführt wird, ist eine angenehme, nicht konfliktbehaftete, aber ehrliche Atmosphäre. Die Eltern sollten den Kindern klar sagen, dass sie sich trennen, dass sie aber immer ihre Eltern bleiben.

Klärung zwischen den Eltern
Bevor die Eltern das Gespräch mit den Kindern über die Trennung suchen, müssen sie sich bereits einen organisatorischen und zeitlichen Plan hinsichtlich des Auszugs, neuer Wohnort für den ausziehenden Elternteil sowie Besuchsregelung gemacht haben. Die Kinder müssen wissen, wo sie mit wem wohnen werden, wie es hinsichtlich Schule und Freunde sein wird. Es sind die zentralen Fragen, die die Kinder beschäftigen werden. Wenn sie klar von den Eltern beantwortet werden können, gibt es ihnen Sicherheit. Sie wissen, die Eltern machen sich auch in dieser für sie selber so schwierigen und herausfordernden Zeit Gedanken um sie und sie bleiben wichtig. Denn Kindern damit zu zeigen „Wir können zwar als Paar nicht mehr miteinander leben, aber wir werden als Eltern immer gemeinsam für euch da sein“ ist für eine gutes Durchstehen dieser familiären Krise für die Kinder von unschätzbarer Bedeutung.

Das Thema der „Gründe“
Eine häufige Frage, die Eltern in Beratungen stellen, ist, welche Gründe den Kindern für die Trennung genannt werden sollen. Wesentlich ist, dass es keine gegenseitige Schulzuweisung gibt, da Kinder sonst in einen Loyalitätskonflikt kommen können. Zudem sind die Gründe das Thema der Erwachsenen. Es kann den Kindern gesagt werden, dass Mama und Papa sich nicht mehr so lieb haben, aber dass sie die Kinder immer lieben werden. Mehr ins Detail muss und sollte auch nicht gegangen werden.
Wie durch die gesamte Zeit der Trennung und auch später in der neuen Familienkonstellation zeigt sich vor allem bei diesem Punkt die Wichtigkeit der Unterscheidung von Paarebene und Elternebene.

Kleine Schritte machen!
Das erste Gespräch sollte gut vorbereitet sein und die Eltern eine gemeinsame Linie fahren. Es ist und bleibt aber ein erstes Gespräch, dem noch viele weitere folgen werden. Wichtig ist daher auch am Ende des Gesprächs, den Kindern zu zeigen, dass sie jederzeit mit Fragen, mit Gefühlen, einfach mit allem, was sie beschäftigt, kommen können und dass es eine Lösung geben wird.

Wenn es nicht geht, holt euch Unterstützung
Ich rate betroffenen Eltern gerne, sich wirklich auch Unterstützung in der Vorbereitung des ersten Gesprächs mit den Kindern, aber auch für später zu holen. Es gibt in allen Bundesländern Einrichtungen, die Spezialisten zu diesem Thema haben. Es darf nicht vergessen werden, dass es eine aufwühlende Zeit für alle Betroffenen ist. Daher kann es sehr hilfreich sein, mit einem Außenstehenden Unklarheiten zu besprechen. Es zeigt immer von Stärke, sich Unterstützung zu holen, und ist für eine Genesung hilfreicher als alles allein machen zu müssen.

Lasst die Hemmungen fallen!

Adventzeit ist Bastelzeit. Eine Bekannte hat mir in diesem Zusammenhang ein ganz tolles Erlebnis erzählt, das ich gerne mit euch teilen möchte.

Glitzer überall!
Sie hat Säcken für den Adventkalender genäht und wollte nun noch mit ihren Kindern einen Stoffhintergrund gestalten, damit alles weihnachtlich aussieht. Sie hat alle möglichen Dinge gekauft, um diese Verzierung vorzunehmen, vor allem Glitzer – Glitzerstifte, Glitzerfarben, Glitzersterne, denn nichts lieben ihre Kinder aktuell mehr.

Dann ging es um die Frage, was denn auf den Stoff gemalt wird. Gemeinsam starteten sie das Projekt. Voller Freude wurde gemalt und „geglitzert“. Als beinahe sämtlicher Platz aufgebraucht wurde, kam ihr Sohn (4 Jahre) noch auf die Idee, dass unbedingt ein Nikolaus auf den Stoff gemalt werden muss. Meine Bekannte erzählte, dass sie eigentlich schon sehr stolz auf sich war, über die Dinge, die sie bereits gemalt hat, denn ihre künstlerischen Fähigkeiten sind ausbaufähig, wie sie selber meint. Da brachte sie der Wunsch ihres Sohnes ein wenig ins Schwitzen.

Wieso so gehemmt?
Aber sie dachte sich, bei den heutigen neuen Medien wird sie wohl im Internet eine Vorlage finden, um einen Nikolaus zeichnen zu können. Sie fanden auch viele Bilder, aber so richtig zum Abzeichnen eigneten sie sich nicht. Also sagte sie ihrem Sohn, dass sie sich nicht darüber hinaussieht, einen Nikolaus abzuzeichnen.

Seine Reaktion war einmalig! Mit verständnislosem Blick sah er sie an, nahm einen Stift und meinte nur: „Dann male eben ich den!“ Und er machte sich ans Werk. Mir erzählte meine Freundin, dass sie sich insgeheim schon Gedanken gemacht hat, wie sie die Zeichnung ihres Sohnes übermalen kann, sodass dann irgendwie noch ein erkennbares Motiv entsteht. Doch sie wurde für diesen Gedanken „bestraft“. Ihr Sohn begann voller Begeisterung zu malen. Ihr war zwar nicht klar, wie sein System funktionierte, aber als er dann den Stab, den Bart und vor allem den Hut gemalt hat, war sie sprachlos: Da entstand tatsächlich ein deutlich erkennbarer Nikolaus!

Bewahrt das Unbeschwerte!
Als ich diese Geschichte gehört habe, wurde mir wieder verdeutlicht, wieviel wir als Erwachsene von unseren Kindern lernen können. Wir machen uns Gedanken, wenn wir zeichnen. Ist das Bild auch schön? Ist zu erkennen, was ich machen wollte? Ist das Rentier vielleicht ein wenig zu dick geraten? Oder auch wenn wir singen: Ist der Ton schief? Singe ich zu laut?

Kinder machen einfach. Sie freuen sich am Tun und überlegen nicht, ob alles nachher exakt passt.

Meine Bitte also an uns alle: Nehmen wir uns ein Vorbild und genießen wieder mehr. Und vor allem, lasst uns den Kindern bitte diese Unbefangenheit möglichst nicht verderben!

Ein Tag des Schenkens und Nächstenliebe – Der heilige Nikolaus

Morgen ist der 6. Dezember – Heiliger Nikolaus – ein Fixpunkt im Kalender der Adventszeit. Es ist ein Tag des Schenkens und der Nächstenliebe. Nachts werden Säcke, Socken oder Schuhe mit kleinen Geschenken, mit Nüssen und Mandarinen gefüllt.
Zurück geht dieser Brauch auf die Legende des Heiligen Nikolaus, der sein Vermögen heimlich mit dem Nachbarn geteilt hat, sodass dessen drei Töchter heiraten können. In weiterer Folge wurde der Heilige Nikolaus zum Bischof von Myra ernannt. Sein Anliegen blieb die Unterstützung der Armen.

Der große Mann mit weißem Bart
Für Kinder stellt dieser große Mann mit weißem Bart, mit seinem Stab, seinem Buch und seiner großen roten Bischofsmütze eine beeindruckende Person dar. Wenn er vor ihnen steht in voller Größe und mit seiner tiefen Stimme zu ihnen spricht und ein Säckchen überreicht. Sein Knecht Ruprecht bleibt dabei im Hintergrund, um die Kinder nicht zu erschrecken.

Liebe vs. Ermahnung
Oder sollte ich vielmehr sagen – sollte im Hintergrund bleiben!? Denn leider nutzen noch immer viele Erwachsene Sankt Nikolaus als „Erziehungstag“. Bevor der Nikolaus vor die Kinder tritt, wird ihm meist von den Eltern ein Zettel zugesteckt, auf dem ein paar Dinge stehen, die er zu dem jeweiligen Kind sagen soll. Ich finde es schade, dass Eltern diese Möglichkeit nicht vordergründig nutzen, um ihren Kindern zu sagen, wie toll sie sind, wie lieb sie sie haben und wie glücklich sie sind, dass sie da sind. Meist werden besser oder schlechter versteckte Ermahnungen eingebaut: Du musst bräver sein! Du musst besser auf deine Eltern hören! Du sollst dein Zimmer öfter aufräumen! Die Liste ist lang und stellt doch immer ein Bloßstellen der Kinder vor anderen dar.

Genießt gemeinsam!
Ihr, die ihr mich und meine Einstellung durch die verschiedenen Texte auf meinem Blog inzwischen kennt, wisst, dass ich dem Bloßstellen von Kindern sehr kritisch gegenüberstehe. Ich finde es nicht richtig, versteckte Botschaften zu schicken oder auch dies einer anderen Person zu übergeben. Wenn ich meinem Kind etwas zu sagen haben, dann muss ich das als Eltern selber mit ihm klären und ihm nicht vor versammelter Verwandtschaft durch eine dritte Person sagen lassen. Es ist für das Kind kein angenehmes Gefühl und verdirbt ihm auch diesen eigentlich sehr schönen Anlass.

Wenn wir zudem die Geschichte des Heiligen Nikolaus lesen und seine vielen guten Taten, dann war darin nie zu hören, dass er die Menschen kritisiert hat. Er steht vielmehr für gegenseitiges Helfen und Unterstützen, für Nächstenliebe. Es ist diese Botschaft, die unsere Kinder am 6. Dezember mitnehmen sollten.

Warum ich durch Fragen nicht klug werde

Eines der wichtigsten Dinge für gelingende Beziehung ist Kommunikation: in der Paarbeziehung, in Freundschaften, in der Eltern-Kind-Beziehung. Dabei spielt immer auch die richtige Dosierung eine große Rolle: nicht zu viele Fragen, nicht zu wenige Fragen, zwar Interesse, aber keine Neugierde und vieles mehr.

Jetzt schon?
Als Eltern bekommt man schon früh gesagt, dass es vor allem in den Jugendjahren ein Drahtseilakt werden kann, mit seinem Kind in Kontakt zu treten. Wenn man zu schnell zu nahe kommt, dann verscheucht man es wie ein scheues Reh. Wenn wir aber zu wenig fragen, dann kann es uns auch passieren, dass wir sie aus den Augen verlieren. Mich hat daher ein Erlebnis mit meinem Sohn wieder vor eine neue Erkenntnis gestellt: Der Beginn ist schon viel früher!

Vorsicht ist geboten
Unsere beiden Kinder besuchen den Kindergarten bzw. an einigen Vormittagen die Spielgruppe. Am Mittag sind wir dann gemeinsam wieder zu Hause. Ich lege großen Wert auf ein gemeinsames Mittagessen und frage da meine Kinder stets, wie ihr Vormittag gelaufen ist. Seit einiger Zeit bekomme ich dann immer die gleiche Antwort: „Ich mag nicht erzählen. Sag du doch, wie es bei dir war!“. Die ersten Male habe ich mich geweigert, da ich nicht dachte, dass es sie wirklich interessiert. Doch dieses Spiel hat sich täglich wiederholt und immer haben sie weniger auf mein Nachfragen nach ihren Erlebnissen am Vormittag geantwortet.

Taktikänderung
Ein Erlebnis vor ein paar Wochen brachte mich dann hinsichtlich meiner Taktik ins Wanken: Wieder hat mein Sohn nur spärliche Informationen aus dem Kindergarten an mich weitergegeben. Am nächsten Morgen erzählte er mir dann beim Frühstück, dass die Kappe, die er als „Stefan“ trägt, total angenehm zu tragen sei. Mit fragendem Blick sah ich ihn und meinen Mann an. Letzterer wiederum meinte nur: Ja, halt die Figur, die er beim Laternenfest in der Kirche spielen wird. Da musste ich feststellen, dass ich trotz meiner ganzen Fragerei nichts über die Rolle meines Sohnes in diesem Stück erfahren habe, während er dies seinem Vater beim Abendritual einfach so erzählt hat.

Erfahrungen annehmen
Aus dieser Erfahrung bin ich – hoffentlich – klug geworden und habe aufgehört, meinen Kindern ständig Fragen zu stellen. Vielmehr versuche ich eine Atmosphäre zu schaffen, in der sie merken, dass sie mir alles erzählen können – Angenehmes wie Unangenehmes. Gleichzeitig erzähle ich ihnen einfach von meinem Tag, sodass sie weiterhin ein Vorbild haben hinsichtlich Kommunikation.

Ich bleibe aber dennoch fasziniert zurück, dass dieser Bereich der Beziehung bereits in so jungen Jahren sehr sensibel ist. Es bedarf hoher Aufmerksamkeit damit man als Eltern doch erfährt, wie es den eigenen Kindern geht.

Der verbotene Klaps auf den Po

Auf bunte.de wird aktuell noch einmal eine Studie der Universität Texas und der Universität von Virginia diskutiert, die zwar bereits im Jahr 2016 veröffentlicht wurde, deren Thema aber weiterhin nichts an Brisanz verloren hat: Der Klaps auf den Po.

Elisabeth Gershoff, die an der Studie mitgewirkt hat, beschreibt folgende zentrale Ergebnisse ihrer Studie: der „Klaps“ führt nicht dazu, dass Kinder sofort und auf lange Sicht anhaltend ihre Verhalten verbessern, sondern dass es vielmehr zu längerfristigen schädlichen psychischen Auswirkungen kommt. Diese Kinder zeigen unter anderem zunehmend aggressiveres Verhalten. Sie müssen auf der einen Seite mit der erlebten Verletzung und auch Demütigung umgehen. Auf der anderen Seite lernen sie durch die elterliche Erziehungsmethode, dass es schlagen muss, um seinen Willen durchzusetzen.

Wo bleibt die Veränderung?
Noch immer erlebt man in Befragungen oder in Gesprächen zu diesem Thema, dass Erwachsene verächtlich aufschnauben, wenn Gewalt in der Erziehung strikt abgelehnt wird. Dazu gehört auch der „Klaps“ auf den Po, denn der Begriff führt primär nur zu einer irreführenden Verniedlichung von körperlicher Gewalt gegen Kinder. Man wird dann mit Aussagen konfrontiert wie „Das hat uns früher auch nicht geschadet“ oder „Wer hören will, muss fühlen!“ oder manchmal sogar „Ich kann mit meinem Kind machen, was ich will“.

Gewalt zerstört die Beziehung
Nicht nur, dass Gewalt in der Erziehung gesetzlich verboten ist, führt sie nicht zu dem vermeintlich gewünschten Ergebnis. Vielmehr zerstört es die Beziehung zwischen Eltern und Kind. Das Kind wird gedemütigt und entwickelt Angst in der Begegnung mit seinen eigentlichen Vertrauenspersonen.

Es gibt in unserer Gesellschaft noch immer eine unbegreifliche Unterscheidung hinsichtlich Gewalt: Wird eine Frau von ihrem Mann geschlagen, bekommt sie eine Ohrfeige, wird das als Körperverletzung bezeichnet und landet häufig vor Gericht. Frauen werden heute glücklicherweise geschützt und Gewalt ihnen gegenüber wird nicht mehr als Recht des Mannes angesehen. Wird jedoch ein Kind von seinen Eltern geschlagen, bekommt es eine Ohrfeige oder einen Schlag auf den Po, dann versteckt man diese Handlung hinter dem Begriff „Erziehung“. Zwar gibt es die erwähnte gesetzliche Regelung, dennoch wird bei vermeintlich kleineren Handlungen noch immer weggeschaut. Woher kommt diese Unterscheidung? Wie rechtfertigen wir als Erwachsene, dass wir uns das Recht herausnehmen, einem Kind weh zu tun?

Und trotzdem…
Erziehung ist eine Herausforderung. Erziehung kann uns auch als Eltern an unsere Grenzen führen (siehe hierzu mein Beitrag „Was tun, wenn der Streit zu eskalieren droht?“). Jedoch haben wir als Erwachsene stets die Verpflichtung, unsere Kinder zu schützen, und niemals das Recht, sie auf welche Weise auch immer zu verletzen, zu demütigen oder Macht über sie auszuüben. Erleben wir als Erwachsene das Ende unserer Weisheit, dann ist an es uns, Unterstützung zu holen, um zu lernen, die Situationen gewaltfrei und konstruktiv zu lösen und unseren Kindern nicht beizubringen, dass durch Gewalt ein Ziel erreicht werden kann.

Familien- und Kommunikationsberater Jan-Uwe Rogge fasst es wie folgt zusammen: „Jeder noch so kleine Klaps ist eine Niederlage! Egal in welchem Alter! Damit setzt man keine Grenzen. Es zeigt nur, dass Eltern ihre Klarheit verlieren und hilflos sind.“

Hier gibt’s noch den Link zur Studie

Termine, Termine, Termine…

Ist es nur ein Leben, wenn der Terminkalender fast übergeht?

 

Das Thema des vollen Terminkalenders in Familien begegnet mir fast täglich – nicht nur privat, sondern auch in der Arbeit. Ein Treffen oder einen nächsten Beratungstermin zu vereinbaren scheint schier unmöglich, so durchgeplant ist das Leben der Eltern und der Kinder. Und immer wieder frage ich mich: Muss das so sein? Bin ich eine Rabenmutter, wenn mein Kind nicht jeden Nachmittag nach dem Kindergarten verplant ist, mit Schwimmkurs, Schikurs, Musikschule, Eltern-Kind-Turnen oder ähnlichem?

Luxus vs. Druck
Versteht mich bitte richtig: Ich empfinde es als Luxus, dass wir in einem Land leben, in dem sich so viele Menschen für Kinder engagieren und schauen, dass es ein vielfältiges Angebot für ihre Freizeit gibt. Es beeindruckt mich auch, wie phantasievoll viele Erwachsene sind. Gleichzeitig spüre ich als Mutter aber auch Druck. Was ist, wenn ich mein Kind nicht jedes dieser Angebote in Anspruch nehmen lasse. Das kann verschiedene Gründe haben. Diese Dinge kosten natürlich Geld, manchmal sogar viel Geld. Dann kosten sie auch Zeit. Zeit, die ich vielleicht lieber so mit meinem Kind verbringen oder einfach auch für mich selber zur Verfügung haben möchte. Vielleicht möchte ich einfach nicht neben der Arbeit und dem Haushalt die Kinder von Termin zu Termin fahren müssen.

Immer schneller, immer jünger
Vielleicht habe ich aber einfach auch das Gefühl, dass die Kinder immer noch jünger immer noch mehr bereits können müssen. Wenn sie in die Volksschule kommen, sollten sie schon schreiben und lesen, wenn nicht gar rechnen, können. Sie sollten mindestens ein Musikinstrument beherrschen und in mindestens einem Verein bereits im Kader sein und Turniere spielen. Schwimmkurse sollten schon mit spätestens vier Jahren besucht werden, obwohl sogar Schwimmlehrer sagen, dass es vor 5/6 Jahren überhaupt keinen Sinn macht und auch dann noch früh ist. Muss ein Kind auch wirklich schon im Alter von 4 Jahren richtig Schifahren können?

Ein Hoch auf die Phantasie!
Wenn ich wieder höre, wie verplant Kinder bereits in jungen Jahren sind, steht die Frage ich Raum: Wo bleibt Zeit für das freie Spiel? Wo bleibt die Möglichkeit, aber auch die Herausforderung für die Kinder, selber aus Gegebenem etwas zu entwickeln, ohne dass alles vorgegeben wird? Wie vor einiger Zeit in meinem Blog-Text „Kein Plan? Gut so!“ beschrieben, zeigt auch die Wissenschaft, wie wichtig es ist, dass die kindliche Phantasie gefördert wird. Zudem darf nicht alles, was Kinder tun, nur auf Leistung und auf Druck aufbauen. Einen Nachmittag lang im Spiel das Haus auf den Kopf stellen, ist für die Entwicklung oft wertvoller als ein vier Tage dauernder Wunder-Schikurs.

Außerdem ist das wärmende Gefühl, wenn ich dann in den Kinderzimmern den Raben mit einem Buch auf dem Stuhl sitzen sehe oder die Teddybären, die mit dem Steak aus der Kinderküche gefüttert werden, unbezahlbar!