Gegen den Ernst des Lebens

In der vergangenen Ausgabe der Kirchenzeitung habe ich mich mit dem Thema „Schulbeginn“ auseinandergesetzt.
Den ganzen Beitrag könnt ihr gerne hier nachlesen.

„Hurra! Hurra! Der Kobold mit dem roten Haar!“

Kinder erlauben uns immer wieder das Eintauchen in die eigene Kindheit, ohne dass man sich dafür rechtfertigen muss. So dürfen mein Mann und ich uns aktuell wieder in die Welt des Koboldes „Pumuckl“ begeben.
Ich kann mich noch gut erinnern, wie wir als Kinder mit unseren Eltern diese Serie geschaut haben. Oder auch auf Kassetten (wer erinnert sich noch an diese Antiquität?!) im Radio abgespielt haben.

Kurzer Einblick
Für diejenigen, die diese wunderbare Kinderserie von Ellis Kaut nicht kennen: Pumuckl ist ein kleiner Kobold, der eines Tages in der Werkstatt des Schreinermeisters Franz Eder auftaucht und dessen Leben so wunderbar durcheinanderbringt. Pumuckl ist nur für Meister Eder sichtbar, während er für alle anderen unsichtbar bleibt.

Neues Ausprobieren
Natürlich sehe ich die Serie heute mit etwas anderen Augen als früher. Aber ich finde sie wunderbar und amüsiere mich bei jeder Folge köstlich. Jedoch überkommt mich nicht nur das Lachen, sondern auch Herzenswärme. So schafft es Pumuckl immer wieder, Meister Eder für neue Dinge zu begeistern, beispielsweise einen Segeltrip am Chiemsee oder die Zubereitung von  Schokoladepudding, obwohl er gar nicht kochen kann. Es wirkt, als färbt die Unbekümmertheit und Neugierde des Kobolds auf den Schreinermeister ab und lässt ihn das Leben neu entdecken.
So ergeht es uns Eltern mit unseren Kindern doch auch immer wieder – wenn wir es zulassen. Sie begegnen dem Leben anders, stellen Dinge und Erklärungen in Frage und fordern uns heraus, manches zu überdenken. Sie helfen uns aber mit ihrer Unbekümmertheit auch, Dinge zu tun, die wir uns normalerweise nicht trauen würden oder für die wir uns gar geschämt hätten – wie zum Beispiel am Spielplatz ein Seil hinauf zu klettern oder hüpfend einen Gehsteig zu überwinden.

Regeln und Grenzen
Wie Kobolde aber eben so sind, gehören Regeln und Grenzen nicht gerade zu ihren bevorzugten Dingen. Vielmehr sind es Störfaktoren, die es zu ignorieren gilt. Und so gibt es neben dem Spaß immer wieder auch Streitereien zwischen Pumuckl und Meiser Eder. Diese werden jedoch schlussendlich immer mit Zuneigung zueinander gelöst. Für Kinder wird deutlich, dass Regeln eingehalten werden sollten und ein Missachten Konsequenzen hat. Für uns Erwachsene zeigt sich aber auch, dass manche Regeln hinterfragt werden können und dass auch wir in der Auseinandersetzung und im Gespräch miteinander einiges lernen können.

Gemeinsam durchs Leben
Wunderschön finde ich auch die Folge, in der Meister Eder Pumuckl mit einem Geschenk überrascht, um mit ihm ihre gemeinsame Zeit zu feiern. Denn obwohl es für beide eine nicht immer einfache Zeit ist, merken sie doch, dass das Leben nur miteinander eigentlich wirklich schön ist! Ein Hoch auf unsere Kinder!

Ich empfehle euch: seht sie euch gemeinsam an, den Meister Eder und seinen Pumuckl. Es ist für alle ein Genuss!

Zurück aus dem Urlaub – Erfahrungen

In den vergangenen Wochen durften wir als Familie eine tolle Urlaubszeit genießen. Wir waren sowohl zu Hause als auch ein wenig unterwegs.
Unser Urlaub beinhaltete auch immer wieder längere Autofahrten. Nicht nur zum Urlaubsziel an sich, sondern dann auch für Ausflüge vor Ort. Für viele Eltern sind diese Zeiten stressig – außer die Kinder verschlafen vielleicht. Doch warum ist das so? Kinder können und wollen nicht einfach nur im Auto herumsitzen. Das ist langweilig, bietet die Welt doch so viel Interessantes und verlangt ihr Körper geradezu nach Bewegung.

Wie also kann man es schaffen, dass die Zeit im Auto – vergleichbar natürlich auch in Bahn und Flugzeug – möglichst stressfrei und konfliktfrei verläuft?

Die Vorbereitung machts!
Zunächst: Es braucht Vorbereitung durch die Erwachsenen. Es funktioniert nicht, die Kinder einfach nur reinzusetzen und loszufahren. Davor müssen einige Ideen für Unterhaltung geboren werden. Hierzu möchte ich gleich anführen, dass ich es wichtig finde, dass es nicht die Eltern sein müssen, die die Kinder die gesamte Fahrt animieren müssen. Das funktioniert nicht und führt recht rasch zu Unzufriedenheit. Außerdem ist es auch in diesem Zusammenhang wichtig, dass Kinder baldmöglichst lernen, selbstständig Ideen zu entwickeln, wenn ihnen entsprechende Möglichkeiten zur Verfügung gestellt werden.

Eine kleine Auswahl
Wir haben tolle Erfahrungen gemacht mit den unterschiedlichsten Büchern – große, kleine, dicke, dünne, solche zum selber anschauen oder solche, die mit Hilfe eines Stiftes bedient werden. Ein weiteres Unterhaltungsmedium, das wir sehr gerne nutzen, sind Hörbücher. Hier gibt es ja glücklicherweise eine große Auswahl. Bei mehreren Kindern sollte darauf geachtet werden, dass für jedes Kind etwas dabei ist, denn vor allem im Auto hören alle Familienmitglieder mit. Da aber die Eltern vielleicht nicht die ganze Autofahrt Lust haben, Kinderhörbücher zu hören, ist ein Kompromiss auszuhandeln, sodass sich diese vielleicht mit der Musik der Eltern abwechselt.
Eher ungünstig finde ich das Fernsehen im Auto. Natürlich ist es eine wirkungsvolle Möglichkeit, die Kinder über die Fahrzeit ruhig zu stellen, doch sollte es meiner Ansicht nach nur im Notfall zum Einsatz kommen.
Ein weiterer wichtiger Punkt sind die Pausen. Nicht nur der Autofahrer/die Autofahrerin selber braucht Pausen auf einer längeren Fahrt, sondern auch die Insassen. Der Platz für eine Pause sollte möglichst so gewählt werden, dass Kinder Bewegungsspielraum haben, damit sie sich austoben können. Auch eine gute Jause gehört natürlich mit dazu.
Ab einem gewissen Alter der Kinder ist diese Zeit zudem auch eine einfache Möglichkeit, ihnen verschiedene Dinge beizubringen. So können sie Automarken oder auch verschiedene Länder anhand von Kennzeichen lernen. Kinder immer wieder auf Sehenswürdigkeiten, auf Tiere oder ähnliches hinzuweisen, die auf dem Weg auftauchen, finde ich ebenfalls wichtig.

Aber dennoch:
Zum Schluss aber auch noch ein vielleicht beruhigender Hinweis:
Eine Autofahrt kann lange werden – das merken wir doch an uns selber auch manchmal. Wie wir also auch nicht davon ausgehen dürfen, dass der Urlaub selber völlig konfliktfrei funktioniert, dürfen wir auch nicht den Anspruch haben, dass wir auf einer Autofahrt nicht immer wieder den wohlbekannten Satz hören „Sind wir jetzt endlich da?“

Wie kann ich mich auf die Pubertät meines Kindes vorbereiten?

Ein weiteres spannendes Thema möchte ich euch vorstellen, das ich in einem Interview für die Homepage „Familienberatung Österreich“ diskutieren durfte.

Den ganzen Artikel findet ihr hier.

Wann ist Wegwerfen ok?

Wenn Kinder da sind, ist Hausarbeit so eine Sache. Ist ein Zimmer aufgeräumt und man widmet sich dem nächsten, schaut es im ersten gleich mal wieder so aus, als ob man nichts gemacht hat.
Die Kinderzimmer selber sind am schlimmsten, weil hier alles wirklich nur einer Sisyphos-Arbeit gleicht. Doch nicht nur darum ist diese Arbeit eine Herausforderung. In letzter Zeit begegne ich hier bei meinen Kindern einem noch viel spezielleren Phänomen: ihrem Gedächtnis!

Das Ding liegt
Ihr kennt das sicher auch: Da liegt tage- bzw. wochenlang etwas herum. Es wird von den Kindern nicht beachtet, geschweige denn damit gespielt. Doch ihr getraut euch noch nicht gleich, es wegzuwerfen, denn man weiß ja nie. Also wartet ihr. Die Beobachtung bleibt aber, dass es keinerlei Veränderung gibt. Ihr überlegt, wie es mit diesem Ding nun weitergehen soll. Fragt ihr bei euren Kindern nach, dann wäre wegwerfen ein großes Unglück. Also fragt ihr nicht und wartet weiter.

Die Entscheidung steht an
Irgendwann steht wieder eine größere Aufräumaktion an und ihr begegnet diesem Ding, das sich noch immer nicht vom Fleck bewegt hat, aufs Neue. Und in einem Anfall von Ärger und Sauberkeitsbedürfnis nehmt ihr es und werft es doch weg. Manchmal gibt es noch den Zwischenschritt und ihr legt es in eine Schublade und stellt innerlich ein Ultimatum, bis wann dem Kind sein Fehlen auffallen muss, dass es nicht im Müllsack landet.

Die Entscheidung ist gefällt
Irgendwann, gefühlt nach einer Ewigkeit, entschließt ihr euch doch, dieses Ding wegzuwerfen oder auch wegzugeben. Es handelt sich ja nicht um ein Lieblingsding meines Kindes. Doch dann tatsächlich: aus für uns völlig unerklärlichen Gründen, erinnert sich unser Kind wieder an diese eine Sache und beginnt zu suchen. Natürlich kommt es auch mit der Frage zu euch, ob ihr wisst, wo sie denn ist. Da stehen wir dann kurz vor dem Dilemma, ob wir zugeben sollen, dass wir es weggeworfen haben, oder ob wir einfach die Unwissenheitskarte ausspielen.

Zur Entscheidung stehen
Schon klar: Vorbilder wie wir sein müssen, erklären wir dem Kind, dass und warum wir das Ding weggeworfen haben und halten auch seinen Ärger und seine Trauer darüber aus. In einer solchen Situation nehme ich mir dann auch wieder vor, mit den Kindern zunächst zu reden, bevor ich etwas weggebe, auch wenn die Schlussentscheidung bei mir bleibt.
Noch etwas fällt mir aber in diesem Zusammenhang immer mehr auf: Ich weiß bei manchen Sachen wirklich nicht mehr, ob ich sie weggeworfen, weggeräumt oder gar nicht berührt habe. Denn irgendwie scheint mein Gedächtnis hier nicht so phänomenal zu funktionieren wie bei meinen Kindern 😉

 

 

Den Schmerz laut hinausschreien

Aussagen wie „Indianer kennen keinen Schmerz“, „Sei doch tapfer!“, „Das war doch gar nicht so schlimm“ und ähnlichen stehe ich bekanntermaßen kritisch gegenüber.

Fuß gegen Rolltreppe
Meine Haltung wurde durch folgendes Ereignis verstärkt:
Vor kurzem habe ich mir bei einer Rolltreppe im Kaufhaus dermaßen den Fuß gestoßen, dass ich am liebsten vor Schmerzen aufgeschrien hätte. Er war zudem noch auf Grund der sommerlichen Temperaturen ungeschützt in Sandalen, sodass die Auswirkungen noch größer waren. Was aber habe ich statt eines Aufschreis gemacht?! Sozial angepasst, wie wir sind, habe ich die Zähne aufeinandergebissen, die Tränen irgendwie unterdrückt und mir gerade einmal ein leise gemurmeltes „Aua“ erlaubt. Dabei ist der Schmerz tatsächlich durch meinen ganzen Körper geschossen. Erst im Auto, wo ich allein war, habe ich mir erlaubt aufzuschreien.

Stürze und Schmerzen unvermeidbar
Kinder machen das anders: Sie weinen lautstark auf, wenn sie sich wehgetan haben. Das ist in der warmen Jahreszeit ganz gut zu beobachten und zu hören. Sie sind viel draußen, in den Gärten, auf den Spielplätzen. Da gehören Stürze dazu. Sie sind beim Klettern, Rutschen, Schaukeln, Wandern geradezu unvermeidbar.
Nach meiner Erfahrung muss ich sagen: Zum Glück schreien die Kinder den Schmerz raus und weinen. Denn so kann er verarbeitet werden und sie den wohlverdienten Trost erhalten. Leider ist jedoch bei älteren Kindern zunehmend zu beobachten, dass sie sich den sozialen Anforderungen unterwerfen und diese Gefühle unterdrücken.

Ausleben fördern – Trost tut gut
Auf Grund der kurz zurückliegenden eigenen Erfahrung bin ich froh, dass ich unseren Sohn darin motiviere zu sagen, wenn etwas weh tut und sich auf keinen Fall dafür zu schämen. Gleichzeitig lehrt es mich aber auch, bei unserer Tochter, die diese Fähigkeit des Auslebens durchaus beherrscht, noch geduldiger und unterstützender zu sein. Denn es tut weh und wir dürfen um Trost bitten. Schließlich wissen wir tief drin, dass er auch uns Erwachsenen in solchen Situationen guttun würde. Meistens rennen Kinder nach einem kurzen Trösten sowieso gleich wieder weg und spielen weiter, denn die Welt ist viel zu spannend, um sie nicht zu entdecken.

 

Artikel: Dänische Kinder sind glücklicher – das machen ihre Eltern anders

Auf focus.de erschien am Mittwoch, 10.07.2019, ein Artikel über eine Studie, die sich mit der Frage beschäftigt, warum dänische Kinder glücklicher sind, als viele andere. Ich finde die Erkenntnisse wunderbar, unterstützen sie doch stark den Weg, den wir hier immer wieder andiskutieren.
Eine Hauptphilosophie dabei ist, dass dänische Eltern Druck für den falschen Weg halten. Sie möchten sich nicht auf Leistung bei Kindern konzentrieren, sondern auf Autonomie, Zusammenhalt und vor allem auch Selbstwertgefühl

Mit drei zentralen Punkten versuchen sie, dieses Ziel zu erreichen:

  1. Sie wissen, wie wichtig das freie Spiel für Kinder ist und fördern es.
  2. Sie wissen, wie sie ein Kind loben sollen, damit es Selbstvertrauen entwickelt.
  3. Sie bleiben locker.

Ich hänge euch hier den Link zum gesamten Artikel an. Ich finde ihn wirklich toll zu lesen und vor allem auch sehr motivierend! Viel Spaß!