Der wachsende „Horror“ in der Zukunft

Wir haben hier auf meinem Blog die spannende Kategorie „Andere wissen alles besser“. Immer wieder mache ich in Gesprächen mit Eltern eine Beobachtung, die gut hierzu passt. Wobei ich erwähnen muss, dass dieses Verhalten nicht nur bei Eltern gegeben ist, sondern eigentlich ein Phänomen unserer Gesellschaft ist. Es ist das „Ich habe es aber schwieriger als du“-Phänomen.

Du hast ja keine Ahnung!
Ab einem bestimmten Alter wird man stets mit der Frage konfrontiert, wann man denn nun endlich Kinder bekommt. Gefolgt von der Aussage: „Genieße es noch, solange du keine hast. Wir haben ja schon welche und da ist alles viel…“ Es folgt eine Aufzählung an Schreckensszenarien und schlimmen Dingen, die dann mit einem Kind auf uns zukommen wird und die man sich jetzt naiv in der kinderlosen Phase noch gar nicht vorstellen kann. Sind dann Kinder da, dann beschreibt uns das Gegenüber, das uns schon gesagt hat, wie schwierig ein Leben mit Babies ist, dass sein Leben jetzt aber schlimmer ist als unseres. Dass nämlich Kinder wie er sie hat, viel teurer und anstrengender und ähnliches sind, als wir das jetzt erleben. Dass wir es jetzt ja noch gut haben, aber wenn wir erst Kinder in seinem Alter haben, dann…

Der Wettkampf beginnt!
Ich glaube, ihr wisst was ich meine: Es wird ein künstlicher Wettkampf in Gang gesetzt, bei wem es schwieriger, anstrengender, teurer ist.
Ähnliches können wir häufig auch im Berufsleben beobachten – nichts anderes ist ja Elternsein eigentlich auch. Auch hier entstehen Wettkämpfe darüber, wer in seinem Beruf mehr Herausforderungen, mehr Verantwortung hat. Wer mehr unter Stress steht und weniger Zeit für anderes hat.

In der Ruhe liegt die Kraft!
Ich muss gestehen, ich bin kein guter Sparringspartner für solche Duelle, da ich mich nicht auf sie einlasse. Ich habe durch sie keinen Wissensgewinn, erlebe keine Stärkung für mein Sein. Somit höre ich zwar, was der andere sagt, bilde mir innerlich meine Meinung, äußere mich aber nicht dazu. Natürlich frage ich mich, warum mein Gegenüber eine solche Diskussion in Gang setzt. Vielleicht will er einfach auch nur Anerkennung für das, was er für seine Kinder und seine Familie leistet. Das kann ich verstehen, denn danach sehnen wir uns alle. Nur ist für mich der beschriebene Weg, Anerkennung durch Abwertung, falsch.

Wir geben, was wir können!
Ich weiß, dass ihr alle – mich eingeschlossen – jeden Tag alles gebt, damit ihr und eure Kinder ein gutes Leben und eine gute Zukunft habt. Dafür zolle ich uns den größten Respekt. Aber nicht, weil der eine oder die andere es schwieriger hat, sondern einfach weil wir uns täglich unseren Herausforderungen stellen und uns damit auseinandersetzen. In guten wie in schwierigeren Zeiten…