Nein, das brauchst du jetzt nicht!

Wenn Kinder etwas haben wollen, sagen sie „Ich brauche das jetzt!“ Das geschieht, wenn das Kind den Schnuller will, oder gerade in diesem Moment ein Wasser, in dem wir es uns bequem gemacht haben, oder ein Kuscheltier, das es im Geschäft entdeckt hat. Wenn wir als Eltern ihm das aber nicht kaufen oder den Schnuller nicht geben wollen, sagen wir gerne, dass es das nicht braucht.

Negieren von Gefühlen
Doch eigentlich gibt es eine Feinheit, deren wir uns als Erwachsene bewusst werden müssen: Wenn wir wirklich so reagieren, negieren wir das Gefühl des Kindes in diesem Augenblick.

„Du bist doch schon groß!“
Blieben wir beim Schnuller-Beispiel: Das Kind ist müde und möchte gerne den Schnuller haben. Sein Gefühl ist in dem Moment, ihn zu brauchen, ohne ihn nicht einschlafen zu können bzw. einfach nur zufrieden sein zu können. Wir als Eltern versuchen aber gerade im Auftrag der Erziehung, dem Kind den Schnuller abzugewöhnen. Anstatt die Wahrheit zu sagen, die da lautet: „Nein, du bekommst den Schnuller nicht mehr, weil er deinen Zähnen schadet und wir nicht mehr möchten, dass du ihn so oft nimmst.“, sagen wir lieber: „Aber den brauchst du doch gar nicht mehr. Du bist doch schon groß.“

Wer will was?
Doch dabei treffen zwei Sichtweisen aufeinander: Das Kind selber hat das Gefühl, ihn zu brauchen. Die Eltern wiederum wollen ihn ihm nicht geben. Und hier kommt der wichtige Schritt: Als Eltern müssen wir dazu stehen, wenn wir an gewissen Punkten, die Entscheidung fällen, nein zu sagen, und dem Kind etwas nicht zu geben. Gleichzeitig dürfen wir dem Kind nicht sein Bedürfnis absprechen, nur damit unser Gefühl besser ist.

Projektionsfläche bieten
In Erziehungsratgebern begegnet uns immer wieder der Begriff der „liebevollen Grenzsetzung“ oder auch „Nein aus Liebe“. Diese Formulierungen helfen zwar den Eltern beim Gefühl, sie tun es ja nur den Kindern zu liebe – was im weitesten Sinne ja auch der Wahrheit entspricht. Für die Kinder selber ändert sich aber in ihrer aktuellen Wahrnehmung nicht viel. Aus ihrer Sicht wurde ihnen die Befriedigung eines Bedürfnisses verwehrt. Das frustriert und macht ärgerlich. Dies wiederum entlädt sich an jenen Personen, die das Bedürfnis nicht befriedigt haben. Für die Entwicklung des Kindes ist es nun von großer Bedeutung, dass es diese Frustration an der Zielperson abladen kann und diese auch Verständnis dafür hat.

Wir müssen als Erwachsene ehrlich bleiben und vom häufigen „Das brauchst du nicht“ zum ehrlichen „Ich kann mir vorstellen, dass du das haben willst, aber ich möchte dir das jetzt nicht kaufen oder geben“ übergehen.

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