Gesucht: Management-Persönlichkeit für ein Familien-Unternehmen

Wenn Frauen schwanger werden und ein Kind bekommen, heißt es, sie „verlassen den Arbeitsmarkt“. Auch heute ist es noch so, dass Erziehung und berufliche Tätigkeit nicht gleichgesetzt werden. Viel zu oft muss man sich für die Rolle als Mutter gegenüber klassisch Erwerbstätigen rechtfertigen. Ist Erziehung etwa kein Beruf?

Ich meine, wir sollten als Eltern aufhören uns zu rechtfertigen oder Understatement zu betreiben – und ich sage euch auch, wieso:

Das Familien-Unternehmen
Eine Familie ähnelt in vielerlei Hinsicht einer Firma. Es gibt mehrere Mitglieder, die zusammenarbeiten müssen, um ihr Unternehmensziel zu erreichen. Die Abläufe müssen genau koordiniert werden. Budget und Rahmenbedingungen sind klar definiert und die Prozesse so gestaltet, dass mit möglichst wenig Aufwand das Maximum erreicht werden kann.

Ein Job ohne Stechuhr
Und wenn dieser einfache Vergleich schon recht nahe liegt, ist dann Erziehung nicht die Ausübung eines Berufs? Erziehung ist die Arbeit mit Menschen, verbunden mit hoher Verantwortung. Sie erfordert Einsatz und Engagement. Zudem ist Erziehung ein 24-Stunden-Job, es gibt de facto kein Abschalten. Als Mutter und Vater beschäftigen wir uns ständig mit Fragen, wie wir unsere Kinder gut begleiten können, was sie brauchen, um sich gut entwickeln zu können. Wir versuchen uns fortzubilden, indem wir Bücher lesen und Vorträge besuchen. Wir versuchen unser Verhalten anzupassen, wenn wir nicht das gewünschte Ergebnis erzielen – ist das nicht auch Strategieentwicklung auf hohem Niveau?

Die langsame Übernahme von Verantwortung
Wenn du eine neue Stelle antrittst, gibt es das klassische Vorgehen. Du wirst durch die neue Firma geführt. Sie erklären dir die Abläufe. Du lernst deine Kolleginnen und Kollegen kennen und kannst dich langsam einarbeiten. Niemand erwartet von dir, dass du gleich am ersten Tag weißt, wie alles funktioniert.

Aaaaaaber….
Ab dem ersten Augenblick mit deinem Baby auf dem Arm wird von dir erwartet, dass du genau weißt, wie alles funktioniert. Unsicherheiten scheinen keinen Platz zu haben. Zeit sich kennenzulernen muss man sich selber erlauben. Das gewachsene Unternehmen braucht dich von der ersten Sekunde mit voller Aufmerksamkeit. Dies darf nicht unterschätzt werden.

Also lasst uns als Eltern am Ende eines strengen Arbeitstages die Füße hochlegen und bei einem Glas Wein stolz und zufrieden auf das geleistete Tagespensum zurückblicken – vorausgesetzt, dein Unternehmen braucht dich gerade nicht!

Warum ich das tue?!

Begonnen hat alles mit meinem Psychologiestudium. Heute bin ich Mutter…

Begonnen hat alles in meinem Psychologiestudium. Mit großem Interesse und Begeisterung habe ich die vielen Theorien und Hypothesen studiert. In meiner Ausbildung zur Klinischen und Gesundheitspsychologin konnte ich diese noch intensivieren.

Theorie vs. Praxis
Aber wie es so ist im Leben, wollte ich auch hier vergleichen, ob Theorie und Praxis übereinstimmen. Ich begann an verschiedenen Arbeitsstellen berufliche Erfahrung zu sammeln. Habe versucht, gemeinsam mit Eltern, Kindern und Paaren diese gelernten theoretischen Überlegungen in ihren Alltag zu integrieren. Jetzt bin ich zudem selber Mutter zweier Kinder und Teil eines Elternpaares.
Somit gehen Theorie und Praxis noch eine weitere Verbindung ein. Dies gibt mir die Möglichkeit immer wieder Gelerntes zu überprüfen. Dabei merke ich, dass manche Theorien mir helfen, Dinge besser zu verstehen und zu erklären. Manche Theorien dagegen stehen mir persönlich in meiner Entwicklung als Mutter im Weg. Im Austausch mit anderen Müttern in meiner beruflichen Tätigkeit oder in meinem Freundes- und Bekanntenkreis merke ich jedoch, dass sie es genau umgekehrt erleben. Das, was für mich und meine Kinder der richtige Weg ist, ist er für sie nicht. Vielmehr heißt es, durch Beobachtung meiner eigenen Person und meiner Kinder sensibel zu werden.

Werte vs. Flexibilität
Wir alle haben unsere Werte, die wir im Leben verfolgen, doch habe ich sowohl in der theoretischen Ausbildung als auch in der Praxis gelernt, dass wir uns eine gewisse Flexibilität bewahren sollten. Wir müssen offen bleiben für Neues und vor allem für die Einzigartigkeit unserer Kinder. Denn nicht jedes Kind braucht das Gleiche. Es sind Individuen mit unterschiedlichen Bedürfnissen. Und ist es nicht gerade darum so schwer, allgemein gültige „Rezepte“ zu geben?!

Gemeinsam…
Aus dieser Verbindung meiner theoretischen Ausbildung und meiner praktischen Erfahrung in Beruf und zu Hause, sind viele Gedanken, Überlegungen und Beobachtungen entstanden. Und diese Erkenntnisse möchte ich mit euch auf diesem Blog teilen und gemeinsam diskutieren.

Zieht daraus die Dinge, die für euch und eure Familie wichtig und richtig sind!