Ostern mutiert zum zweiten Weihnachten…

Diesen Satz habe ich gestern im Radio gehört, als ich mal wieder im Stau gestanden bin. Schon seit Wochen hört man Berichte darüber, welche Ostergeschenke „aktuell“ sind. Da ist die Rede vom neuesten Smartphone oder der aktuellen Spielkonsole – vom obligatorischen Fahrrad abgesehen.

Wie groß ist das Nest?
Bei diesen Berichten frage ich mich: Wo sind die guten alten Osternester hin, in denen ein Schokoladehase, ein paar Schokoladeeier und eine kleine Aufmerksamkeit wie ein Buch, ein Malkasten oder ein kleines Spielzeugauto zu finden waren? Natürlich zunächst gut versteckt von den Eltern in Winkeln von Haus und Garten, die man zuvor gar nicht vermutet hat 😊!

Der Geschenke-Druck
Dieser zunehmende Druck hinsichtlich der Geschenke unabhängig vom Anlass ist in zweierlei Hinsicht kritisch zu betrachten:
Auf der einen Seite die Kinder, die immer weniger lernen, kleine Dinge wertzuschätzen. Die gleichzeitig immer mehr unter Druck geraten, die neuesten Dinge vom Markt zu besitzen. Sie dürfen sich fast gar nicht mehr, einfach „nur“ über eine Spielfigur oder ein Spielzeugauto freuen.
Auf der anderen Seite die Eltern, die ihrerseits sowohl finanziell als auch von der Einstellung her immer mehr Druck erleben. Denn wie in so vielen Bereichen des Elterndaseins braucht es auch hier Energie, sich hinzustellen und zu sagen, dass in der eigenen Familie nicht so sehr die Geschenke an Ostern im Vordergrund stehen, sondern der eigentliche, religiöse Anlass von Ostern, so wie einfach das Zusammensein der Familie.

Frage der Dimension
In einer Zeit, in der Familien im Alltag wenig Zeit füreinander haben, oft vieles im Organisieren verloren geht, sollten doch eigentlich genau diese Feiertage genutzt werden, um zur Ruhe zu kommen und sich gegenseitig Zeit zu schenken.
Versteht mich nicht falsch: Auch ich freue mich auf einen Schokohasen und auf die leuchtenden Augen unserer Kinder, wenn sie ihr Nest entdecken. Doch es bleibt beim Schenken immer eine Frage der Dimension.

In diesem Sinne wünsche ich euch ein wunderschönes Osterfest im Kreise eurer Lieben!

Tolle Auszeichnung!

erziehungsgedanken.com ist vom deutschen Portal elterngeld.de unter die Top 50 – Mamiblogs 2017 gewählt worden!

Ich freue mich sehr über die tolle Auszeichnung und bin stolz, mit so vielen großartigen Autorinnen und Autoren in einem Atemzug genannt zu werden – vielen Dank!

Veronika

Wenn Kinder unsichtbar werden

An einer Bushaltestelle höre ich zwei Mütter über ihre neben ihnen stehenden Kinder schimpfen. Wie schwierig es war, aus dem Haus zu kommen und wie mühsam die zwei doch momentan sind. Und da ich das Gespräch aus ein paar Schritten Entfernung hören konnte, gehe ich davon aus, dass auch die Kinder alles mitverfolgen konnten.

In der Schule
Das Kind wird von der Schule abgeholt und die Lehrerin erzählt dem Vater noch von einem Ereignis vom Vormittag. Beide Erwachsene nehmen dabei das betroffene Kind, das sich während der Erzählung immer mehr zurückzieht, kaum wahr.

Bei der Beratung
Eine Mutter sucht mich in der Beratungsstelle auf und bringt ihr Kind mit. Dann erzählt sie mir, dass ihre Tochter neuerdings wieder einnässe und sie es sich nicht erklären kann. Zudem verhalte sie sich seit einiger Zeit wieder wie ein kleines Kind, weine ständig und hänge sehr an der Mutter. Das 8-jährige Mädchen, das von der Mutter gar nicht mehr wahrgenommen wird, versinkt zunehmend in seinem Sessel.

Diese oder ähnliche Situationen sind häufig zu beobachten. Und immer wieder frage ich mich: Sehen die Erwachsenen hier die Kinder wirklich nicht? Gehen sie davon aus, dass diese nicht zuhören?
Wenn wir uns aber wieder bewusstmachen, wie viele Dinge unsere Kinder mitbekommen und sehen – oft mehr, als wir selber – dann muss uns auch klar sein, dass sie unsere Gespräche mitverfolgen.

Öffentliche Bloßstellung
Die Frage muss gestattet sein: Wie würde es uns ergehen, wenn einfach in unserer Anwesenheit über unseren Kopf hinweg von uns erzählt werden würde? Wir würden uns doch auch fragen: Bin ich unsichtbar? Für ältere Kinder können sich diese Gespräche auch noch als Bloßstellung anfühlen.
Kinder wollen und müssen gesehen werden!
Die Beispiele zeigen auf, dass wir Erwachsene dazu tendieren, Kinder nicht als gleichwertige Persönlichkeiten wahrzunehmen. Das ist jedoch von großer Bedeutung für eine gesunde Entwicklung eines Kindes. Sie müssen möglichst früh erfahren, dass sie eigenständig und selbstbestimmt sind und dass es Grenzen der Privatsphäre gibt, die es von klein auf zu respektieren gilt.

Den Kindern Respekt zollen
Versteht mich richtig, natürlich brauchen Eltern Informationen aus öffentlichen Einrichtungen darüber, wie es ihren Kindern geht. Und natürlich müssen Eltern zur ihrer eigenen Psychohygiene zwischendurch jammern, wenn es mit den Kindern einmal schwieriger ist. Aber in all diesen Situationen müssen wir den Kindern so viel Respekt zollen, dass wir nicht so tun, als würden sie nicht existieren. Entweder beziehen wir sie mit in das Gespräch ein oder wir führen das Gespräch, wenn sie anderweitig beschäftigt sind.

#spardirdendruck

Jede Woche neu! Ein Plädoyer dafür, dass Eltern nicht perfekt sein müssen. Was meint ihr?

Der Beruf des Antimateurs!

In vielen Haushalten steht aktuell die Planung des Sommerurlaubs auf dem Plan. Manche tendieren zu All-inclusive-Hotels. Meistens sind dabei auch Animateure anzutreffen.

Wenn man im Internet recherchiert, stolpert man zum Beispiel über die folgende Definition auf Wikipedia. Hier wird der Begriff des Animateurs beschrieben als „die Bezeichnung für einen professionellen Unterhalter und Gästebetreuer. Animateure sollen Fröhlichkeit und Lebensfreude ausstrahlen, gute Laune verbreiten und durch geeignete Aktionen (Animation) dafür sorgen, dass sich Gäste oder Kunden wohlfühlen und nicht langweilen.“

Ihr auch?
Kommt ihr euch nicht auch manchmal vor, wie die Animateure eurer Kinder? Bereits am Morgen wird versucht, Fröhlichkeit beim Aufwecken zu verbreiten, und  es zieht sich eigentlich über den ganzen Tag, bis hin zum Einschlafritual. Auch in vielen Erziehungsratgebern wird empfohlen, das Kind zu animieren. Wenn es sich zum Beispiel am Morgen nicht anziehen und zum Kindergarten gehen will, dann soll man daraus ein Spiel machen. Oder wenn ein Kleinkind seinen Brei nicht aufisst, dann liest man ja manchmal den Spruch „Hier kommt der Hubschrauber und bittet um Landeerlaubnis“, begleitet von entsprechenden Lauten und der Hoffnung, dass sich der Mund öffnet.

Ich komme jedoch nicht umhin, mich immer wieder zu fragen, ob das die Aufgabe von Eltern ist. Wir hatten so ein ähnliches Thema schon vor ein paar Wochen, als wir uns mit den Gefühlen und Emotionen beschäftigt haben: Müssen Eltern ständig gut drauf sein, alles zu einem Spiel umwandeln und die Kinder unterhalten?!

Auch Kinder müssen einen Beitrag leisten
Nicht nur, dass das für Eltern anstrengend ist, es fehlt auch jegliche Authentizität. Denn es ist nicht alles ein Spiel und manchmal muss man auch Dinge tun, die man nicht tun mag. Auch wenn Kinder Kinder sein und die Kindheit genießen sollen, ist es notwendig, dass sie ihren Beitrag für das Funktionieren einer Familie leisten. Nur wenn alle Mitglieder helfen, läuft das Rädchen rund. Das heißt auch, dass sie Dinge tun müssen, die sie vielleicht nicht tun wollen.

Zudem haben Kinder genau wie Erwachsene manchmal einen schlechten Tag. Natürlich sind dann die Eltern für sie da, wenn sie gebraucht werden, aber: manchmal wollen Kinder dann einfach auch nur ihre Ruhe haben und selber dafür sorgen, dass sich ihre Laune bessert.