Wo Ironie fehl am Platz ist

Richtig zu kommunizieren ist eine Kunst, die gelernt werden muss. Sprache besitzt viel Macht. Sie kann verletzen, irritieren, sie kann aber auch Liebe und Freude vermitteln. Es braucht stete Auseinandersetzung und Sensibilität, wie wir mit anderen Menschen kommunizieren. Das bezieht sich dabei nicht nur auf Gespräche unter Erwachsenen, sondern auch auf Gespräche mit Kindern.

Sarkasmus
Ein Stilmittel in der Kommunikation, die – gefühlt – immer häufiger auftritt, ist der Sarkasmus.
Sarkasmus ist beißender, verhöhnender Spott. Ist er gegen jemanden gerichtet, wird die Verletzung des Verspotteten entweder beabsichtigt oder zumindest in Kauf genommen. Eine Technik, der sich der Sarkasmus bedienen kann, ist die Ironie. Das heißt, dass das Gemeinte durch sein Gegenteil ausgedrückt wird. Sarkasmus und Ironie in etwas Gesagtem kann nur erkannt werden, wenn gewisse Hirnbereich adäquat entwickelt sind.

Die zerstörende Kraft des Sarkasmus
Sarkasmus ist in vielen Arten und Formen durchaus legitim. Solange er nicht verletzend gegen andere eingesetzt wird, kann es durchaus hie und da eine Möglichkeit sein, mit Situation umzugehen (z.B. wenn ich „freudig“ feststelle, dass nach einem Blechschaden beim Auto der kleine Kratzer, der zuvor da war, nicht mehr zu sehen ist.)

Viele Gespräche mit und unter Erwachsenen sind aber getränkt von Sarkasmus. Eine sarkastische Antwort auf eine Erzählung, oder eine sarkastische Erzählung selber, von der man zunächst nicht weiß, ob das Gegenüber nun ernst genommen werden will oder welche Reaktion es sich erwartet. Gemeinsam ist dieser Art zu sprechen auf jeden Fall, dass das Gespräch recht schnell zu Ende ist. Denn es kann keine echte Unterhaltung entstehen, wenn ein Teilnehmer das Gegenüber nicht ernst nimmt.

Sarkastische Gespräche unter Erwachsenen sind das eine. Vielmehr erschreckt mich jedoch die Beobachtung, dass Erwachsene diese Form der Gesprächsführung auch gegenüber Kindern einsetzen. Kinder können auf Grund ihrer Hirnentwicklung sarkastische Kommentare, vor allem auch solche, die auf Ironie beruhen, nicht einordnen. Sie nehmen sie für wahr und das führt in ihren Köpfen häufig zu großer Verwirrung. Nicht nur, dass ein Kind nicht versteht, was gerade passiert und es mit seinem Bedürfnis oder seiner Geschichte ins Leere läuft. Das Gespräch findet nicht mit dem Kind statt, sondern in seiner Anwesenheit über seinen Kopf hinweg. Es ist auch immer ein Bloßstellen und Auslachen des Kindes. Der Erwachsene amüsiert sich auf Kosten des Kindes.

Verlust von Beziehung
Dieser gewählte Umgang mit einem Kind kann jedoch auch weitreichende Folgen haben. Der Erwachsene verliert zusehends die Beziehung zum Kind, denn das Kind wird sich von ihm zurückziehen. Das Kind seinerseits verliert nicht nur das Interesse am Gespräch mit dem Erwachsenen, es verliert auch das Vertrauen. Denn eigentlich kann es sich nicht mehr auf das verlassen, was es hört. Es kann nicht mehr einschätzen, ob es nun wahr ist oder nicht. Und eines Tages, wird dem Kind die verletzende Tatsache bewusst, dass es vom Gegenüber für Blöd verkauft wird und wurde. Welche Auswirkungen hat das wohl auf die Psyche eines Kindes, verstärkt dadurch, dass dies durch eine Vertrauensperson passiert?!

Die Schweine gähnen um 08:03!

Kennt ihr das auch? Euer Kind wünscht sich seit Wochen jeden Abend die gleiche Gute-Nacht-Geschichte…

Eine kleine Unaufmerksamkeit
Bei unserer zweijährigen Tochter ist es aktuell „Das große Gähnen“, das wir abends vor dem Schlafengehen noch lesen. Dabei wird immer eine Uhrzeit erwähnt und, welches Tier sich gerade für das Bett fertigmacht und gähnt. Sie amüsiert sich dabei köstlich und kann es anscheinend gar nicht oft genug hören. Ich selber habe das Gefühl, ich kann das Buch schon auswendig.
Doch letzthin wurde ich eines Besseren belehrt.
Wieder einmal liegen meine Tochter und ich gemeinsam in ihrem Bettchen und widmen uns diesem Buch. Ich hatte den Eindruck, dass sie schon fast weggeschlafen ist, denn wo sie normalerweise lautstark mit den Tieren mitgähnt, war es dieses Mal eher ruhig. Und dann kam ich zur Seite mit den Schweinen. Da stand „Es ist gerade acht Uhr drei…“. Ich schon etwas müde und unkonzentriert las „Es ist gerade acht Uhr zwei…“. Ich habe den Fehler zwar bemerkt, hielt es aber nicht für so wesentlich und hab einfach weitergelesen. Da wurde ich von der Seite gestört und meine Tochter hat mich darauf hingewiesen „Mama! Acht Uhr DREI“!
Ich war sprachlos und fasziniert, wie ein so kleines Geschöpf so aufmerksam sein kann und sich eine scheinbare Kleinigkeit merkt.

Der Geist eines Kindes schläft nie!
Dieser kurze Ausschnitt aus dem Leben mit einem Kind hat mir wieder einmal zwei Dinge verdeutlicht: Kinder lernen durch Wiederholung und es macht durchaus noch mit größeren Kindern Sinn, Geschichten oder Lieder immer wieder zu lesen und zu singen. So können sie sie sich besser merken und nehmen teilweise sogar Dinge wahr, die uns Erwachsenen verborgen bleiben.
Und gleichzeitig führte es mir wieder vor Augen, dass wir unsere Kinder nicht unterschätzen dürfen. Sie registrieren viel mehr Dinge, als wir Erwachsene vermuten – sogar, wenn wir den Eindruck haben, dass sie doch eigentlich schon schlafen 😉

Habt ihr auch solch Erfahrungen zu bieten? Ich freue mich auf eure Geschichten!

Die dehnbare Bedeutung des Begriffs „GLEICH“

Heute möchte ich mit euch wieder einmal eine Selbstbeobachtung teilen…

Im Laufe eines ganzen Tages, den man mit seinen Kindern verbringt, hört man immer wieder den Satz „Mama! Kannst du mir das machen?“, „Mama! Kannst du mir das geben?“, „Mama! Kannst du mir das reparieren?“ Sätze wie diese häufen sich und meistens lautet die Antwort: „Ja! ich komm gleich!“, „Ja! Ich mach das noch schnell fertig, dann helfe ich dir gleich!“.
Ich mach dann noch eine Arbeit fertig, aus der sich dann meistens noch eine zweite ergibt. Natürlich passiert es dann auch manchmal, dass ich mein Versprechen vergesse.

Der Schmetterling
Unser Sohn hat aus dem Kindergarten einen Bügelperlen-Schmetterling mitgebracht und mir voller Stolz gezeigt. Gemeinsam haben wir uns dann überlegt, wo wir ihn aufhängen könnten. Da aber zunächst das Mittagessen auf dem Programm stand, versprach ich, ihn gleich danach aufzuhängen. Naja, ihr kennt das ja… Zunächst Essen, dann der Abwasch, dann der Versuch, ob das Jüngste nicht doch noch einen Mittagsschlaf machen möchte usw… Die Aufgaben gingen ineinander über und der Schmetterling wurde vergessen. Und irgendwann am Nachmittag, als ich es mir gerade mit einer Tasse Kaffee in der Sonne gemütlich gemacht habe – da die Kinder ruhig spielten – kam von meinem Sohn plötzlich der Hinweis: „Mama! Du hast den Schmetterling vergessen!“ Und da nützte es nichts, dass ich gerade einmal einen Augenblick gesessen bin. Das Versprechen musste ich einhalten! Und ich habe mich bei meinem Sohn auch entschuldigt, denn es ist natürlich nicht in Ordnung, wenn ich Dinge verspreche und sie dann nicht einhalte.

Keine leeren Versprechungen!
Im Laufe eines Tages sagen wir häufig „gleich“ zu unseren Kindern. Denn wir können auch nicht immer sofort alles liegen lassen, nur weil sie ein Anliegen haben. Doch wenn wir sie auf später vertröstet haben, dann muss das „Später“ auch tatsächlich stattfinden. Am besten ist natürlich noch eine genauere Information für das Kind wie „Wenn ich fertig gekocht habe“ oder „Wenn ich den Topf abgewaschen habe“. Sie sollen das Gefühl haben, in ihren Anliegen ernst genommen zu werden, aber gleichzeitig auch einen Moment warten zu lernen. Gemacht werden muss es dann von den Erwachsenen auf jeden Fall. Schließlich ärgere ich mich selber ja auch darüber, wenn ich jemand anderen mehrfach um etwas bitte und es wird, obwohl versprochen, einfach nicht erledigt!

Die Geschichte mit der toten Maus – oder was wir von unseren Kindern lernen können

Zwischendurch habe ich mir schon überlegt, eine Rubrik zu machen „Was wir als Eltern von unseren Kindern lernen können“. Denn sowohl die Erzählungen, die Beobachtungen, als auch meine eigenen Kinder versetzen mich immer wieder in Erstaunen.

Ich möchte heute daher mit zwei Geschichten einer Bekannten starten, die mich sehr berührt haben.

Erste Geschichte – Die Maus vor der Garage
Meine Bekannte kam mit ihren Kindern vom Kindergarten nach Hause und fuhr das Auto in die Garage. Als sie am Tor vorbeigingen, blieb ihr vierjähriger Sohn stehen und zeigte auf eine tote Maus. Und er fragte „Mama, was macht die da?“. Und wie alle Mütter schwankte sie einen Moment zwischen der Antwort „Sie schläft nur“ und der Wahrheit „Sie ist tot“. Ihr Sohn ließ ihr aber keine Möglichkeit für den Schwindel und ergänzte gleich: „Ist sie tot?“ Meine Bekannte bejahte und meinte, dass der Vater sie nachher auf den Kompost geben wird.
Diese Antwort war aber gar nicht das, was ihr Sohn hören wollte. Neben Fragen zum Tod meinte er mit strenger Miene, dass man sie ordentlich in die Erde vergraben und ihr ein richtiges Grab mit Blumen machen muss, damit sie von ihren Freunden besucht werden kann.

Und als am Abend der Vater – vorgewarnt und informiert von der Mutter – nach Haus kam, war auch gleich die erste Frage seines Sohnes, wo er die Maus begraben hat und ob er auch schöne Blumen ausgesucht hat.

Zweite Geschichte – Die Fliege unterm Tisch
Vor Kurzem erzählte mir dieselbe Bekannte eine ähnliche Geschichte.

Unter dem Esstisch entdeckte ebendieser Junge eine tote Fliege. Er ging zu seinem Vater und zeigte sie ihm. Dieser war im ersten Moment nicht sehr beeindruckt und sagte, dass sie nachher beim Staubsaugen eh eingesaugt wird. Den entsetzten Blick, den er für diese Antwort von seinem Sohn bekommen hat, wird er so schnell wohl nicht vergessen. „Nein! Nicht einfach einsaugen! Die muss nach draußen in die Erde!“ war der entsprechende Vorwurf.

Ein Lernfeld für Erwachsene
Die unbedachten Reaktionen der Erwachsenen in den beiden beschriebenen Geschichten, wurden schnell von der Sensibilität ihres Sohnes bestraft. Und meine Bekannte meinte auch, dass sie das sehr nachdenklich gestimmt hat und sie gemeinsam mit ihrem Mann besprochen hat, hier zukünftig vorsichtiger zu sein.

Der Begriff „Erziehung“ impliziert für uns Erwachsene zwar stets, dass wir den Kindern etwas beibringen sollen, dass wir ihre Vorbilder sind. Doch verdeckt er unter diesem Gesichtspunkt nicht eigentlich, dass auch Kinder Vorbilder für Erwachsene sein können, wenn sie richtig wahrgenommen werden?!

#spardirdendruck

Heute einmal ein Erziehungsgedanke aus dem Energiebereich 😉

Was meint ihr?