BALL, BBBBALL, BAAAALLLL, BALLL, BALL! Und wie lernt dein Kind sprechen?

Ein Kind dabei zu erleben, wie es sprechen lernt, ist für Eltern eine sehr besondere Phase. Zum ersten Mal seine Stimme zu hören, berührt sehr. Doch wie können Eltern ihre Kinder im Lernen unterstützen? Natürlich lernen Kinder am besten durch Wiederholungen. Eltern können sich also mit ihren Kindern hinsetzen, Bilder ansehen und immerzu das Wort wiederholen. Doch macht das beiden wirklich Spaß? Nun stellen wir uns aber einmal vor, dass wir auf diese Art eine Fremdsprache lernen sollen. Da verlieren wir doch auch recht bald die Freude daran!

Lustvolles Lernen
Viel lustvoller ist das Lernen doch im Zusammenhang mit einer Unterhaltung oder verpackt in einem Spiel. Vielen Eltern fällt es schwer, sich vorzustellen, dass ein Kind das Sprechen lernt, einfach „nur“ weil wir mit ihm reden. Doch beobachtet euer Kind, während ihr ihm etwas erzählt. Wobei der Inhalt vollkommen egal ist. Ihr seht dann faszinierte Kinderaugen, die auf eure Lippen starren. Manchmal greifen sie auch nach den Lippen und berühren sie, während ihr sprecht. Kinder formen ihre Lippen, während ihr sprecht, und versuchen euch nachzuahmen. Oder sie imitieren den Klang eines Wortes, auch wenn sie zunächst noch gar nicht wissen, was sie sagen. Natürlich unterstreicht ihr eure Unterhaltung mit Bildern oder mit Gesten, damit das Kind erkennt, was ihr meint. Aber alles findet im Rahmen eines Gesprächs statt und nicht in einem Lehrer-Schüler-Verhältnis.

Kinder mit Geschwistern
Diese Art des Sprechenlernens ist bei Kindern mit Geschwistern sehr eindrücklich zu beobachten. Denn ein älteres Geschwister setzt sich selten mit dem anderen mit einem Buch hin und betont einzelne Worte. Vielmehr redet es einfach mit ihm, erzählt ihm vielleicht Geschichten aus diesem Buch. Sie unterhalten sich und wenn sie sich nicht ganz verstehen, dann verwenden sie Hände und Füße dazu. Sie spielen miteinander und benennen dabei Dinge oder Figuren.

Lernen in der Beziehung
Kinder sind interessiert und neugierig. Sie wollen Dinge entdecken. Ihr Gehirn ist wie ein Schwamm. Es saugt alles auf, was ihm begegnet. Und genauso wollen sie die Sprache entdecken. Die Aufgabe von Eltern ist es, den Kindern nicht nur die Notwendigkeit des Erlernens einzelner Worte beizubringen, sondern vor allem auch die Faszination von Sprache. Und wenn dies dann noch zusätzlich im Rahmen eines gemeinsamen Gesprächs stattfindet, ist es umso lustvoller und für die Beziehung eine unbezahlbare Bereicherung!

Erziehung – eine bunte Vielfalt an Kompromissen!

Wenn wir den Begriff „Erziehung“ hören, dann entstehen Bilder wie Regeln, Grenzen, Auseinandersetzungen, Hierarchie o.ä. Im Vordergrund stehen immer negative Assoziationen, sodass man sich heute kaum mehr traut, den Begriff zu verwenden.

Gleichgewicht
Aber lasst uns doch einmal die Tätigkeit „Erziehung“ genauer betrachten: Handelt es sich dabei nicht vielmehr auch um eine stete Auseinandersetzung mit sich selber als Eltern und mit den Kindern? Es geht dabei nicht nur darum, dem Kind seine Grenzen aufzuzeigen und Verbote auszusprechen. Eltern müssen schauen, was ihr Kind braucht, um mit beiden Beinen fest im Leben zu stehen. Gleichzeitig ist es ihre Aufgabe, zu schauen, was die Familie braucht, damit sie funktioniert. Hier gilt es immer wieder abzuwägen und wenn notwendig Kompromisse zu schließen. Kompromisse zwischen dem, was Eltern genau in dem einen Moment möchten, und dem, was die Kinder in dem Moment brauchen.

Beispiele
Das Mittagessen ist fertig. Das Kind spielt am Boden mit seinen Autos. Es ist noch mittendrin in seiner erfundenen Geschichte und erwidert, dass eines der Autos kaputt ist, abgeschleppt und in die Werkstatt gebracht werden muss. Dann kommt es zum Essen.

Ein weiteres Beispiel: Eigentlich gibt es die Abmachung, dass das Kind den Schnuller aus dem Mund nehmen muss, wenn es redet. Nun spielt es ganz versunken mit seinen Puppen und spricht mit ihnen, obwohl es den Schnuller im Mund hat.

Ich denke, jedem von euch fällt sofort ein dazu passendes Beispiel ein. Und jedes Mal ist die Frage, bleibe ich bei meiner Regel oder schaue ich mir die Situation an, und frage mich, ob es eine Alternative gibt.


Offenheit

Als ich dieses Thema mit Bekannten besprochen habe, kam sofort der Einwurf „Aber dann gebe ich als Elternteil doch immer nach!“ Diese Haltung bringt uns jedoch in einen Machtkampf mit dem Kind und lässt uns blind werden für die Situation und ihren Inhalt.

Daher mein Titel für diesen Blog: … eine bunte Vielfalt an Kompromissen! Natürlich braucht es Rahmenbedingungen, aber innerhalb des Rahmens, und manchmal auch darüber hinaus, geht es für Eltern um Folgendes: Geht mit euren Kindern in Kontakt, nehmt Situationen wahr, in denen ihr und sie sich befinden. So findet ihr den passenden Weg, der euch gemeinsam an das gewünschte Ziel führt. Manchmal eben mit einem kleinen Umweg…

Ich bin doch kein Hubschrauber?!

Kennt ihr den Begriff der Helikopter-Eltern? Gemeint sind Eltern, die ständig um ihre Kinder „herumschwirren“.

Fall aus der Praxis
Mir begegnete der Begriff in einem Gespräch mit einer Klientin, die mir folgende Situation schilderte: Sie war mit ihren beiden Kindern – 5 und 2 ½ Jahre – am Spielplatz. Beide sind sehr neugierig und möchten alles ausprobieren, ob klettern, rutschen, schaukeln. Die Klientin versucht ihre Kinder darin zu unterstützen. Gleichzeitig fühlt sie sich wohler, wenn sie noch bei ihren Kindern dabeisteht. Wenn ihr Jüngster zum Beispiel bei der Rutsche die Leiter raufklettert, dann hat sie immer eine Hand bereit, um ihn aufzufangen, sollte etwas passieren.
Da sagte eines Tages ein befreundeter Vater zu ihr: „Du bist aber auch eine Helikopter-Mutter! Lass ihn doch einfach!“

Verunsicherung auf allen Seiten
Und mit der daraus entstandenen Verunsicherung kam die Mutter zu mir. Denn plötzlich wusste sie nicht mehr, wie sie sich verhalten sollte. Neigte sie wirklich zur Überbehütung? Wann ist es Zeit, Kinder alles allein ausprobieren zu lassen, ohne in der Nähe zu bleiben? Oder: Wie nah darf man bei einem Kind stehen, wenn es etwas Neues ausprobiert?
Tatsächlich ist es so, dass Kinder Ängste und Unsicherheiten seitens der Eltern spüren. Sie merken schon in sehr jungen Jahren, ob ihnen Dinge zugetraut werden oder nicht.

Gleichgewicht
Gleichzeitig braucht es die Anwesenheit der Eltern, um den Kindern Sicherheit zu vermitteln. Es ist diese Atmosphäre, in der sich Kinder trauen, Neues auszuprobieren, die Welt zu entdecken, und auch einmal die höhere Rutsche auszuprobieren.
Wie in vielen Punkten des Elternseins, heißt es bei diesem Thema auch ein Gleichgewicht zu finden, zwischen Loslassen und Präsenz; zwischen Vertrauen in die Fähigkeiten und eigenen Ängsten. Und dies ist ein für Eltern schwieriger Prozess, begleitet von vielen Fragen und Unsicherheiten.

Daher mein neuerliches Fazit – die Quintessenz meiner Erziehungstheorie: Achtet auf die Bedürfnisse eurer Kinder! Beobachtet sie, lest in ihren Reaktionen und wenn es schon möglich ist, fragt sie doch einfach! Genau so werdet ihr den richtigen Weg finden!

Eines wissen alle Eltern auf der Welt: … wie die Kinder anderer Leute erzogen werden sollten

Als ich vor Kurzem diesen Satz der bekannten Schweizer Psychologin Alice Miller gelesen habe, musste ich lachen und bestätigend den Kopf nicken.

Alle Eltern kennen folgende Situation: Das Baby weint im Kinderwagen und dir selber völlig fremde Menschen kommen vorbei, schauen dich vorwurfsvoll an und geben dir Ratschläge wie „Vielleicht hat es Hunger.“ Ohne zu wissen, dass es vor fünf Minuten sein Fläschchen bekommen hat. Oder wenn ein Kind im Geschäft trotzig wird und schreit und alle um dich herum nur den Kopf schütteln und miteinander flüstern.

Neigung zu Vorverurteilungen
Wir Menschen neigen dazu, uns über alles und jeden sofort eine Meinung zu bilden. Und vergessen dabei, dass wir hinter das Geschehen blicken müssen. Nur weil wir zu einer Situation dazustoßen, wissen wir nicht, was davor passiert ist.

Folgende Szene: Eine Mutter sitzt am Spielplatz auf der Bank und telefoniert. Ihr Kind sitzt allein im Sandkasten und versucht Kontakt zu ihr aufzunehmen. Sie reagiert jedoch nicht. Kommt in uns nicht gleich der Gedanke auf: Das arme Kind! Wie kann die Mutter nur so herzlos sein? Wir haben aber nicht gesehen, dass die Mutter davor schon eine Stunde mit dem Kind im Sand gesessen ist und sie jetzt einen Anruf angenommen hat, auf den sie den ganzen Tag schon gewartet hat. Wir meinen einfach zu wissen, dass sie sich nicht um das Kind kümmert.

Selbstreflexion
Wir reagieren brüskiert, wenn andere Menschen ungefragt meinen, es besser zu wissen. Aber spüren wir nicht alle diesen Impuls manchmal in uns?! Hier heißt es, sich selber zu reflektieren. Kurz innezuhalten und sich zu fragen: Habe ich wirklich alle Informationen, um einer Beurteilung der Situation gerecht zu werden? Ich denke, wir sollten uns auf uns selber konzentrieren. Gleichzeitig aber zur Verfügung stehen, wenn jemand uns um einen Rat fragt.

Wir alle machen unsere Erfahrungen im Leben – theoretisch und praktisch. Und dennoch müssen wir vorsichtig sein und sensibel bleiben. Denn ohne ausreichende Informationen können und dürfen wir anderen Menschen keine Ratschläge geben. Und ungefragt bleiben sie sowieso ungehört…

Gesucht: Management-Persönlichkeit für ein Familien-Unternehmen

Wenn Frauen schwanger werden und ein Kind bekommen, heißt es, sie „verlassen den Arbeitsmarkt“. Auch heute ist es noch so, dass Erziehung und berufliche Tätigkeit nicht gleichgesetzt werden. Viel zu oft muss man sich für die Rolle als Mutter gegenüber klassisch Erwerbstätigen rechtfertigen. Ist Erziehung etwa kein Beruf?

Ich meine, wir sollten als Eltern aufhören uns zu rechtfertigen oder Understatement zu betreiben – und ich sage euch auch, wieso:

Das Familien-Unternehmen
Eine Familie ähnelt in vielerlei Hinsicht einer Firma. Es gibt mehrere Mitglieder, die zusammenarbeiten müssen, um ihr Unternehmensziel zu erreichen. Die Abläufe müssen genau koordiniert werden. Budget und Rahmenbedingungen sind klar definiert und die Prozesse so gestaltet, dass mit möglichst wenig Aufwand das Maximum erreicht werden kann.

Ein Job ohne Stechuhr
Und wenn dieser einfache Vergleich schon recht nahe liegt, ist dann Erziehung nicht die Ausübung eines Berufs? Erziehung ist die Arbeit mit Menschen, verbunden mit hoher Verantwortung. Sie erfordert Einsatz und Engagement. Zudem ist Erziehung ein 24-Stunden-Job, es gibt de facto kein Abschalten. Als Mutter und Vater beschäftigen wir uns ständig mit Fragen, wie wir unsere Kinder gut begleiten können, was sie brauchen, um sich gut entwickeln zu können. Wir versuchen uns fortzubilden, indem wir Bücher lesen und Vorträge besuchen. Wir versuchen unser Verhalten anzupassen, wenn wir nicht das gewünschte Ergebnis erzielen – ist das nicht auch Strategieentwicklung auf hohem Niveau?

Die langsame Übernahme von Verantwortung
Wenn du eine neue Stelle antrittst, gibt es das klassische Vorgehen. Du wirst durch die neue Firma geführt. Sie erklären dir die Abläufe. Du lernst deine Kolleginnen und Kollegen kennen und kannst dich langsam einarbeiten. Niemand erwartet von dir, dass du gleich am ersten Tag weißt, wie alles funktioniert.

Aaaaaaber….
Ab dem ersten Augenblick mit deinem Baby auf dem Arm wird von dir erwartet, dass du genau weißt, wie alles funktioniert. Unsicherheiten scheinen keinen Platz zu haben. Zeit sich kennenzulernen muss man sich selber erlauben. Das gewachsene Unternehmen braucht dich von der ersten Sekunde mit voller Aufmerksamkeit. Dies darf nicht unterschätzt werden.

Also lasst uns als Eltern am Ende eines strengen Arbeitstages die Füße hochlegen und bei einem Glas Wein stolz und zufrieden auf das geleistete Tagespensum zurückblicken – vorausgesetzt, dein Unternehmen braucht dich gerade nicht!

Warum ich das tue?!

Begonnen hat alles mit meinem Psychologiestudium. Heute bin ich Mutter…

Begonnen hat alles in meinem Psychologiestudium. Mit großem Interesse und Begeisterung habe ich die vielen Theorien und Hypothesen studiert. In meiner Ausbildung zur Klinischen und Gesundheitspsychologin konnte ich diese noch intensivieren.

Theorie vs. Praxis
Aber wie es so ist im Leben, wollte ich auch hier vergleichen, ob Theorie und Praxis übereinstimmen. Ich begann an verschiedenen Arbeitsstellen berufliche Erfahrung zu sammeln. Habe versucht, gemeinsam mit Eltern, Kindern und Paaren diese gelernten theoretischen Überlegungen in ihren Alltag zu integrieren. Jetzt bin ich zudem selber Mutter zweier Kinder und Teil eines Elternpaares.
Somit gehen Theorie und Praxis noch eine weitere Verbindung ein. Dies gibt mir die Möglichkeit immer wieder Gelerntes zu überprüfen. Dabei merke ich, dass manche Theorien mir helfen, Dinge besser zu verstehen und zu erklären. Manche Theorien dagegen stehen mir persönlich in meiner Entwicklung als Mutter im Weg. Im Austausch mit anderen Müttern in meiner beruflichen Tätigkeit oder in meinem Freundes- und Bekanntenkreis merke ich jedoch, dass sie es genau umgekehrt erleben. Das, was für mich und meine Kinder der richtige Weg ist, ist er für sie nicht. Vielmehr heißt es, durch Beobachtung meiner eigenen Person und meiner Kinder sensibel zu werden.

Werte vs. Flexibilität
Wir alle haben unsere Werte, die wir im Leben verfolgen, doch habe ich sowohl in der theoretischen Ausbildung als auch in der Praxis gelernt, dass wir uns eine gewisse Flexibilität bewahren sollten. Wir müssen offen bleiben für Neues und vor allem für die Einzigartigkeit unserer Kinder. Denn nicht jedes Kind braucht das Gleiche. Es sind Individuen mit unterschiedlichen Bedürfnissen. Und ist es nicht gerade darum so schwer, allgemein gültige „Rezepte“ zu geben?!

Gemeinsam…
Aus dieser Verbindung meiner theoretischen Ausbildung und meiner praktischen Erfahrung in Beruf und zu Hause, sind viele Gedanken, Überlegungen und Beobachtungen entstanden. Und diese Erkenntnisse möchte ich mit euch auf diesem Blog teilen und gemeinsam diskutieren.

Zieht daraus die Dinge, die für euch und eure Familie wichtig und richtig sind!