Die Angst muss erlaubt sein

Dürfen Kinder Ängste haben oder müssen sie sich diesen schnellmöglich stellen und sie überwinden? Manche von euch nicken vielleicht gleich und sagen sich, natürlich haben sie Ängste und nein, sie sollen sich Zeit nehmen. Das Leben hat seine unheimlichen Seiten, die Angst machen und das ist erlaubt. Andere von euch wiederum vertreten vielleicht die Ansicht, … Weiterlesen „Die Angst muss erlaubt sein“

Dürfen Kinder Ängste haben oder müssen sie sich diesen schnellmöglich stellen und sie überwinden?

Manche von euch nicken vielleicht gleich und sagen sich, natürlich haben sie Ängste und nein, sie sollen sich Zeit nehmen. Das Leben hat seine unheimlichen Seiten, die Angst machen und das ist erlaubt. Andere von euch wiederum vertreten vielleicht die Ansicht, dass Kinder sich ihren Ängsten stellen sollen, dass sie nicht davonlaufen sollen, weil sie sonst zu „Angsthasen“ werden.

Noch immer unheimlich…
Vor einem Jahr, an gleicher Stelle, hatte ich das Thema schon einmal in Hinblick auf den Fasching/Karneval – und ich muss ehrlich sagen, es lässt mich auch heuer wieder nicht los. Am vergangenen Wochenende war wieder der erste große Umzug im Lande. Direkt neben uns konnte ich dabei eine Familie mit zwei Kindern beobachten. Diese Beobachtung und meine Gedanken dazu möchte ich gerne mit euch teilen.

Eines der beiden Kinder – zwei Jungs – stand am Straßenrand und sammelte eifrig Süßigkeiten. Der andere Bub wurde von seinem Vater auf dem Arm getragen. Beide waren in etwa im Kindergartenalter.

Wer erlaubt den Rückzug?
Und wie es – leider immer noch – so ist bei den Umzügen, gibt es nicht nur die fröhlichen, lustigen Gestalten, sondern auch die gruseligen, die mit Absicht Leute erschrecken. Sie tragen Masken, sodass man nicht erkennen kann, wer darunter verborgen ist. Für kleine Kinder ist zunächst nicht einmal begreifbar, dass es sich hier um Menschen handelt.

Nun konnte ich beobachten, dass sich eine Gruppe solcher Gestalten dieser Familie nähert und das fand ich dann sehr interessant: Der Junge, der selber entscheiden konnte, ob er stehen bleibt oder sich ein wenig zurückzieht, wählte den Rückzug. Man konnte ihm ansehen, dass diese Figuren ihm unheimlich sind und er nicht so nahe an ihnen dran sein möchte. Der andere, der auf dem Arm des Vaters war, hatte keine Chance. Er drehte sich zwar weg und versuchte „abzutauchen“, aber sein Vater blieb stehen.
Und wie es so ist, stürmte dann tatsächlich eine dieser Schreckgestalten auf das Kind zu. (Ist mir übrigens unverständlich, wie sich hier ein erwachsener Mensch ein Kleinkind zum Erschrecken aussuchen kann. Aber das ist eine andere Geschichte.)

Auf jeden Fall bewegte sich der Vater nicht von der Stelle, weil er entweder die Furcht bei seinem Kind nicht wahrgenommen hatte, oder wollte, dass es sich der Angst stellt. Das Kind hatte keine Chance, die Situation zu verlassen und begann zu weinen. Nun muss ich gerechterweise dem Verkleideten noch ein Lob aussprechen. Denn sobald er das bemerkt hatte, hob er seine Maske und zeigte dem Kind, dass er „nur“ ein Mensch ist. Auch der Vater wirkte auf mich leicht entsetzt, welche Ängste die Situation beim Kind doch noch ausgelöst hat.

Angst auch als Schutz
Nicht nur, dass mich in solchen Situationen erschüttert, dass man so mit den Ängsten der Kinder spielen muss. Kinder leben ihre Emotionen echt und ehrlich aus. Und Angst ist eine wichtige Emotion, die uns auch beschützt und Gefahren erkennen lässt. Ich denke, es ist wichtig, dass Kinder dieses Gefühl spüren dürfen und vor allem auch haben dürfen. Die Sorge, dass ihre Kinder „Angsthasen“ werden, ist eher in den Erwachsenen begründet und müsste oft von ihnen genauer unter die Lupe genommen werden.

Ihr merkt, es ist für mich ein wichtiges Thema. Ich tausche mich auch immer wieder mit meinen Blogger-Kolleginnen darüber aus. Unter anderem habe ich mit der Buchautorin Sandra Schindler zum diesem Thema einen regen Austausch geführt und sie hat sich netterweise bereiterklärt, einen Gastbeitrag zu schreiben. Diesen werde ich in ein paar Tagen auf meinem Blog veröffentlichen.

Lasst die Hemmungen fallen!

Adventzeit ist Bastelzeit. Eine Bekannte hat mir in diesem Zusammenhang ein ganz tolles Erlebnis erzählt, das ich gerne mit euch teilen möchte.

Glitzer überall!
Sie hat Säcken für den Adventkalender genäht und wollte nun noch mit ihren Kindern einen Stoffhintergrund gestalten, damit alles weihnachtlich aussieht. Sie hat alle möglichen Dinge gekauft, um diese Verzierung vorzunehmen, vor allem Glitzer – Glitzerstifte, Glitzerfarben, Glitzersterne, denn nichts lieben ihre Kinder aktuell mehr.

Dann ging es um die Frage, was denn auf den Stoff gemalt wird. Gemeinsam starteten sie das Projekt. Voller Freude wurde gemalt und „geglitzert“. Als beinahe sämtlicher Platz aufgebraucht wurde, kam ihr Sohn (4 Jahre) noch auf die Idee, dass unbedingt ein Nikolaus auf den Stoff gemalt werden muss. Meine Bekannte erzählte, dass sie eigentlich schon sehr stolz auf sich war, über die Dinge, die sie bereits gemalt hat, denn ihre künstlerischen Fähigkeiten sind ausbaufähig, wie sie selber meint. Da brachte sie der Wunsch ihres Sohnes ein wenig ins Schwitzen.

Wieso so gehemmt?
Aber sie dachte sich, bei den heutigen neuen Medien wird sie wohl im Internet eine Vorlage finden, um einen Nikolaus zeichnen zu können. Sie fanden auch viele Bilder, aber so richtig zum Abzeichnen eigneten sie sich nicht. Also sagte sie ihrem Sohn, dass sie sich nicht darüber hinaussieht, einen Nikolaus abzuzeichnen.

Seine Reaktion war einmalig! Mit verständnislosem Blick sah er sie an, nahm einen Stift und meinte nur: „Dann male eben ich den!“ Und er machte sich ans Werk. Mir erzählte meine Freundin, dass sie sich insgeheim schon Gedanken gemacht hat, wie sie die Zeichnung ihres Sohnes übermalen kann, sodass dann irgendwie noch ein erkennbares Motiv entsteht. Doch sie wurde für diesen Gedanken „bestraft“. Ihr Sohn begann voller Begeisterung zu malen. Ihr war zwar nicht klar, wie sein System funktionierte, aber als er dann den Stab, den Bart und vor allem den Hut gemalt hat, war sie sprachlos: Da entstand tatsächlich ein deutlich erkennbarer Nikolaus!

Bewahrt das Unbeschwerte!
Als ich diese Geschichte gehört habe, wurde mir wieder verdeutlicht, wieviel wir als Erwachsene von unseren Kindern lernen können. Wir machen uns Gedanken, wenn wir zeichnen. Ist das Bild auch schön? Ist zu erkennen, was ich machen wollte? Ist das Rentier vielleicht ein wenig zu dick geraten? Oder auch wenn wir singen: Ist der Ton schief? Singe ich zu laut?

Kinder machen einfach. Sie freuen sich am Tun und überlegen nicht, ob alles nachher exakt passt.

Meine Bitte also an uns alle: Nehmen wir uns ein Vorbild und genießen wieder mehr. Und vor allem, lasst uns den Kindern bitte diese Unbefangenheit möglichst nicht verderben!

Warum ich durch Fragen nicht klug werde

Eines der wichtigsten Dinge für gelingende Beziehung ist Kommunikation: in der Paarbeziehung, in Freundschaften, in der Eltern-Kind-Beziehung. Dabei spielt immer auch die richtige Dosierung eine große Rolle: nicht zu viele Fragen, nicht zu wenige Fragen, zwar Interesse, aber keine Neugierde und vieles mehr.

Jetzt schon?
Als Eltern bekommt man schon früh gesagt, dass es vor allem in den Jugendjahren ein Drahtseilakt werden kann, mit seinem Kind in Kontakt zu treten. Wenn man zu schnell zu nahe kommt, dann verscheucht man es wie ein scheues Reh. Wenn wir aber zu wenig fragen, dann kann es uns auch passieren, dass wir sie aus den Augen verlieren. Mich hat daher ein Erlebnis mit meinem Sohn wieder vor eine neue Erkenntnis gestellt: Der Beginn ist schon viel früher!

Vorsicht ist geboten
Unsere beiden Kinder besuchen den Kindergarten bzw. an einigen Vormittagen die Spielgruppe. Am Mittag sind wir dann gemeinsam wieder zu Hause. Ich lege großen Wert auf ein gemeinsames Mittagessen und frage da meine Kinder stets, wie ihr Vormittag gelaufen ist. Seit einiger Zeit bekomme ich dann immer die gleiche Antwort: „Ich mag nicht erzählen. Sag du doch, wie es bei dir war!“. Die ersten Male habe ich mich geweigert, da ich nicht dachte, dass es sie wirklich interessiert. Doch dieses Spiel hat sich täglich wiederholt und immer haben sie weniger auf mein Nachfragen nach ihren Erlebnissen am Vormittag geantwortet.

Taktikänderung
Ein Erlebnis vor ein paar Wochen brachte mich dann hinsichtlich meiner Taktik ins Wanken: Wieder hat mein Sohn nur spärliche Informationen aus dem Kindergarten an mich weitergegeben. Am nächsten Morgen erzählte er mir dann beim Frühstück, dass die Kappe, die er als „Stefan“ trägt, total angenehm zu tragen sei. Mit fragendem Blick sah ich ihn und meinen Mann an. Letzterer wiederum meinte nur: Ja, halt die Figur, die er beim Laternenfest in der Kirche spielen wird. Da musste ich feststellen, dass ich trotz meiner ganzen Fragerei nichts über die Rolle meines Sohnes in diesem Stück erfahren habe, während er dies seinem Vater beim Abendritual einfach so erzählt hat.

Erfahrungen annehmen
Aus dieser Erfahrung bin ich – hoffentlich – klug geworden und habe aufgehört, meinen Kindern ständig Fragen zu stellen. Vielmehr versuche ich eine Atmosphäre zu schaffen, in der sie merken, dass sie mir alles erzählen können – Angenehmes wie Unangenehmes. Gleichzeitig erzähle ich ihnen einfach von meinem Tag, sodass sie weiterhin ein Vorbild haben hinsichtlich Kommunikation.

Ich bleibe aber dennoch fasziniert zurück, dass dieser Bereich der Beziehung bereits in so jungen Jahren sehr sensibel ist. Es bedarf hoher Aufmerksamkeit damit man als Eltern doch erfährt, wie es den eigenen Kindern geht.

Wenn Kinder uns Erwachsene sprachlos machen!

Gerade in der heutigen Zeit, in der Bücher, die betonen, dass unsere Kinder Tyrannen sind oder dazu erzogen werden, in den Bestsellerlisten der Erziehungsratgeber stehen, ist es mir ein großes Bedürfnis, folgendes Erlebnis mit euch zu teilen.

Zwischen Traurigkeit, Zorn und Rührung
Es wurde mir von einer Mutter im Rahmen einer Veranstaltung erzählt.
Sie berichtete von einem Tag, der sie emotional sehr aufgewühlt hat. Als sie das Erlebte ihrem Mann erzählte, schwankte sie stets zwischen Trauer und Zorn. Es rannen ihr die Tränen oder sie sprach auch ein wenig lauter, weil sie einfach so wütend war. Im selben Raum, in dem sie ihre ganzen Emotionen auslebte, befand sich auch ihre dreijährige Tochter. Die Frau berichtete mir, dass sie ihre Tochter zwar wahrnahm und sie auch irgendwo tief in sich wusste, dass sie durch die Gefühle der Mutter irritiert sein könnte, aber es musste einfach alles raus.
Was dann passierte, brachte die Mutter schließlich vollkommen aus der Fassung – aber vor Rührung. Ihre Tochter war die ganze Zeit über, in der ihre Eltern miteinander sprachen, still. Doch ließ sie offensichtlich ihre Mutter nie wirklich aus den Augen. Denn plötzlich sagte sie ganz vorsichtig: „Mama! Soll ich dir ein Tüchlein bringen?“ Sie stand auf, ohne die Antwort abzuwarten, ging zur Schublade mit den Taschentüchern, die eigentlich für die Schnupfnasen der Kinder im Herbst vorgesehen waren, nahm eines heraus und gab es ihrer Mutter. Dann ging sie ohne ein weiteres Wort zu sagen zurück zu ihrem Spiel.

Sprachlosigkeit
Als diese Mutter mir ihre Geschichte erzählte, habe ich gemerkt, wie ich eine Gänsehaut bekomme, aber auch völlig sprachlos wurde. Wie wunderschön ist das, bei einem so kleinen Kind diese Empathie zu erkennen?
Ehrlich gesagt, bin ich auch jetzt noch sprachlos und möchte daher die Geschichte einfach so stehen lassen und würde mich über Rückmeldungen von euch freuen, was dieses Ereignis mit euch macht! Vielleicht könnt ihr mir ja auch ähnliche Beispiele liefern, die dem aktuellen Trend entgegenwirken und den Kindern gerecht werden.

Faszination Kind

Immer wieder betone ich, wie faszinierend Kinder in ihrem Verhalten, vor allem aber auch in ihrem Lernen sind. Das menschliche Gehirn verarbeitet alles, was es aufnimmt. So natürlich auch das kindliche Gehirn, das noch viel Platz hat. Es lernt, Bilder und Sprache zu verknüpfen.
Heute möchte ich aber nicht mit euch diskutieren, wie wir unseren Kindern Sprache am besten näherbringen. Vielmehr möchte ich mit euch einfach wieder eine Alltagssequenz aus dem Leben mit meinen beiden Kids teilen, die mich begeistert.

So lange überlegen, bis es einfällt
Unser Sohn liebt es zu erzählen. Er berichtet, was er gerade im Vorbeifahren gesehen hat, was er im Kindergarten erlebt hat oder einfach, was ihm gerade einfällt. Manchmal überschlagen sich seine Worte und nicht immer fällt ihm das Wort sofort ein. So auch vor ein paar Tagen. Er hat versucht, mir eine Beobachtung auf der Straße zu beschreiben. Doch es hat ihm ein Wort gefehlt. Und wir waren sicher 10 Minuten gemeinsam dran, dieses Wort – es war „ein Fußgänger“ – zu suchen. Voller Phantasie hat er mir auf unterschiedlichste Art klarmachen wollen, was er meint. Doch es hat eben seine Zeit gebraucht, bis wir das richtige Wort gesucht haben. Ich war beeindruckt, wie ausdauernd er in seinen Erklärungen war. Er hat nicht aufgegeben, bis wir das Wort gefunden haben.

„Wortsalat“
„Mama! Kannst du meiner Puppe bitte einen Strudel machen?“ oder auch „Mama! Schau mal! Der hat einen Schmetterling um den Hals.“ Aussprüche wie diese von unserer zweijähren Tochter zaubern mir ein Lächeln auf die Lippen und zeigen mir wieder, was ein so kleines Gehirn verarbeitet. Beide Ausdrücke waren natürlich nicht ganz korrekt und hatten doch einen Zusammenhang mit dem eigentlich gesuchten Wort. Im ersten Fall war natürlich die Rede von einem „Zopf“, den wir aus den Haaren machen sollten, und im anderen Fall handelte es sich um eine „Fliege“, die die Figur um den Hals gebunden hatte.

Bleib aufmerksam und lach nicht!
Auch wenn die Wortkreationen unserer Tochter oder auch die Erklärungsansätze unseres Sohnes manchmal wirklich zum Lachen wären, war es in jeder dieser Situationen wichtig, ihnen nicht das Gefühl zu geben, dass ich sie auslache. Sondern im Gegenteil: Ihnen meine ehrliche Begeisterung darüber zu zeigen, dass sie sich mit der Sprache beschäftigen, dass sie mir so viel Vertrauen entgegenbringen, mich in ihre Gedankenvorgänge einzubeziehen.
Denn oft haben wir als Erwachsene in solchen Situationen selber Hemmungen und wählen eher den Rückzug, als mit einem anderen Menschen im Austausch zu bleiben, wenn wir mal nicht ganz die richtigen Worte finden…

„Nachtragend sein“… ist doch viel zu anstrengend!

Vor einiger Zeit habe ich schon einmal darüber geschrieben, was wir uns als Erwachsene von unseren Kindern abschauen können. Und in letzter Zeit beobachte ich eine weitere Eigenschaft, die mir an Kindern imponiert und mich manchmal selber beschämt: Sie sind nicht nachtragend!

Direktheit
Kinder gehören zu den ehrlichsten Wesen auf der Welt. Wenn sie wütend sind, dann toben sie. Wenn sie sich wehgetan haben, dann schreien sie, egal ob sie gerade in der Öffentlichkeit sind oder in ihrem eigenen Zimmer. Der Schmerz muss raus. Wenn sie deine neue Frisur nicht mögen, dann sagen sie dir das auch sehr direkt. Und wenn Kinder streiten, dann streiten sie miteinander. Da wird nicht auf Grund sozialer Gegebenheiten die Wut hinuntergeschluckt, wenn die kleine Schwester zum fünften Mal den aufgebauten Duplo-Turm umhaut oder einfach das Feuerwehrboot klaut. Es wird lautstark geschumpfen. Bei Kindern auch „beliebt“ die Aussage : “Jetzt bin ich nicht mehr dein Freund/deine Freundin.“ Das stellt für sie eine sehr harte Strafe dar.

Die reinigende Kraft des Auslebens
Doch was dann folgt, ist beeindruckend. Wurde die Wut ausgedrückt und gesagt, was stört, dann kann es zwar sein, dass geweint wird, aber kurz darauf ist alles vorbei und es wird weitergespielt. Da wird nicht mehr lange nachphilosophiert oder lamentiert. Der Konflikt war da, wurde ausgesprochen und ist damit erledigt.

Nicht nur in einem Konflikt zwischen Kindern, sondern auch mit einem Erwachsenen kann das beobachtet werden. In dieser Beziehung kommt es ebenfalls häufig zu Auseinandersetzungen und Diskussionen, die nicht selten darin enden, dass der Elternteil dem Kind irgendetwas verbietet. Dann kann es zwar sein, dass das Kind tobend in sein Zimmer  rennt und dir Türe knallt. Doch anscheinend ist das so reinigend, dass das Kind kurz darauf wieder auftaucht und so normal mit dem Elternteil spricht, als sei nichts Gewesen.

Was vorbei ist, sollte vorbei sein
Ich finde es beeindruckend, wie Kinder etwas einfach als erledigt ansehen können und nicht ewig denselben Brei durchkauen müssen. Die Emotionen werden direkt ausgedrückt und dann passt es. Bei diesem Thema komme ich nicht umhin, mich auch an der eigenen Nase zu nehmen und mir die Kinder hier als Vorbild zu nehmen. Meinungsverschiedenheiten sollen und dürfen sein, doch sie müssen auch ein Ende finden und wieder das in den Vordergrund kommen, was wichtig ist: Die Beziehung miteinander!

Die Freude am Fragen

„… in der heutigen Gesellschaft, in der Neugierde von Kindern als Bürde angesehen wird.“

Als ich diesen kritischen Satz vor kurzem gehört habe, bin ich innerlich erstarrt. Ist es heute wirklich so, dass uns Erwachsenen die Neugierde von Kindern häufig im Weg steht? Ich bin auf Spurensuche gegangen und in diesem Zusammenhang auf das „Phänomen der hundert Fragen“ gestoßen.

Die Fähigkeit zum Fragen
Alle Eltern kennen wahrscheinlich die Situation des scheinbar nie enden wollenden Fragenkatalogs eines Kindes. „Mama, warum ist das so?“. „Aber Mama! Warum kann das nicht anders sein?“
Hier fällt mir die Geschichte einer Freundin ein. Ihr knapp fünfjähriger Sohn hat sie genau mit einem solchen Fragenkatalog beinahe an das Ende ihrer Weisheit geführt. Begonnen hat alles mit der Frage: „Mama. Warum haben wir einen Kopf?“. Die Antwort der Mutter war ok, und ihr Sohn fand es so spannend, dass er den ganzen menschlichen Körper durchgefragt hat, bis hin zur Sinnhaftigkeit des kleinen Zehs.
Man könnte jetzt den Eindruck gewinnen, ihr Sohn wollte sie nur aufziehen. Sie erzählte, dass das zunächst auch ihr Gedanke war, weil er kein Ende gefunden hat. Sie blieb jedoch dabei und hat die Fragen beantwortet. Und mit der Zeit und am Gesichtsausdruck ihres Kindes hat sie entdeckt, dass es ihn wirklich interessiert.

Wertvolle Neugierde
Seine Neugierde hilft dem Kind, diese für ihn so große unbekannte Welt kennenzulernen. Sie lässt ihn Neues entdecken und Abenteuer erleben. Und mit wem soll ein kleines Kind diese Neugierde befriedigen, wenn nicht mit seinen nahen Bezugspersonen?!
Zudem hat das alles auch für die Erwachsenen seinen Gewinn. Sie lernen wieder mit Kinderaugen sehen und entdecken Dinge, die sie vielleicht lange nicht mehr gesehen oder beachtet haben. Vielleicht kommen sie manchmal an das Ende ihres Wissens, doch können sie dieses durch Nachschlagen selber auch erweitern oder wieder auffrischen. Und besonders wichtig: Durch die gemeinsame Auseinandersetzung mit den Fragen wird die Beziehung zum Kind gestärkt und es fühlt sich in seinen Interessen ernst genommen.

Also, lasst uns schauen, dass die zu Beginn angeführte Aussage nicht eintrifft, sondern dass kindliche Neugierde das bleiben darf, was sie ist: ein wertvolles, ernstzunehmendes Gut!

Die Schweine gähnen um 08:03!

Kennt ihr das auch? Euer Kind wünscht sich seit Wochen jeden Abend die gleiche Gute-Nacht-Geschichte…

Eine kleine Unaufmerksamkeit
Bei unserer zweijährigen Tochter ist es aktuell „Das große Gähnen“, das wir abends vor dem Schlafengehen noch lesen. Dabei wird immer eine Uhrzeit erwähnt und, welches Tier sich gerade für das Bett fertigmacht und gähnt. Sie amüsiert sich dabei köstlich und kann es anscheinend gar nicht oft genug hören. Ich selber habe das Gefühl, ich kann das Buch schon auswendig.
Doch letzthin wurde ich eines Besseren belehrt.
Wieder einmal liegen meine Tochter und ich gemeinsam in ihrem Bettchen und widmen uns diesem Buch. Ich hatte den Eindruck, dass sie schon fast weggeschlafen ist, denn wo sie normalerweise lautstark mit den Tieren mitgähnt, war es dieses Mal eher ruhig. Und dann kam ich zur Seite mit den Schweinen. Da stand „Es ist gerade acht Uhr drei…“. Ich schon etwas müde und unkonzentriert las „Es ist gerade acht Uhr zwei…“. Ich habe den Fehler zwar bemerkt, hielt es aber nicht für so wesentlich und hab einfach weitergelesen. Da wurde ich von der Seite gestört und meine Tochter hat mich darauf hingewiesen „Mama! Acht Uhr DREI“!
Ich war sprachlos und fasziniert, wie ein so kleines Geschöpf so aufmerksam sein kann und sich eine scheinbare Kleinigkeit merkt.

Der Geist eines Kindes schläft nie!
Dieser kurze Ausschnitt aus dem Leben mit einem Kind hat mir wieder einmal zwei Dinge verdeutlicht: Kinder lernen durch Wiederholung und es macht durchaus noch mit größeren Kindern Sinn, Geschichten oder Lieder immer wieder zu lesen und zu singen. So können sie sie sich besser merken und nehmen teilweise sogar Dinge wahr, die uns Erwachsenen verborgen bleiben.
Und gleichzeitig führte es mir wieder vor Augen, dass wir unsere Kinder nicht unterschätzen dürfen. Sie registrieren viel mehr Dinge, als wir Erwachsene vermuten – sogar, wenn wir den Eindruck haben, dass sie doch eigentlich schon schlafen 😉

Habt ihr auch solch Erfahrungen zu bieten? Ich freue mich auf eure Geschichten!

Die Geschichte mit der toten Maus – oder was wir von unseren Kindern lernen können

Zwischendurch habe ich mir schon überlegt, eine Rubrik zu machen „Was wir als Eltern von unseren Kindern lernen können“. Denn sowohl die Erzählungen, die Beobachtungen, als auch meine eigenen Kinder versetzen mich immer wieder in Erstaunen.

Ich möchte heute daher mit zwei Geschichten einer Bekannten starten, die mich sehr berührt haben.

Erste Geschichte – Die Maus vor der Garage
Meine Bekannte kam mit ihren Kindern vom Kindergarten nach Hause und fuhr das Auto in die Garage. Als sie am Tor vorbeigingen, blieb ihr vierjähriger Sohn stehen und zeigte auf eine tote Maus. Und er fragte „Mama, was macht die da?“. Und wie alle Mütter schwankte sie einen Moment zwischen der Antwort „Sie schläft nur“ und der Wahrheit „Sie ist tot“. Ihr Sohn ließ ihr aber keine Möglichkeit für den Schwindel und ergänzte gleich: „Ist sie tot?“ Meine Bekannte bejahte und meinte, dass der Vater sie nachher auf den Kompost geben wird.
Diese Antwort war aber gar nicht das, was ihr Sohn hören wollte. Neben Fragen zum Tod meinte er mit strenger Miene, dass man sie ordentlich in die Erde vergraben und ihr ein richtiges Grab mit Blumen machen muss, damit sie von ihren Freunden besucht werden kann.

Und als am Abend der Vater – vorgewarnt und informiert von der Mutter – nach Haus kam, war auch gleich die erste Frage seines Sohnes, wo er die Maus begraben hat und ob er auch schöne Blumen ausgesucht hat.

Zweite Geschichte – Die Fliege unterm Tisch
Vor Kurzem erzählte mir dieselbe Bekannte eine ähnliche Geschichte.

Unter dem Esstisch entdeckte ebendieser Junge eine tote Fliege. Er ging zu seinem Vater und zeigte sie ihm. Dieser war im ersten Moment nicht sehr beeindruckt und sagte, dass sie nachher beim Staubsaugen eh eingesaugt wird. Den entsetzten Blick, den er für diese Antwort von seinem Sohn bekommen hat, wird er so schnell wohl nicht vergessen. „Nein! Nicht einfach einsaugen! Die muss nach draußen in die Erde!“ war der entsprechende Vorwurf.

Ein Lernfeld für Erwachsene
Die unbedachten Reaktionen der Erwachsenen in den beiden beschriebenen Geschichten, wurden schnell von der Sensibilität ihres Sohnes bestraft. Und meine Bekannte meinte auch, dass sie das sehr nachdenklich gestimmt hat und sie gemeinsam mit ihrem Mann besprochen hat, hier zukünftig vorsichtiger zu sein.

Der Begriff „Erziehung“ impliziert für uns Erwachsene zwar stets, dass wir den Kindern etwas beibringen sollen, dass wir ihre Vorbilder sind. Doch verdeckt er unter diesem Gesichtspunkt nicht eigentlich, dass auch Kinder Vorbilder für Erwachsene sein können, wenn sie richtig wahrgenommen werden?!

Diskussion zu „Wieviel Gefühl ist erlaubt“

Aus meinem letzten Blog-Beitrag „Wieviel Gefühl ist erlaubt“ ist eine Diskussion entstanden, an der ich euch gerne teilhaben lassen möchte.
Eine Mutter hat mich auf den letzten Satz in meinem Beitrag angesprochen: Und Kinder wollen in einem zu Hause aufwachsen, in dem laut gelacht wird, in dem bei einer gruseligen Geschichte alle große Augen bekommen oder in dem bei einem traurigen Anlass auch Tränen erlaubt sind.“
Als sie ihn gelesen hat, hat sie sich die Frage gestellt, was ist, wenn Eltern nicht gelernt haben, ihre Gefühle zu zeigen oder wenn sie einfach nicht der Typ sind, zum Beispiel laut zu lachen. Werden die Eltern dann nicht mit meiner Aussage unter Druck gesetzt?
Es ist ja tatsächlich so, dass Menschen sehr unterschiedlich im Ausleben ihrer Gefühle sind. Und diese können und sollen nur authentisch gelebt werden.

Wir haben dann vor allem zwei Aspekte diskutiert:
1. Das gemeinsame Lachen
Eigentlich geht es bei Gefühlen weniger darum, den Kindern etwas vorzuleben. Es steht vielmehr im Vordergrund, gemeinsam etwas zu erleben. Gemeinsam über eine lustige Geschichte zu lachen oder sich gemeinsam zu gruseln.

2. Kinder als Vorbilder
Und zudem: Können wir als Erwachsene nicht auch von unseren Kindern lernen, mit Gefühlen umzugehen? Vor allem kleine Kinder zensieren sich nicht. Wenn sie traurig sind, dann weinen sie. Wenn sie wütend sind, dann drücken sie das auf eine sehr direkte Art aus. Und wenn sie etwas lustig finden, dann lachen Kinder ein befreites, herzhaftes und meist ansteckendes Lachen.

Als wir darüber gesprochen haben, ist mir ein Erlebnis eingefallen.
Als ich vor Kurzem spazieren war, habe ich eine Mutter mit ihren Kindern beobachtet. Und diese Kinder haben lauthals gesungen. Man sah ihnen die Freude daran richtig an.
Und allen, die an dieser singenden Gruppe vorbeigegangen sind, zauberte es ein Lächeln aufs Gesicht. Ich selber musste auch Lächeln und dachte mir gleichzeitig: Manchmal könnten wir Erwachsene von Kindern wirklich etwas lernen: Diese Freiheit zu tun, was ich empfinde. Denn was Kinder wirklich immer sind, ist ehrlich. Sie lachen, wenn sie Freude empfinden. Aber sie lassen sich auch kein Lachen aufzwingen, wenn sie etwas nicht lustig finden. Und so sollte es bei allen Menschen sein: Gefühle ausdrücken, die ich empfinde, auf eine Art und Weise, die mir selber entspricht.

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