Was tun, wenn der Streit zu eskalieren droht?

Wie oft hören wir den Satz oder empfinden wir als Eltern selber Folgendes: Mein Kind hat mich provoziert, bis ich nicht mehr wusste, was ich tun soll. Bis ich mich selber kaum mehr unter Kontrolle hatte. Kinder kennen die „Schwachstellen“ von uns als Eltern und bohren genau da hinein. Manchmal ist es aber einfach so wie bei uns Erwachsenen auch: Das Kind hat sich in Rage geschimpft und ist mit logischen Argumenten oder Androhung von Konsequenzen nicht mehr erreichbar.
Genau an diesem Wendepunkt, an der Frage, wie weit wird der Streit eskalieren, sind wir als Eltern gefragt. An diesem Punkt ist es unsere Reaktion, die die Beziehung zum Kind bestimmt.

Keine Argumente möglich
Aus eigener Erfahrung weiß ich natürlich, dass es ein Unterschied ist, ob ich mich gerade selber in der Akutsituation befinde oder ob es ist wie jetzt, wenn ich mich theoretisch mit dieser Frage auseinandersetzen kann. Stecke ich selber in der Situation und in der Emotion, bin ich wahrscheinlich ähnlich wie das Kind, nicht für logische Argumente empfänglich. Daher ist es wichtig, dass wir uns als Eltern vorher eine Exit-Strategie für ebensolche Situationen überlegen.

Verlasse die Situation!
Der Hauptpunkt dabei muss lauten: Verlasse die Situation! Geh weg und schau, dass du dich zunächst selber beruhigst. Eine erfahrene Mutter gab mir hierfür schon vor langer Zeit den Tipp, aufs WC zu flüchten. Klingt im ersten Moment lustig, aber wenn man darüber nachdenkt, ist es ein guter Hinweis, denn man kann die Tür absperren und hat doch alles, was man braucht. Denn schließlich ist schwer abzuschätzen, wie lange diese Auszeit dauern muss. Erst nämlich, wenn ich es als Erwachsener schaffe, meine Emotionen in den Griff zu bekommen, kann ich wirklich wieder in Beziehung zu meinem Kind gehen.

Wenn ich mit anderen Eltern diese Vorgehensweise diskutiere, erhalte ich oft zwei Reaktionsmöglichkeiten. Eine ist: Warum soll ich gehen? Die andere: Aber dann folgt mir mein Kind ja und rastet noch mehr aus, vor allem wenn ich abgesperrt habe. Zu ersterem erwidere ich, dass ich nur selber in der Hand habe, ob ich den Raum wechsle. Erwarte ich das von meinem Kind, führt das nur zu weiteren Diskussionen und sicherlich nicht zu einer Deeskalation. Und zu dem zweiten Punkt denke ich, dass es primär darum geht, sich als Erwachsener zu beruhigen. Ich brauche in diesem Moment eine Auszeit und kann mir diese nur durch Abstand holen.

Was kommt danach?
Ich weiß, dass es bei diesem Tipp nur um die Akutphase geht. Denn eines muss klar sein: Wenn ich den Schlüssel umdrehe und meinem Kind wieder begegne, dann muss ich einen Plan in der Hand haben, wie es weitergeht. Und dieser Plan ist – ihr könnt es euch denken – so individuell wie jedes Kind, jeder Erwachsene und jedes Diskussionsthema. Und wäre damit Thema für einen der nächsten Blogbeiträge…

Schhhh, nicht so laut!

Neben „Nein“ ist einer der häufigsten Ausdrücke, denen Kinder im Laufe ihrer Entwicklung begegnen, „Schhhh! Nicht so laut!“ Egal, ob im Supermarkt, im Gasthaus oder in den eigenen vier Wänden. Eltern sind stets darauf bedacht, die Lautstärke ihrer Kinder möglichst gering zu halten. Und was mir jetzt in den letzten Wochen gerade aufgefallen ist, sogar im eigenen Garten werden Kinder „leise gedreht“.

Kennt ihre das auch? Es ist ein herrlicher Sonntag, die Temperaturen gerade recht, um das Planschbecken im Garten für die Kinder aufzustellen. Und nichts lieben Kinder mehr als schreiend und juchzend im kühlen Nass zu spielen. Wenn man nun den Eindruck hat, die einzigen Menschen zu sein, die an diesem Tag draußen sind und es, wenn die Kinder einmal kurz schweigen, bis auf das Vogelgezwitscher absolut still ist, dann entsteht innerlich schnell wieder der Druck, für Ruhe sorgen zu müssen.

Lautstark im Supermarkt
Ein anderes Beispiel: Ein Kind klemmt sich bei den Einkaufswagen im Lebensmittelgeschäft die Finger ein. Das schmerzt und es beginnt lauthals zu weinen. Auch dort konnte ich Eltern beobachten, die sich zwar zunächst um den eingeklemmten Finger kümmerten, doch kurz darauf folgte schon „Schhhh! Nicht so laut! Die Leute schauen ja schon!“

Auch an den öffentlichen Spielplätzen lässt sich beobachten, dass Eltern manchmal mehr Energie damit verschwenden, Kindern die in ihren Augen sozial verträgliche Lautstärke beizubringen, als einfach begeistert ihr Spiel zu beobachten.

Da stellt sich doch die Frage: Wo dürfen Kinder denn noch Kind-Sein? Wo dürfen Kinder sich noch so ausleben, wie es für sie passt?

Natürlich gibt es Orte, wo Stille geboten ist. Natürlich muss darauf geachtet werden, dass die Umgebung nicht beeinträchtig ist. Aber dennoch müssen wir Kindern auch erlauben, sich auszutoben.

Tür zu, Musik an!
Denn sind wir uns ehrlich?! Brauchen nicht auch wir Erwachsene immer wieder einen Ort, wo wir ungehemmt sein können? Wo wir tanzen, lachen, weinen, singen können, so laut und intensiv wie es gerade notwendig ist? Manche von uns gehen abends in die Disco und tanzen und singen. Andere drehen während des Kochens die Musik laut auf und singen – manchmal eher schief – die Lieblingslieder mit.

Wir müssen unseren Kindern diesen Raum ebenfalls geben. Lasst uns doch einfach hin und wieder mit ihnen gemeinsam johlend ins Plantschbecken hüpfen!

Der Rückzug kommt noch früh genug

Kennt ihr das auch? Ihr geht durch euer Wohnzimmer und sucht nach etwas. Plötzlich stoßt ihr einen zischenden Fluch aus – natürlich nicht zu laut, wegen der Kinder 😉. Und dann kommt der Blick auf den Boden nach dem Verursacher des Schmerzes: ein herumliegendes Auto oder ein Duplo-Stein, die sich auf den Fußweg geschlichen haben…

Wohin mit den Spielsachen?
Es ist eine langanhaltende Diskussion unter Eltern: Wo sollen die Spielsachen der Kinder sein?
Die Meinungen sind dabei so unterschiedlich, wie so oft in der Erziehung.
Auf der einen Seite sind da die Vertreter der Ansicht, dass sämtliche Spielsachen in die Kinderzimmer gehören – und nur dahin. Das Wohnzimmer ist ein sogenannter „Familienbereich“ und davon freizuhalten. Auf der anderen Seite sind jene Eltern, die Spielsachen in allen Räumen der Wohnung oder des Hauses erlauben.

Auch wir stehen immer wieder vor dieser Frage.
Als die Kinder noch ganz klein waren und noch kein eigenes, zugewiesenes Zimmer hatten, waren die meisten Spielsachen im Wohnzimmer – einem offenen Bereich zur Küche hin. Dort spielte sich eigentlich das ganze Familienleben ab. Zudem wollten die Kinder einfach in unserer Nähe sein und hatten kein Bedürfnis, allein in ihren Zimmern zu spielen.
Seit die Kinder nun größer sind und jedes sein eigenes Zimmer hat, hatten wir beschlossen, die Spielsachen dorthin zu räumen und den Wohnbereich davon zu befreien.

Vorhaben vs. Realität
Tja… Aber wie so oft haben wir diesen Plan ohne unsere Kinder gemacht😊.
Regelmäßig räumen mein Mann und ich die Duplo-Steine, Autos, Bücher und was es sonst noch gibt in die leeren Kinderzimmer zurück. Doch das dauert nur bis zum nächsten Spielenachmittag. Dann spielen die Kinder zum Beispiel, dass sie wandern gehen, volle Rucksäcke haben und ein Picknick machen möchten. Das darf auf Grund der bestehenden Regeln nicht im Kinderzimmer aufgebaut werden. Also wird die Decke im Wohnzimmer ausgebreitet und mit ihr sämtliche Spielsachen, die zum „Wandern“ benötigt werden.

Prioritäten setzen
Auch wenn die Regel besteht, dass die Kinder am Abend die Spielsachen wieder aufräumen und somit das Wohnzimmer eigentlich davon befreien müssen, haben mein Mann und ich beschlossen, auch hier einen Kompromiss einzugehen: Ein Teil der Spielsachen darf im Wohnzimmer bleiben, der andere Teil bleibt in den Kinderzimmern. Denn irgendwie haben wir gemerkt, dass es uns weniger wichtig ist, wo die Kinder spielen, als vielmehr, dass sie Raum für ihre Phantasien bekommen. Das Bedürfnis nach Rückzug wird bei ihnen noch früh genug kommen und damit auch das große Schild am Kinderzimmer mit folgendem Schriftzug: „Kein Zutritt“…

Nein, das brauchst du jetzt nicht!

Wenn Kinder etwas haben wollen, sagen sie „Ich brauche das jetzt!“ Das geschieht, wenn das Kind den Schnuller will, oder gerade in diesem Moment ein Wasser, in dem wir es uns bequem gemacht haben, oder ein Kuscheltier, das es im Geschäft entdeckt hat. Wenn wir als Eltern ihm das aber nicht kaufen oder den Schnuller nicht geben wollen, sagen wir gerne, dass es das nicht braucht.

Negieren von Gefühlen
Doch eigentlich gibt es eine Feinheit, deren wir uns als Erwachsene bewusst werden müssen: Wenn wir wirklich so reagieren, negieren wir das Gefühl des Kindes in diesem Augenblick.

„Du bist doch schon groß!“
Blieben wir beim Schnuller-Beispiel: Das Kind ist müde und möchte gerne den Schnuller haben. Sein Gefühl ist in dem Moment, ihn zu brauchen, ohne ihn nicht einschlafen zu können bzw. einfach nur zufrieden sein zu können. Wir als Eltern versuchen aber gerade im Auftrag der Erziehung, dem Kind den Schnuller abzugewöhnen. Anstatt die Wahrheit zu sagen, die da lautet: „Nein, du bekommst den Schnuller nicht mehr, weil er deinen Zähnen schadet und wir nicht mehr möchten, dass du ihn so oft nimmst.“, sagen wir lieber: „Aber den brauchst du doch gar nicht mehr. Du bist doch schon groß.“

Wer will was?
Doch dabei treffen zwei Sichtweisen aufeinander: Das Kind selber hat das Gefühl, ihn zu brauchen. Die Eltern wiederum wollen ihn ihm nicht geben. Und hier kommt der wichtige Schritt: Als Eltern müssen wir dazu stehen, wenn wir an gewissen Punkten, die Entscheidung fällen, nein zu sagen, und dem Kind etwas nicht zu geben. Gleichzeitig dürfen wir dem Kind nicht sein Bedürfnis absprechen, nur damit unser Gefühl besser ist.

Projektionsfläche bieten
In Erziehungsratgebern begegnet uns immer wieder der Begriff der „liebevollen Grenzsetzung“ oder auch „Nein aus Liebe“. Diese Formulierungen helfen zwar den Eltern beim Gefühl, sie tun es ja nur den Kindern zu liebe – was im weitesten Sinne ja auch der Wahrheit entspricht. Für die Kinder selber ändert sich aber in ihrer aktuellen Wahrnehmung nicht viel. Aus ihrer Sicht wurde ihnen die Befriedigung eines Bedürfnisses verwehrt. Das frustriert und macht ärgerlich. Dies wiederum entlädt sich an jenen Personen, die das Bedürfnis nicht befriedigt haben. Für die Entwicklung des Kindes ist es nun von großer Bedeutung, dass es diese Frustration an der Zielperson abladen kann und diese auch Verständnis dafür hat.

Wir müssen als Erwachsene ehrlich bleiben und vom häufigen „Das brauchst du nicht“ zum ehrlichen „Ich kann mir vorstellen, dass du das haben willst, aber ich möchte dir das jetzt nicht kaufen oder geben“ übergehen.

Kinder! Essenszeit!

Essen nimmt in unserem Leben einen wichtigen Platz ein. Wir Erwachsene treffen uns auch mit Freunden und gehen gemeinsam Essen, zelebrieren dies manchmal einen ganzen Abend lang. Doch geht es um das Essen mit Kindern, kommt unweigerlich das Gefühl von Hektik auf.
Immer wieder frage ich mich, warum das Essen mit Kindern für uns Erwachsene schon von vornherein eine Stresssituation ist. Dabei wollen Kinder essen. Schon von klein auf sind sie neugierig auf Nahrungsmittel. Sie wollen sie erkunden, probieren, manchmal natürlich auch ablehnen.

Reine Sättigung vs. Familienzeit
Das Ritual des Essens kann mehrere Zwecke erfüllen. Es dient auf der einen Seite der Nahrungsaufnahme, der Sättigung. Auf der anderen Seite bringt es die Familienmitglieder auch an einem Tisch zusammen. Es ist eine Zeit für Unterhaltung und gegenseitiges Wahrnehmens.
Wir können beobachten, dass Familien dieses Ereignis sehr unterschiedlich gestalten. Für manche geht es nebenher. Da wird einmal ein Bissen genommen, dann laufen die Kinder wieder herum. Es ist eine ständige Unruhe, in der man sich nicht unterhalten kann. In anderen Familien wiederum sind es stundenlange Rituale, in denen die Kinder so lange sitzen bleiben müssen, bis auch die Erwachsenen ihren Teller leer gegessen haben.

Genusserleben schon von Anfang an
Ich komme bei diesem Thema nicht an folgender Frage vorbei: Sollte Essen nicht genussvoll sein, eine sinnliche Erfahrung? Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man vor allem im Alltag das Gefühl hat, Essen muss einfach nur schnell erledigt werden. Doch ist es nicht gerade unter diesen Bedingungen wichtig, gemeinsam am Tisch zu sitzen und die Zeit für ein gemeinsames Gespräch zu nutzen?
Gleich vorweg: Kinder können nicht stundenlang sitzen. Wenn sie ihren Teller aufgegessen haben, dann möchten sie aufstehen und wieder hin zu neuen Abenteuern. Aus der Erfahrung und der Beobachtung habe ich gelernt, dass es dann gut ist, die Kinder ziehen zu lassen. Wenn sie lernen, dass sie aufstehen können, sobald sie fertig gegessen haben und nicht warten müssen, bis es auch die Erwachsenen sind, dann finden sie die Ruhe zum Essen. Sie lernen gleichzeitig auch zu beobachten, ob sie wirklich satt sind. Denn ein Hin und Her gibt es nicht. Wenn der Tisch zum Spielen verlassen wurde, dann ist das Essen auch beendet.

Essen als etwas Wertvolles
Essen sollte nie nur nebenher passieren. Essen sollte eine Wertigkeit im Familienalltag bekommen, bei dem alle zusammensitzen, die gerade zu Hause sind und gemeinsam genießen. Und nicht immer sind es die Kinder, die warten müssen: Manchmal sind es die Kinder, die gerade diese gemeinsame Zeit sehr genießen und die Eltern neben dem Essen mit den abenteuerlichsten Erzählungen erfreuen.

Schlaf Kindlein schlaf… aber Wo?

Kennt ihr auch dieses abendliche Sitzen am Bett eures Kindes und Warten, dass es einschläft? Das scheint dann auch so zu sein. Doch sobald ihr aufsteht, sehen euch wieder zwei hellwache Augen an und alles beginnt von vorn? Oder kennt ihr auch das nächtliche Geräusch der tapsenden Füße über den Boden in Richtung eures Schlafzimmers?

Ich kenne das nur zu gut, sowie auch den Blick, den mein Mann und ich uns dann zuwerfen. Eines unserer Kinder ist im Anmarsch und nimmt Kurs auf unser Bett. Und dann kommt die entscheidende Frage: Heben wir die Bettdecke und lassen es darunter schlüpfen, oder heben wir die Bettdecke und stehen auf, um es wieder in sein Zimmer zurückzubringen.

Mittelweg
Es gibt unterschiedliche Ansichten, was diese Frage anbelangt. Es gibt die Meinung, dass ein Kind niemals im Elternbett schlafen sollte, da es dann nie im eigenen schläft. Oder es gibt die Vertreter des sogenannten „Familienbetts“, in dem alle Familienmitglieder gemeinsam schlafen.
Wie in so vielen Bereichen der Erziehung ist es auch hier eine Frage der Abwägung.
Hin zur Entscheidung komme ich nicht umhin, mich folgende Dinge zu fragen: Wieso kommt mein Kind? Ist es krank und fühlt sich nicht wohl? Hat es schlecht geträumt und braucht das Gefühl von Schutz und Nähe? Und dann stelle ich mir mich selber vor: Will ich in so einer Situation allein sein?

Gefühl von Schutz
Die Nacht und ihre Dunkelheit hat etwas Unheimliches. Ein Kind muss erst lernen, zu vertrauen, um in diesen Stunden allein sein zu können. Nicht ohne Grund brauchen viele Kinder die Nähe ihres Lieblingskuscheltieres. Manchmal reicht diese Nähe jedoch nicht aus. Es sind dann die Eltern, die das Gefühl von Schutz vermitteln müssen.
Ändern wir zum Abschluss noch den Blickwinkel und gehen weg von der Sorge, dass unser Kind dann ewig in unserem Bett schläft – denn irgendwann wird es ganz sicher die Privatsphäre des eigenen Bettes bevorzugen: Wenn wir als Eltern nur durch unsere bloße Anwesenheit einem Kind das Gefühl von Geborgenheit vermitteln können, sodass es sich in die Schutzlosigkeit des Schlafes fallen lässt, ist das nicht das größte Kompliment? Und wenn wir durch diese an sich einfache Handlung Ruhe in die Nächte bringen, sollten wir das dem Kind und auch uns selber verwehren?!

Erziehung – eine bunte Vielfalt an Kompromissen!

Wenn wir den Begriff „Erziehung“ hören, dann entstehen Bilder wie Regeln, Grenzen, Auseinandersetzungen, Hierarchie o.ä. Im Vordergrund stehen immer negative Assoziationen, sodass man sich heute kaum mehr traut, den Begriff zu verwenden.

Gleichgewicht
Aber lasst uns doch einmal die Tätigkeit „Erziehung“ genauer betrachten: Handelt es sich dabei nicht vielmehr auch um eine stete Auseinandersetzung mit sich selber als Eltern und mit den Kindern? Es geht dabei nicht nur darum, dem Kind seine Grenzen aufzuzeigen und Verbote auszusprechen. Eltern müssen schauen, was ihr Kind braucht, um mit beiden Beinen fest im Leben zu stehen. Gleichzeitig ist es ihre Aufgabe, zu schauen, was die Familie braucht, damit sie funktioniert. Hier gilt es immer wieder abzuwägen und wenn notwendig Kompromisse zu schließen. Kompromisse zwischen dem, was Eltern genau in dem einen Moment möchten, und dem, was die Kinder in dem Moment brauchen.

Beispiele
Das Mittagessen ist fertig. Das Kind spielt am Boden mit seinen Autos. Es ist noch mittendrin in seiner erfundenen Geschichte und erwidert, dass eines der Autos kaputt ist, abgeschleppt und in die Werkstatt gebracht werden muss. Dann kommt es zum Essen.

Ein weiteres Beispiel: Eigentlich gibt es die Abmachung, dass das Kind den Schnuller aus dem Mund nehmen muss, wenn es redet. Nun spielt es ganz versunken mit seinen Puppen und spricht mit ihnen, obwohl es den Schnuller im Mund hat.

Ich denke, jedem von euch fällt sofort ein dazu passendes Beispiel ein. Und jedes Mal ist die Frage, bleibe ich bei meiner Regel oder schaue ich mir die Situation an, und frage mich, ob es eine Alternative gibt.


Offenheit

Als ich dieses Thema mit Bekannten besprochen habe, kam sofort der Einwurf „Aber dann gebe ich als Elternteil doch immer nach!“ Diese Haltung bringt uns jedoch in einen Machtkampf mit dem Kind und lässt uns blind werden für die Situation und ihren Inhalt.

Daher mein Titel für diesen Blog: … eine bunte Vielfalt an Kompromissen! Natürlich braucht es Rahmenbedingungen, aber innerhalb des Rahmens, und manchmal auch darüber hinaus, geht es für Eltern um Folgendes: Geht mit euren Kindern in Kontakt, nehmt Situationen wahr, in denen ihr und sie sich befinden. So findet ihr den passenden Weg, der euch gemeinsam an das gewünschte Ziel führt. Manchmal eben mit einem kleinen Umweg…