Kein Plan? Gut so!

Kennt ihr als Eltern auch die Situation an Regentagen oder auch an diesen kalten Tagen, wie wir sie Anfang des Jahres hatten? Man kann mit den Kindern im Freien nicht wirklich etwas unternehmen. Immer wieder beschreiben Eltern hier das Erleben von Druck und den sorgenvollen Blick auf die Wettervorhersage. Sie stellen ein großes Unterhaltungsprogramm für drinnen auf. Zerbrechen sich den Kopf, was sie den Kindern alles bieten können, damit ihnen nur nicht langweilig wird.

Entdeckung einer neuen Welt
Doch habt ihr schon einmal folgenden Versuch gestartet?: Ihr macht euren Kindern überhaupt kein besonderes Angebot. Ihr seid einfach anwesend und schaut, was passiert. Es entsteht etwas Wunderbares!
Kinder sind ungemein kreative Wesen, die aus dem vermeintlichen Nichts etwas Tolles erschaffen können. Da wird aus ein paar Kissen und einer Decke ein Bus, der sich links und rechts in die Kurve legt. Duplo-Steine sind die Zutaten für ein aufwändiges Drei-Gänge-Menü. Oder zwei Kochlöffel werden zu Schistöcken und die Wohnung zu einer Schipiste.
Die Kinder sehen eine Welt, die uns als Erwachsenen verborgen bleibt, weil wir uns unter Druck sehen, nur ja keine Langeweile aufkommen zu lassen. Wir haben das Gefühl, wenn am Schluss eines Spiels kein Produkt entsteht, das Kind nicht offensichtlich etwas gelernt hat, war es Verschwendung.

Lasst euch darauf ein!
Bestärkt wird dieses Vorgehen übrigens durch aktuelle Ergebnisse aus der Neurobiologie, u.a. von Gerald Hüther. Kinder können ihre Kreativität, ihre Interessen und Fähigkeiten nur entdecken, wenn sie spielerisch erkunden dürfen, wenn sie ohne Druck und ohne ständige Anleitung ausprobieren dürfen.
Diesen Überlegungen gedanklich zu folgen und sie in der Praxis auszuprobieren, bewirkt Phantastisches auf zwei Seiten: Den Eltern nimmt es den Druck, zu Hause ein großes Unterhaltungsprogramm zu bieten, und das schlechte Gewissen, wenn die Kinder am Nachmittag „einfach einmal nur zu Hause“ sind. Und bei den Kindern kann die Entstehung einer phantastischen Welt beobachtet werden, die wir in unserem zu Hause selber gar nicht vermutet hätten.

Zudem tut uns Erwachsenen ein Mitgehen und Verlieren im Spiel des Kindes selber wieder gut. Es lässt auch unsere Kreativität neu aufblühen!

Gesucht: Management-Persönlichkeit für ein Familien-Unternehmen

Wenn Frauen schwanger werden und ein Kind bekommen, heißt es, sie „verlassen den Arbeitsmarkt“. Auch heute ist es noch so, dass Erziehung und berufliche Tätigkeit nicht gleichgesetzt werden. Viel zu oft muss man sich für die Rolle als Mutter gegenüber klassisch Erwerbstätigen rechtfertigen. Ist Erziehung etwa kein Beruf?

Ich meine, wir sollten als Eltern aufhören uns zu rechtfertigen oder Understatement zu betreiben – und ich sage euch auch, wieso:

Das Familien-Unternehmen
Eine Familie ähnelt in vielerlei Hinsicht einer Firma. Es gibt mehrere Mitglieder, die zusammenarbeiten müssen, um ihr Unternehmensziel zu erreichen. Die Abläufe müssen genau koordiniert werden. Budget und Rahmenbedingungen sind klar definiert und die Prozesse so gestaltet, dass mit möglichst wenig Aufwand das Maximum erreicht werden kann.

Ein Job ohne Stechuhr
Und wenn dieser einfache Vergleich schon recht nahe liegt, ist dann Erziehung nicht die Ausübung eines Berufs? Erziehung ist die Arbeit mit Menschen, verbunden mit hoher Verantwortung. Sie erfordert Einsatz und Engagement. Zudem ist Erziehung ein 24-Stunden-Job, es gibt de facto kein Abschalten. Als Mutter und Vater beschäftigen wir uns ständig mit Fragen, wie wir unsere Kinder gut begleiten können, was sie brauchen, um sich gut entwickeln zu können. Wir versuchen uns fortzubilden, indem wir Bücher lesen und Vorträge besuchen. Wir versuchen unser Verhalten anzupassen, wenn wir nicht das gewünschte Ergebnis erzielen – ist das nicht auch Strategieentwicklung auf hohem Niveau?

Die langsame Übernahme von Verantwortung
Wenn du eine neue Stelle antrittst, gibt es das klassische Vorgehen. Du wirst durch die neue Firma geführt. Sie erklären dir die Abläufe. Du lernst deine Kolleginnen und Kollegen kennen und kannst dich langsam einarbeiten. Niemand erwartet von dir, dass du gleich am ersten Tag weißt, wie alles funktioniert.

Aaaaaaber….
Ab dem ersten Augenblick mit deinem Baby auf dem Arm wird von dir erwartet, dass du genau weißt, wie alles funktioniert. Unsicherheiten scheinen keinen Platz zu haben. Zeit sich kennenzulernen muss man sich selber erlauben. Das gewachsene Unternehmen braucht dich von der ersten Sekunde mit voller Aufmerksamkeit. Dies darf nicht unterschätzt werden.

Also lasst uns als Eltern am Ende eines strengen Arbeitstages die Füße hochlegen und bei einem Glas Wein stolz und zufrieden auf das geleistete Tagespensum zurückblicken – vorausgesetzt, dein Unternehmen braucht dich gerade nicht!