Wow! Vielen Dank euch!

Am Rosenmontag hatte erziehungsgedanken.com erstmals über 100 Besucher pro Tag! Nach nur zwei Monaten freue ich mich riesig über euer Interesse und das zahlreiche positive Feedback!

Gerne nutze ich die Gelegenheit und möchte euch nach euren Erlebnissen fragen. Gibt es ein Thema, das euch besonders beschäftigt? Gerne nehme ich eure Anregungen auf und freue mich über Post!

Bis dahin, liebe Grüße

Veronika

 

 

Von Gruselclowns und wilden Hexen

Der Fasching/Karneval geht bald zu Ende und ich möchte am Ende dieser „5.Jahreszeit“ eine Beobachtung mit euch teilen. Wir Erwachsene gehen davon aus, dass Kinder vom Fasching begeistert sind. Die bunten Kostüme, das Lachen, die Musik und die vielen Süßigkeiten müssen Kindern doch gefallen.

Das Unheimliche der Maskierung
Doch ich frage mich immer wieder, ob dies alles nicht auch viel Unheimliches für unsere Kinder birgt.
Nicht nur, dass ein tatsächlicher körperlicher Größenunterschied besteht, der die Figuren für Kinder oft noch unheimlicher macht. Dies kann durch das Verhalten der „Narren“ noch verstärkt werden. Eine Hexe soll mit ihrer Maske Furcht bewirken. Ein Clown hat einen riesengroßen Mund, eine große rote Nase und auch die Füße sind überdimensioniert. Alles ist im Fasching ein wenig lauter, ein wenig bunter, weil die Maskierung Erwachsenen auch den Schutz gibt, eine Seite auszuleben, die im normalen Alltag keinen Platz hat.

Vorsicht muss erlaubt sein
Lasst uns in der Position eines Kindes bleiben. Ein Kind versteht nicht von Anfang an, dass hinter der ganzen Maskierung ein „normaler“ Erwachsener steckt. Sie sehen nur das, was vor ihnen steht, und das löst Gefühle aus. Und manchmal kann das auch Angst und Furcht sein. Da möchten sie beim Faschingstreiben lieber einen Schritt zurückgehen oder sich gar hinter Mutter und Vater verstecken. Und das ist nun mit ein entscheidender Punkt für das Kind: Bekommt es die Möglichkeit, sich alles aus einer sicheren Entfernung anzusehen? Denn eines ist klar: Bei aller Ängstlichkeit bleibt beim Kind auch die Neugier: Es möchte sich den Clown schon ansehen oder mit einem Auge beobachten, was die Hexe macht.

Ein Appell für die Beobachtung
Ich glaube, wir müssen als Erwachsene hier sensibel sein – weg von der Überzeugung, dass jedem diese Narrheiten gefallen müssen. Denn ganz ehrlich: Sind nicht auch für uns manche Hexen und Clowns unheimlich?! Und sind nicht auch wir froh, wenn sie uns am Faschingsumzug unbeachtet lassen und an uns vorbeiziehen?!
So unterstützen wir unsere Kinder meiner Meinung nach darin, dass sie keine Masken tragen müssen, sondern ihre Gefühle offen und ehrlich zeigen. Wir lassen  ihnen die Möglichkeit, sich im Hintergrund zu halten und aus dieser Distanz entdecken, ob sie Faschingsnarren sind oder eher wieder die ruhige Zeit bevorzugen. Sie können ja dann im nächsten Jahr auf neue Entdeckungsreise in dieser außergewöhnlichen Zeit gehen…

Kinder! Essenszeit!

Essen nimmt in unserem Leben einen wichtigen Platz ein. Wir Erwachsene treffen uns auch mit Freunden und gehen gemeinsam Essen, zelebrieren dies manchmal einen ganzen Abend lang. Doch geht es um das Essen mit Kindern, kommt unweigerlich das Gefühl von Hektik auf.
Immer wieder frage ich mich, warum das Essen mit Kindern für uns Erwachsene schon von vornherein eine Stresssituation ist. Dabei wollen Kinder essen. Schon von klein auf sind sie neugierig auf Nahrungsmittel. Sie wollen sie erkunden, probieren, manchmal natürlich auch ablehnen.

Reine Sättigung vs. Familienzeit
Das Ritual des Essens kann mehrere Zwecke erfüllen. Es dient auf der einen Seite der Nahrungsaufnahme, der Sättigung. Auf der anderen Seite bringt es die Familienmitglieder auch an einem Tisch zusammen. Es ist eine Zeit für Unterhaltung und gegenseitiges Wahrnehmens.
Wir können beobachten, dass Familien dieses Ereignis sehr unterschiedlich gestalten. Für manche geht es nebenher. Da wird einmal ein Bissen genommen, dann laufen die Kinder wieder herum. Es ist eine ständige Unruhe, in der man sich nicht unterhalten kann. In anderen Familien wiederum sind es stundenlange Rituale, in denen die Kinder so lange sitzen bleiben müssen, bis auch die Erwachsenen ihren Teller leer gegessen haben.

Genusserleben schon von Anfang an
Ich komme bei diesem Thema nicht an folgender Frage vorbei: Sollte Essen nicht genussvoll sein, eine sinnliche Erfahrung? Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man vor allem im Alltag das Gefühl hat, Essen muss einfach nur schnell erledigt werden. Doch ist es nicht gerade unter diesen Bedingungen wichtig, gemeinsam am Tisch zu sitzen und die Zeit für ein gemeinsames Gespräch zu nutzen?
Gleich vorweg: Kinder können nicht stundenlang sitzen. Wenn sie ihren Teller aufgegessen haben, dann möchten sie aufstehen und wieder hin zu neuen Abenteuern. Aus der Erfahrung und der Beobachtung habe ich gelernt, dass es dann gut ist, die Kinder ziehen zu lassen. Wenn sie lernen, dass sie aufstehen können, sobald sie fertig gegessen haben und nicht warten müssen, bis es auch die Erwachsenen sind, dann finden sie die Ruhe zum Essen. Sie lernen gleichzeitig auch zu beobachten, ob sie wirklich satt sind. Denn ein Hin und Her gibt es nicht. Wenn der Tisch zum Spielen verlassen wurde, dann ist das Essen auch beendet.

Essen als etwas Wertvolles
Essen sollte nie nur nebenher passieren. Essen sollte eine Wertigkeit im Familienalltag bekommen, bei dem alle zusammensitzen, die gerade zu Hause sind und gemeinsam genießen. Und nicht immer sind es die Kinder, die warten müssen: Manchmal sind es die Kinder, die gerade diese gemeinsame Zeit sehr genießen und die Eltern neben dem Essen mit den abenteuerlichsten Erzählungen erfreuen.

Kein Plan? Gut so!

Kennt ihr als Eltern auch die Situation an Regentagen oder auch an diesen kalten Tagen, wie wir sie Anfang des Jahres hatten? Man kann mit den Kindern im Freien nicht wirklich etwas unternehmen. Immer wieder beschreiben Eltern hier das Erleben von Druck und den sorgenvollen Blick auf die Wettervorhersage. Sie stellen ein großes Unterhaltungsprogramm für drinnen auf. Zerbrechen sich den Kopf, was sie den Kindern alles bieten können, damit ihnen nur nicht langweilig wird.

Entdeckung einer neuen Welt
Doch habt ihr schon einmal folgenden Versuch gestartet?: Ihr macht euren Kindern überhaupt kein besonderes Angebot. Ihr seid einfach anwesend und schaut, was passiert. Es entsteht etwas Wunderbares!
Kinder sind ungemein kreative Wesen, die aus dem vermeintlichen Nichts etwas Tolles erschaffen können. Da wird aus ein paar Kissen und einer Decke ein Bus, der sich links und rechts in die Kurve legt. Duplo-Steine sind die Zutaten für ein aufwändiges Drei-Gänge-Menü. Oder zwei Kochlöffel werden zu Schistöcken und die Wohnung zu einer Schipiste.
Die Kinder sehen eine Welt, die uns als Erwachsenen verborgen bleibt, weil wir uns unter Druck sehen, nur ja keine Langeweile aufkommen zu lassen. Wir haben das Gefühl, wenn am Schluss eines Spiels kein Produkt entsteht, das Kind nicht offensichtlich etwas gelernt hat, war es Verschwendung.

Lasst euch darauf ein!
Bestärkt wird dieses Vorgehen übrigens durch aktuelle Ergebnisse aus der Neurobiologie, u.a. von Gerald Hüther. Kinder können ihre Kreativität, ihre Interessen und Fähigkeiten nur entdecken, wenn sie spielerisch erkunden dürfen, wenn sie ohne Druck und ohne ständige Anleitung ausprobieren dürfen.
Diesen Überlegungen gedanklich zu folgen und sie in der Praxis auszuprobieren, bewirkt Phantastisches auf zwei Seiten: Den Eltern nimmt es den Druck, zu Hause ein großes Unterhaltungsprogramm zu bieten, und das schlechte Gewissen, wenn die Kinder am Nachmittag „einfach einmal nur zu Hause“ sind. Und bei den Kindern kann die Entstehung einer phantastischen Welt beobachtet werden, die wir in unserem zu Hause selber gar nicht vermutet hätten.

Zudem tut uns Erwachsenen ein Mitgehen und Verlieren im Spiel des Kindes selber wieder gut. Es lässt auch unsere Kreativität neu aufblühen!

Eines wissen alle Eltern auf der Welt: … wie die Kinder anderer Leute erzogen werden sollten

Als ich vor Kurzem diesen Satz der bekannten Schweizer Psychologin Alice Miller gelesen habe, musste ich lachen und bestätigend den Kopf nicken.

Alle Eltern kennen folgende Situation: Das Baby weint im Kinderwagen und dir selber völlig fremde Menschen kommen vorbei, schauen dich vorwurfsvoll an und geben dir Ratschläge wie „Vielleicht hat es Hunger.“ Ohne zu wissen, dass es vor fünf Minuten sein Fläschchen bekommen hat. Oder wenn ein Kind im Geschäft trotzig wird und schreit und alle um dich herum nur den Kopf schütteln und miteinander flüstern.

Neigung zu Vorverurteilungen
Wir Menschen neigen dazu, uns über alles und jeden sofort eine Meinung zu bilden. Und vergessen dabei, dass wir hinter das Geschehen blicken müssen. Nur weil wir zu einer Situation dazustoßen, wissen wir nicht, was davor passiert ist.

Folgende Szene: Eine Mutter sitzt am Spielplatz auf der Bank und telefoniert. Ihr Kind sitzt allein im Sandkasten und versucht Kontakt zu ihr aufzunehmen. Sie reagiert jedoch nicht. Kommt in uns nicht gleich der Gedanke auf: Das arme Kind! Wie kann die Mutter nur so herzlos sein? Wir haben aber nicht gesehen, dass die Mutter davor schon eine Stunde mit dem Kind im Sand gesessen ist und sie jetzt einen Anruf angenommen hat, auf den sie den ganzen Tag schon gewartet hat. Wir meinen einfach zu wissen, dass sie sich nicht um das Kind kümmert.

Selbstreflexion
Wir reagieren brüskiert, wenn andere Menschen ungefragt meinen, es besser zu wissen. Aber spüren wir nicht alle diesen Impuls manchmal in uns?! Hier heißt es, sich selber zu reflektieren. Kurz innezuhalten und sich zu fragen: Habe ich wirklich alle Informationen, um einer Beurteilung der Situation gerecht zu werden? Ich denke, wir sollten uns auf uns selber konzentrieren. Gleichzeitig aber zur Verfügung stehen, wenn jemand uns um einen Rat fragt.

Wir alle machen unsere Erfahrungen im Leben – theoretisch und praktisch. Und dennoch müssen wir vorsichtig sein und sensibel bleiben. Denn ohne ausreichende Informationen können und dürfen wir anderen Menschen keine Ratschläge geben. Und ungefragt bleiben sie sowieso ungehört…

Warum ich das tue?!

Begonnen hat alles mit meinem Psychologiestudium. Heute bin ich Mutter…

Begonnen hat alles in meinem Psychologiestudium. Mit großem Interesse und Begeisterung habe ich die vielen Theorien und Hypothesen studiert. In meiner Ausbildung zur Klinischen und Gesundheitspsychologin konnte ich diese noch intensivieren.

Theorie vs. Praxis
Aber wie es so ist im Leben, wollte ich auch hier vergleichen, ob Theorie und Praxis übereinstimmen. Ich begann an verschiedenen Arbeitsstellen berufliche Erfahrung zu sammeln. Habe versucht, gemeinsam mit Eltern, Kindern und Paaren diese gelernten theoretischen Überlegungen in ihren Alltag zu integrieren. Jetzt bin ich zudem selber Mutter zweier Kinder und Teil eines Elternpaares.
Somit gehen Theorie und Praxis noch eine weitere Verbindung ein. Dies gibt mir die Möglichkeit immer wieder Gelerntes zu überprüfen. Dabei merke ich, dass manche Theorien mir helfen, Dinge besser zu verstehen und zu erklären. Manche Theorien dagegen stehen mir persönlich in meiner Entwicklung als Mutter im Weg. Im Austausch mit anderen Müttern in meiner beruflichen Tätigkeit oder in meinem Freundes- und Bekanntenkreis merke ich jedoch, dass sie es genau umgekehrt erleben. Das, was für mich und meine Kinder der richtige Weg ist, ist er für sie nicht. Vielmehr heißt es, durch Beobachtung meiner eigenen Person und meiner Kinder sensibel zu werden.

Werte vs. Flexibilität
Wir alle haben unsere Werte, die wir im Leben verfolgen, doch habe ich sowohl in der theoretischen Ausbildung als auch in der Praxis gelernt, dass wir uns eine gewisse Flexibilität bewahren sollten. Wir müssen offen bleiben für Neues und vor allem für die Einzigartigkeit unserer Kinder. Denn nicht jedes Kind braucht das Gleiche. Es sind Individuen mit unterschiedlichen Bedürfnissen. Und ist es nicht gerade darum so schwer, allgemein gültige „Rezepte“ zu geben?!

Gemeinsam…
Aus dieser Verbindung meiner theoretischen Ausbildung und meiner praktischen Erfahrung in Beruf und zu Hause, sind viele Gedanken, Überlegungen und Beobachtungen entstanden. Und diese Erkenntnisse möchte ich mit euch auf diesem Blog teilen und gemeinsam diskutieren.

Zieht daraus die Dinge, die für euch und eure Familie wichtig und richtig sind!