Nackte Tatsachen

Endlich wird das Wetter wieder wärmer. Die Sonne scheint und die Kleidung wird wieder leichter. In dieser Zeit komm ich nicht umhin, mich einem Thema zu widmen, das uns zwar nicht nur bei Schönwetter begegnet, aber in dieser Zeit natürlich noch einmal vermehrt zu beobachten ist – Nacktbilder von Babys und kleinen Kindern.

Tatsächlich Normalität?!
Ist euch schon aufgefallen, wie häufig in Wohnungen, in Häusern, in denen Kinder aufwachsen, Nacktfotos von ihnen herumhängen. Wir finden sie im Eingangsbereich, im Stiegenhaus, im Wohnzimmer, auf Kalendern, die dann auch noch verschenkt werden. Es sind dabei Kinder nackt zu sehen in normalen Alltagssituationen wie auf dem Töpfchen oder Klo, oder auch speziell für das Foto in Szene gesetzt. Habt ihr aber in denselben Haushalten auch schon Nacktfotos der Eltern im Gang oder im Stiegenhaus hängen sehen?
Ich könnte mir vorstellen, dass die letzte Frage nicht nur mit einem Kopfschütteln, sondern auch mit einem lauten „Natürlich nicht!“ beantwortet wird. Aber warum eigentlich? Warum scheint es uns absurd, dass Besuch die erwachsenen Bewohner nackt zu Gesicht bekommt, aber dies bei Kindern oft gar nicht in Frage gestellt wird.

Zwei Sichtweisen
Es gibt wahrscheinlich zwei Perspektiven, aus deren Sicht man dies betrachten kann.
Da wäre die Sicht des Kindes: Ein kleines Kind schämt sich nicht für seinen Körper. Im Gegenteil, läuft es doch gerne nackt im Haus herum. Es hat noch kein Gefühl dafür, ob es jedem seinen Körper zeigen sollte oder nicht und vertraut indirekt auf den Schutz durch seine Eltern.
Und da ist die Sicht der Erwachsenen, die es oft einfach niedlich finden, ihre Kinder ohne Kleidung zu fotografieren. Die eine Windel als Unterwäscheersatz sehen und damit das Kind nicht als nackt erleben – obwohl sie sich selber auch nicht jedem in Unterwäsche auf einem Foto zeigen würden.

Verantwortung und Respekt
Müssen wir bei diesem Thema aber nicht an das Verantwortungsgefühl und die Sensibilität der Eltern appellieren? Es ist die Aufgabe von Erwachsenen, Kindern ein Gefühl für ihren Körper zu geben: Sich wohl zu fühlen, sich nicht für ihn zu schämen, aber ihn gleichzeitig auch vor fremden Blicken zu schützen. Es geht hier sehr stark um den Respekt der Persönlichkeitsgrenzen eines Kindes, die es von Geburt an zu wahren gilt.

Und sind wir uns ehrlich: Möchten wir als Erwachsene oder auch damals als Jugendliche hören, dass uns die gesamte Verwandtschaft und der Freundeskreis unserer Eltern nackt gesehen hat?!

Wo Ironie fehl am Platz ist

Richtig zu kommunizieren ist eine Kunst, die gelernt werden muss. Sprache besitzt viel Macht. Sie kann verletzen, irritieren, sie kann aber auch Liebe und Freude vermitteln. Es braucht stete Auseinandersetzung und Sensibilität, wie wir mit anderen Menschen kommunizieren. Das bezieht sich dabei nicht nur auf Gespräche unter Erwachsenen, sondern auch auf Gespräche mit Kindern.

Sarkasmus
Ein Stilmittel in der Kommunikation, die – gefühlt – immer häufiger auftritt, ist der Sarkasmus.
Sarkasmus ist beißender, verhöhnender Spott. Ist er gegen jemanden gerichtet, wird die Verletzung des Verspotteten entweder beabsichtigt oder zumindest in Kauf genommen. Eine Technik, der sich der Sarkasmus bedienen kann, ist die Ironie. Das heißt, dass das Gemeinte durch sein Gegenteil ausgedrückt wird. Sarkasmus und Ironie in etwas Gesagtem kann nur erkannt werden, wenn gewisse Hirnbereich adäquat entwickelt sind.

Die zerstörende Kraft des Sarkasmus
Sarkasmus ist in vielen Arten und Formen durchaus legitim. Solange er nicht verletzend gegen andere eingesetzt wird, kann es durchaus hie und da eine Möglichkeit sein, mit Situation umzugehen (z.B. wenn ich „freudig“ feststelle, dass nach einem Blechschaden beim Auto der kleine Kratzer, der zuvor da war, nicht mehr zu sehen ist.)

Viele Gespräche mit und unter Erwachsenen sind aber getränkt von Sarkasmus. Eine sarkastische Antwort auf eine Erzählung, oder eine sarkastische Erzählung selber, von der man zunächst nicht weiß, ob das Gegenüber nun ernst genommen werden will oder welche Reaktion es sich erwartet. Gemeinsam ist dieser Art zu sprechen auf jeden Fall, dass das Gespräch recht schnell zu Ende ist. Denn es kann keine echte Unterhaltung entstehen, wenn ein Teilnehmer das Gegenüber nicht ernst nimmt.

Sarkastische Gespräche unter Erwachsenen sind das eine. Vielmehr erschreckt mich jedoch die Beobachtung, dass Erwachsene diese Form der Gesprächsführung auch gegenüber Kindern einsetzen. Kinder können auf Grund ihrer Hirnentwicklung sarkastische Kommentare, vor allem auch solche, die auf Ironie beruhen, nicht einordnen. Sie nehmen sie für wahr und das führt in ihren Köpfen häufig zu großer Verwirrung. Nicht nur, dass ein Kind nicht versteht, was gerade passiert und es mit seinem Bedürfnis oder seiner Geschichte ins Leere läuft. Das Gespräch findet nicht mit dem Kind statt, sondern in seiner Anwesenheit über seinen Kopf hinweg. Es ist auch immer ein Bloßstellen und Auslachen des Kindes. Der Erwachsene amüsiert sich auf Kosten des Kindes.

Verlust von Beziehung
Dieser gewählte Umgang mit einem Kind kann jedoch auch weitreichende Folgen haben. Der Erwachsene verliert zusehends die Beziehung zum Kind, denn das Kind wird sich von ihm zurückziehen. Das Kind seinerseits verliert nicht nur das Interesse am Gespräch mit dem Erwachsenen, es verliert auch das Vertrauen. Denn eigentlich kann es sich nicht mehr auf das verlassen, was es hört. Es kann nicht mehr einschätzen, ob es nun wahr ist oder nicht. Und eines Tages, wird dem Kind die verletzende Tatsache bewusst, dass es vom Gegenüber für Blöd verkauft wird und wurde. Welche Auswirkungen hat das wohl auf die Psyche eines Kindes, verstärkt dadurch, dass dies durch eine Vertrauensperson passiert?!

Die dehnbare Bedeutung des Begriffs „GLEICH“

Heute möchte ich mit euch wieder einmal eine Selbstbeobachtung teilen…

Im Laufe eines ganzen Tages, den man mit seinen Kindern verbringt, hört man immer wieder den Satz „Mama! Kannst du mir das machen?“, „Mama! Kannst du mir das geben?“, „Mama! Kannst du mir das reparieren?“ Sätze wie diese häufen sich und meistens lautet die Antwort: „Ja! ich komm gleich!“, „Ja! Ich mach das noch schnell fertig, dann helfe ich dir gleich!“.
Ich mach dann noch eine Arbeit fertig, aus der sich dann meistens noch eine zweite ergibt. Natürlich passiert es dann auch manchmal, dass ich mein Versprechen vergesse.

Der Schmetterling
Unser Sohn hat aus dem Kindergarten einen Bügelperlen-Schmetterling mitgebracht und mir voller Stolz gezeigt. Gemeinsam haben wir uns dann überlegt, wo wir ihn aufhängen könnten. Da aber zunächst das Mittagessen auf dem Programm stand, versprach ich, ihn gleich danach aufzuhängen. Naja, ihr kennt das ja… Zunächst Essen, dann der Abwasch, dann der Versuch, ob das Jüngste nicht doch noch einen Mittagsschlaf machen möchte usw… Die Aufgaben gingen ineinander über und der Schmetterling wurde vergessen. Und irgendwann am Nachmittag, als ich es mir gerade mit einer Tasse Kaffee in der Sonne gemütlich gemacht habe – da die Kinder ruhig spielten – kam von meinem Sohn plötzlich der Hinweis: „Mama! Du hast den Schmetterling vergessen!“ Und da nützte es nichts, dass ich gerade einmal einen Augenblick gesessen bin. Das Versprechen musste ich einhalten! Und ich habe mich bei meinem Sohn auch entschuldigt, denn es ist natürlich nicht in Ordnung, wenn ich Dinge verspreche und sie dann nicht einhalte.

Keine leeren Versprechungen!
Im Laufe eines Tages sagen wir häufig „gleich“ zu unseren Kindern. Denn wir können auch nicht immer sofort alles liegen lassen, nur weil sie ein Anliegen haben. Doch wenn wir sie auf später vertröstet haben, dann muss das „Später“ auch tatsächlich stattfinden. Am besten ist natürlich noch eine genauere Information für das Kind wie „Wenn ich fertig gekocht habe“ oder „Wenn ich den Topf abgewaschen habe“. Sie sollen das Gefühl haben, in ihren Anliegen ernst genommen zu werden, aber gleichzeitig auch einen Moment warten zu lernen. Gemacht werden muss es dann von den Erwachsenen auf jeden Fall. Schließlich ärgere ich mich selber ja auch darüber, wenn ich jemand anderen mehrfach um etwas bitte und es wird, obwohl versprochen, einfach nicht erledigt!

Die Kinder-Magneten

In den letzten Tagen durfte ich wieder mit einem Phänomen näher Bekanntschaft machen, das ich gerne die „Kinder-Magneten“ nenne und mir die Frage stelle: Ist unser Haus/unsere Wohnung geschrumpft?

Doch zu wenig Platz?
Kennt ihr das auch, wenn ihr am Morgen noch die Zeitung fertiglesen und den Kaffee austrinken möchtet, und der Stuhl, auf dem ihr sitzt, scheint plötzlich der einzige im Raum zu sein, sodass auch die Kinder unbedingt draufsitzen wollen? Oder wenn ihr in der Küche steht, das Mittagessen kocht und der Bereich um den Herd, der ansonsten völlig uninteressant ist, auf einmal der zentrale Spielplatz wird? Auch sehr spannend finde ich immer wieder folgende Situation: Ihr überwindet euch endlich und putzt das Bad. Und so vertieft die Kinder vorher in ihr Spiel waren, stehen sie plötzlich in der Tür und kein anderer Raum scheint mehr zu existieren. Die Steigerung ist noch, wenn ihr den Boden nass aufwischt und die Kinder in der ganzen Wohnung keinen anderen Fleck finden, auf dem noch gelaufen werden kann.

Wenn das Telefon klingelt…
Der größte Kinder-Magnet aber ist und bleibt das Telefon! Folgende Situation: Ihr spielt schon seit dem Morgen mit euren Kindern die unterschiedlichsten Dinge und dann klingelt das Telefon. Ob privat oder ein kurzes geschäftliches Gespräch, ihr wollt einfach rangehen. Natürlich gebt ihr den Kindern davor einen kurzen Wink, dass ihr ins Zimmer nebenan geht, damit ihr einen Moment in Ruhe telefonieren könnt, und dass sie einfach weiterspielen sollen. Naja, ihr wisst was kommt: Kaum habt ihr euch von den Kindern abgewandt, kleben sie an eurem Bein. Sie folgen euch in das andere Zimmer, aber nicht nur das, sie wollen sich plötzlich unbedingt mit euch unterhalten oder sie wollen plötzlich gleichzeitig das eine Spielzeug haben, das eigentlich schon seit Tagen am gleichen Platz liegt. Und natürlich könnt ihr darauf wetten, dass sich mindestens ein Kind während des Telefonats den Kopf anschlägt und lauthals weint. Und auch wenn ihr das Zimmer wechselt, folgen euch die Schatten. Ein Absperren des Badezimmers scheint häufig die einzige Lösung, doch schaffen es die Kinder mit ständigen Schnalle-Drücken oder Rufen, euch auch hier die Ruhe zu vermiesen.
Und das Faszinierendste: Sobald man aufgelegt hat, ist man wieder völlig uninteressant und die Kinder wenden sich wieder brav und ruhig ihren Spielsachen zu.

Es gibt sie nicht…
Wenn auf Nachfrage über mögliche Lösungen in diesen Situationen sogar erfahrene Mütter und andere Fachpersonen nur ratlos den Kopf schütteln und die Antwort lautet „Da kannst du nur warten, bis es sich auswächst“, weiß ich wieder, dass es sie eben nicht gibt: die immer funktionierenden Rezepte in der Erziehung! Manchmal nützt einfach nur Geduld und Hoffen in die nächsten Entwicklungsschritte…

PS: Kennt ihr noch andere „Kinder-Magnete“?

Bad Moms?

Vor ein paar Tagen habe ich mir den Film „Bad Moms“ mit Mila Kunis angesehen. Doch keine Sorge: Es folgt jetzt keine Rezension zu diesem Film, ob er gut oder schlecht war. Ich möchte vielmehr das zentrale Zitat aus dem Film aufgreifen, das von der Hauptfigur wie folgt ausgedrückt wird: „Ich bin es so leid zu versuchen, die perfekte Mutter zu sein… Ich geb’s auf.“

Die steigende Zahl der Ansprüche
Der Film spielt in Hollywood-Manier mit dem heute so weit verbreiteten Anspruch, dass Mütter alles unter einen Hut bringen können – und das Wichtigste: Sie sehen dabei immer gut aus! Mütter kümmern sich um die Kinder, den Haushalt, gehen Arbeiten – sie managen das Familienleben, und zwar mit Links. Sie müssen kreativ sein, nähen können, stricken, malen, kochen, Gartenarbeit leisten und vieles mehr. Es wird erwartet, dass sie sich in der Spielgruppe/im Kindergarten/in der Schule engagieren. Sonst werden sie als Rabenmütter abgestempelt, bei denen die Kinder nicht den adäquaten Stellenwert haben. Am Arbeitsplatz wird erwartet, dass Sondertermine kein Problem sind, denn schließlich wollten sie ja wieder auf den Arbeitsmarkt zurück. Und diese Erwartungen gibt es auf der einen Seite von der Gesellschaft und auf der anderen Seite scheint es so, dass mit der Geburt eines Kindes Mütter diesen Anspruch an sich selber – scheinbar Natur gegeben – mitbekommen. Der Anspruch der Mütter an sich selber ist ebenso, alles perfekt zu machen, allen gerecht zu werden und nur ja keine Schwäche zu zeigen.

Übertragung – Gegenübertragung
Eine große Gefahr neben dem Vergessen des eigenen Wohlbefindens ist jedoch das Übertragen der hohen Ansprüche auf das Umfeld. Neben dem Partner sind es dann ganz schnell die Kinder, die das zu spüren bekommen. Es geht dabei nicht nur um die Leistungen in der Schule, die passen müssen. Es ist dann auch zentral, dass sämtliche Freizeitaktivitäten, zu denen sie natürlich von der Mutter gebracht werden, einen Sinn, einen Nutzen haben.

Was am Ende zählt
Wenn ich diese Zeilen noch einmal lese und nachfühle, was sie in mir bewirken, dann spüre ich nur Stress, nur Druck – keine Freude und vor allem: keine Beziehung. Ich komme auch bei diesem Thema nicht am Kern meiner Grundregel für Erziehung vorbei: Es steht nicht so sehr im Vordergrund, was wir als Eltern alles tun und leisten, sondern wie wir die Beziehung zu unseren Kindern gestalten. Und es ist nicht so zentral, ob der Geburtstagskuchen wirklich exakt wie ein Piratenschiff aussieht (wohl eher ein Eisberg 😉), sondern das Herz und die Liebe zum Kind, die darin stecken.

Und das gemeinsame Aufessen und Feiern übertrumpft die Optik schlussendlich sowieso!

Ostern mutiert zum zweiten Weihnachten…

Diesen Satz habe ich gestern im Radio gehört, als ich mal wieder im Stau gestanden bin. Schon seit Wochen hört man Berichte darüber, welche Ostergeschenke „aktuell“ sind. Da ist die Rede vom neuesten Smartphone oder der aktuellen Spielkonsole – vom obligatorischen Fahrrad abgesehen.

Wie groß ist das Nest?
Bei diesen Berichten frage ich mich: Wo sind die guten alten Osternester hin, in denen ein Schokoladehase, ein paar Schokoladeeier und eine kleine Aufmerksamkeit wie ein Buch, ein Malkasten oder ein kleines Spielzeugauto zu finden waren? Natürlich zunächst gut versteckt von den Eltern in Winkeln von Haus und Garten, die man zuvor gar nicht vermutet hat 😊!

Der Geschenke-Druck
Dieser zunehmende Druck hinsichtlich der Geschenke unabhängig vom Anlass ist in zweierlei Hinsicht kritisch zu betrachten:
Auf der einen Seite die Kinder, die immer weniger lernen, kleine Dinge wertzuschätzen. Die gleichzeitig immer mehr unter Druck geraten, die neuesten Dinge vom Markt zu besitzen. Sie dürfen sich fast gar nicht mehr, einfach „nur“ über eine Spielfigur oder ein Spielzeugauto freuen.
Auf der anderen Seite die Eltern, die ihrerseits sowohl finanziell als auch von der Einstellung her immer mehr Druck erleben. Denn wie in so vielen Bereichen des Elterndaseins braucht es auch hier Energie, sich hinzustellen und zu sagen, dass in der eigenen Familie nicht so sehr die Geschenke an Ostern im Vordergrund stehen, sondern der eigentliche, religiöse Anlass von Ostern, so wie einfach das Zusammensein der Familie.

Frage der Dimension
In einer Zeit, in der Familien im Alltag wenig Zeit füreinander haben, oft vieles im Organisieren verloren geht, sollten doch eigentlich genau diese Feiertage genutzt werden, um zur Ruhe zu kommen und sich gegenseitig Zeit zu schenken.
Versteht mich nicht falsch: Auch ich freue mich auf einen Schokohasen und auf die leuchtenden Augen unserer Kinder, wenn sie ihr Nest entdecken. Doch es bleibt beim Schenken immer eine Frage der Dimension.

In diesem Sinne wünsche ich euch ein wunderschönes Osterfest im Kreise eurer Lieben!

Tolle Auszeichnung!

erziehungsgedanken.com ist vom deutschen Portal elterngeld.de unter die Top 50 – Mamiblogs 2017 gewählt worden!

Ich freue mich sehr über die tolle Auszeichnung und bin stolz, mit so vielen großartigen Autorinnen und Autoren in einem Atemzug genannt zu werden – vielen Dank!

Veronika

Der Beruf des Antimateurs!

In vielen Haushalten steht aktuell die Planung des Sommerurlaubs auf dem Plan. Manche tendieren zu All-inclusive-Hotels. Meistens sind dabei auch Animateure anzutreffen.

Wenn man im Internet recherchiert, stolpert man zum Beispiel über die folgende Definition auf Wikipedia. Hier wird der Begriff des Animateurs beschrieben als „die Bezeichnung für einen professionellen Unterhalter und Gästebetreuer. Animateure sollen Fröhlichkeit und Lebensfreude ausstrahlen, gute Laune verbreiten und durch geeignete Aktionen (Animation) dafür sorgen, dass sich Gäste oder Kunden wohlfühlen und nicht langweilen.“

Ihr auch?
Kommt ihr euch nicht auch manchmal vor, wie die Animateure eurer Kinder? Bereits am Morgen wird versucht, Fröhlichkeit beim Aufwecken zu verbreiten, und  es zieht sich eigentlich über den ganzen Tag, bis hin zum Einschlafritual. Auch in vielen Erziehungsratgebern wird empfohlen, das Kind zu animieren. Wenn es sich zum Beispiel am Morgen nicht anziehen und zum Kindergarten gehen will, dann soll man daraus ein Spiel machen. Oder wenn ein Kleinkind seinen Brei nicht aufisst, dann liest man ja manchmal den Spruch „Hier kommt der Hubschrauber und bittet um Landeerlaubnis“, begleitet von entsprechenden Lauten und der Hoffnung, dass sich der Mund öffnet.

Ich komme jedoch nicht umhin, mich immer wieder zu fragen, ob das die Aufgabe von Eltern ist. Wir hatten so ein ähnliches Thema schon vor ein paar Wochen, als wir uns mit den Gefühlen und Emotionen beschäftigt haben: Müssen Eltern ständig gut drauf sein, alles zu einem Spiel umwandeln und die Kinder unterhalten?!

Auch Kinder müssen einen Beitrag leisten
Nicht nur, dass das für Eltern anstrengend ist, es fehlt auch jegliche Authentizität. Denn es ist nicht alles ein Spiel und manchmal muss man auch Dinge tun, die man nicht tun mag. Auch wenn Kinder Kinder sein und die Kindheit genießen sollen, ist es notwendig, dass sie ihren Beitrag für das Funktionieren einer Familie leisten. Nur wenn alle Mitglieder helfen, läuft das Rädchen rund. Das heißt auch, dass sie Dinge tun müssen, die sie vielleicht nicht tun wollen.

Zudem haben Kinder genau wie Erwachsene manchmal einen schlechten Tag. Natürlich sind dann die Eltern für sie da, wenn sie gebraucht werden, aber: manchmal wollen Kinder dann einfach auch nur ihre Ruhe haben und selber dafür sorgen, dass sich ihre Laune bessert.

Welcher Dünger ist da im Spiel?

Der Frühling ist da. Und mit ihm wachsen wieder Blumen und Sträucher. Die Vögel singen und jeder Tag ist noch sonniger als der vorherige. Und mit den Kindern geht es wieder raus in die Natur und auf die vielen Spielplätze im Land.
Auch meine Kinder und ich suchen diese wieder auf. Und da habe ich eine Entdeckung gemacht und mich gefragt: Welchen Dünger haben meine Kinder in den Wintermonaten bekommen?!
Die Rutschen, die im Herbst noch zu steil waren, werden wie selbstverständlich in Beschlag genommen. Wo früher noch Schüchternheit gegenüber anderen Kinder vorherrschte, wird Kontakt aufgenommen und gemeinsam getobt. Die Leiter, die dreimal so hoch ist, wie die Kinder selber, wird im Nu und mit einer Sicherheit erklommen, die mich in Erstaunen versetzt.
Und ich als Mutter: Ich stehe daneben und frage mich: Wie groß sind denn die zwei geworden? Und die nächste Frage ist: Wieso habe ich mein Buch nicht mitgenommen?

Doch kurz nachdem ich mir diesen Gedanken erlaubt habe, entdecken meine Kinder die freien Schaukeln und vorbei ist es mit meiner freien Zeit. Denn, was sich auch in den letzten Monaten nicht geändert hat: Das Schaukeln und angestoßen werden, bis in den Himmel hinauf, bleibt weiterhin die Lieblingsbeschäftigung der beiden…

(K)ein Rezept für gelingende Erziehung

Bei Erziehung treffen verschiedene Persönlichkeiten aufeinander: desjenigen, der Erziehung ausübt, und desjenigen, der Erziehung erlebt. Und diese Personen verändern sich auch von Familie zu Familie, von Situation zu Situation. Alle haben unterschiedliche Bedürfnisse, unterschiedliche Einstellungen und Vorstellungen. Und genau diese Punkte sind es immer wieder, die es so schwierig machen, allgemein gültige Rezepte für Erziehung zu geben.
Euch wird es sicher auch manchmal so gehen: Ihr befindet euch mit euren Kindern in einer Situation und denkt: „Ich schau mal im Internet oder in meinem schlauen Buch nach. Da wird wohl etwas darüber drinstehen, was ich tun muss.“ Doch eine Eins-zu-Eins-Antwort finden wir nicht. Immer müssen wir das Gelesene und Gehörte ein wenig anpassen.

Für mich haben sich in den letzten Jahren immer mehr drei Punkte herauskristallisiert, wie Erziehung gelingen kann.

  1. Zu-sehen
  2. Zu-hören
  3. Zu-reden

Alle diese drei Punkte betonen einen wichtigen Punkt in der Erziehung: Nehmen wir unsere Kinder wahr und ernst! Nehmen wir uns Zeit für eine Auseinandersetzung mit ihnen!

1. Zu-sehen
In der Beziehung mit unseren Kindern ist es wie in jeder menschlichen Beziehung: Das Gegenüber möchte gesehen und ernst genommen werden. Sie sind eigenständige Persönlichkeiten, mit einer eigenen Meinung und einem eigenen Willen. Eltern, die mehrere Kinder haben, wissen, wie unterschiedlich sie sein können, und wie unterschiedlich auch ihre Bedürfnisse sind. Eben in dieser Verschiedenheit muss jedes Kind wahrgenommen werden.

2. Zu-hören
Kindern zuhören, wenn sie etwas erzählen, sich die Zeit nehmen, sich wirklich mit ihnen auseinanderzusetzen. Wenn wir uns als Eltern manchmal beobachten, dann erkennen wir, dass wir oft nur mit halbem Ohr bei unseren Kindern sind. Wir reagieren zwar, aber so wirklich haben wir nicht gehört, was sie gesagt haben. Kinder lernen, dass sie zuhören sollen und dass sie warten müssen, bis andere ihr Gespräch beendet haben. Den gleichen Respekt sollten sie selber auch erleben.

3. Zu-reden
Es geht dabei nicht nur darum, sich mit den Kindern zu unterhalten. Zentral ist, wirklich mit ihnen zu reden. Wenn Erwachsene sich darauf einlassen, Kinder als kompetente Gesprächspartner wahrzunehmen, entstehen sehr spannende und informative Gespräche. Man lernt das Kind erst wirklich kennen. Und das Kind wiederum erlebt, dass seine Meinungen und Aussagen einen Wert erhalten.

Diese drei Punkte stellen für mich das Basisprodukt eines jeden Erziehungsrezeptes dar.
Sie sind wie das Salz, das in jedes Essen gehört. Wenn es fehlt, dann geht der Geschmack nicht wirklich auf. Und dann spielt es keine Rolle, welche anderen, durchaus wertvollen Zutaten man verwendet: Dem Gericht wird immer etwas fehlen.