Wann wurde „positiv“ zu etwas Negativem?

Vor ein paar Tagen sagte mein Mann zu den Kindern: „Lasst uns doch einmal positiv bleiben.“ Die Reaktion waren entsetzte Gesichter und weitaufgerissene Augen. „Was Papa?! Wer ist positiv?!“
Das war der bedauerliche erste Gedanke unserer Kinder, der nun einmal der aktuellen gesellschaftlichen Situation geschuldet ist. Und ich kam nicht umhin mich zu fragen, wie ein eigentlich gutes Wort einen solch negativen Beigeschmack bekommen konnte.

Als alles begann
Vor knapp zwei Jahren noch wurde mit dem Begriff „positiv“ meistens etwas Erfreuliches ausgedrückt. Ausnahmen, vor allem im medizinischen Bereich, gab es schon immer, aber in der Bevölkerung war es ein Zustand, den wir erreichen wollten, der sogar in Seminaren gelehrt wurde: ein positiver Schwangerschaftstest, positives Denken, positiver Zukunftsausblick, positive Komplimente u.ä. – einfach Dinge, über die wir uns gefreut haben.

Auswirkungen
Gut. Wir als Erwachsene können noch irgendwie mit dieser sprachlichen Verwirrung umgehen, auch wenn es eine Umstellung ist. Wie aber sollen wir diese Verdrehung in der Wortbedeutung den Kindern erklären?
Ja, in der aktuellen Zeit mit der Corona-Pandemie hat sich die Aussage „Ich bin positiv“ in eine Aussage voller Schrecken und Sorgen umgewandelt. Es wurde zu etwas, das wir auf jeden Fall vermeiden möchten.

Hemmungen
Während ich diesen Text schreibe, fällt mir übrigens auf, wie oft ich gerne das Wort „positiv“ Im Sinne von „gut“ schreiben möchte, dann aber gleich ins Zögern komme. Und genau aus dieser Spirale müssen wir herauskommen und auch unsere Kinder davor bewahren. Natürlich können wir sagen, dann verwenden wir halt Wörter wie „optimistisch“, „gut“, „erfreulich“ u.ä., aber ich merke, wie sich innerlich in mir alles sträubt, ein so gutes Wort nun ins Negative abgleiten zu lassen.

Zukunft
Ich denke, es ist so wie mit vielen Dingen in unserem Leben: Zunächst müssen wir uns die Veränderung bewusstmachen. Dann sollten wir mit unseren Kindern die typischen zwei Seiten einer Medaille besprechen. So schaffen wir es, dass die gute Bedeutung des Wortes „positiv“ nicht durch die aktuell schlechte Bedeutung in Vergessenheit geraten kann.
Lasst uns gemeinsam positiv denken und daran glauben, dass die Welt sich ändern und die Gewichtung in diesem für unser Leben so wichtigen Wort wieder in die richtige Richtung verlagern wird.

Autor: Veronika von erziehungsgedanken.com

Mutter und Psychologin, die Theorie und Praxis miteinander verbindet. Was dabei entsteht? Entdeckt es selbst, bei erziehungsgedanken.com

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