Die Paradoxien unserer Sprache

Immer wieder muss oder darf ich in Gesprächen mit unseren Kindern feststellen, wie wortgewandt sie sind. Das ist auf der einen Seite natürlich wunderbar zu erleben und auch erfrischend, auf der anderen Seite kann es auch eine große Herausforderung sein. Nämlich dann, wenn sie mich mit fehlender Logik in meinen Aussagen konfrontieren.

Heute möchte ich mich aber nicht auf die Diskussionen mit meinen Kindern fokussieren, sondern euch einfach kurz zwei kleine Anekdoten erzählen, die ihr vielleicht auch schon erlebt habt. Bei beiden brauchte ich einen Moment, bis ich wirklich verstanden habe, was sie mir sagen wollten, und dann blieb mir vor Staunen der Mund offen:

Die erste Situation ereignete sich am Essenstisch. Ich habe das Mittagessen dampfend, weil frisch vom Herd, serviert. Da sage ich zu meiner Tochter „Vorsicht! Es ist noch heiß. Warte bitte einen Moment, bis es kalt ist.“ Das sagt man doch so, oder? Naja. Sie schaut mich auf jeden Fall an und sagte: „Du meinst, bis es warm ist.“
Und? Habt ihr es gleich verstanden? Natürlich hat sie recht. Sie soll nicht warten, bis das Essen kalt ist, das wäre ja unlogisch, weil ich ja extra ein warmes Essen gemacht habe. Somit ist ihre Aussage „bis es warm“ passender, auch wenn es für uns in der Sprache sehr ungewöhnlich ist.

Die zweite Situation war so eine typische Erziehungssituation, wie wir sie alle kennen:
Da war ich mit meinem ziemlich überdrehten Sohn unterwegs und wie das dann halt so ist als Eltern kam mir der Satz „Versuch doch bitte, dich ein wenig zusammenzureißen.“ über die Lippen. Auch so eine Aussage, die wir doch immer wieder machen, oder? Da schaut mich mein Sohn grinsend an und sagte: „Aber Mama! Ich kann mich doch nicht zusammenreißen. Ich kann mich auseinander-reißen oder zusammen-kleben.“
Ich brauchte einen Moment, damit ich verstand, was er mir hier klar machte und musste dann so lachen, dass die ganze Anspannung, die vorher noch da war, verflogen ist.

Vielleicht könnt ihr mir ja auch noch folgende Frage beantworten: Wieso gibt es den Ausdruck „Ich habe Bärendurst“ eigentlich nicht? Also, bei uns zu Hause fällt er immer wieder 😉

Ich wünsche euch auch zahlreiche solcher erfrischenden Gespräche mit euren Kindern!

Autor: Veronika von erziehungsgedanken.com

Mutter und Psychologin, die Theorie und Praxis miteinander verbindet. Was dabei entsteht? Entdeckt es selbst, bei erziehungsgedanken.com

Ein Gedanke zu „Die Paradoxien unserer Sprache“

  1. Ich bin auch immer wieder verblüfft über die Wortgewandtheit und Logik meiner Kinder. Dass man nicht „Durst wie Fisch“ haben kann, wusste mein Sohn schon früh. Wir haben „Durst wie ein Ross“. Pferdeliebhaber*innen mögen uns das verzeihen, wir lieben Tiere und respektieren sie.

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