Die Pause ist der Seele beste Freundin

Für die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift „Familie“ des Vorarlberger Familienverbandes habe ich untenstehenden Beitrag zum Thema „Pause“ verfasst.

Was wäre ein Musikstück ohne Pausen zwischen den Noten? Wie wäre die Schule ohne die große Pause am Vormittag?  Was wäre eine Zugfahrt ohne Haltestellen? Was würden Wintersportler ohne Sommerpause machen? Was wären 90 Fußballminuten ohne Pausentee?

In vielen Lebensbereichen sind Pausen ein zentraler Bestandteil und geben Struktur. Doch wenn wir uns den Alltag vieler Familien ansehen, scheint es keinen Platz und keine Erlaubnis für Pausen zu geben. Dieser Aspekt des Lebens wird vernachlässigt. Der Alltag ist durchstrukturiert und die Kalender zeigen keine freie Zeit mehr auf.

Die Fülle des Kalenders
In einem Familienkalender kommen die Termine aller Mitglieder zusammen. Da geht es um Schule, Kindergarten, Spielgruppe, Büro, Haushalt, Vereine, Freizeit, Mitgliedschaften, vielleicht dann noch Freunde/Freundinnen. Es ist schier keine Zeit vorgesehen um innezuhalten, durchzuatmen oder sich miteinander auszutauschen.
In der heutigen Gesellschaft ist ein vollgepackter Kalender ein Statussymbol. Nimmt sich jemand Zeit für sich selber oder können Eltern sagen, dass ihre Kinder frei und Zeit für ein Treffen mit FreundInnen haben, wirken sie wie Exoten. Pausen werden immer wieder mit Faulheit und Inaktivität gleichgesetzt.

Vermeintliche Verschwendung
Vergleichen wir das Familienleben doch einmal mit einer längeren Autofahrt:
Hier wird den FahrerInnen, aber auch BeifahrerInnen von allen ExpertInnen empfohlen, regelmäßig eine Pause einzulegen, um damit Körper und Geist zu erholen. Es gibt sogar Ratschläge, wie diese Pausen gestaltet werden können: eine feine Tasse Kaffee, eine kurze Sporteinheit oder ein Spaziergang. Nur so ist eine sichere Weiterfahrt möglich.
Ein Familienleben ist auch eine längere Reise, auf der es immer wieder Pausen braucht. Diese sind wichtig zur Erholung. Jedoch ist für Familien nicht nur das Durchatmen wichtig. In diesen Zeiten des vermeintlichen Nichtstuns passiert gerade besonders viel. Denn nur so können die Mitglieder wirklich in Kontakt miteinander sein und wirkliches Wissen über den anderen erwerben.

Missverhältnisse aufdecken
Kehren wir noch einmal zu einem am Beginn erwähnten Beispiel – dem Fußballspiel – zurück. Die Halbzeitpause wird von den SpielerInnen genutzt, um sich kurz zu regenerieren. Gleichzeitig aber nutzt das Trainerteam diese Zeit auch, um mit den SpielerInnen die bisherige Taktik und mögliche notwendige Anpassungen zu besprechen.
Auch diesen Aspekt können wir auf das Familienleben umlegen. In den Zeiten, die nicht von anderen Terminen verpackt sind, wird eine Familie mit sich selbst konfrontiert. Mit dem, was gut funktioniert, aber auch mit dem, was eher ungünstig ist, aber im Alltag durch alle anderen Aktivitäten überdeckt wird. Es findet echte Begegnung statt.

Abschluss
Eine indische Weisheit sagt: „Wir müssen von Zeit zu Zeit eine Rast einlegen und warten, bis unsere Seelen uns wieder eingeholt haben.“
Pausen im Familienalltag sind unerlässlich. Sie ermöglichen Erholung, sind aber gleichzeitig auch Quell höchster Kreativität. Sie geben die Möglichkeit, ins Stocken geratene Rädchen in Beziehungen, sei es in der gesamten Familie, in der Paarbeziehung oder zwischen den Geschwistern, zu ölen und wieder zum Laufen zu bringen.
Immer wieder müssen wir uns selber ermahnen und uns darauf aufmerksam machen, eine Pause einzulegen. Vielleicht haben Sie nach dem Lesen dieses Textes einen Moment Zeit, durchzuatmen und das Gelesene in Ruhe zu verarbeiten.

Ich wünsche Ihnen eine erholsame Pause 😉

Autor: Veronika von erziehungsgedanken.com

Mutter und Psychologin, die Theorie und Praxis miteinander verbindet. Was dabei entsteht? Entdeckt es selbst, bei erziehungsgedanken.com

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