Von der Leuchtweste und dem Fahrradhelm

Ich teile ja gerne mit euch meine „Stotter“-Momente als Mama. Jene Momente, in denen meine Kinder mich auf ein Verhalten hinweisen und mich fragen, warum ich das jetzt so mache. Ich gerate dann einen Moment lang in den Konflikt „Wahrheit“ oder „Lüge“, mich der von den Kindern wahrgenommen Diskrepanz zwischen dem, was ich tue, und dem was ich von ihnen verlange, zu stellen oder einfach irgendeine Ausrede finden, gar die Frage zu überhören.

Mama! Warum?
Mit so einem Moment hat mich meine Tochter heute Morgen eiskalt erwischt. Es ging um das Thema „Sicherheit“, bei dem wir Erwachsene, wenn wir ehrlich sind, tatsächlich mit zweierlei Maß messen. Von Anfang an haben wir unseren Kindern beigebracht, beim Laufrad- und Fahrradfahren einen Helm zu tragen. Wir ziehen ihnen diesen auch an, sollte eines im Fahrradanhänger sitzen. Gleiches gilt für Leuchtwesten. Beim Fahrradfahren auf der Straße immer, beim Laufen, wenn es dämmert, müssen sie eine Leuchtweste anziehen.
So eben auch heute Morgen, als ich meine Tochter darauf hinwies, dass sie ihre Leuchtweste noch anziehen muss. „Und du, Mama?“ War ihre berechtigte Frage.

Erklärungsnot
Tja, jetzt erkläre einmal deinem Kind, warum du keine Leuchtweste tragen musst, denn eigentlich bin ich als Erwachsene ohne Leuchtweste ja auch nicht sichtbarer als mein Kind.
Die Kindergartenpädagoginnen unserer Gemeinde gehen hier für uns alle mit einem guten Beispiel voran: Sie sind bei diesem Thema sehr strikt. Jedes Kind, das zu Fuß nach Hause geht, trägt eine Leuchtwese. Wenn sie gemeinsam einen Ausflug machen, tragen die Erwachsenen ebenfalls eine. Allgemein muss ich sagen, ist hier das Bewusstsein hinsichtlich Kinder stetig am Wachsen. Nur wir Erwachsene ziehen nicht wirklich vorbildlich mit.
Ich trage beim Fahrradfahren im Herbst oder Winter zumindest einen Reflektorstreifen am Bein oder an der Handtasche, aber dass ich mir wirklich eine Leuchtweste anziehe, kam mir noch nicht in den Sinn. Ich kann es mir selber nicht erklären, denn es wäre ohne Diskussion absolut sinnvoll. Und so konnte ich es heute Morgen auch meiner Tochter nicht erklären.

Es betrifft alle!
Ein ähnliches Erlebnis hatte übrigens vor kurzem mein Mann mit unserem Sohn, als er es wagte, „nur kurz die paar Meter zum Lebensmittelladen“ mit dem Fahrrad zu fahren und den Helm nicht anzuziehen. Wie auch immer sie das machen: Unseren Kindern entgeht das nicht auch wenn sie noch so tief in ihrem Spiel versunken zu sein scheinen. Zunächst rief mein Sohn meinem Mann noch nach, doch der hörte das nicht mehr. Dafür erlebte er bei seiner Rückkehr ein kleines „Donnerwetter“ und musste sich stotternd vor seinem Sohn rechtfertigen 😉

Mir ist es am Schluss aber wirklich noch ein Anliegen, die Wichtigkeit der Sicherheit im Straßenverkehr zu betonen. Je selbstverständlicher unsere Kinder damit von klein auf aufwachsen, umso weniger Diskussion ist es und umso bewusster wird ihnen auch, dass sie achtsam sein sollten. Kinder sind hier wahrscheinlich das größere Vorbild als wir Erwachsene.

Autor: Veronika von erziehungsgedanken.com

Mutter und Psychologin, die Theorie und Praxis miteinander verbindet. Was dabei entsteht? Entdeckt es selbst, bei erziehungsgedanken.com

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