Bleib stehen!

In einer meiner letzten Teamsupervisionen hat einer meiner Kollegen ein tolles Bild geschildert, das er einem seiner Klienten mit nach Hause gegeben hat. Er hat dieses zwar ursprünglich auf die Paarbeziehung bezogen, aber während ich ihm so zugehört habe, dachte ich mir, dass das für uns als Eltern auch wunderbar passt.

Der Rettungseinsatz
Wird ein Rettungshubschrauber zu einem Einsatz ins Gebirge gerufen, gibt es immer einen sogenannten „Einweiser“. Dieser Rettungssanitäter ist dafür da, dem Piloten den Landeplatz anzuzeigen. Vor allem bei schlechter Sicht oder auch bei Sturm verlangt diese Aufgabe viel Mut und gute Nerven. Sieht der Pilot nämlich den Platz an sich nicht, ist dieser Mensch, ausgestattet mit Lampen und Reflektoren, sein einziger Orientierungspunkt, der sich keinesfalls bewegen darf. Es kann dabei sogar zu Situationen kommen, in denen es zu einer Berührung zwischen Hubschrauber und Mensch kommt. Die oberste Devise bleibt dennoch: Keine Bewegung! Halte die Umstände aus! Halte auch die Annäherung und die Berührung durch den Hubschrauber aus! Bleib stehen! Denn wenn du dich bewegst, hat das gravierende Folgen!

Eltern-Kind-Beziehung
Wenn wir dieses Bild bzw. diesen Rettungseinsatz auf unsere Begegnungen als Eltern mit Kindern herunterbrechen, dann wird deutlich, dass auch wir immer wieder dieser Rettungssanitäter sind. Manchmal schlägt auch uns ein etwas härterer Wind ins Gesicht, es gibt Auseinandersetzungen, Reibereien. Die Kinder suchen ihre eigenen Wege. Nicht immer funktioniert das reibungslos. Meist handelt es sich hier um herausfordernde Prozesse. Auf der einen Seite wählen Kinder uns Eltern als Orientierungspunkt. Von uns aus machen sie sich auf den Weg zu neuen Ufern. Gleichzeitig aber konfrontieren sie uns, fordern sie uns. Ihre Entwicklung ist dann davon abhängig, dass wir stabil stehen bleiben. Dass wir uns nicht bewegen, sondern eben in diesen unruhigen Zeiten für sie der stabile Ankerpunkt bleiben.

Ich habe mir dieses oben beschriebene Bild mitgenommen und führe mir es in unterschiedlichen Konfliktsituationen vor Augen. Dabei jedoch nicht nur, dass ich selber dieses Stabile für mein Gegenüber sein soll, sondern dass auch ich selber immer wieder ein solches brauche.

Autor: Veronika von erziehungsgedanken.com

Mutter und Psychologin, die Theorie und Praxis miteinander verbindet. Was dabei entsteht? Entdeckt es selbst, bei erziehungsgedanken.com