Mein Meeting ist ein Kaffeeklatsch!

Es gibt ja viele Unterschiede in der Wertigkeit, die unsere Gesellschaft zwischen Eltern-Sein und einem bezahlten Beruf macht. Einen davon finde ich immer wieder faszinierend: Meetings.

„Verkaufen“ können
Viele Firmen, egal in welchem Bereich, legen Wert darauf, dass sich ihre Mitarbeiter regelmäßig austauschen. Das wird dann „Abteilungsbesprechung“, „Morgenbesprechung“ oder neu auch „Stand-up-Meeting“ genannt. Dabei wird bei Kaffee und manchmal auch Brötchen und Croissants besprochen, welche Projekte jeder Mitarbeiter hat, mit welchen Klienten gearbeitet wird und welche Schwierigkeiten es gibt. Im Sozialbereich wie auch in meinem Beruf als Psychologin wird das als „Intervision“ bezeichnet. Das heißt, ich nutze meine Kolleginnen zum Austausch, wenn ich bei einer Situation nicht mehr weiter weiß. Oder es werden „Unternehmerfrühstücke“ organisiert, bei denen sich hochrangige Personen beim gemeinsamen Frühstück über dies und das austauschen. Zum Teil werden sogar ganze Klausurtage in teuren Hotels abgehalten, um das Teamgefüge zu steigern oder gemeinsam die nächsten Schritte im Arbeitsjahr zu planen. Diese Meetings sind hoch angesehen und ihre Wichtigkeit für das Klima in der Firma und vor allem die Qualitätssicherung wird stets betont.
Wenn sich nun aber Mütter oder Väter am Vormittag in einem Café treffen, dann wird das als „Kaffeeklatsch“ belächelt. „Ah, warst du mit deinen Freundinnen wieder tratschen.“ Eine Aussage, die wahrscheinlich viele von euch kennen.

Tatsächliche Verschiedenheit?
Doch wo, bitte, ist eigentlich der Unterschied?!
Bei den bezahlten Treffen besteht kaum Zweifel an ihrer Notwendigkeit für das Unternehmen. Auch wenn dabei der Hauptfokus auf der Tagesordnung natürlich das Geschäft betrifft, weiß jeder, dass auch Privates erzählt wird. Und das ist gut so, denn das trägt zum Wohlbefinden der Mitarbeiter bei. Aber ist der Austausch unter Eltern nicht auch für die Firma „Familie“ von großer Wichtigkeit? Es wird doch auch die Qualität der Arbeit von Eltern gesteigert, wenn sie sich austauschen, gegenseitig ihre „Methoden“ erzählen – jene die funktionieren oder jene, die nicht zum Ziel führen? Zudem dient es der Psychohygiene, anderen „Fachpersonen“ erzählen zu können, wenn man gerade als Eltern in einer Phase ist, in der man an seine Grenzen stößt und nicht wirklich weiter weiß.

Die Bezeichnung macht‘s
Vielleicht müssen wir als Eltern auch beginnen unsere Arbeit, besser zu verkaufen, neuere Begriffe für das verwenden, was wir tun. Wir nennen dann diese Treffen auch „get together“ und der Spielplatz wird zu unserem „Konferenzraum“. Oder wir erzählen, dass wir das nächste „Event“ planen und betonen nicht, dass es der Geburtstag unseres Kindes ist. So – bitte um Verständnis, aber ich muss zurück zu meinen beiden Kunden – ich habe einen gemeinsamen Lunch organisiert 😉

„Management Summary“ 😉:
Der Elternberuf hat ein Akzeptanzproblem. Etwas Marketing würde nicht schaden. Daher sollten wir als Eltern beginnen, unsere Tätigkeiten in Zukunft besser zu verkaufen. Vielleicht wird dann besser gesehen, was wir tagtäglich leisten.

Autor: Veronika von erziehungsgedanken.com

Mutter und Psychologin, die Theorie und Praxis miteinander verbindet. Was dabei entsteht? Entdeckt es selbst, bei erziehungsgedanken.com

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