„Sag schön bitte…“

Wenn man als Eltern mit Kindern unterwegs ist, bekommen diese immer wieder etwas geschenkt: einen Luftballon im Buchgeschäft, ein Stück Wurst an der Theke oder ein Bonbon beim Ausgang. Die Kinder freuen sich, die Eltern auch. Wäre da nicht dieser kurze Moment, der viele noch immer in Stress versetzt: Sagt mein Kind auch schön „danke“?! Schließlich gibt es auch auf Seiten des Schenkenden das Zögern, ob vom Kind etwas kommt. In vielen Fällen übernehmen es dann die Eltern oder es folgt der berühmte Satz „Wie heißt das?“.

Das Duell um ein Wort
Für viele Eltern stellt die Höflichkeitserziehung bei ihren Kindern einen großen Wert dar. Es ist für sie wichtig, dass die Kinder „bitte“ und „danke“ sagen, wenn sie etwas haben wollen oder bekommen. Da kann schon hin und wieder eine Art Machtkampf zwischen den Parteien beobachtet werden:
Das Kind hätte gerne noch einen Löffel vom Mittagessen und sagt „Noch einmal Reis.“ Die Mutter schaut das Kind mit großen Augen an und wartet. Das Kind schaut mit großen Augen zurück und sagt „Reeeiiss“. Die Mutter „Wie heißt das?“ Und das Kind mit einem etwas äffigen Ton: „Biiittee!“
Nun kann die Mutter in dem obigen Beispiel zwar für sich zufrieden abhaken, dass das Kind ja höflich war. Doch hat das Kind wirklich gelernt, jedes Mal dieses für uns Erwachsene so wichtige Wort zu sagen. Hat es erlebt, dass es sich dabei um einen Wert handelt?

Gleichberechtigung
Wie immer, wenn ich mich gedanklich mit diesen Alltagsbeobachtungen beschäftige, frage ich mich im Umkehrschluss: Wie verhalten wir Erwachsene uns unseren Kindern gegenüber? Wenn wir etwas von ihnen haben wollen, sagen wir am Ende eines Satzes immer „bitte“? Oder wenn unser Kind uns etwas gibt, dass wir dann auch wirklich jedes Mal „danke“ sagen? Tendenziell ist es doch eher so, dass Erwachsene hier Kindern gegenüber nicht den gleichen Respekt an den Tag legen. Wir wollen zwar, dass Kinder höflich sind, doch verhalten wir uns ihnen gegenüber selten gleich.

Vorbild
Dabei würde sich auch bei diesem Zusammenhang das Anerziehen ähnlich empfehlen, wie in vielen anderen Bereichen der Erziehung: Wenn es in einer Familie üblich ist, dass ein freundlicher Ton angeschlagen wird, wenn alle Mitglieder „bitte“ und „danke“ sagen, gegenseitiger Respekt besteht, unabhängig vom Alter, dann ist ein entsprechendes Verhalten selbstverständlich und nichts Besonderes mehr.

2 Gedanken zu “„Sag schön bitte…“

  1. Hallo!

    Ich finde dies ein wirklich tolles und wichtiges Thema.

    Auf deine Frage, ob auch wir Erwachsenen immer bitte und danke sagen, kann ich voll Überzeugung sagen: JA! Wenn ich von meinem Kind etwas möchte, sage ich immer „bitte“ zu ihm und wenn ich etwas bekomme, ist das „Danke“ für mich selbstverständlich. Da denke ich gar nicht mehr darüber nach. Immerhin ist er genauso ein Mensch wie ich und verdient den gleichen Respekt. Außerdem haben wir Eltern/Erwachsenen eine Vorbildwirkung und aus diesem Grund gehört sich das einfach.

    Aber leider sehen das nicht alle Eltern/Erwachsenen so. Ich habe schon sehr oft mitbekommen dass Eltern dies nicht so handhaben und diese beiden Wörter ihren Kindern gegenüber vergessen.

    LG Melissa

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  2. Wenn ich meinem Hund etwas Besonderes gebe, sagt er auch nicht „Danke!“. Aber ich fühle, dass er dankbar ist. Genau so ist es bei den Kindern. Ein dankbares Lächeln eines schüchternen Kindes ist mehr als ausreichend.

    Eine Vorbildfunktion kann ich trotzdem haben: Wenn die Kinder etwas geschenkt bekommen, sage ich oft instinktiv „Danke!“, wenn sie es nicht tun.

    Da wir auf Augenhöhe kommunizieren, merke ich aber schon an, wenn es mir lange Zeit zu unhöflich zugeht. So wie ich auch Freunden oder dem Partner mitteilen würde, wenn es mir vorkommt, dass ich oder jemand anders mit zu wenig Respekt behandelt werde. Funktioniert bei uns gut. 🙂

    Gefällt 1 Person

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